Was könnte die Gnade sein?

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Jetzt können wir langsam über die Gnade reden. Auch wenn Du nicht so ein ausdrücklicher Christ bist, dessen Glaube das Leben verändert, so hast Du das Wort sicher schon öfter gehört. Es ist zugleich alt un , wie ich finde, aber sein Klang meint nicht immer schöne Sachen. Es wird gebraucht, wenn es Mächtige und weniger mächtige Leute gibt. Gnädig sein geht nämlich fast immer von oben nach unten. Einer ist der Gnädige, und der, der die Gnade bekommt, hat meistens nicht viel zu melden. Könige sind gnädig, Aufseher sind gnädig und Oberschurken von irgendwelchen kriminellen Gesellschaften sind gnädig.
Es gibt allerdings eine Ausnahme, wo Gnade nicht von oben nach unten gespendet wird, und das ist das menschliche Verzeihen. Verzeihen ist immer ein Akt der Gnade, denn der, der verzeihen kann (wenn er es denn kann), ist nie gezwungen. Es gibt keine Verzeihung, die nicht freien Willens geschieht, und der dem verziehen werden soll, der kann nur darum bitten. Ein König mag seinem Untertan den Kopf abschneiden lassen können. Dass er ihm verzeihe, darum kann auch er nur untertänig bitten.

Ich finde das Wort Gnade schön, weil ich gewohnt bin, es in schönen Zusammenhängen zu gebrauchen und zu hören. Es ist ein Wort aus meiner religiösen Überlieferung, und da ist das Oben weder böse, noch unheimlich, und schon gar nicht zum Fürchten. Es ist ein Oben, das nicht widerwillig verzeiht. In den Religionen hat man manchmal den Eindruck, als stehe man mit seiner Dummheit vor einem Kartenverkäufer, der seine Karten nicht rausrücken will. Nach christlicher Auskunft ist der Schöpfer jedoch wie einer, der uns über die Straße nachläuft, um sie uns in die Taschen zu schieben.

Vielleicht eine kurze, und wie ich meine, fast perfekte Definition der Gnade, die mein Lehrer mir einmal gegeben hat:

Gnade ist die persönliche Betroffenheit
von der Anwesenheit Gottes im eigenen Leben.

Eine kurze Definition, über die man allerdings länger reden muss. Wir müssen nämlich hinzu bedenken, was wir im Kapitel über das islamische Paradies gesagt haben: Die Gnade in der christlichen Bedeutung ist nicht nur etwas, was wir geschenkt bekommen, wie ein Essensgutschein, etwas Geld oder der Führerschein. All das ist hübsch, es verändert uns aber nicht. Wenn wir von der Gnade sprechen, dann müssen wir immer mit bedenken: Es ist etwas, das uns, meistens ganz sanft und meistens nur etwas, verändert. Die Gnade macht etwas für uns, und sie macht etwas mit uns.

Wir haben kurz über die Tugenden geredet. Was dabei noch kaum angeschnitten wurde, aber sehr wichtig ist: Es gibt nicht nur die vier aus der alten Philosophie: Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und das weise Maßhalten, sondern es gibt sieben. Es kommen drei religiöse hinzu, die der heilige Paulus im ersten Brief an die Korinther erwähnt, nämlich Glaube, Hoffnung und Liebe. Von diesen letzten dreien sagen die christlichen Bücher, sie würden uns ins Herz “gegossen”, sie seien ihrer Wurzel nach also reine Geschenke, Gnaden eben. Der glaube macht uns gläubig, die Hoffnun hoffnungsfroh und die Liebe macht uns lieb und liebenswert. Der christliche Realismus aber weiß, diese Dinge kann man sich irgendwie nicht selbst geben. Man kann sie auch nicht gut einüben. Es bedarf einer Gabe dazu und einer gewissen, inneren Bereitschaft, diese Gaben bekommen zu wollen.

