Die Gabe der Stärke

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Eine Katechese zur Firmung

Ein kleines Geständnis meinerseits. Ich bin etwas altbacken, was zum Beispiel den Gottesdienst angeht. Ich liebe die lateinische Sprache, weil ich sie ja jeden Tag lese, und so liebe ich auch die lateinische Messe und die alten Riten. Es gibt bei den sogenannten neueren Liedern, also bei denen, die meist von einer Band, als von einer Orgel begleitet werden aber eins, das mir ausnehmend gut gefällt. Vielleicht kennst Du es? Es heißt: Meine Zeit steht in Deinen Händen“, und ein paar Zeilen daraus sagen auch schon alles: „Du gibst Gebortenheit, Du kannst alles wenden, gib mir ein festes Herz, mach es fest in Dir“, und dann : „Nun kann ich ruhig sein in Dir.“
Mir kommt vor, als ob der Schreiber sich vorgenommen hat, ein Lied über die Gabe der Stärke zu schreiben.

Es ist, wie es dort gesungen wird: Die Gabe der Stärke gibt uns ein festes Herz, ein festes Herz im Vertrauen auf unseren Schöpfer. Weißt Du, wir können den lieben langen Tag jede Menge Sachen aufzählen, bei denen wir Grund haben, uns auf uns selbst verlassen zu können. „Vertrau mir, ich mache das schon“, sagen die Eltern ihren Kindern. Das sagen Freunde untereinander und immer da, wo man etwas drauf hat und gut kann. Es gibt aber auch eine ganze Menge Dinge, von denen wir nicht wissen, wie sie laufen werden. Die komplette Zukunft steht vor uns und wir wissen nicht, wie sie sich entwickelt, ob unsere Mittel reichen, ob alles klar und gut geht, ob und wie wir am Ende aussehen werden.
Hier verschafft uns die Gabe der Stärke ein festes Herz im Wissen, dass da ein Gott ist, der es gut mit uns meint, der größtes Interesse hat, dass alles am Ende gut mit uns wird und der die Mittel hat, es ins Werk zu setzen. 
Deshalb sagt uns die alte Lehre, die Gabe der Stärke sei eine doppelte. Sie gebe uns ein starkes Herz und zugleich Zuversicht und Vertrauen.

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Klug sein und die Gabe des Rates

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Eine Katechese zur Firmung

Die sogenannte „Gabe des Rates“ müssen wir kurz um die Ecke besprechen. Das heißt, wir müssen erst eine andere Angelegenheit beleuchten, um dann auf die eigentliche Gabe zu kommen. Diese andere Sache heißt Klugheit. Unser Lehrer Thomas sagt nämlich, die Gabe des Rates entspreche der Klugheit, bzw. sie liege mit ihr auf einer Linie, und was mit Klugheit gemeint ist, das sollten wir uns in einem kleinen Schlenker anschauen.

Wenn von einem klugen Kind die Rede ist, weiß jeder, was gemeint ist: Ein Kind, das gut lernen kann und in seinem Leben gut über die Runden kommt. Eine kluge Antwort ist schnell und gut durchdacht, ein kluger Einwand ist gewitzt und passend.
Das ist sicher alles richtig, es ist aber keine Definition von Klugheit dabei, sondern eher nur Beispiele. 
Wenn ich in der Schule gefragt hätte, was klug heißt, dann hätten die Schüler so ziemlich alle mit: „Klug ist, wenn zum Beispiel jemand…“ und dann hätten sie sicher richtige Situationen aufgezählt. Schüler definieren ihre Sachen aber nicht, sie fangen gleich mit Beispielen an. In einer Definition aber geht den Beispielen immer ein Satz voraus, der die Sache – ohne Beispiele – umreißt. Die Beispiele kommen dann erst.

Ich versuche eine Definition der Klugheit. Klug ist jemand, der im praktischen Leben immer gleich weiß was Sache ist und was man am besten tut. Dann kommen Beispiele. Klug ist ein Schüler, der am Pfeifen auf dem Gang seinen Lehrer erkennt und der gleich weiß, es ist besser, sich zu setzen und lernbegierig drein zu schauen. Klug ist ein Lehrer, der seinen Schülern nicht zu viel und nicht zu wenig Hausaufgaben aufgibt. Klug ist ein Fußgänger, der erkennt und erfasst, wann es ratsam ist oder nicht, die Straße zu überqueren. Die Klugheit ist eine praktische Fähigkeit der Erkenntnis. Somit ist sie die Voraussetzung für viele andere Fähigkeiten, denn wer nicht gut erkennen kann, was Sache ist, der wird mit vielen Dingen seine Schwierigkeiten haben.

