Nur ein Prophet ist schwierig

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Islam und Christentum 43

Als wir vor Zeiten über die Annahme der Religion gesprochen haben, habe ich Dir aus Zeitgründen etwas verschwiegen. Als junger Bursche stand ich nämlich allen Ernstes vor der Frage, den Islam vielleicht anzunehmen oder nicht. Es war aber schon damals eigentlich unmöglich, und das aus einem Grund, der mit meinem Alter zu tun hatte. Es war nämlich die Zeit im Leben, in der man geneigt ist, sich für klüger zu halten, als man ist. Und als ich mir die Religion Deiner Väter angesehen habe, da konnte ich sie auf keinen Fall annehmen, weil ich mich selber für schlauer hielt als deren Gründer. Wenn man als junger Mensch eine Religion annehmen soll, dann muss man sie für schlauer als sich selbst halten. Junge Schüler wollen weise werden und schließen sich keinem Lehrer an, den sie für schwächer als sich selbst halten.

Der Stein des Anstoßes war ein Grund, den ich auch jetzt noch für problematisch halte. Nun weiß ich heute allerdings, dass ich nicht so schlau bin, wie ich damals dachte und lasse mich deshalb gern eines besseren belehren. Aber der Grund war das Alleinsein Mohammeds.

Unsere Bibel ist von vielen Leuten geschrieben worden. Allein die Berichte über das Leben und Sterben Jesu stammen aus mehreren Federn von verschiedenen Verfassern. Das hat den Vorteil eines Fahrzeuges mit vier Rädern. Geht eins verloren, dann landet der Karren noch lange nicht im Graben. Es lässt sich mit einem Rad weniger und einiger Vorsicht immer noch ganz passabel von A nach B kommen. Platzt einem aber das einzige Rad, auf dem man fährt, dann ist die ganze Tour zu Ende. Deshalb habe ich es für nicht sonderlich schlau gehalten, eine Religion, in deren Hände ich mein Schicksal legen sollte, auf ein solch unsicheres Bein eines einzigen Menschen zu stellen.

Ich verstand mit einem Mal die Aufregung, die in islamischen Gegenden hochkocht, wenn es um die Ehre des Propheten geht. Sollte es jemandem gelingen, seine Person unmöglich zu machen, so steht mit einem Mal die gesamte Religion in Gefahr ihrer völligen Auflösung. Plötzlich wurde mir klar, warum manchen Muslimen, mit denen ich sprach, so wichtig war, dass Mohammed ohne Sünde sein musste. Wer sündigt, der kann sich irren, und wer sich einmal irren kann, der kann zwei mal daneben liegen. Was ist die Religion wert, die ein einzelner Mann garantiert, der sich von uns nicht unterscheidet? Mohammed musste also ohne Sünde sein, um die Reinheit der Religion zu garantieren, die durch ihn in die Welt kommen sollte. Die Reinheit der göttlichen Schrift darf nicht mit einer einzigen, unreinen Feder geschrieben sein.

So wurden mir gleich meine heimischen Vorstellungen wieder warm und wie neu. Dort waren es wohl auch sündige Menschen, die geschrieben hatten. Es waren aber viele, die alle das gleiche erlebt, gesehen und gehört hatten. Es wird Dich wundern, aber die unzähligen Berichte in der Bibel über Jesus hier und da widersprüchlich sind. Es gibt leichte Unstimmigkeiten. Die Gegner unserer Religion greifen solche Widersprüche gern auf, um die Glaubwürdigkeit unserer Religion anzugreifen. Sie wissen nicht, dass die Macken im Evangelium die Glaubwürdigkeit überhaupt nicht berühren.

Wenn ein Mann berichtet, die Sonne habe an einem bestimmten Tag am Himmel getanzt, dann mag man ihm glauben oder nicht. Stellt sich heraus, der Mann war ein Spinner, dann geht man ungerührt zum nächsten Punkt der Tagesordnung weiter. Berichten aber zwanzig Leute von der gleichen Sache, dann macht einen das schon eher stutzig. Ist ein Spinner darunter, fällt das kaum ins Gewicht. Selbst wenn alle spinnen und unabhängig voneinander einigermaßen verschiedene Versionen vom tanzenden Stern erzählen, dann wird doch etwas mit der Sonne an diesem Tage nicht gestimmt haben. Grund genug jedenfalls, mal dort hin zu fahren, um genauer nach zu sehen. Ich würde einem Gott, der seine Botschaft in die Hände von zwanzig Spinnern legt, eher nachreisen, als einem, der sich einen einzigen Mann anvertraut, wer immer das auch sei. Es geht ja um die Sache selbst. Es geht nicht um die Boten, schon gar nicht um die Frage, ob sie das Spinnen nicht lassen können. Es geht auch nicht um die Schrift. Mag sie noch so heilig sein, sie ist es nur in dem Maß, wie das, wovon sie berichtet, heilig ist. Ein Rezept von gewöhnlichen Pflaumenkuchen braucht nichts Heiliges an sich haben. Pflaumenkuchen ist Pflaumenkuchen und nichts weiter. Eine Beschreibung aber, die mir den Weg zum Himmel zeigt, ist so heilig, wie der Himmel, den es mir weißt, mag sie auch voller Rechtschreibfehler sein.

Gibt’s doch nicht

Kennt Ihr das? Gerade gibt es im Fernseher ganz beiläufig eine alte, leise laufende, aber wohlbekannte Melodei, auf deren Namen gerade niemand kommt. Grrrrr!, ohne Angabe von Titel und Orchester! Das ist trgisch, Menno!, wo einem das Ding doch so auf der Zunge liegt. Lange nachdenken nutzt da gar nichts. Man muss warten und etwas Glück haben, bis es einem wieder in den Sinn kommt und herabsteigt sozusagen. Aaaah …! Jetzt muss nur noch der Interpret gefunden werden. Kleine Überraschung, aber schnell aufgetan:

PS: Das Präsentationsbild mit Humphrey und Ingrid passt leider überhaupt nicht zur Aufnahme.