Wie immer auch. Als ich beim heiligen Thomas begann, diese Dinge zu studieren, fiel mir auf, dass er das mit der Notwendigkeit, Geschenke zu bekommen, auch von den vier klassischen, menschlichen Eigenschaften annahm. Die klassiche, alte Philosophie hat nicht mit Gott gerechnet. Deshalb hieß es immer, wer ein guter Mensch sein wolle, der müsse sich diese Eigenschaften aneignen. Thomas widerspricht dem nicht. Er schieb allerdings einen Gedanken ein: Die Fähigkeit, auf Erden ein kluger Mensch zu sein, die kann man wohl einüben. Ganz besonders klug ist man aber erst, wenn man nicht aus den Augen verliert, dass man ganz am Ende einen hübschen Platz im Himmel bekommt. Deshalb gibt es auch eine Klugheit, die man nicht ohne den Glauben bekommen kann, und der ist ein Geschenk. Also müssen auch die Tugenden, wenn sie denn – im christlichen Sinn – wahrhafte Tugenden sein sollen, ihrer Wurzel nach Geschenke sein.

Jesus sagt im Johannesevangelium am Schluss, wo seine Jünger ein letztes Mal bei ihm sind, einen eigentümlichen Satz: Dieses Gebot gebe ich euch: “Liebet einander, wie ich euch geliebt habe.” Seit ich ein Thomasleser bin, glaube ich, das kann niemand, wenn er nicht mit der besonderen Liebe Gottes beschenkt wird. Wie er lieben heißt nämlich nicht nur, so wie wir, nur irgendwie fester oder intensiver. “Wie er” meint auch irgendwie anders als wir es, rein menschlich sozusagen gewohnt sind, eben wie er, der Gott und Mensch zugleich war und ist.
Ich meine, Liebe ist Liebe, aber wenn der Geist des Lieben Gottes uns, auf seinen Wunsch und unser Einverständnis hin, ein bisschen von seiner Liebe unter unsere spült, dann wird sie, um es einmal so zu sagen, irgendwie reiner.

Das Paradies der Moslems

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Vielleicht wäre es gar nicht so schlecht, in unserem Alltag öfter mal einer Gewohnheit zu folgen, die der heilige Thomas an sich hat: Er schaut immer erst auf die Ziele einer Sache. Du könntest manches Gespräch abkürzen, wenn Du wüsstest, was der, der mit Dir redet, eigentlich von Dir will.

Kennst Du das Ziel,
dann kennst Du oft die Sache.

In der alten Weisheit gibt es einen Spruch:

Was immer du tust,
tue es mit Bedacht
und bedenke das Ende.

Ich rede, wie Du ja weißt, viel mit Muslimen über ihre und meine Religion. Die meisten hätten natürlich gern, dass ich Muslim werde, wie ich es natürlich auch gern hätte, dass sie meinen Glauben verstehen und annehmen. Wenn mich einer fragte, warum ich kein Muslim werde, dann müsste ich um etwas Zeit bitten, mich genauer zu erklären. Ich könnte aber auch abkürzen und sagen, dass allein schon ihr Ziel nicht attraktiv für mich ist. Mein Ziel ist der Himmel nach katholischer Vorstellung. Ihr Ziel ist das Paradies, wie sie es mir schildern. Sie wollen natürlich gern hinein und manchmal kommen sie direkt ins Träumen, wenn sie davon sprechen. Sie können dann nur schwer verstehen, warum ich das gar nicht will: Ich habe kein Interesse, weil ich das Gefühl nicht los werde, dass es irgendwann uninterssant wird.

Geburtstag feiern ist schön, sowohl der achte, als auch der zwanzigste und sicher auch der neunzigste. Aber wenn es den neunhundertsten gäbe, dann würde es wohl doch etwas gleichförmig und langweilig. Was sollte man da erst mit dem zweihundertmillionsten anfangen? Die Spannung unseres ganzen Lebens, besonders auch das seiner Genüsse, lebt davon, begrenzt zu sein, und ich weiß nie, ob ich Leute beneiden soll, die für nichts auf der Welt sparen müssen.

Alles haben können
heißt alles haben,
wenn die Zeit dazu reicht.

