Die Kirche und ihre feierliche Ansage

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Als ich religiös gesehen sozusagen ein zweites Mal heranwuchs, stellte sich mir irgendwann eine logische Frage, die für einen Christen, der über seine Religion versucht nachzudenken, irgendwann in den Weg stellt: Man sagt, Christus hat in seinem Leiden den Tod überwunden. Sein Leiden ist aber zweitausend Jahre her, und – ehrlich gesagt – ging es mir in meinem religiösen Leben nicht ganz unwesentlich um mich. Wie kann es sein, dass Christus mit seinem Tod den meinen überwunden hat?
Ich muss sagen, als sich die Frage vor mir auftürmte, war ich schon reif genug, die kirchlichen Antworten auf die Weise des Glaubens zu nehmen. Das heißt, ich ahnte, innerhalb der theologischen Väter und Denker des Glaubens war die Frage beantwortet. Ich hatte damals aber noch keine bekommen. Wenn mir jemand sagte, ich müsse da was einfach glauben, war ich wohl schon bereit, das zu tun. Das Problem stand aber auf der Liste der Fragen, „die man doch wohl mal stellen darf.“
Ein evangelischer Christ gab mir eine erste, plausible Antwort. Er sagte, mit der Taufe sei der Mensch mit Christus verbunden. Die Taufe sei das Band der Zugehörigkeit zu Christus. Wer mit ihm verbunden sei, der sei in gewisser Weise neu und eins mit ihm geworden. Deshalb stünde in der Schrift, wir würden „mit ihm“ auferstehen. Das warf schon ein Licht auf die Frage und war eine Antwort, die es wert war, im Herzen erwogen zu werden.
Als ich später gelernt hatte, beim heiligen Thomas nachzuschlagen, stieß ich auf eine seiner Antworten. In der Summe stellt er sich einmal der Frage, ob Christus uns sein Heil auf die Weise des Verdienstes gegeben habe, oder nicht. Der erste Satz der Antwort ließ mein Drängen schlagartig ruhen, für mich war die Frage umfassend beantwortet. Der Meister sagt dort, Christus habe die Gnade nicht für sich, als Einzelperson, sondern insofern er das Haupt der Kirche sei.
Mein evangelischer Freund hatte also nicht ganz Unrecht, der erlöste ist mit Christus verbunden. Aber die Antwort, die er mir gab, die war verständlicherweise  tendenziell evangelisch. Die Kirche fehlte.
Die Ankündigung Jesu bei Cäsarea Philippi, die er dem verdutzten Petrus gegenüber macht, klingt einem Katholiken feierlich in den Ohren. Es ist die Ankündigung, die in mannshohen Buchstaben die Kuppel des Petersdomes schmückt: „Du bist Petrus, der Fels, und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen.“ In den lutherischen Bibeln steht dort nicht das Wort Kirche. Dort steht „Gemeinde“, eine Übersetzung, die einem Katholik nicht herunter will, und die aus einem Sturm ein Lüftchen macht. Gemeinden gibt es überall zu tausenden. Gemeinden sind nicht sonderlich bedeutsam. Eine Gemeinde ist mein westfälisches Heimatdörfchen auch. Die Kirche aber ist eine feierliche Gründung. Sie ist eine goldene Stadt, die große, himmlische Gabe und Gottes große Gründung auf Erden.
An dieser Stelle gehen die Mentalitäten des Protestantischen und Katholischen wie kaum je sonst auseinander. Für den Katholiken ist der Augenblick der Ansage von höchster Feierlichkeit. Jesus offenbart der Welt, dass er die Kirche will, nicht eine beiläufige Gemeinde. Jesus offenbart der Welt, dass seine Kirche einen Felsen braucht, das sichtbare Haupt der sichtbaren Gemeinschaft. Simon, der erste, bekommt eigens einen neuen Namen. Er wird der biblische Wortführer und wird fortan immer als erstes genannt. Die Gründung einer Gemeinde zu erwähnen, hätte der Evangelist sich in katholischen Augen dagegen fast sparen können. Im protestantischen Verständnis gibt es die Kirche wohl auch. Sie ist aber eher eine unsichtbare Sache, die wohl im Wort und Sakrament aufscheint. Sie hat aber nicht mehr die Bedeutung wie in der klassischen Lehre. In der katholischen Geisteswelt ist die Kirche die Braut Christi, und ihre Gründung steht unter dem Stern des Abendmahles, wo Jesus sagt, er habe diese Stunde sehnlichst herbeigesehnt. Wir glauben, dass Christus in dieser feierlichen Stunde der Kirche ihre Priester und die Eucharistie geschenkt hat. Wir glauben, dass er unter dem Kreuz der Kirche in Maria eine Mutter geschenkt hat. Evangelisch und Katholisch gehen hier ziemlich weit auseinander.
Was nun den Zölibat angeht, so glaube ich, wie gesagt, dass ihn nicht tief genug verstehen kann, wer vom katholischen Entwurf der Kirche nichts weiß. In diesem Sinn ist vielleicht nicht ganz verwunderlich, dass mit der theologischen Veränderung des Kirchenbildes im protestantischen Raum, sogleich auch der Zölibat aufgegeben wurde.

