Vorurteile – Die Gabe der Einsicht, Teil 2

Bildschirmfoto 2016-07-01 um 08.58.08

Eine Katechese zur Firmung

Was wir hier mit Einsichten meinen, sind Sachen, über die man in der Regel sagt, sie leuchten einem ein. Es leuchtet einfach ein, dass man das Schwache schützt und Kindern nichts tut. Wenn der Heilige Geist uns mit Einsichten beschenkt, dann gehört da unter Umständen etwas zweites zu, damit die Einsichten überhaupt möglich werden. Um richtige Einsichten geben zu können, müssen zuvor schon mal Vorurteile, die nicht stimmen, aus dem Weg geräumt werden. Deshalb sagen die großen Lehrer unserer Kirche schon mal, zur Gabe der Einsicht gehöre auch eine Art Reinigung des Herzens, die der Geist vornimmt.

Was Vorurteile angeht, hört man schon mal sagen, man dürfe eigentlich keine haben. Ich glaube das nicht, und ich glaube nicht einmal, dass man keine haben kann. Jeder hat Vorurteile und jeder soll die seinen haben dürfen. Der Volksmund sagt schon mal, der erste Eindruck sei oft der richtige. Daran ist sicher viel, aber der erste Eindruck ist immer ein Vorurteil. Man begegnet einem Menschen zum ersten Mal und findet ihn gleich sympathisch. Das ist genau so ein Vorurteil, wie wenn man jemanden auf den ersten Blick lieber nicht über den Weg traut. Man bildet sich die ersten, schnellen Urteile zum eigenen Schutz, eben, um nicht auf den nächstbesten Scharlatan herein zu fallen. Vorurteile können also wichtig sein, entscheidend ist nur, sie nicht wie Sicherheiten zu behandeln.

Wenn wir an unseren Vorurteilen hängen, wie ein Dieb an seiner Beute, dann müssen wir uns den Vorwurf gefallen lassen, unbelehrbar zu sein. Sich vom Leben und klugen  oder lieben Leuten etwas sagen lassen, gehört schon immer zu den hohen Tugenden und besonders guten menschlichen Eigenschaften. Wer bereit ist, sich belehren zu lassen, dessen Vorurteile sitzen sozusagen locker und hat Lust, berichtigt zu werden.
Übrigens, das vermutlich beste Mittel gegen falsche Vorurteile ist die Begegnung mit der Realität. Ein Mensch, der etwas gegen Eskimos hat, der fährt am besten mal nach Grönland, um welche kennenzulernen. Wer Italiener nicht mag, begibt sich am besten mal nach Neapel oder Mailand. Er wird dann schon merken, was für ein liebes Volk ihm da entgegen kommt.
Wenn Du aber den Heiligen Geist auf Deiner Seite hast, dann brauchst Du nicht zu reisen.

Advertisements

Die Gabe der Einsicht

Bildschirmfoto 2016-07-01 um 08.58.08

Eine Katechese zur Firmung

Mir fällt auf, je einfacher die Wörter sind, mit denen wir reden, oder besser gesagt, je selbstverständlicher sie scheinen, desto länger muss ich manchmal über sie nachdenken; oft, ohne sie wirklich ganz verstehen zu können. Heute ist die zweite der sieben Gaben des Heiligen Geistes an der Reihe. Sie heißt die Gabe der Einsicht, und das Wort „Einsicht“ ist so eins von der Sorte. Ich meine, wenn ein Beamter sagt, er habe noch keine Einsicht in die Akte von Herrn Soundso gehabt, dann hat er einfach noch nicht in ihnen Lesen können. Die Sache ist ziemlich klar. Aber eine Einsicht in eine Sache haben kann ein Vorgang sein, der etwas anderes ist, als seine Zeit damit zu verbringen, Akten zu wälzen.
Wenn Dir jemand eine Torte vorsetzt, die in einige Stücke geschnitten ist und Dich bittet, ihm zu sagen, um wie viele es sich handelt, dann zählst Du kurz und kannst antworten. Du hast gezählt oder gerechnet. Man würde aber nicht sagen, Du hast eingesehen, dass es zwölf Stücke waren.
Stellt Dir aber jemand eine ganze Torte vor die Augen und daneben ein einzelnes Stück, dann weißt Du sofort, so genau und sebstverständlich, dass die ganze Torte größer ist, dass niemand ein Wort darüber zu verlieren bräuchte. Dass ein Teil kleiner ist als ein Ganzes, das sieht man gleich ein. Es braucht da kein Überlegen und rechnen, man weiß es,eben, weil man es einsieht.
Dass man einen anderen Menschen nicht grundlos ohrfeigt, sieht auch jeder ein. Man muss da nichts erklären, und wer das nicht einsieht, dem ist mit Belehrungen nicht zu helfen, der hat irgendwo einen Fehler im System. Einsicht ist Einsicht. Man hat sie oder man hat sie nicht. Immer wenn ich über die Gabe der Einsicht nachdenke, dann meine ich, sie muss irgendwie von dieser Art sein.