Das Ding ist: Meine muslimischen Freunde stellen sich das Paradies vor wie eine ewige, fehlerlose Fortsetzung unserer Welt,  in der es den ganzen Tag Freuden regnet. Unsere Welt ist aber erst interessant, seit sie Fehler hat und die Freude unserer Freuden lebt davon, selten zu sein. Ist die Freude, die man vor den Ferien hat, nicht auch irgendwie wichtig? Und wären unsere Ferien überhaupt noch Ferien, wenn man nicht zur Schule müsste? Die Trinkgefäße des Paradieses sind aus Gold und Silber. Aber auch Gold und Silber ist nur Gold und Silber.

Du wirst Dich vielleicht jetzt fragen, ob der Himmel, auf den ich aus bin, nicht genau den gleichen Fehler hat? Auch er ist ewig, auch er heißt, Zusammenleben mit den Lieben von hier und auch er ist voller Freude. Das alles ist wahr. Die Hauptsache fehlt aber, und die kann uns kein Muslim der Welt anbieten, weil er sofort zum Gotteslästerer würde: Der Genuss, wie Gott ihn hat.

Ich habe mich im Nachdenken über meine Religion früher öfter gefragt, ob Gott nicht schrecklich langweilig sein muss. Die Antwort lautet natürlich nein, in Gott ist die Freude zwar ewig, sie bleibt aber auch ewig freudig. Die Antwort ist sicher richtig. Sie kann aber nur dann wahr sein, wenn Gott sich irgendwie anders freuen kann als wir. Der Schlüssel scheint mir in einer Tiefe der Liebe zu liegen, die uns nicht möglich ist. Uns wir alles langweilig, außer das, was wir lieb haben. Die Kleidung unserer Kinder wird langweilig, nie aber die Kinder. Die Kinder lieben wir, die Kleidung weniger. Uns wird alles langweilig, was wir aufhören lieb zu haben, und ewig lieben würde heißen müssen, dass die Liebe auf ewig lebendig bleibt. Das können wir uns nicht vorstellen, weil wir keine ewigen Wesen sind. Das heißt, damit uns der Himmel nicht langweilig wird, müssen wir in der Tat ein bisschen werden wie Gott. Oder besser gesagt, Gott muss uns ein bisschen in die Richtung verzaubern, wie er ist. Genau das steht, katholisch gesprochen, auf dem großen Plan, und genau da beginnt in den Augen meiner muslimischen Bekannten die Gotteslästerung.

Ich habe in der Vorbereitung auf mein Schreiben länger nachgeschlagen, was auf den muslimischen Seiten von Gott im Paradies zu lesen steht. Da stößt man häufig auf die interessante Frage, ob die Bewohner des Paradieses Allah sehen werden. Die Meinungen gehen da auseinander, aber es geht sozusagen maximal um das Sehen. Niemand stellt die Frage, ob die Bewohner des Paradieses ein wenig werden wie Gott. Das zu fragen wäre töricht und wenn man das an den falschen Orten tut, heben die Leute sofort irgendwelche Steine auf. Im katholischen Glauben ist aber genau das angesagt: Der Himmel ist kein Paradies! Der Himmel ist ein „Genuss Gottes“, wie Thomas oft sagt, und das heißt nicht nur ihn sehen und schmecken, sondern auch wie er sehen und schmecken. Ansonsten wäre der Himmel irgendwann nicht mehr zu ertragen, fürchte ich.

Der eigentliche Name Gottes

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Was denkst Du, wenn Du jemanden nach seinem Namen fragt, und der antwortet, er sei bei der Arbeit? Du wirst sagen, er hat Dir Deine Frage nicht beantwortet. Auf die Frage nach der Uhrzeit mit “Donnerstag” oder “Montag” antworten, beantwortet die Frage nicht. Wer so antwortet, der weicht aus.
Das gleiche dachte ich von Gott, den Mose am brennenden Dornbusch gefragt hat, wie er heiße. Dort hatte Gott “der ich bin da” geantwortet, und damit ist er ausgewichen. Das dachte ich jedenfalls immer, als ich nur die deutsche, gängige Übersetzung kannte, die immer in den Kirchen gelesen wird.
Die Leute, die es gut meinten, erklärten mir, die Antwort Gottes: “Ich bin der ich bin da” meinte so etwas wie “ich bin für euch da” oder “ich bin immer da”. Gott wolle uns durch Mose sagen lassen, dass er bei uns ist. Aber auch das konnte irgendwie nicht befrieden. Warum antwortet Gott an einer solch wichtigen Stelle mit einer halben Antwort und überlässt uns, die zweite Hälfte zu finden? Außerdem: Gerade, wenn jemand für mich da und mir somit ganz nahe ist, möchte ich wissen, mit wem ich es zu tun habe. Nun war das alles nicht so schlimm. Gott hatte genügend andere und hinreichende Antworten gegeben. Aber wirklich lieb konnte mir die Stelle in seiner deutschen Übersetzung nicht werden.