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Zölibat: Das alte Bild von der Kirche

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Wenn meine Rede von der Kirche in irgendwelchen Vorträgen vorkam, die ich zu halten hatte, regte sich nicht selten Einspruch und die Zuhörer rutschten unruhig auf ihren Sitzen. Es gab zum Beispiel recht bibeltreue Christen, die ihren gesamten Glauben einzig von der Bibel gestützt wissen wollen. Sie sagten verständlicherweise, die Bibel, auf keinen Fall eine Kirche sei das, was Christus uns hinterlassen habe. Bei Matthäus sechzehn achtzehn sagt Christus aber nicht, er werde auf den Felsen Petrus seine Bibel, sondern seine Kirche bauen, und die Apostelgeschichte beschreibt nicht das Abenteuer der Bibel- sondern der Kirchenbildung. Das braucht jetzt gar nicht den Wert der heiligen Schrift mindern. Die Schrift bleibt ganz im Zentrum, es ist nur die Kirche der Raum, in dem sie gehütet, betrachtet und behandelt wird.
Manche sagen, die Eucharistie sei doch das große Geschenk im Zentrum des Katholischen. Auch dem muss nicht widersprochen werden. Die Kirche bekennt ja, dass sie ganz von der Eucharistie her lebt, dass sie aus ihr wächst und aus ihr gedeiht.
Vielleicht ein Bild dazu. Wenn wir früher große, gotische Kathedralen besichtigten, meinten die Führer meistens, der Plan der Bauten sei wie ein Streben der Menschen nach oben hin aufgebaut, wie wenn die Leute ihren Blick nach oben, in die Lichtfülle des Fensterwerkes recken sollten. In mir regte sich Widerstand, und mir kam immer vor, dass da nichts von unten nach oben streben sollte, sondern, dass da etwas von oben nach unten herabgelassen worden war. Die Grundrisse der ehrwürdigen Bauten waren nach den Vorstellungen der alten Meister von der Vollkommenheit des Kosmos entworfen. Alles sollte ideale und harmonische Verhältnisse haben. In den Kirchen selbst fand sich allerlei Getier auf den Bildern, Sträucherwerk war in Stein gemeißelt. Engel schwebten im Raum und die Heiligen schauten uns von den Wänden her an. Was hier dargestellt war, das war Gottes neue Stadt, die vom Himmel her auf die Erde herniedersank! Die Kirchen symbolisierten für mich immer das neue, himmlische Jerusalem.
Jetzt erklärten sich die dicken Enden der Säulen auf dem Boden. Sie gleichen plötzlich den Dicken Enden der Gürtelbänder, die sich die Priester umlegten. Wie wenn die Quasten von Gewändern sanft herabkamen und die Erde berührten. Die großen Türen öffneten sich in die verschiedenen Himmelsrichtungen. An den Eingängen und an den Wänden standen die Beichtstühle, in denen die Pilger ihre seelischen Lasten ablegen und in die Dunkelheit des Nichts versenken konnten. Auf den Bänken knieten Reiche und Arme ohne Unterschiede nebeneinander und sangen die gleichen Lieder.
Im Zentrum aber dieser Welt stand, leicht erhöht, der Altar, über dem ein Kreuz schwebte. Das war der Opferstein, auf Himmel und Erde sich endgültig trafen und ihre Ehe eingingen. Der Altar ist die Schnittstelle der großen Weltversöhnung. Hier wird das eine und ewige Opfer Jesu gegenwärtig und in unsere Zeit getragen, und die Leute, die das tun, sind die Priester. Menschen, die das alles verstanden und lieben gelernt haben, Leute, die wissen, dass es sich lohnt und eine Freude ist, ein ganzes Leben in diesen Dienst zu stellen. Das ist die Kirche.
Die Riten, das Singen und Beten der Kirche hat, wie ihre Bauten auch, ein heiliges Zentrum. Das ist das Hochgebet, das auf der ganze Erde gleich ist, weil ja das Allerheiligste, das hier verwandelt erscheint, auch immer das selbe ist. Dieses Hochgebet beginnt in seiner römischen Form so:

„Dich, gütiger Vater, bitten wir durch deinen Sohn, 
unseren Herrn Jesus Christus: 
Nimm diese heiligen, makellosen Opfergaben an und segne sie. 
Wir bringen sie dar 
vor allem für deine heilige katholische Kirche 
in Gemeinschaft mit deinem Diener, 
unserem Papst, mit unserem Bischof und mit allen,
die Sorge tragen für den rechten,
katholischen und apostolischen Glauben.
Schenke deiner Kirche Frieden und Einheit,
behüte und leite sie auf der ganzen Erde.“

Die Kirche ist der Ort für die Gaben Gottes, die nach einem solchen Raum und seiner Ordnung und Ruhe verlangen. Kardinal Bellarmin hat zu reformatorischen Zeiten gesagt, die Kirche sei so sichtbar, wie die Republik Venedig. Damit hat er eine große Wahrheit des Katholischen ausgesprochen. Wer also den Zölibat verstehen möchte, der sollte also auch die Bilder von der Kirche betrachten.

Der Zölibat und die Kirche, Teil 1

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Ich habe drei junge, muslimische Freunde, mit denen ich so ziemlich jeden Tag über Religion, Politik und allgemeine Sachen spreche, was mir immer eine Freude ist. Gestern sagte einer, sein Vater hätte von ihm verlangt, die Bibel mit der gleichen Hochachtung zu behandeln, wie ein Muslim den Koran. Das hat mich sehr beeindruckt und ich bat, den Herrn Papa daheim schön von mir zu grüßen, und ihm meine Hochachtung auszusprechen.
Ich würde aber gern etwas dazu sagen, das für muslimische Ohren zunächst vielleicht schwer zu verstehen sein dürfte und was die Katholiken scheinbar vergessen haben.
Was für die Muslime der Koran ist, das ist für einen Katholiken die Kirche. Zumindest, wenn man bedenkt, dass Mohammed den Koran als das große Geschenk vom Himmel an die Welt hinterlassen hat. In ganz ähnlicher Weise hat Gott der Welt die Kirche geschenkt.
Wenn man aber bedenkt, dass für die Muslime der Koran das ungeschaffene Wort Gottes ist, dann entspricht Jesus, der Christus dem Bild am ehesten. Christus wird auch das ungeschaffene Wort Gottes genannt, gezeugt, nicht geschaffen, wie die Konzilien sagen. Dieser Christus aber war es, der uns vor allem die Kirche geschenkt hat.
Wenn ich das alles meinen Freunden erklären sollte, bis sie es verstehen, ich glaube, ich bräuchte ziemlich lange. Die Muslime kennen keine Vermittlung zwischen Gott und dem Menschen. Sie haben weder Priester, noch kennen sie so etwas wie eine Kirche, als Raum der Vermittlung. In der muslimischen Glaubenswelt steht der Mensch ganz schlicht vor Gott, dem er sich unterwirft und von dem er gerichtet wird. Da ist gar kein Raum für eine priesterliche Vermittlung, und dass da etwas fehlt, wird auch gar nicht empfunden.
