Der Plan und der magnetische Gott

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Islam und Christentum, Teil 21

Die Summe des Thomas hat drei Bücher. Ihr Plan geht so: Im ersten Buch handelt er, grob gesagt, von Gott und von der Schöpfung, die allein von ihm ausgeht und allein durch ihn zustande kommt. Das zweite Buch fängt mit dem Menschen an und behandelt sein Ziel, seine Schwächen und Stärken im Allgemeinen. Das dritte Buch handelt dann von den Möglichkeiten und Hilfen, die der Mensch hat, sein großes Ziel zu erreichen. Am Ende gibt es einen Ausblick, wo der Mensch am Ende landen kann oder wird.

Ganz am Anfang des ersten Buches, also beim eigentlichen Einstieg spricht der Meister erst einmal über die Frage, was eine Wissenschaft von Gott überhaupt gibt und ob es sie geben muss. Diese Frage würde ich gern außen vor lassen. Wenn Du möchtest, können wir ein anderes Mal drüber reden.
Dann kommt Thomas auf die eigentliche Frage nach Gott und beschäftigt sich mit der Frage, ob es ihn eigentlich geben müsste. Diese Frage kommt bei uns an die Reihe, wenn von unserem Freund Mahmoud und seinem Streit mit dem Atheisten die Rede ist. Es steht bei uns dort, wo es um das geht, was wir mit Schöpfung meinen.

Ich würde für den Anfang den nächsten Gedanken interessant finden: Thomas sagt, niemand kann wissen, was Gott ist, und keiner kann sagen, wie er ist. Nur, was er nicht ist, könne man sagen. Diese Aussage ist schon ein ziemliches Brett. Wenn einer kurz darüber nachdenkt, könnte er sagen, von etwas, was wir mit Sicherheit nicht kennen können, brauchen wir gar nicht erst anfangen. Wer jagt schon einem Auto nach, von dem er weiß, dass er nie darin fahren wird? Wer bewirbt sich um eine Stelle, die er mit Sicherheit nicht bekommt? So etwa hat ein Bekannter von mir gesprochen, der sich Agnostiker nannte. Er sagte: Ob es Gott gibt, könne er nicht sagen, er könne es auch nicht herausfinden. Deshalb verschwende ich nicht meine Zeit mit Fragen, auf die es keine Antwort gibt.

Eine ähnliche Haltung gibt es auch im Zusammenhang mit dem sogenannten Bilderverbot. In der Bibel steht: Man soll sich kein Bild schnitzen oder malen und es wie einen Gott anbeten. Manche sagen, das zu lange Nachdenken über Gott sei schon der Anfang dessen, was man nicht darf. Das Nachdenken über Gott heiße schon, sich ein Bild von ihm machen. Sie verbieten sich und anderen das Reden über Gott, um das Gebot einzuhalten.
Man kann das aber auch ganz anders sehen. Das verbotene Herstellen von Bildern führt dazu, dass am Ende ein Gegenstand für göttlich erklärt wird. Das ist, wie Du aus Deiner Religion weißt, eine Sünde, die man besser lässt. Wir können aber auch sagen, das längere Nachdenken über Gott führt gar nicht zu einem zweiten, sondern nur dazu, den einen besser kennen zu lernen. Wie soll man etwas oder jemanden lieben lernen, den man nicht so nahe wie möglich kennenlernen will? Deshalb kann es lohnenswert sein, auch über denjenigen nachzudenken, den man in diesem Leben nie wirklich begreifen kann.

Außerdem: In der Schulklasse des Meisters ist Gott wie ein Magnet. Er hat für die ganze Welt eine ungeheure Anziehungskraft. Er hat das All ins Leben gerufen und so geschaffen, dass alles wieder irgendwie zu ihm zurück möchte, und zwar unwiderstehlich. (Vielleicht fällt Dir jetzt ein, dass es doch viele Leute gibt, die mit Gott nichts am Hut haben wollen oder nicht mal glauben, dass es ihn gibt. Thomas sagt dazu allen Ernstes: Wer immer nach seinem eigenen Besten strebt, und das tut jeder, der strebt auch nach dem Besten an sich, und das Beste an sich ist Gott. Es muss uns gar nicht bewusst sein, aber hinter jedem Streben nach Liebe steht das Streben nach Liebe schlechthin, und Gott ist Liebe schlechthin. Aber davon später noch mehr, wenn wir dazu kommen.) Gott ist also wie ein Magnet. Magneten sind so, dass die Eisensplitter nur mit Gewalt davon abgehalten werden können, an ihm zu kleben. Wenn wir uns verbieten, über Gott nachzudenken, dann handeln wir gegen unsere eigene, eiserne Natur. Er fängt also an über Gott zu reden und ist der Ansicht, wir können schon viel über ihn sagen, wenn wir sehen, was alles er nicht ist.

