Wie ich das liebe!

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Abendmusik

Heute war wegen meiner Jobs nicht viel los auf dem Blog. Aber eine Abendmusik muss drinsitzen. Heute mal wieder mit meinem alten Liebling, Bird Parker. Und dazu noch eins meiner liebsten Stücke, das ich in etwas anders abgemischter Form hier schon mal gebloggt habe: Bird of Paradise. Wenn ich mich nicht täusche, dann ist der Trompeter mit dem wunderbaren Solo Miles Davis.
Ich erinnere mich, dass ich solche Musik früher ganz schrecklich fand. Man geht wohl seine Zeit durch die musikalische Welt, bis man diese virtuose und komplizierte Weise schätzt. Mir ist es jedenfalls so gegangen. Heute liebe ich Bird ohne Gleichen, und ganz besonders dieses hübsche Stück von ihm. Mir gefällt besonders auch der rythmische Teppich, den der Bassist und der Schlagzeuger legen, auf dem dann die Solisten zeigen können, was sie drauf haben. Ja, türlich ist das Miles! (Ab 1:34) Wer sonst spielte einen solchen weichen Sound und die schnellsten Läufe, dass es leicht klingt wie wenn sie mit dem Aufwand einer Blockflöte gespielt worden wären? Ich würde sagen, man kann in diesem sehr frühen Stück schon den Stil seiner späteren Fusionprojekte vorausahnen. Außerdem hatte Diz Gillespie einen anderen Akzent im Sound. Ein dritter kommt eh nicht in Frage. Aber ist das nicht herrlich?

Billies Bounce in Wirklich

Hier vielleicht als kleines Samstagmorgengutelaunehäppchen und zum Verleich mal das Original von Bird Parkers Combo, das der Kleine im letzten Post nachgespielt hat.
Es ist ein kleines Lehrstück in Fragen, wie der klassische Bebop aufgebaut ist: Flottes Spiel, kurze Stücke. Eine kurze Eineitung mit einem kurzen Thema, das die eigentliche Komposition des ganzen Stückes ist. (Die ist auch das, was der Junge nachgespielt hat.) Das Thema wird im Gleichklang von Trompete und Saxophone eingespielt und ersetzt und nehmen die die alten, oft viel längeren, melodischen Swingsätze aus den Bigbands aufs Korn. Dann folgen die Filetstücke: Knackige, meist superschwere und sehr freie Improviationen der einzelnen Musiker, auf dem Boden der Harmoniefolge der Komposition. Hier haben die Musiker Gelegenheit, zu zeigen, was sie können. Dann kommt wieder das Thema und gut is.

Moody’s Mood

Gerade forsche ich unter anderem für meine anstehende DizzySerie etwas hinter dem Standart Moddys Mood for Love her, von dem sicher hier noch was zu hören und zu lesen sein wird. Moodys Mood for Love war und ist ein großer Hit. Er wurde abertausendmal gespielt, vertont, verändert und interpretiert. ‚Erfunden‘ hat ihn James Moody auf einer kleinen Tour in Schweden, als er, wie es heißt, auf einem fremden Instrument improvisierte. Die Impro wurde zu einer Riesenmelodie, zu der Eddy Jefferson später dann einen Text schrieb. Beides wurde DIE Kombi auf die alle irgendwie gewartet haben müssen, so bekannt wurde die Nummer. Mein Clip von heute abend ist da ein regelrechter Schatz: Eine alte Aufnahme vom Erfinder persönlich. Man hört in der Improviation den überaus starken Einfluss von Charlie Parkers Weise zu spielen. Von der kann ich ja nicht genug bekommen. Sehr rührend, das Stück. Es hat leider leichte Tonfehler, über die man hinweghören muss.

Wisst Ihr, was richtig schön ist?

Ich meine jetzt für mich: Wenn man zwischen dem ganzen Gefordert- und Gerufensein die kleinen Haltestellen des Lebens aufsuchen kann, um ganz kurz in seinen Büchern zu stöbern und bei einem Musikstück seines Vertrauens in Ruhe und mit geschlossenen Augen über das Gelesene nachzudenken.
Hach ist das herrlich.
Embraceable You eignet sich jedenfalls bestens, um über Seele und Leib nachzudenken.

 

Die Vierziger

Alipius und Elsa treibens schon sehr lange, das hübsche PingPongSpiel der Blogozese, und zwar mit Musik aus den Achtzigern. Ich kann da leider nicht mit. In den Achtzigern habe ich leider Musik gehört und gemacht, die nicht aus den Achtzigern war und so ist mir die gesamte Palette an mir vorüber gegangen.
Auch mit meiner derzeitigen großen Vorliebe, den Vierzigern und Fünfzigern fürchte ich, mir eher wieder selbst die Bälle zuspielen zu müssen. Das macht mir aber gannix, wie man bei uns in Bochum seinerzeit zu sagen pflegte.

Hier ein Hit, bei dem ich schier dahinschmilze: Out Of Nowhere, interpretiert von Charlie Parker und Miles Davis in den frühen Zeiten des Bebop. Der Bob enstand, weil die jungen Freaks den zum Teil von weißen Musikern dominierten Swing der großen Bigbands leid waren. Sie trafen sich in kleinen Clubs in New York und experimentierten. Sie nahmen die großen Jazzmelodien der Bigbands auseinander und improvisierten, superschnell, superschwer und superanspruchsvoll. Der neue Stil wurde von etwas konservativeren Musikern zwar nicht kritiklos hingenommen. Er stellte aber sehr bald die ganze Jazzwelt auf den Kopf und machte Epoche.
Out of Nowhere ist ein sehr langsam eingespieltes Stück. Es besticht durch sein gefühlvolles Solospiel von Parker, der auf dem Saxophon gefühlvoll wie keiner und sentimental wie ein Vögelchen zwitschern konnte. Duke Jordan übernimmt die Harmonie am Klavier und ist eine Art Übergang zum Solo des jungen Miles Davis, der damals schon seine ganze Klasse hatte. Das Stück endet in einem leider sehr kurzen, harmonischen Zusammenspiel von Trompete und Sax. Hört selbst, wenn Ihr Lust habt.