Übrigens, wann immer ich mir wünsche, ein Mensch, den ich mag, möge zum guten Glauben finden, dann halte ich es für das Sinnvollste, Gott um die Gabe der Einsicht in seinem Herzen zu bitten. Logische Argumente sind wichtig und hilfreich. Sie können viel vermitteln und viel aus dem Weg räumen, aber eine wirkliche Einsicht können sie nicht geben. Die Bitte um Einsicht wünscht sich, dass jemand einfachhin weiß, was ist, wie es ist.
Wirkliche Einsichten kann uns auch keiner ausreden. Dass man unschuldige Leute nicht ohrfeigt und das Teile kleiner sind, als das Ganze, kann man gar nicht diskutieren. Man kann wohl eine Menge drüber sagen, aber niemand kann drüber verhandeln.

Im Moment wird relativ viel über die Bibel gesprochen, weil sehr viel über den Koran geredet wird. Wenn jemand sagt, im Koran stünden schlimme Sachen, dann kommt sicher einer um die Ecke und sagt, mit der Bibel sei es nicht viel anders. Wir nennen die Bibel das Wort Gottes, meinen es aber anders, als die Muslime, wenn sie ihren Koran Gottes Wort nennen. Für uns ist das eigentliche Wort Jesus, und die Bibel ist das Buch, das von ihm handelt. Das zum Teil Sachen darin stehen, die uns nicht behagen, ist nicht sonderlich schlimm, denn verstehen kann nur jeder, was er verstehen soll, wenn er vom Geist Gottes mit der Gabe der Einsicht beschenkt wird. Ist das der Fall, dann wird er auch die unbequemen Teile richtig einzuordnen wissen. Die Bibel ist mit Hilfe des Geistes geschrieben und zusammengestellt worden. Dann sollte sie auch im selben Geist gelesen werden.

Weisheit

Bildschirmfoto 2016-07-01 um 08.58.08

Eine Katechese zur Firmung

In Deiner Heimatstadt Bochum wohnt mein liebster Freund. Er ist Polizist dort und wird immer gerufen, wenn irgendwo etwas nicht in Ordnung scheint oder eine Lage aus dem Ruder läuft. Polizisten müssen Ordnung schaffen. Wenn mein Freund an einen seiner Einsatzorte kommt, dann braucht er viele, einzelne Fähigkeiten, die Dinge wieder ins Lot zu bringen. Er muss mit Leuten reden und ihre Anliegen verstehen können. Er braucht Fähigkeiten, mit den technischen Geräten umzugehen, er muss kämpfen und im Team arbeiten können. Das alles sind vielfältige Tätigkeiten, aber er braucht für seinen Job kein Wissen darüber hinaus.
Wenn ein Dachdecker an eine Baustelle kommt, dann muss er wissen, wie man dort die Dächer deckt. Er muss aber nicht wissen, wie viele Kabel der Elektriker später braucht. Das muss nur der wissen, der den Überblick über den ganzen Bau hat. Ein Matrose, der die Segel setzt, muss nicht den Reiseplan im Kopf haben. Es reicht, wenn er tut, was ihm aufgetragen wird. Der Kapitän aber braucht den ganzen Überblick.

Wenn wir über Weisheit sprechen, dann meinen wir das ungefähr so. Wer weise ist, der weiß nicht nur, dass er auf einem Schiff fährt, er weiß auch, wohin die Reise geht und wozu er unterwegs ist. Christlich gesprochen ist weise, wer um die Dinge Bescheid weiß, die mit Gott, dem ewigen Leben, seinen persönlichen, größten Zielen und somit über den eigentlichen Sinn seines Lebens Bescheid weiß. Schlau ist jemand, der im Leben weiß, wie man sich durchschlägt. Intelligent ist jemand, der nicht oberflächlich ist und in den Dingen des Lebens lesen kann. Weise ist dagegen, wer sich über die letzten und somit wichtigsten Angelegenheiten im Klaren ist.