Islam und Christentum, Teil 8

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Erkenntnis und Liebe
Bisher habe ich versucht zu erklären, dass in Gott ein Erkennen ist und ein Erkanntes. Gott erkennt und kennt sich selbst. Er erkennt sich und weiß um sich. Wir hatten das mit der menschlichen Person verglichen. Auch sie ist nur eine. Du bist Ali, ich bin Johannes. Dennoch können wir, wenn wir uns selbst erkennen, kritisieren und beurteilen, ohne zwei zu sein. Wir haben ein schlechtes Gewissen, wenn wir etwas getan haben, was wir falsch finden. Wir finden uns eher gut, wenn wir getan haben, was richtig war.

Die Bibel sagt, Gott hat ein Wort in sich, das „der Sohn“ wurde, als er auf die Welt kam. Das sind zwei Komponenten in Gott. Unsere Offenbarung spricht aber von drei Personen.

Um es gleich vorweg zu sagen: Neben dem Sohn spricht die Bibel auch vom Heiligen Geist, der ebenfalls Gott ist. Jesus ist da sehr deutlich. Für ihn als das Wort, das gekommen ist, war vorgesehen, dass er ein Menschenleben lang auf der Erde sein und bleiben würde. Sein Tod war vorgesehen und vorgesehen war auch, dass er in diesem Tod die Welt wieder verlassen würde. Vorgesehen war also, dass der Sohn kommen und wieder gehen sollte. Weil das aber für die, die ihn kennen- und lieben gelernt hatten, eine eher traurige Angelegenheit sein musste, sprach er von „einem anderen Beistand“, den der himmlische Vater an seiner statt senden würde. Dieser sei der Tröster, der Heilige Geist, der in ihre Herzen sich ergießen wolle. Der heilige Paulus hat später in seinem Römerbrief diesen Trost für alle beschrieben, nicht nur für seine Jünger. Der heilige Geist ist „ausgegossen in unsere Herzen“, schreibt er. An anderer Stelle schreibt er, der Geist Gottes bezeuge unserem Geist in unseren Herzen, dass wir Kinder Gottes sind. Dem Zeugnis der Bibel nach wollte Gott also nicht nur kommen und wieder gehen, um unser Verhältnis mit ihm zu reparieren. Er wollte mit seinem Trost auch bleiben, und das geht nur im Geist. Der führt seine Kinder und die Kirche. Aber wie sich das alles beschreiben lässt, darauf können wir noch des näheren kommen, wenn Du möchtest.

Unsere Bibel spricht in dieser Sache also von drei Komponenten in Gott, und Jesus gibt kurz vor seiner Himmelfahrt seinen Jüngern die Anweisung, die Menschen „im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ zu taufen, um aus den Kindern Adams Kinder Gottes zu machen.

Wir müssen also die dritte Person, die Gott uns geoffenbart hat, in Gott denken können, und jetzt beginnt wieder die Arbeit des heiligen Professors Thomas zur Erklärung. Für ihn ist die Sache klar: Erkennen allein reicht nicht! Erkennen allein macht noch kein wirkliches Verhältnis. Wenn Du erkennst, dass falsch und schlecht war, was Du getan hast, dann reicht das noch nicht für ein schlechtes Gewissen. Wirklich schlecht ist ein Gewissen erst, wenn einem auch schlecht dabei zu Mute ist. Wenn Du erkennst, dass Du mutig warst und etwas gut gemacht hast, dann reicht auch da die reine Erkenntnis nicht. Du musst Dich auch gut finden können und dürfen. Was wir ein gutes oder schlechtes Gewissen nennen, das hat nämlich auch eine emotionale Seite. Ein Mensch, der weiß, dass mies war, was er  Dir angetan hat und Dir dabei ins Gesicht lacht, der hat kein schlechtes Gewissen, sondern ist ein schlechter Kerl. Erkennen reicht nicht. Man erkennt nicht nur, wer man ist oder was man tut und will. Man findet es auch gut oder schlecht, traurig oder klasse. Das ist viel mehr als reines Erkennen, es ist Lieben.

Ein Mensch, der nicht lieben kann, ist kein Mensch. Er wäre eher ein Roboter. Es gibt keine Menschen, die nur erkennen. Menschen leiden auch unter ihrer Erkenntnis und freuen sich drüber. Thomas sagt nun, so etwas muss man auch in Gott annehmen. Er erkennt sich nicht nur. Er hat auch Lust an dieser Erkenntnis. In der Sprache des heiligen Thomas bedeutet das, er will auch etwas. Gott wollte die Menschwerdung, er wollte uns den Tröster senden und er will, dass es mit uns gut ausgeht. Erst in dieser Kombination können wir die Liebe behaupten. Lieben bedeutet nämlich immer, dass man, erstens, gut findet, dass es das Geliebte gibt, und zweitens, dass das Geliebte immer irgendwie im Liebenden ist. Wenn Du einen Menschen liebst, dann hast Du ihn immer irgendwie im Herzen. Du hast ihn immer im Herzen und das im Willen, dass es ihm gut ergehe.

