Überzeugung – Die Gabe der Erkenntnis

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Eine Katechese zur Firmung

Gehen wir einen Schritt weiter und kommen wir zur Gabe der Erkenntnis. Sie ist, wenn man so möchte, eine Partnerin der Einsicht, die wir schon hatten. Auch wieder kurz erklärt: Angenommen es gibt Dir einer in englischer Sprache die Auskunft, in fünf Minuten komme laut Zeitplan schon ein Bus, den Du nehmen willst. Die Einsicht vermittelt Dir, was er sagt. Du hast genügend Englisch gelernt und kannst seinen Worten ablesen, was er sagen will. Das ist das eine: Erkennen, was er sagt. Es gibt aber eine zweite Art Erkennen, die zum ganzen gehört. Wenn Du erfasst hast, was er sagt, musst Du noch erfassen, ob es auch wahr ist oder ob er Unsinn redet. Der Fahrplan und der Bus werden es Dir zeigen.
Die alten Theologen, die ihre Gedanken immer eingeteilt und geordnet haben, erkannten, es gibt immer diese beiden, ob im täglichen, praktischen Leben oder im geistigen, beschaulichen. Zum einen sollte man erkennen, was Sache ist, zum anderen, ob sie zutrifft. Das erste macht der Intellekt, das zweite die eigentliche Erkenntnis.

Wenn Dir jemand gesteht, dass er Dich lieb hat, dann hörst Du seine Worte und mit Deiner Intelligenz kannst Du sie verstehen. Die Botschaft kommt an, aber ob auch stimmt, was er sagt, das muss sich in der zweiten Erkenntnis zeigen. Du wirst es zum Beispiel daran sehen, wie er sich Dir gegenüber benimmt, wie sich zeigt und anfühlt, was er tut und weiterhin sagt.

Nun reden wir hier ja die ganze Zeit über die Gaben des Heiligen Geistes, und somit über die Religion und was sie mit uns zu tun hat. Auch da lässt sich unsere Schablone auf die Dinge legen, aber manchmal liegen hier die Dinge nicht ganz so eindeutig am Tage und wir brauchen Hilfe. Ich habe es in meinem Leben hier gerade mit einem jungen Freund zu tun, der, wie er sagt, an Gott glaubt. Er möchte hier und da, dass ich mit ihm drüber rede, weil er ein großes Interesse daran hat, wie ein Gläubiger Christ seinen Glauben glaubt und lebt. Er würde irgendwie auch gern glauben, aber das mit dem persönlichen Gott, wie wir ihn kennen, liegt ihm einigermaßen fern. 
Ich tue gern, was er wünscht und habe ihm schon des längeren unsere Lehre ausgebreitet. Er versteht die Worte. Er versteht, was ich sage, wenn ich darlege, Gott liebe seine Schöpfung, er kenne alles und jeden und habe ein wirkliches Interesse an uns und ihm. Er versteht auch, wenn ich ihm darlege, wie das mit der Menschwerdung war, wie das mit den Sakramenten ist und dem liebevollen Vater im Himmel. Er versteht, wie gesagt, denn er ist ein intelligenter Bursche. Ich kann ihm also alles darlegen, so genau wie er möchte und so genau wie ich kann. Aber ob auch stimmt, was ich meine, ob ich Recht habe mit dem, was ich glaube, das können meine Worte nicht vermitteln. Hier bräuchte er die Gabe der Erkenntnis. Um die kann man beten, und wenn der Schöpfer die Gabe allen anbietet, dann hat er auch Lust sie zu vergeben. Wann und wie ist seine Sache, aber was er wünscht, hat er uns kund getan. 
Der Gabe kommen natürlich einige Faktoren entgegen. Meine Glaubwürdigkeit, sein Vertrauen in meine Person als sein Freund, viele Zeugnisse kräftig gläubiger Christen und vieles mehr. Es kommt auch das eine oder andere von anderen Seiten, etwa seine eigenen Bedenken, die Muslime, die das alles mit der entgegenkommenden Liebe nicht glauben oder das Zeugnis der jüdischen Gemeinden, die wieder andere Standpunkte vertreten. Alles steht da, hoffentlich, ohne sich aufzudrängen und am Herzen dessen zu zerren, der sich da interessiert. Deshalb bin ich eher zur stillen und beschaulichen Weise geneigt und schlage vor, ein bisschen in die Stille oder mal allein spazieren zu gehen, die Dinge in Ruhe zu betrachten und zaghaft zu beten. Der, der alles weiß, möge uns Erkenntnis schenken und seine gute Wege führen. Die Gabe der Erkenntnis ist also in erster Linie eine Gabe der Beschaulichkeit, dann erst eine Anleitung zur Praxis. Zuerst möchten wir sehen, wo wir sind und was ist, wie es ist. Dann erst kommt der zweite Schritt, das losgehen und in die Tat umsetzen.

Die Gabe der Stärke

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Eine Katechese zur Firmung

Ein kleines Geständnis meinerseits. Ich bin etwas altbacken, was zum Beispiel den Gottesdienst angeht. Ich liebe die lateinische Sprache, weil ich sie ja jeden Tag lese, und so liebe ich auch die lateinische Messe und die alten Riten. Es gibt bei den sogenannten neueren Liedern, also bei denen, die meist von einer Band, als von einer Orgel begleitet werden aber eins, das mir ausnehmend gut gefällt. Vielleicht kennst Du es? Es heißt: Meine Zeit steht in Deinen Händen“, und ein paar Zeilen daraus sagen auch schon alles: „Du gibst Gebortenheit, Du kannst alles wenden, gib mir ein festes Herz, mach es fest in Dir“, und dann : „Nun kann ich ruhig sein in Dir.“
Mir kommt vor, als ob der Schreiber sich vorgenommen hat, ein Lied über die Gabe der Stärke zu schreiben.