Wenn wir nun zur Gabe des Rates gehen, dann können wir, etwas lapidar sagen, die Gabe des Rates bedeutet, dass uns der Heilige Geist schon mal selber sagt, was klug ist, und zwar, wenn wir selber nicht hätten drauf kommen können.
Eins will die Gabe des Rates sicher nicht. Sie will uns nicht die Notwendigkeit nehmen, selber klug zu sein im Leben. Was die ganz normale Klugheit im Alltag angeht, müssen wir schon noch selber sehen und uns selber mühen. Es kann aber sein, dass wir im Hinblick auf den Lieben Gott nicht wissen können, was wirklich klug ist.

Stellen wir uns ein Schachspiel vor. Da macht jemand einen Zug und ahnt, was sein Gegner daraufhin tun wird. Gute Schachspieler können einen Zug weiter denken und im Voraus ahnen. Sie können ihren Gegner so in Fallen locken und überlisten. Richtig gute Schachspieler können noch einen Zug mehr voraus planen, ich weiß nicht, wie weit das geht. Das ganze Spiel aber hat niemand im Kopf, Gott aber hat diese Fähigkeiten. Wenn wir ihn, also Gott, fragen, dann erkundigen wir uns immer bei einem, der die ganzen Spiele im Kopf hat und uns sagen könnte, was im Hinblick auf die letzten Züge oder überhaupt aufs Ganze gesehen, wirklich das Klügere sei. Die Gabe des Rates in der Firmung will also meinen, dass der Schöpfer Lust und beschlossen hat, uns hier und da schon mal viel klüger zu beraten, als wir selbst, das Leben und die Welt es könnte.

Vorurteile – Die Gabe der Einsicht, Teil 2

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Eine Katechese zur Firmung

Was wir hier mit Einsichten meinen, sind Sachen, über die man in der Regel sagt, sie leuchten einem ein. Es leuchtet einfach ein, dass man das Schwache schützt und Kindern nichts tut. Wenn der Heilige Geist uns mit Einsichten beschenkt, dann gehört da unter Umständen etwas zweites zu, damit die Einsichten überhaupt möglich werden. Um richtige Einsichten geben zu können, müssen zuvor schon mal Vorurteile, die nicht stimmen, aus dem Weg geräumt werden. Deshalb sagen die großen Lehrer unserer Kirche schon mal, zur Gabe der Einsicht gehöre auch eine Art Reinigung des Herzens, die der Geist vornimmt.

Was Vorurteile angeht, hört man schon mal sagen, man dürfe eigentlich keine haben. Ich glaube das nicht, und ich glaube nicht einmal, dass man keine haben kann. Jeder hat Vorurteile und jeder soll die seinen haben dürfen. Der Volksmund sagt schon mal, der erste Eindruck sei oft der richtige. Daran ist sicher viel, aber der erste Eindruck ist immer ein Vorurteil. Man begegnet einem Menschen zum ersten Mal und findet ihn gleich sympathisch. Das ist genau so ein Vorurteil, wie wenn man jemanden auf den ersten Blick lieber nicht über den Weg traut. Man bildet sich die ersten, schnellen Urteile zum eigenen Schutz, eben, um nicht auf den nächstbesten Scharlatan herein zu fallen. Vorurteile können also wichtig sein, entscheidend ist nur, sie nicht wie Sicherheiten zu behandeln.

Wenn wir an unseren Vorurteilen hängen, wie ein Dieb an seiner Beute, dann müssen wir uns den Vorwurf gefallen lassen, unbelehrbar zu sein. Sich vom Leben und klugen  oder lieben Leuten etwas sagen lassen, gehört schon immer zu den hohen Tugenden und besonders guten menschlichen Eigenschaften. Wer bereit ist, sich belehren zu lassen, dessen Vorurteile sitzen sozusagen locker und hat Lust, berichtigt zu werden.
Übrigens, das vermutlich beste Mittel gegen falsche Vorurteile ist die Begegnung mit der Realität. Ein Mensch, der etwas gegen Eskimos hat, der fährt am besten mal nach Grönland, um welche kennenzulernen. Wer Italiener nicht mag, begibt sich am besten mal nach Neapel oder Mailand. Er wird dann schon merken, was für ein liebes Volk ihm da entgegen kommt.
Wenn Du aber den Heiligen Geist auf Deiner Seite hast, dann brauchst Du nicht zu reisen.