In diesem Sinn beschreibt unser Professor auch die Liebe in Gott, die wir annehmen müssen.

Zweimal hat zu Jesu Zeiten eine Stimme vom Himmel gesprochen. Das eine Mal, zur Taufe bei Lukas sagt sie: „Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“ Ein zweite Mal ruft sie zur sogenannten Verklärung Jesu den Jüngern zu: „Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.“ Das ist mehr als die Sprache reiner Erkenntnis. Es ist die Sprache des Vaters, der seinen Sohn auf Erden liebt, und der schon immer voller Liebe war, weil er ganz Liebe ist.

Zwei geistige Cognacs

Kommentar zur Summe wider die Heiden von Thomas von Aquin.
Scg I,79: “Gott will auch das, was es noch nicht gibt.”

Gestern kam die Frage wieder: Warum ich so gerne und ausgerechnet Thomas lese. Ich bitte mir dann immer, mehrere Antworten geben zu können. Eine davon ist dann immer negativ: Der heilige Thomas ist eigentlich nicht derjenige, der mir meine Meinung macht, und ich glaube auch nicht alles, was er sagt. Im Gegenteil wird wohl jeder Thomasleser seine Stellen haben, an denen er anhält, um nachzuenken. Er wird auch seine Stellen haben, die ich gern mit dem Meister diskutieren würde, weil er sie nicht glaubt. Eines aber tut der Meister öfter: Er bestätigt meine Meinung und erklärt Einzelheiten, wie ich es nie könnte. Im Kapitel neunundsiebzig findet sich ein Beispiel.
Es gibt in der Lehre vom Menschen eine Art Weggabelung, die ich schon irgendwo erwähnt habe. Die Gabelung markiert eine Glaubensfrage. Entweder man geht mit seiner Meinung den einen oder den anderen Weg. Entweder man folgt dieser Richtung oder jener. Die eine Richtung könnte man die klassische, wahrscheinlich sogar aristotelisch nennen, die andere die neuzeitliche, neuere und ziemlich moderne. Und insofern die Frage eine Glaubensfrage ist, ist sie eine der freien Entscheidung. Man entscheidet sich für diesen oder jenen Weg. Es ist die alte Frage, ob der Mensch mit seiner Erkenntnis die wirkliche Welt erkennt, oder ob er nur Bilder in seinem Kopf betrachtet, die mit der Welt nicht viel zu tun haben müssen. Im Kapitel neunundsiebzig sagt Thomas eher nebenbei, in seiner Erklärung: „Der Wahrnehmende nimmt eine Sache nicht nur wahr, wie es in ihm selbst erscheint, sondern auch, wie sie in ihrer eigenen Natur ist.“ Das ist ein Dogma, zu dem ich mich bekenne. Ich weiß von einigen Leuten, die glauben, man sehe nur sein Kino im Kopf. Ich glaube das nicht und habe meine Zelte am Weg des klassischen Glaubens aufgeschlagen, wo man noch sagen kann, dass eine Kuh tatsächlich eine Kuh ist und wo man sagen kann, dass unsere Sprache wirklich die Welt beschreibt, in der wir leben.
Ich glaube den Satz nicht, weil Thomas ihn bewiesen hätte. Das kann er genau so wenig, wie die Schüler Immanuel Kants dessen Gegenteil beweisen können. Ich glaube den Satz eher, weil ich ihn glauben will und mich weigere, ein Anhänger der dunklen Seite der Macht zu sein. Ich will mich einfach nicht als ein Gefangener meines eigenen Kopfes sehen müssen. Ich glaube den Satz allerdings auch, weil ich ihn für naheliegender und natürlicher halte. Ich würde sagen, jedes Kind glaubt ihn bis vielleicht zum Studium der Philosophie, und ich für meinen Teil weigere mich hier, mein Kindsein aufzugeben.
Das Kapitel neunundsiebzig hat einen weiteren, geistigen Cognac zu bieten, der ein bisschen in die gleiche Richtung geht. Thomas schreibt, Gott wolle, dass die Dinge, die es noch nicht gibt, irgendwann wirklich werden. Gott wolle nicht nur die Bilder der Dinge in seinem Kopf haben. Wenn man bereit ist, den heiligen Thomas etwas über zu strapazieren, kann man sagen: Gott will weder in sich, noch in unserem Schädel nur Bilder. Gott wünscht Wirklichkeit! Er wünscht die Wirklichkeit der Welt, er wünscht die Wirklichkeit der Dinge in ihr und dass sie die Welt wirklich bilden. Die Dinge der Welt sollen Träger von Wirklichkeit sein. Dazu passt kein Gedanke, der annimmt, unser Erkennen habe keinen wirklichen Kontakt mit der wirklichen Welt.

Gott will uns lange bevor wir geboren werden

Kommentar zur Summe wider die Heiden von Thomas von Aquin.
Scg I,79: “Gott will auch das, was es noch nicht gibt.”

