Die Versuchungen und der Herr im Hause

bildschirmfoto-2015-03-29-um-12-44-14

Über Engel, Dämonen und alles Mögliche und Unmögliche

Als mein Freund mich bat, über den Teufel zu schreiben, wusste ich, es würde etwas herauskommen, was nicht ganz seinen Vorstellungen entsprechen kann. Er mag es nämlich, wenn lange über den großen Verlierer gesprochen wird, wobei ich am liebsten gar nichts bis wenig über ihn sage. Es gibt in den christlichen Gemeinschaften eine Sorte Denken und Empfinden, auf die ich mich nicht gern einlasse.

Ein Beispiel. Auf der Kirmes gibt es verschiedene Typen, die alle gern über den Platz laufen, die aber an verschiedenen Geschäften jeweils ihre größere Freude haben. Manche rennen gleich zu den Achterbahnen mit den haarsträubenden Kurven, Loopings, Umdrehungen und Schockmomenten. Andere suchen eher den Grusel in den Geisterbahnen und haben einen Hang, mystische und magische Zeiten zu erleben. Ein dritter Teil schlendert lieber eher als Zuschauer über die Plätze, um an der Freude der anderen seinen Spaß zu haben. Diese Leute ziehen es vor, mit einem Bier, mit Wurst oder süßen Sachen in der Hand zwischen den Geschäften zu spazieren.

Mein Freund, der mich bat, über den Widersacher zu schreiben, ist ein ausgesprochener Geisterbahntyp. Das Dumme an unserer gemeinsamen Sache ist, ich spaziere lieber, und ich glaube, das habe ich von meinem Lehrer Thomas. Der sagt zum Beispiel, es gebe drei Faktoren, die den Menschen durcheinander bringen und aus der Bahn werfen. Das eine sei das Angebot der Welt, das zweite sei man selbst, das dritte sei der Teufel. Natürlich hängen die drei Dinge zusammen, aber ich würde sagen, meistens sind wir es doch selber.
Was mich an den Freunden der Geisterbahn schon mal stört, das ist ihre Annahme, die drei Quellen unterscheiden, zu trennen und klar ausmachen zu können, was jetzt von was kommt. Da würde ich für meinen Teil eher eine gewisse Zurückhaltung, Demut und Vorsicht anmahnen.

Als vor Tagen über diese Terroranschläge in Europas Städten geklagt wurde, kletterte wieder ein Geisterbahnfreund auf den Plan und äußerte sein Wissen, der Teufel habe die Leute verführt, und er nutzte die Gelegenheit, das schreckliche Wirken des Satans auf Gottes Erde zu beklagen. Ich will gar nicht auftreten und Gegenteile behaupten oder Rundumverneinungen aussprechen. Wie gesagt, ich schlendere lieber, würde aber doch kurz anmerken wollen, die Geisterbahnen auf der Kirmes sind fest umgrenzte Häuser, Mauern haben, über die kein Geist zu klettern hat. Die Kirmes als ganze und als solche ist keine Geisterbahn.
Der Geisterseher unterlag der gleichen Versuchung wie seine schlimmsten Feinde. Die Taliban wollen aus ihrem ganzen Land ein Schweigekloster machen, in dem keine Musik läuft und alle streng fasten und beten. Dabei sind Klöster doch feste, umgrenzte Räume, in die ja eintreten kann, wer möchte und vor allem nicht jeder muss.

So sind auch die Geisterbahnen streng definierte Gebiete, von denen sich die Umwelt mit bestem Heimrecht absetzt. Der Teufel und die Taliban mögen von mir aus ihre Häuser haben. Solange meine Entscheidung nicht hinein führt, können sie mir gestohlen bleiben. Ich mag es also nicht, überall gleich den Widersacher am Werk zu sehen und halte das manchmal auch schlicht für eine verehrte Deutung der Welt, die aus dem Drang zum Geistersehen kommt. Ich mag auch keine Beichtstühle betreten, in denen viel von Teufels- und Engelszauber geredet wird.