Wir reden hier über die Weisheit als eine Gabe, ein Geschenk aus Gottes Hand. Ohne, dass Gott uns die Weisheit schenkt, können wir sie gar nicht erlangen. Wir wüssten, wie schon gesagt, gar nicht, dass Gott drei in eins ist, wenn er uns dieses Wissen nicht geschenkt hätte. Jesus hat gesagt: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten, wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.“ Er hat auch „niemand komm zum Vater, es sei denn durch mich“, gesagt. Wir wüssten das alles nicht, wenn er nicht gekommen wäre, es uns zu sagen. Sein Kommen und was er getan hat, war nicht nur eine großangelegte Rettungsaktion, es war auch ein Weg, uns Weisheit zu verschaffen.

Von der Last und der Lust

Bildschirmfoto 2016-07-01 um 08.58.08

Eine Katechese zur Firmung

Als ich neun Jahre war, fing ich an, Klarinette zu spielen. Ich muss mir das irgendwie gewünscht haben, denn sonst hätte meine Eltern den Unterricht nicht organisiert, den ich jetzt bekam. Damals hieß es, einmal die Woche ist Unterricht und ansonsten muss man jeden Tag eine Stunde daheim üben, ansonsten macht es wenig Sinn. Das Ziel war, nach etwa drei Jahren lernen und üben im kleinen Orchester am Ort mit spielen zu können, das damals schon gar nicht so schlecht war, glaube ich. Wir legten also los. Ein Freund von mir aus dem Dorf und ich bekamen Unterricht und unsere Eltern versuchten dafür zu sorgen, dass wir auch jeden Tag unser Stündchen übten. Wir bekamen Unterricht im Notenlesen, in Harmonielehre und was dazu gehört, vor allem aber die ersten Schritte am Instrument beigebracht. Du kannst Dir denken, das schwerste war es, sich jeden Tag allein hinter den Notenständer zu setzen und die langweiligen Tonleitern zu üben. Aber mit der Zeit lief es, wir wurden leichter am Instrument, das Spielen ging uns mit den Monaten und Jahren in Fleisch und Blut über und mit der Zeit wurden aus zwei kleinen Jungen zwei kleine Klarinettisten, wobei ich nicht sagen kann, ob wir besonders gut waren. Das Ding ist aber, zuerst ist es sehr mühsam und alles geht steif und ungeübt. Mit der Zeit aber geht es. Man bekommt Lust am Spiel, alles wird viel leichter und sobald man irgendwo ein Instrument liegen sieht, hat man Lust, sein Können auf ihm zu zeigen und zu erweitern.

Für dieses sofort und gern spielen wollen haben die Lateiner ein kleines Wort, und das heißt „prompte“. Du kennst das vielleicht aus der etwas älteren, deutschen Sprache, etwa, wenn jemand sagt, eine Sache wird „prompt“ erledigt. „Prompt“ meint dann nicht nur, sofort oder schnell, sondern auch gern und leicht von der Hand gehend. Man sagt, jemand, der ein Instrument beherrscht, spielt es „im Schlaf“. Auch das meint, leicht, sicher und vor allem gern. Was man gut kann, das zeigt man eben gern.

Du fragst Dich sicher, warum ich das alles hier erzähle. Mein Thema von heute muss ich etwa so einleiten. Die Lehrer in der Theologie haben in der Regel in Latein geschrieben, und die sagen, Gott beschenkt uns mit seinen Gaben, damit wir seine Gebote „prompt“ erfüllen. Das meint, der Schöpfer gibt uns nicht nur Gebote und Ratschläge. Er gibt uns auch die Mittel, gern und leicht danach zu leben.
In der Zeit, als wir Klarinette lernten, mussten wir in der Küche unserer Mutter nach jeder Mahlzeit das gespülte Geschirr abtrocknen. Du kannst Dir denken, dass wir das nicht gern getan haben. Wir haben uns gedrückt, wann und wo wir nur konnten. Aber glaubst Du mir, dass man es später, wenn man verliebt war und seine eigene Küche hatte, mit Freude erledigt hat? Was vorher eine Last war, das kann einem zur Lust werden, es müssen sich nur die Umstände ändern. In diesem Sinn sagen die alten Meister, Gott legt uns gewisse Gaben ins Herz, dass aus der Last der Gebote eine Lust wird, sie zu betrachten und zu halten.