Das änderte sich, als ich die Bibel in Latein lesen konnte. Da stand plötzlich, der “ich bin, der ich bin” habe mit Mose gesprochen. Das endlich war ein Name! Man musste zwar über ihn nachdenken, es war aber einer, und wie man am besten drüber nachdenken konnte, dabei half mir der heilige Thomas.
Die Übersetzer hatten aus dem “ich bin, der, der ist” ein “ich bin da” gemacht. Damit hatten sie es sicher gut gemeint. Sie dachten vermutlich, den Ottonormalverbrauchern, wie wir sie sind, würde die Antwort nicht reichen. Sie scheint zunächst schließlich sehr unvollständig zu sein. Wenn jemand nur “ich bin” sagt, dann haben wir unwillkürlich das Gefühl, es kommt noch etwas. Entweder jemand ist groß oder klein, reich, arm, nett oder böse. Irgend etwas kommt nach dem “ich bin”. Aber gerade, dass da nichts weiter steht, ist für Thomas der eigentliche Clou. Es wird nämlich etwas angesprochen, was uns immer so selbstverständlich ist, dass wir glauben, es vergessen zu können.

Wenn einer sagt, er sei wütend, dann braucht er vorher nicht erwähnen, dass es ihn gibt. Es sagt auch niemand: “Grüß mir Deinen Mann, wenn er existiert”. Dass die Dinge sind, die wir sehen und hören, ist viel zu selbstverständlich, als dass wir drüber reden. Aber die Alten, die sich ihre Gedanken über solche Sachen gemacht haben, die waren immer der Meinung, das reine Dasein der Dinge, das sei das erste, was wir wahrnehmen, auch wenn wir nicht davon sprechen.
Wenn im dichten Nebel jemand auf uns zu kommt, dann sagen wir als erstes: “Da ist etwas”. Wenn es näher kommt, erkennen wir, dass es ein Mensch ist. Dann vielleicht am Gang oder an der Kleidung, dass es sich um unseren Nachbarn oder sonst jemanden handelt, den wir kennen. Der erste Ausruf lautet aber immer: “Da ist etwas!”, und das sagen wir nicht nur, wenn Menschen auf uns zukommen. Wenn eine Girfaffe durch den Nebel marschiert, sagen wir das genau so, wie wenn es ein Zug, ein Bus oder sonst etwas wäre. Als erstes also sehen wir das da etwas ist. Dann sehen wir sogleich seine Form und an ihr erkennen wir schon mehr.

Hier steigt der heilige Thomas sozusagen ein und sagt, im dem Namen “ich bin, der ich bin” ist außer dass er ist keine weitere Form genannt. Genau das sei der beste Name für ihn. Gott „ist“, und wir können ihn nicht auf eine weitere Form festnageln. Alle Dinge, die eine Form haben, können etwas werden. Sie können sich ändern, sie können sich ändern lassen. In ihnen kann etwas anfangen und aufhören. Das alles müssen wir in Gott ausschließen. Gott ist ewig, und wenn man so will, immer schon ganz fertig, und das eben in Ewigkeit, ohne es jemals nicht gewesen zu sein. Das ist dann auch ein weiterer Gedanke, der dem Gelehrten beim Gottesnamen einfällt: Er drücke, so Thomas, auch seine ewige Gegenwart aus. Im Namen „Ich bin“ ist keine Vergangenheit und keine Zukunft. Gott ist immer.