Das neunundsiebzigste Kapitel machte mir schon immer den Eindruck, dass man darüber etwas länger nachdenken muss, um zu verstehen, was überhaupt gemeint ist. Vielleicht wird ein Kapitel darüber auch etwas komplizierter werden, so, dass sich ein zweites anschließen muss. Es geht um die Frage, ob Gott auch das will, was es noch nicht gibt.
Mich hat die Frage eigentlich nicht zum Nachdenken gebracht, weil die Gedanken so kompliziert sind. Als Thomasleser kann man sich Zeit nehmen. Ich habe mich immer gewundert, warum diese Frage überhaupt gestellt werden muss, und ich wollte schon immer ein spontanes „Aber natürlich!“ in die Halle rufen. Nichts erschien mir selbstverständlicher zu sein, dass Gott die Welt von Ewigkeit her will und schon wollte, lange bevor er sie ins Leben rief.
Seit meiner frühesten, religiösen Erziehung lebe ich in der Überzeugung, dass Gott sich von Ewigkeit her auf meine Geburt gefreut hat. Nicht etwa, weil da so ein wichtiger Pfundskerl die Erde betreten würde, das nicht. Meine religiöse Erziehung und später mein Üben im geistlichen Leben haben mich ebenso zur Überzeugung geführt, dass es im Sinne der Welt überhaupt keine wirklich wichtigen Menschen auf Erden gibt, und mit denen, die sich für unentbehrlich halten, kann man es auf die Dauer nicht gut aushalten. Zugleich weiß ich, dass der Allmächtige und seine Engel die russische Putzfrau unserer Schule mit dem gleichen Entzücken anschauen, wie Albert Einstein und Nelson Mandela. Für mich stand jedenfalls immer fest, dass Gott sich immer schon auf uns und an uns freut. Der heilige Thomas schreibt in seinem Sentenzenkommentar einmal, die vornehmste aller Tätigkeiten im Himmel sei das Genießen, und wenn man seine Schriften befragt, was denn da vorzüglich genossen wird, so antworten die wie aus der Pistole geschossen: „Gott natürlich, Gott höchstpersönlich!“ Man muss es den Leuten sagen, weil sie in aller Regel nicht in Büchern lesen, in denen es steht: Nach Meinung aller guten Theologen, dem heiligen Thomas voran; nach der Meinung sämtlicher Heiliger, ob sie noch leben oder schon daheim sind und nach der Meinung aller, die mit dem Heiligen in irgendeiner Weise zu tun haben, ist Gott vor allem ein Gegenstand höchsten Entzückens. Das würden uns auch alle ernst zu nehmenden Muslime und Juden ohne Zögern unterschreiben.
Wer sich antut, meine Ausführungen hin und wieder zu verfolgen, der wird schon wissen, dass ich mit dem Gottesbild des Islam meine ernsthaften Schwierigkeiten habe. Ich habe schon viel und oft mit Muslimen über ihren und meinen Glauben gesprochen und suche solche Gespräche immer gern. Ich habe aber noch nie kennengelernt, der auf die Frage, was der Gegenstand des größtmöglichen Entzückens sei, nicht wie aus der Pistole geschossen „Gott!“ gerufen hätte. Der klassischen Theologie gemäß ist das Entzücken an Gott der eigentliche Grund für die Schöpfung als solches. Die Engel sind geschaffen, um sich in Ewigkeit an Gott zu erfreuen und entzückt seinen Anblick zu genießen, und die Freuden des Himmels werden in erster Linie auf dieser Linie liegen. Auch wir sind nicht geschaffen, um auf Erden bedeutende Dinge zu erledigen. Dem Glauben nach sind wir geschaffen, weil Gott Freude daran hat, seine Freude zu verbreiten. Ob und wie in Gott Freude ist, wird der heilige Thomas in Kapitel neunzig behandeln. Wir können aber schon vorwegnehmen, und etwas unthomistisch gesprochen sagen, dass Gott es schon immer geliebt hat, uns ihn lieben zu sehen. Und lieben heißt wollen, wie schon öfter festgestellt wurde.
Die Frage des neunundsiebzigsten Kapitels schien mir also immer derart selbstverständlich beantwortet, dass mich eigentlich wundern wollte, warum sie in der Summe steht. Thomas gibt sich am Anfang allerdings selbst kurze Einwände, und zeigt, wohin die Reise zu gehen hat. Der Einwand lautet, die Beziehung des Willens bestünde zwischen dem Wollenden und dem Gewollten. Wenn es aber nichts gewolltes gibt, dann kann auch nichts gewollt werden. Das hat schon eine Logik, die man sich vor Augen führen kann. Niemand kann sich ein Eis wünschen, wenn es noch nie irgendwo welches gegeben hätte. Wer ein Eis will, der hat wahrscheinlich schon mal eins gekostet. Oder er hat es gesehen, gerochen oder sich erzählen lassen, wie das mit dem Eis überhaupt ist. Um ein Eis zu wollen, muss man also mindestens eine Vorstellung und ein Bild eines solchen im Schädel haben.
Thomas gibt auf seinen Einwand eine Antwort, die in diese Richtung führt. Er sagt, manche würden sagen, das Gewollte sei aber schon im Gottes Verstand, das reiche zum Wollen. Genau darauf antwortet der Meister aber, das reiche nicht! Gott würde ja dann sozusagen nur die Bilder wollen können, bis die Dinge da sind.
Die Lösung des Thomas hier vielleicht mal etwas wörtlicher: Die Beziehung des göttlichen Willens zum nicht existierenden Ding beruhe auf der Tatsache, dass es zu irgendeiner Zeit in Gottes Natur wirklich sei. Das klingt etwas kompliziert, ist eigentlich aber ganz einfach, wenn man die Gedanken des Heiligen zum Erkennen Gottes einigermaßen verstanden hat. Thomas sagt ja öfter, dass Gott nicht erkennt wie wir. Wir erkennen gewissermaßen von außen nach innen. Die Dinge sind uns äußerlich und wir erkennen sie, insofern wir sie über unsere fünf Sinne in uns hinein holen. Gott erkennt alles in seiner eigenen, göttlichen Natur. Die Dinge sind ihm nichts äußerliches. Da Gott ewig ist, kann man etwas banal sagen, dass die Dinge irgendwann auf jeden Fall ganz wirklich in ihm sind. Deshalb erkennt er sie auch immer schon so wirklich, wie sie sein können. Dann sagt Thomas noch einen Satz, der einem Thomisten wie ein guter Cognac die Kehle herunterläuft: Gott will also, dass die Dinge irgendwann (wirklich) sind, und er will nicht nur, dass er selbst sie erkennt. Dieser Satz ist wunderschön, und ich würde ich mich gern noch einmal über ihn auslassen.