Es ist, wie es dort gesungen wird: Die Gabe der Stärke gibt uns ein festes Herz, ein festes Herz im Vertrauen auf unseren Schöpfer. Weißt Du, wir können den lieben langen Tag jede Menge Sachen aufzählen, bei denen wir Grund haben, uns auf uns selbst verlassen zu können. „Vertrau mir, ich mache das schon“, sagen die Eltern ihren Kindern. Das sagen Freunde untereinander und immer da, wo man etwas drauf hat und gut kann. Es gibt aber auch eine ganze Menge Dinge, von denen wir nicht wissen, wie sie laufen werden. Die komplette Zukunft steht vor uns und wir wissen nicht, wie sie sich entwickelt, ob unsere Mittel reichen, ob alles klar und gut geht, ob und wie wir am Ende aussehen werden.
Hier verschafft uns die Gabe der Stärke ein festes Herz im Wissen, dass da ein Gott ist, der es gut mit uns meint, der größtes Interesse hat, dass alles am Ende gut mit uns wird und der die Mittel hat, es ins Werk zu setzen. 
Deshalb sagt uns die alte Lehre, die Gabe der Stärke sei eine doppelte. Sie gebe uns ein starkes Herz und zugleich Zuversicht und Vertrauen.

Klug sein und die Gabe des Rates

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Eine Katechese zur Firmung

Die sogenannte „Gabe des Rates“ müssen wir kurz um die Ecke besprechen. Das heißt, wir müssen erst eine andere Angelegenheit beleuchten, um dann auf die eigentliche Gabe zu kommen. Diese andere Sache heißt Klugheit. Unser Lehrer Thomas sagt nämlich, die Gabe des Rates entspreche der Klugheit, bzw. sie liege mit ihr auf einer Linie, und was mit Klugheit gemeint ist, das sollten wir uns in einem kleinen Schlenker anschauen.

Wenn von einem klugen Kind die Rede ist, weiß jeder, was gemeint ist: Ein Kind, das gut lernen kann und in seinem Leben gut über die Runden kommt. Eine kluge Antwort ist schnell und gut durchdacht, ein kluger Einwand ist gewitzt und passend.
Das ist sicher alles richtig, es ist aber keine Definition von Klugheit dabei, sondern eher nur Beispiele. 
Wenn ich in der Schule gefragt hätte, was klug heißt, dann hätten die Schüler so ziemlich alle mit: „Klug ist, wenn zum Beispiel jemand…“ und dann hätten sie sicher richtige Situationen aufgezählt. Schüler definieren ihre Sachen aber nicht, sie fangen gleich mit Beispielen an. In einer Definition aber geht den Beispielen immer ein Satz voraus, der die Sache – ohne Beispiele – umreißt. Die Beispiele kommen dann erst.

Ich versuche eine Definition der Klugheit. Klug ist jemand, der im praktischen Leben immer gleich weiß was Sache ist und was man am besten tut. Dann kommen Beispiele. Klug ist ein Schüler, der am Pfeifen auf dem Gang seinen Lehrer erkennt und der gleich weiß, es ist besser, sich zu setzen und lernbegierig drein zu schauen. Klug ist ein Lehrer, der seinen Schülern nicht zu viel und nicht zu wenig Hausaufgaben aufgibt. Klug ist ein Fußgänger, der erkennt und erfasst, wann es ratsam ist oder nicht, die Straße zu überqueren. Die Klugheit ist eine praktische Fähigkeit der Erkenntnis. Somit ist sie die Voraussetzung für viele andere Fähigkeiten, denn wer nicht gut erkennen kann, was Sache ist, der wird mit vielen Dingen seine Schwierigkeiten haben.

Wenn wir nun zur Gabe des Rates gehen, dann können wir, etwas lapidar sagen, die Gabe des Rates bedeutet, dass uns der Heilige Geist schon mal selber sagt, was klug ist, und zwar, wenn wir selber nicht hätten drauf kommen können.
Eins will die Gabe des Rates sicher nicht. Sie will uns nicht die Notwendigkeit nehmen, selber klug zu sein im Leben. Was die ganz normale Klugheit im Alltag angeht, müssen wir schon noch selber sehen und uns selber mühen. Es kann aber sein, dass wir im Hinblick auf den Lieben Gott nicht wissen können, was wirklich klug ist.

Stellen wir uns ein Schachspiel vor. Da macht jemand einen Zug und ahnt, was sein Gegner daraufhin tun wird. Gute Schachspieler können einen Zug weiter denken und im Voraus ahnen. Sie können ihren Gegner so in Fallen locken und überlisten. Richtig gute Schachspieler können noch einen Zug mehr voraus planen, ich weiß nicht, wie weit das geht. Das ganze Spiel aber hat niemand im Kopf, Gott aber hat diese Fähigkeiten. Wenn wir ihn, also Gott, fragen, dann erkundigen wir uns immer bei einem, der die ganzen Spiele im Kopf hat und uns sagen könnte, was im Hinblick auf die letzten Züge oder überhaupt aufs Ganze gesehen, wirklich das Klügere sei. Die Gabe des Rates in der Firmung will also meinen, dass der Schöpfer Lust und beschlossen hat, uns hier und da schon mal viel klüger zu beraten, als wir selbst, das Leben und die Welt es könnte.