Das ist im Christentum immer schon ganz anders, und zwar schon von den frühen, jüdischen Wurzeln her. Das jüdische Volk hatte seinen Tempel und entwickelte eine feste Priesterschar. Aber schon beim Marsch durch die Wüste wurden auf priesterliche, rituelle Weise Tiere geopfert, um für die Sünden und Frevel des Volkes zu sühnen. In dieser Tradition ist Christus das neue und endgültige Opferlamm, für die Sünden der ganzen Welt.
Ich würde an dieser Stelle gern die Betonung auf das Wort „neu“ legen. Christus steht ganz in der jüdischen Tradition, und alle Opfer des Volkes Gottes deuten, wie Thomas und die Tradition beschreibt, auf das eine und letzte Opfer hin. Insofern greift Christus die altehrwürdigen Bilder des jüdischen Ritus auf. Er zitiert oft die Schrift und gut biblisch geschieht alles um Christus, „damit sich die Schrift erfüllt.“
Unter einem anderen Blickwinkel aber ist alles neu, was in Christus geschieht, was er tut und vollbringt. Gott hat in Marias Jawort, das dem Nein der Eva entgegensteht, noch mal ganz neu angefangen mit den Menschen. Die Berufungen der Jünger in der Bibel sind eigenartig spontan. Sie sehen Jesus in ihrem Alltagsleben kurz und zum ersten Mal. Jesus sagt nur sein „Folge mir nach“, und lassen alles liegen und stehen, um sich ihm anzuschließen. Wenn man das theologisch ein bisschen durchdenkt, dann erinnert das an die spontane Schöpfung Gottes, der nur ein Wort sprechen braucht und alles geschieht ohne Zögern; wie und was immer er will: Es ist der Gott Abrahams, Isaacs und Jakobs, aber dieser Gott hat etwas Neues vor!
Dass der Menschensohn ganz Gott und ganz Mensch war, das war etwas ganz Neues, dass die Engel entzücken und den bösen Bruder bis ins Mark erschaudern ließ. Mitten dazwischen geschieht etwas Feierliches. Christus erwählt den Petrus und gibt ihm seinen neuen Namen, der mehr Bezeichnung seines neuen Lebens, als ein Name ist. Simon heißt jetzt Petrus, und Christus sagt: „Auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.“ Auch die Kirche ist etwas ganz Neues, ein neues Volk Gottes und das große Geschenk, das Christus den Menschen auf der Erde hinterließ. Darüber wird noch etwas mehr zu sagen sein. Ohne eine gediegene Lehre von der Kirche ist der Zölibat nämlich nicht verstehbar. Auch er ist nämlich in gewisser Weise etwas ganz Neues.

Die Liebe und das Glauben an Gott

Meditation zum Hymnus “Gottheit tief verborgen” von Thomas von Aquin.
Fünfter Teil zur zweiten Strophe:
“Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir,
doch des Wortes Botschaft offenbart dich mir.
Was Gott Sohn gesprochen, nehm ich glaubend an;
er ist selbst die Wahrheit, die nicht trügen kann.”