Vielleicht lohnt noch ein kurzer Blick auf die drei Komponenten der Versuchung, von denen Thomas spricht: Der Teufel, die Welt und wir selber. Wichtig ist dabei nämlich zu wissen, wie das ganze gemeint ist. Das zuletzt genannte, wir selbst, sollte nicht als Instanz der Entscheidung außer Acht gelassen werden. Wer nicht in die Geisterbahn will, dem kann kein Geist etwas. Der macht mit seinen Werbeschildern zwar seine Angebote in der Welt lesbar, es ist aber jedem seine Sache, wie er seinen Kirmesgang gestaltet. Auch das „Welt“ genannte mit seinen Kiosks, seinen Geschäften und schmackhaften Spelunken und Bars steht als Angebot ins Haus. Aber auch da obliegt die Entscheidung dem Hausherrn, welche Stimmung in seinem Inneren zu herrschen hat. Die eigenen Erfahrungen, Gewohnheiten und Neigungen sind auch mehr oder weniger Angebote, zwischen denen man wählen kann. Thomas sagt einmal, mögen die Himmelskörper, wir würden sagen der Mond, auch seine Auswirkungen auf uns haben. Das entbinde uns dennoch nicht, verantwortliche Entscheidungen zu treffen. Thomas hat ein eigenes, kleines Kapitel, in dem er seine Meinung kundtut, in wie fern und ob überhaupt der Gehörnte Herr über uns sein kann. Das sollten wir uns bei Zeiten ansehen.

Die ungeliebte Ordnung

Bildschirmfoto 2015-03-29 um 12.44.14

Heute wieder zwei Texte.

Wir benutzen gerade einen Begriff, zu dem wir etwas sagen müssen, damit wir ihn nicht vor ihm davon laufen. Du kennst das von deinem kleinen Bruder. Wenn er sein Zimmer aufräumen soll, rennt er ganz gleich wohin, Hauptsache weg. Genau genommen aber rennt er gar nicht vor der Ordnung davon, sondern vor dem Aufräumen. Aufräumen ist kein Vergnügen, wenn aber alles an seinem Platz ist, gefällt es uns doch. Man regt sich auf, wenn man pünktlich heim soll, aber wenn das Essen tags drauf nicht genau so pünktlich auf dem Tisch steht, gibt es auch Ärger.

Wir lieben das Aufräumen,
wenn es ein anderer für uns macht.

Das schreckliche Wort „Ordnung“ gebrauchen wir auch für Dinge, die alles andere als schrecklich sind, die uns, im Gegenteil, vor dem Schrecken bewahren. Wir lieben besonders die Ordnung, die wir nicht sehen und hören. Wenn wir uns schlafen legen, dann können wir nur in der sicheren Annahme Ruhe finden, dass die Sonne am anderen Morgen aufgeht. Wenn sie machen würde, was sie will und an einem lieben Morgen einfach mal nicht erschiene, es würde Panik ausbrechen. Es gehört zur Ordnung unserer Welt, dass die Autos nur losfahren, wenn sich einer reinsetzt und sie startet. Wir würden wahnsinnig, wenn die Dinger eines Tages plötzlich vor uns davon fahren würden. Wir mögen die zwischenzeitliche Unordnung noch so lieben und genießen. Wir würden sie nicht aushalten, wenn sie nicht von einer strengen Ordnung außerhalb ihrer gehalten würde.