Die Gabe der Einsicht

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Eine Katechese zur Firmung

Mir fällt auf, je einfacher die Wörter sind, mit denen wir reden, oder besser gesagt, je selbstverständlicher sie scheinen, desto länger muss ich manchmal über sie nachdenken; oft, ohne sie wirklich ganz verstehen zu können. Heute ist die zweite der sieben Gaben des Heiligen Geistes an der Reihe. Sie heißt die Gabe der Einsicht, und das Wort „Einsicht“ ist so eins von der Sorte. Ich meine, wenn ein Beamter sagt, er habe noch keine Einsicht in die Akte von Herrn Soundso gehabt, dann hat er einfach noch nicht in ihnen Lesen können. Die Sache ist ziemlich klar. Aber eine Einsicht in eine Sache haben kann ein Vorgang sein, der etwas anderes ist, als seine Zeit damit zu verbringen, Akten zu wälzen.
Wenn Dir jemand eine Torte vorsetzt, die in einige Stücke geschnitten ist und Dich bittet, ihm zu sagen, um wie viele es sich handelt, dann zählst Du kurz und kannst antworten. Du hast gezählt oder gerechnet. Man würde aber nicht sagen, Du hast eingesehen, dass es zwölf Stücke waren.
Stellt Dir aber jemand eine ganze Torte vor die Augen und daneben ein einzelnes Stück, dann weißt Du sofort, so genau und sebstverständlich, dass die ganze Torte größer ist, dass niemand ein Wort darüber zu verlieren bräuchte. Dass ein Teil kleiner ist als ein Ganzes, das sieht man gleich ein. Es braucht da kein Überlegen und rechnen, man weiß es,eben, weil man es einsieht.
Dass man einen anderen Menschen nicht grundlos ohrfeigt, sieht auch jeder ein. Man muss da nichts erklären, und wer das nicht einsieht, dem ist mit Belehrungen nicht zu helfen, der hat irgendwo einen Fehler im System. Einsicht ist Einsicht. Man hat sie oder man hat sie nicht. Immer wenn ich über die Gabe der Einsicht nachdenke, dann meine ich, sie muss irgendwie von dieser Art sein.

Übrigens, wann immer ich mir wünsche, ein Mensch, den ich mag, möge zum guten Glauben finden, dann halte ich es für das Sinnvollste, Gott um die Gabe der Einsicht in seinem Herzen zu bitten. Logische Argumente sind wichtig und hilfreich. Sie können viel vermitteln und viel aus dem Weg räumen, aber eine wirkliche Einsicht können sie nicht geben. Die Bitte um Einsicht wünscht sich, dass jemand einfachhin weiß, was ist, wie es ist.
Wirkliche Einsichten kann uns auch keiner ausreden. Dass man unschuldige Leute nicht ohrfeigt und das Teile kleiner sind, als das Ganze, kann man gar nicht diskutieren. Man kann wohl eine Menge drüber sagen, aber niemand kann drüber verhandeln.

Im Moment wird relativ viel über die Bibel gesprochen, weil sehr viel über den Koran geredet wird. Wenn jemand sagt, im Koran stünden schlimme Sachen, dann kommt sicher einer um die Ecke und sagt, mit der Bibel sei es nicht viel anders. Wir nennen die Bibel das Wort Gottes, meinen es aber anders, als die Muslime, wenn sie ihren Koran Gottes Wort nennen. Für uns ist das eigentliche Wort Jesus, und die Bibel ist das Buch, das von ihm handelt. Das zum Teil Sachen darin stehen, die uns nicht behagen, ist nicht sonderlich schlimm, denn verstehen kann nur jeder, was er verstehen soll, wenn er vom Geist Gottes mit der Gabe der Einsicht beschenkt wird. Ist das der Fall, dann wird er auch die unbequemen Teile richtig einzuordnen wissen. Die Bibel ist mit Hilfe des Geistes geschrieben und zusammengestellt worden. Dann sollte sie auch im selben Geist gelesen werden.