Es mag etwas romantisch klingen. In der Sache wird aber niemand widersprechen, und alle sind sich einig: Jeder Mensch sehnt sich nach Liebe. Auch bei den größten Schurken, die überhaupt nicht danach aussehen und die alles Zarte gerade zu bekämpfen scheinen, unterstellen wir: Letztlich sind auch sie auf Liebe aus, und das in beiden Richtungen. Jeder möchte sowohl lieben als auch geliebt werden.
In dieser Sache ist der heilige Thomas der gleichen Meinung, und wenn man möchte, kann man ihn geradezu einen Theologen der Liebe nennen. Das hat allerdings damit zu tun, dass im Schema seines Denkens alles von der Liebe ausgeht.
Der Gedanke ist biblisch: Alles geht von Gott aus, und Gott ist Liebe. Allein deshalb schon geht alles von der Liebe aus. Mit diesem Gedanken ist das Christentum allerdings eher allein. Im Judentum wurde er vorbereitet und eingeleitet, im Christentum fand er seine Vollendung. Insofern kann man sagen, war das Judentum eine Vorbereitung auf das Christliche, das kommen sollte. 
Im Islam, der ein halbes Jahrtausend nach Christus kam, wurde der Gedanke, der Theologie nach wieder herausgenommen. Mein kurdischer Freund Jimi, in dessen Familie man sehr wohl die Liebe lernen konnte, widersprach heftig, als ich ihm sagte, Gott sei die Liebe. Er wollte natürlich nicht sagen, Gott sei das Gegenteil. Er wollte sagen, dass man von Gott nichts sagen kann. Und als ich meinte, Gott habe aus dieser seiner Liebe heraus in seinem Sohn zu uns gesprochen, rief er: „Gott spricht nicht. Das macht ihn zum Menschen!“ Dass Gott sich selbst zum Menschen gemacht hat, damit brauchte ich gar nicht mehr zu kommen. Sein Islam nahm wieder heraus, was Christus als höchste Vollendung hineingebracht hatte. Insofern ist sein Islam im besten Sinn eine alttestamentarische Religion.
Thomas, bei dem die christliche Lehre in gewisser Weise ihre Höchstform erreicht hat, spricht eigentlich nie in diesen Tönen. Dennoch ist der Gedanke bei ihm voll da und ausgebildet: Alles geht von der Liebe aus und will zu ihr zurück. Deshalb ist letztlich auch alles um der Liebe willen da; und das, weil Gott Liebe ist.
Vielleicht ein kurzer Gedanke, der hier von Nutzen sein könnte. Wenn jemand in einem Restaurant das große Glück seines Lebens findet; wenn dort der Mensch erscheint, der alles verändern und zum Guten führen wird, dann wird  das Lokal für immer ein ganz besonders wertvoller Ort sein. Es glänzt vom Gold der Liebe und seine Atmosphäre ist warm und wohltuend. Alles hat den Glanz eines Königspalastes und der schlichte Ort wird zum Ballsaal eines Prinzen.
Wenn jemand sich in einer Stadt verliebt, dann wird diese Stadt immer einen besonderen Zauber an sich haben. Sie wird nie wieder eine von vielen Städten, sondern immer etwas ganz besonderes sein, und ihr Name wird immer wie eine süße Melodie erklingen.
Wenn jemand einen Menschen über alles liebt, dann wird er auch all das, was er lieb hat, selbst lieb gewinnen und als seine Herzensangelegenheit ansehen. Das Gute ist von der Art, dass es sich verströmt, sagten die Alten schon, und in der Liebe wird das deutlich.

Es gibt bei den Katholiken nun eine Liebe, die für viele sehr schwer verständlich ist. Das ist die Liebe zur Kirche. Im Allgemeinen geht die Parole um, die Kirche sei eher ein Hindernis, das sich auf dem Weg zu Gott protzig in den Weg stellt. Die Kirche ist entweder ganz zu meiden oder als ein notwendiges Übel hinzunehmen, das leider nicht umsegelt werden kann. Solche Bilder können entstehen, wenn der Gedanke von oben nicht verstanden wird.
Wer in jener Stadt keine Liebe fand oder gar ganz anderes erleben musste, für den wird sie alles andere als mit Gold ausgeschlagen sein. Ihr Name klingt bitter und das beste ist, sie wenigstens zu meiden.

Nun ist es aber so, dass die hohe Theologie in Gott einen Ort entdeckt, in dem keine Enttäuschung möglich ist. Bei Gott ist alles rein und von kraftvoller, bergender Güte. Gott liebt die Kirche, doch er liebt sie nicht, weil er in ihr die Liebe fand, sondern weil er sie aus Liebe gestiftet hat. Gottes Liebe zu seiner Kirche ist ungebrochen, weil seine Liebe nichts und niemand brechen kann. Vor allem aber sorgt er selbst dafür, dass sie immer genug Liebenswertes an sich hat, das die Menschen heiligt und Heilige hervorbringt.  So kann die Kirche von der Liebe zu Gott her zu einem Ort werden, der immer einen ganz besonderen Glanz erhalten wird.

In seinem Traktat über den Glauben sagt Thomas, dass der Glaubende in erster Linie Gott glaubt. Auch in unserem Hymnus nimmt der Glaubende das an, „was Gott Sohn gesprochen“ hat. Der hat allerdings beschlossen, es in seiner Kirche und durch seine Kirche zu sagen. Sie ist der Ort der Begegnung und der Ort, in dem wir unsere große Liebe finden können.