Aristoteles, einer der Lehrer des heiligen Thomas hatte seinerzeit geschrieben, es gehöre zur Aufgabe des weisen Menschen, dass er die Dinge ordne.
Wenn sich jemand ein Haus bauen lassen möchte, dann hat er eine Vorstellung im Kopf. Damit sein Projekt aber zustande kommt, engagiert er am besten jemanden, der sich auskennt. Der wiederum heuert Handwerker an. Die einen baggern die Grube aus, die nächsten gießen das Fundament. Dann kommen Maurer und ziehen das Haus hoch. Danach braucht es Zimmerleute, die den Dachstuhl zimmern und Dachdecker, die dafür sorgen, dass es später nicht hinein regnet. Viele andere werden engagiert, die bis in die Kleinigkeiten für alles sorgen. Am Ende, wenn der Hausherr einziehen kann, braucht es den Architekten nicht mehr. Der aber musste über alle  Arbeitschritte im vorhinein Bescheid wissen. Nur wer den Überblick hat, kann anordnen, wann wer was erledigen muss. Und einen solchen Überblick haben und behalten nennt der Philosoph den Weisen. Der Maurer muss nicht wissen, wann die Leute mit den Tapeten kommen müssen. Es reicht, wenn er sein Handwerk versteht, was an sich schwer genug ist. Der Weise aber, der hat die gesamte Ordnung im Auge. Für den einzelnen bei der Arbeit kann das ganze schon mal chaotisch zugehen. Da kippen Eimer um, da fällt ein Stein vom Dach und eine Mauer verläuft nicht gerade genug. Ist aber das ganze am Ende fertig, bekommt der Weise reichlich Lohn und Applaus.

Der Weise kann kein Chaot sein und hätte auch keine Freude daran. Aber selbste wenn den lieben langen Tag Kinder auf der Baustelle spielen, sie werden seinen Überlick nicht stören. Wenn die weisen Denker der alten Schule von Ordnung sprechen, dann meinen sie eine solche.

So muss es auch in der schönsten Liebe eine Ordnung geben, zum Beispiel, dass sie nicht so weit geht, dass sie irgendwo lieblos gegen jemanden wird. Auch die Freiheit hat dort ihre Grenze, wo die Freiheit des Nachbarn anfängt. Aber wie gesagt, eine Ordnung ist so gut, wie man sie nicht bemerkt. Tiefseefische leben in einem Wasserdruck von tausenden von Metern. Sie schwimmen munter in den Tiefen umher. Sie spüren erst, wie sie den Druck brauchten, wenn man sie hochzieht und sie sich unwohl fühlen. So merkt man oft auch erst, dass man sich in einer Ordnung wohl gefühlt hat, wenn sie einmal nicht da ist. Ein Kind auf dem Spielplatz spielt vergnügt und darf dabei ruhig vergessen, dass die Oma auf sie Acht gibt. Die tut es aber und ist der Mensch mit der Weisheit einer langen Erfahrung am Platz.

Du hast sicher schon mal von Gentlemen gehört. Gentlemen sind Leute, die Format haben, die sich zu benehmen wissen und die vor allem nicht danach trachten, groß aufzufallen. Aber wenn man sie sieht, dann weiß man irgendwie, dass da jemand ist, der Tiefe besitzt, der weiß, was sich gehört und niemals schnöde dreindreschen würde. Der Gentleman ist vor allem einer, der den Kleinen nichts tut und der auch die Großen nicht stören möchte. Ein solches Ideal findet sich in allen Kulturen, so verschieden sie sein mögen. Eine Kultur, die sowas nicht kennt, ist irgendwie keine Kultur.
Ich will jetzt hier kein neues Fass aufmachen und Benehmen predigen. Aber wenn du dir einen Menschen fürs Leben suchst, dann empfiehlt es sich, auf einen aus zu sein, der sich um solche Eingenschaften bemüht. Er braucht kein König sein, aber irgendwie innerlich aus königlichem Geschlecht, mag er auch aus einfachstem Hause stammen und gar nicht viel haben. Einen Kamm und ein Stück Seife wirst du immer bei ihm finden. Und um das ganze wieder abzurunden: Die christliche Schule sieht in ihrem Schöpfer, in aller Zurückhaltung gesagt, durchaus so etwas wie einen Gentleman. Ihr Gott hat alles im Überblick, seine Macht macht keine Angst, sein Wissen drängt sich nicht auf, aber seine sanfte Führung, die gibt er nicht aus der Hand. Der Liebe Gott ist, wenn man so will, immer präsent. Seine Nähe aber drängt sich so wenig auf, dass die, die ihn nicht kennen möchten, nicht mal merken, dass er da ist.
Und übrigens: Der viel besprochene Sünder ist hier eigentlich nicht der, der unbedingt das Falsche will, sondern der, der die Ordnung der Weisheit nicht will.