Zeus war kein Gott

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Mit den Göttern der Alten Griechen war es ein bisschen wie mit den Engeln. Zeus, Apollo, Minerva und Diana, um nur einige zu nennen, lebten auf dem Götterberg Olymp. Das heißt, sie gehörten als Bestandteile zum Ganzen der Welt. Es gab Pflanzen, Tiere, Menschen und die Götter eben auch. Göttlich hießen sie nur, weil sie Zauberkräfte hatten und nicht sterben konnten. Wegen ihrer Macht zählten sie nicht zur Menschenwelt. Sie standen drüber, auch wenn sie sie betreten und gleichsam mit ihr spielen konnten. In ihrer Unsterblichkeit und ihren Zauberkräften hoben sie sich ab.

Auch die Engel sind unsterblich. Auch sie gehören zum Ganzen der Schöpfung. Sie gehören wegen ihrer Körperlosigkeit nicht zur Menschenwelt und eigentlich auch nicht zum Universum der Planeten. Waffen können sie nicht verletzen und auch wenn ganze Galaxien in die Luft fliegen, macht ihnen das nichts. Dennoch gehören sie zum Ganzen der Schöpfung, und das ganz einfach, weil es sie gibt. Wir können die Engel freilich nicht göttlich nennen, weil wir diesen Namen für den, der absolut nicht zur Welt gehört und über aller Schöpfung steht, reserviert haben.

Engel sind in weit höherem Maße übernatürlich als wir. Bei uns sind es die Gedanken, Wünsche und Ideen. Wir können mit ihnen die Natur zwar gestalten und ändern, die Bindung an sie bleibt aber. Wir können die Natur zwar in Teilen überlisten, indem wir Geräte bauen, die unsere Körper schneller machen und fliegen lassen. Wir können sie aber nicht überwinden und loswerden, die Grenze ist der Körper, der uns bleibt und bindet.

Die Engel haben, wie gesagt, keine Körper, und man könnte meinen, sie sind dadurch völlig ungebunden. Aber auch sie können ihre Natur nicht loswerden, auch wenn die ganz anders ist. Alles, was es gibt, hat seine unüberwindbare Natur, und wenn man so möchte, gehört alles, was es gibt zum Gesamten der Weltnatur. Die Menschen besiedeln ihren Planeten, die Götter der Griechen konnten von ihrem Olymp nicht herunter und die Engel können aus sich selbst nicht heraus.

Es gab unter den Denkern der Alten Griechen, also lange vor Christus, bereits Leute, die sich Gedanken über die Herkunft und Bewegung der Welt gemacht haben. Einer von ihnen war der oft genannte Philosoph Aristoteles. Er meinte bereits, es müsse bei aller Vielfalt der Welt eigentlich doch noch eine Kraft und Macht geben, die sozusagen den ganzen Laden in Schwung hält; etwas, worauf alles aus ist und dem sich alles verdankt. Mit solchen Gedanken haben die Griechen in Ansätzen geahnt, was die Juden von ihrem Gott bereits wussten und was Christus mit seinen Informationen später bestätigt hat: Es gibt dieses Wesen, das einzig den Namen Gott tragen kann. Dieses Wesen ist allein in dem Maß übernatürlich, dass es in überhaupt keiner Weise ein Bestandteil der Welt sein kann. Vielmehr ist er ihr Schöpfer und Beweger aller Dinge. Dieser Schöpfer ist so anders als alles, was wir kennen, dass wir nicht einmal sagen können, wir würden uns eine Grenze mit ihm teilen.

In Sachen Engeln hatten wir gesehen, dass sie eine Explosion des Weltalls nicht berühren könnte. Von Gott können wir sagen, dass er für sich gesehen von überhaupt nichts beeinträchtigt werden kann. Wir wissen zwar, dass er sich berühren lässt, weil er uns das gesagt und gezeigt hat. Wir bleiben aber dabei, dass seine Erhabenheit unantastbar ist. Auch wenn es tausende, noch ganz andere Welten geben würde, was ja sei kann, auch über diesen allen würde er stehen, als der absolut eine, immer noch mal ganz andere. Gestatte mir, dass ich das im nächsten Kapitel kurz erkläre. Wir sollten nämlich noch einen weiteren Gedanken zur Natur und Übernatur betrachten, um besser darlegen zu können, was die Menschen und Engel brauchen, um am Ende vollendet werden zu können.