Die Dogmen des Atheismus

Kommentar zur Summe wider die Heiden von Thomas von Aquin.
Scg I,78: “Das Wollen Gottes erstreckt sich auch auf die einzelnen Güter.”

Thomas bespricht hier also, dass Gott alle Dinge sowohl im Ganzen, als auch im Allerkleinsten und Einzelnen erkennt und will. Bevor er am Ende seines Kapitels üblicherweise eine passende Bibelstelle zitiert, wiederholt er kurz, was er schon ausführlicher besprochen hat: Was als gut erkannt wird, das wird auch gewollt. Wenigstens bei Gott ist das so. Einmal geklärt, steht es jetzt mit der gleichen Selbstverständlichkeit da, wie wenn einer sagt, wer stehen kann, der kann auch sitzen.
Aus dem Vermögen Gottes, die Dinge zu erkennen folgt sein Vermögen, sie zu wollen.
Bevor Thomas das sagt, äußert er einen Gedanken, den es zu betrachten lohnt. Wenn der Schöpfer die einzelnen Dinge nicht wollte, dann würde sich daraus eine zufällige Ordnung des Universums ergeben, oder etwas wörtlicher gesagt: Die Güte der Ordnung des Alls wäre dann zufällig. Das kommt für den heiligen Thomas überhaupt nicht in Frage. Was sich aber hier für den Lehrer verbietet, das ist genau die Meinung vieler Leute unserer Tage: Dass nämlich die Anordnungen und Zusammenfügungen im Universum nur zufällig entstanden sind.
Ich hatte einen Arbeitskollegen in der Schule, der es mochte, mit mir über solche Sachen zu sprechen und der genau diese Ansicht vertrat, die viele Leute mit ihm teilen. Alles sei „einfach so“, also ohne etwas oder jemanden entstanden, der alles irgendwie im Blick und im Griff hat.
Thomas tritt hier übrigens überhaupt nicht an, diese Meinung zu widerlegen. Er sagt nur, die Güte der Ordnung wäre eben zufällig, wenn Gott nicht auch alle Dinge bis in die kleinsten Teile irgendwie wollte. Dabei erklärt er eigentlich nur seine eigene Position. Wenn es so ist, dass alles Gute des Universums zu einer guten Ordnung zusammengefasst wurde, dann kann dieses Zusammenführen nicht von Teilen des Universums her geleistet werden. Dann muss es einen Schöpfer geben, der alle Dinge kennt und will.
Ich habe mich in den letzten Tagen etwas eingehender mit römischer Geschichte befasst und mir die Schlacht des Karthagers Hannibal in Canae angeschaut. Der geniale Feldherr bescherte den Römern im eigenen Land eine ihrer schwersten Niederlagen. Das Geniale war die Planung der Schlacht und ihre Anordnung. Hanibal schaffte es durch geschickte Verlagerung der verschiedenen Truppenteile die römische Übermacht unbemerkt einzukesseln und auf kleinsten Raum zusammen zu treiben. Für diese Anordnung  und Regie hätte im Geschehen selbst kein Truppenteil sorgen können. Es brauchte jemanden, der den Überblick, die Schau des Ganzen hatte und überlegene Fähigkeiten. Wenn man das Ganze ordnen will, braucht man einen, der das Ganze im Blick hat, das geht nur von außen. Ein in dieser Weise Erhabener ist der Schöpfer, sagt Thomas.
Aber wie gesagt, Thomas tritt hier keinen Beweis an, die Meinung, alles sei zufällig, zu widerlegen. Die kommt für ihn einfach nicht in Frage. Thomas ist gläubig und sagt auch öfter, er habe die besseren Argumente. Argumente sind hier aber keine Beweise, sie polstern lediglich einen Standpunkt und legen ihn nahe.
Manchmal hört man von besonders gut meinenden Leuten, diese thomanische Haltung, der atheistische Gedanke komme nicht in Frage, der sei dogmatisch, und das Dogmatische müsse doch gerade abgeschafft werden. „Keine Dogmen!“, hört man da. Es tut mir leid, wenn ich da was nicht verstehe. Man kann wohl alle möglichen Dogmen über Bord werfen, um Ballast loszuwerden. Der Korb aber, in dem man sitzt, der gehört nicht zum Ballast. Den kann man nicht von sich werfen, ohne selbst herunter zu fallen. Der Korb ist ein Dogma, nämlich das, keine Dogmen zu wollen. 
Wenn ich richtig sehe, gehen unsere atheistischen Gegner gar nicht gegen das Dogmatische als solches vor. Sie wollen nur jene Dogmen nicht, die sich aus unserem Gottesglauben ergeben, wohl aber ihre eigenen. Das Gebäude auf ihrem Standpunkt steht steif und starr von Dogmen, man muss sie nur sehen können. Wie immer auch, für Thomas kommt nicht in Frage, dass es keinen Gott der Ordnung gibt, für die Atheisten kommt seine Existenz nicht in die Tüte. Beides sind Behauptungen, mehr nicht.

PS: Ich spreche von den Atheisten und meine damit nur die, die ich meine und beschreibe. Dass es Atheisten gibt, die ganz anders denken, ist mir bekannt, und die sind nicht gemeint. Ich weiß auch, dass es solche gibt, die durch das, was ich sage, nicht vertreten werden. Mir ist hinreichend bekannt, dass Leute sich melden und sagen, man dürfe das ganze so gar nicht sagen, weil es Menschen über einen Kamm schert. Würde ich auf sie hören, dann führte das dazu, dass ich gar nichts mehr schriebe, denn das geht gar nicht ohne Kamm und ohne Scheren.

Kapitel 78 in Latein.

Wenn Gott alles will, ist er dann auch verantwortlich für alles?

Kommentar zur Summe wider die Heiden von Thomas von Aquin.
Scg I,78: “Das Wollen Gottes erstreckt sich auch auf die einzelnen Güter.”

Gott ist nicht wie wir. Wer meinen Kommentar hin und wieder verfolgt oder Thomas selbst gelesen hat, was weit lohnenswerter ist, dem wird aufgefallen sein, dass der Meister nicht aufhört zu betonen, wie anders Gott doch ist als alles, was er nicht ist. Thomas nennt in dieser Gegend seiner Summe die Schöpfung „das andere“. Er sagt, Gott erkennt „das andere“, und er meint damit alles, was nicht er selbst ist. Man könnte für „das andere“ mit gewissem Recht also auch „Schöpfung“ sagen, denn alles, was nicht Gott ist, das ist im weitesten Sinn aus ihm, und somit Schöpfung. Es gibt allerdings auch Dinge in ihr, die aus ihm sind, für die er sich jedoch nicht verantworten muss.
Wenn junge Eltern ihrem Kind ein Zimmer einrichten, es hübsch gestalten und in Ordnung bringen, dann sind sie nicht verantwortlich, wenn das Kleine es verwüstet.
Der Vater hat das Haus zwar gebaut, die Mutter hat es eingerichtet und beide haben ihre Vorstellungen einfließen lassen. Das verwüstete Zimmer hat allerdings auch Teile, die zwar alle zum Haus gehören, die sich aber anders entwickelt haben, als vorgestellt. Wenn der Wachtmeister „Ist das ihr Haus?!“ fragt, dann steht der Vater mit seiner Unterschrift gerade. Er wird auch für alles haften und verantwortlich sein. Aber er wird Einwände machen dürfen.
Wir sind an einer Stelle angelangt, wo man beim Vortragen sieht, dass manche Hörer unruhig werden. Wenn man sagt, Gott will alles, was ist und er will alles einzeln, was ist, dann scharren die Leute mit den Füßen und meistens erhebt sich einer und fragt, ob Gott denn auch das Elend einzeln will. Das gibt es schließlich auch, und zwar in seinem Haus, in seiner Welt, die er verantwortet. Aber auch er wird Einwände machen können.
Die Sache wird ungefähr dann zur endgültigen Provokation, wo man mit Fug sagen kann, Gott will sogar das Dasein des Satans, denn wenn er ihn ganz und gar nicht wollte, dann gäbe es ihn nicht.
Wir werden die Sache hier nicht befriedigend behandeln können, allein schon, weil man sie nie befrieden kann. Die einzige befriedende Antwort auf die Trauer einer Mutter um ihr Kind, ist, es ihr wieder zu geben, und zwar jetzt. Die einzige befriedende Antwort auf den Schmerz ist, ihn sofort zu beenden. Wer unter Schmerzen leidet, dem nützt es gar nichts, wenn man sein Wehe von der theoretischen Seite her betrachtet oder sonst irgendwie drüber redet.
Leiden kann man im Leiden nicht gut besprechen. „Gehabte Schmerzen, die hab ich gern“, hat Wilhelm Busch geschrieben. Man kann Schmerzen nur vorher und nachher wollen, wenn überhaupt. Und der Punkt in der Klage gegen Gott liegt eigentlich immer dort, wo Gott unser Leiden erkennt und wo er es entweder nicht sofort beendet oder nicht verhindert hat. Thomas hat an vielen Stellen seines Werkes viele Antworten, und wenn überhaupt einer so eingehend geantwortet hat, wie man eingehend antworten kann, dann er. Seine Antworten sind allerdings theoretisch. Sie stellen natürlich das Ende des Leidens all derer in Aussicht, die nicht mehr leiden wollen, aber sie beenden es nicht jetzt, und deshalb sind sie nicht befriedend.
Er stellt beispielsweise in der großen Summe die These auf, wenn Gott nicht sozusagen die Gelegenheit bekäme, aus dem größten Elend die höchste Freude machen zu können, dann fehle ein Gebiet, auf dem er zeigen kann, was er drauf hat. Sehen können, was er alles kann, gehört aber irgendwie zur vollkommenen Gottesschau, wenn ich mal so sagen darf.
„Weit weg!“, „von zu weit her geholt“ und „zu nichts nütze“ werfen die Kritiker regelmäßig gegen solche Argumente ein, und ihr „kreuzige ihn!“ gilt dem beharrlichen Glauben an die Güte Gottes.
Wer aber Thomas liest, der liest eben nur Thomas. Er kann sich auf die intelligentesten Gedanken freuen, die man sich zu allen möglichen Themen machen kann. Aber auch Thomas kann nicht so weit gehen, dass seine Argumente den Lieben Gott vor der Anklagebank bewahren. Der Mensch der Neuzeit ist so frei, ihn dort hin zu zitieren. Es ist Gottes eigene Sache, seine Unschuld und seine Güte zu beweisen, seine Anwälte können das nicht.
Ich vermute stark, Gott wird uns zuerst das für die modernen Menschen völlig unbegreifliche Kreuz seines Sohnes unter die Nase halten und gründlich erklären. Ich fürchte auch mit Bangen, dass er den Theologen und Predigern seiner Sache vorwerfen wird, dass sie das nicht getan haben. Ich glaube aber zudem, dass die Antwort Gottes vor allem nicht theoretischer Natur sein, sondern höchst praktisch ausfallen wird. Thomas hat jedenfalls getan, was die Prediger unserer Tage nicht mehr tun: Er hat den Glauben erklärt. Er hat das mit dem Leiden allerdings nicht dort erläutert, wo wir jetzt in der Summe stehen. Hier erklärt er allerdings, dass Gott nicht nur die ganze Welt, sondern auch alle ihre Teile will. Wenn man so möchte, gibt er damit den Anklägern das Werkzeug in die Hände. Der aristotelische, blinde Gott wäre nicht verantwortlich. Aber nach den Ausführungen des Thomas wird Gott zugeben müssen, dass er alles gewusst und gute Teile davon gewollt hat. Das erst macht es wirklich spannend.

Kapitel 78 in Latein.

Gott liebt sich und alles, was es gibt

Kommentar zur Summe wider die Heiden von Thomas von Aquin.
Scg I,75: “Indem er sich will, will Gott auch das andere.”

Im fünfundsiebzigsten Kapitel stellt Thomas zwei wunderbare Grundsätze auf: Erstens sagt er, von dem, was man um seiner selbst willen liebt, möchte man, dass es das Beste ist und dass es ihm am besten geht. Zweitens sagt er, wenn man etwas um seiner selbst willen liebt, dann liebt man auch das, worin es ist.
Das bedeutet, verliebt sich jemand irgendwo, dann wird auch das Haus, aus dem der Geliebte stammt, immer einen gewissen Zauber der Liebe behalten. Der Ort, an dem man sich verliebt, bekommt durch diese Liebe einen eigenen Zauber. Den ersten Grundsatz braucht man allen Eltern der Welt nicht zu erklären. So wie sie ihre Kinder lieben, wünschen sie sich, sie seien erfolgreich, gesund und zufrieden.
Ein kurzer Gedanke wäre vielleicht auf das thomanische „um ihrer selbst willen lieben“ anzustellen. Thomas schreibt das dazu, weil er immer so genau ist. Als ich noch ein Kind war, wohnte eine ältere Dame in der Nähe, die ihre noch viel ältere Mutter pflegte. Dieser ging es gar nicht gut, und je schlechter ihr es ging, desto schlechter ging es natürlich auch der Tochter. Die Dame war oft bei uns und klagte uns ihr Leid. Dabei fiel auf, dass sie wirklich ihr eigenes Leid und gar nicht das der Mutter klagte. Sie glaubte, ihre Mutter läge im Mittelpunkt ihres Interesses. Das stimmte aber nicht, denn wenn sie das Leid ihrer Mutter erwähnte, dann eigentlich nur um zu schildern, wie sehr sie selbst unter dem Leid ihrer Mutter litt. Das hätte das Kriterium „um ihrer selbst willen“ wohl erfüllt, allerdings in Richtung auf sich. Das ist wohl häufiger zu finden.
Wenn jemand eine Schwäche für Faltboote hat, dann sicher, weil es ein Vergnügen ist, mit solchen über die Seen zu paddeln. Er liebt die Faltboote wohl, weil er einfach Faltboote liebt, sicher allerdings zu guten Teilen auch um des Vergnügens willen, das er selbst bei den Fahrten hat. Also um derent- und um seinetwillen. Immer mischt sich da naturgemäß etwas, was ja wohl auch gut und richtig ist, und die Gewichte sind verschieden verteilt. Am reinsten scheint mir die Liebe um seiner selbst willen in der Tat bei Eltern und ihren Kindern zu sein. Jede Mutter liebt ihr Kind um des Kindes willen, und den Vätern geht es genau so. Väter gehen um des Wohles ihrer Kinder willen durchs Feuer und Mütter werden zu Drachen, wenn sie um ihre Kinder kämpfen müssen. Thomas meint wohl, je selbstloser und je weniger selbstbezogen eine Liebe ist, desto reiner kann man an ihr zeigen, was er zeigen möchte.
Es geht ihm hier darum zu begründen, dass Gott nicht nur sich selbst will, sondern im gleichen Akt auch alles andere. Er will genau dadurch, dass er sich will, auch das andere gleich mit, und es ist interessant, dass hier sofort das Wort der Liebe mit im Spiel ist.
Wollen und Lieben scheinen wohl wieder wie zwei Seiten einer Medaille zu sein, wie das beim Erkennen und Wollen der Fall war. Das liegt nahe, denn etwas wirklich lieben bedeutet in jedem Fall, eine Existenz zu wollen. Ob jemand Blumen bringt, ob er sich für jemanden schön macht oder nur Worte der Liebe flüstert; immer drückt er seine Freude an dem Umstand aus, dass es den geliebten Menschen gibt. Selbst wenn es eine gute Speise ist. Sagt jemand, er liebe Austern, dann meint er automatisch mit, dass er gut findet, dass es Austern gibt. Etwas gut finden heißt seine Existenz genießen, und das heißt wiederum, etwas, ein Dasein wollen. Wenn Gott nun, der der Herr über alles Sein und Nichtsein ist, dann will er von allem, was ist, dass es ist. Würde er das Nichtsein von etwas wünschen, dann wäre es nicht da. Das würde ich den Uranfang dessen nennen, was Liebe heißt.
Es gibt da übrigens eine hübsche Parallele im Denken des Thomas, nämlich das Spiel. Thomas sagt nebenbei bemerkt, ein Leben ohne Spiel sei eigentlich gar kein Leben. Vom Spiel selbst aber sagt er immer, es sei etwas, das sein könne, aber nicht sein müsse und dass es um seiner selbst geschehe. Wer spielt, der hat Lust zu spielen. Er spielt, weil er spielen will und nur, weil er das Spiel will. Im Blick auf Gott zeigt sich eine Parallele. Er musste die Dinge nicht ins Sein entwerfen. Er musste weder das Universum, noch sonst irgendetwas schaffen. Gott selbst hat nichts von seiner Welt. Sie macht ihn nicht reicher, nicht glücklicher und sie verschafft ihm keine zusätzliche Vollkommenheit. Dennoch schuf er die Dinge und hält sie im Dasein, mit der gleichen Leichtigkeit, die dem Spiel innewohnt. Auch die Welt muss, wie das Spiel, nicht sein. Auch die Welt hat außerhalb ihrer selbst keinen Zweck und nichts, worauf sie aus ist. In diesem Sinn haben kluge Denker in gewagten Entwürfen Gott schon mal den spielenden Gott genannt. Hugo Rahner hat einmal ein kleines Buch darüber geschrieben. Ein Büchlein, das so hübsch ist, wie es sein Bruder nie hätte schreiben können.