ScG, 1, 1, 2: „Multitudinis usus, quem in rebus nominandis sequendum philosophus censet, communiter obtinuit ut sapientes dicantur qui res directe ordinant et eas bene gubernant. Unde inter alia quae homines de sapiente concipiunt, a philosopho ponitur quod sapientis est ordinare. Omnium autem ordinatorum ad finem, gubernationis et ordinis regulam ex fine sumi necesse est: tunc enim unaquaeque res optime disponitur cum ad suum finem convenienter ordinatur; finis enim est bonum uniuscuiusque.“
-“ Der Philosoph empfiehlt bei den Dingen, die man erklären will, so zu sprechen, wie allgemein üblich. Und im Allgemeinen, sagt er, werden diejenigen weise genannt, die die Dinge unmittelbar ordnen und sauber führen. Unter den Dingen, die man von den Weisen annimmt, hebt er hervor, dass das Ordnen vor allem Sache des Weisen ist. Bei allen Dingen aber, die auf ein Ziel aus sind, muss man die Regel seiner Führung und Ordnung vom Ziel her bestimmen. Jedes Ding ist nämlich dann optimal aufgestellt, wenn es angemessen zu seinem Ziel hin geordnet wird. Das Ziel ist nämlich das Gut aller Dinge.“

Eine Grenze der Freiheit

Bildschirmfoto 2015-03-29 um 12.44.14

Jeder weiß, die Freiheit hat Grenzen, und kaum einer kann mehr als eine nennen. Wenn Du herum fragst, wo die Freiheit ihren Zaun hat, dann wird immer der des Nachbarn genannt. Auf Deinem Grundstück kannst Du Partys feiern, wie Du möchtest. Der Respekt vor dem Nachbarn aber verbietet es, sie auf seinen Rasen auszudehnen. Die Freiheit endet hier. In diesem Sinn könnte man noch tausend Beispiele aufzählen. Es gibt da aber noch eine ganz andere Grenze der Freiheit, und das ist eine, auf die nie jemand kommt.
Erlaube mir ein Beispiel. Wenn Du gern Kuchen magst, und mit etwas Geld in der Tasche beim Bäcker stehst, dann steht Dir ganz frei, welche Sorte Du wählst. Es darf die Käsesahnetorte sein, der Erdbeerboden dort wäre nicht schlecht oder etwas von dem Marmorkuchen mit Schoko und Mandeln da drüben. Vielleicht auch erst das Stück Erdbeer und danach ein kleines Gebäck? Jede Sorte kannst Du wählen, aber steht Dir auch frei, keinen Kuchen mehr zu mögen?
Manche mögen’s eher deftig. Sie ziehen ein ordentliches Käsebrot oder ein Stück würzige Wurst dem Süßen vor. Sie haben hier das Gebiet ihrer freien Wahl. Aber können sie auch wählen, lieber Kuchen zu mögen? „Jeder ist, wie er ist“, heißt es, und das Wörtchen „nunmal“ kommt irgendwo hinein. Man mag nunmal lieber Deftiges, der andere ist nunmal ein Süßer.

Bisher haben wir von der Vielfalt, von den verschiedenen Menschentypen gesprochen. Wir haben gesehen, was die Leute unterscheidet. Es geht auch anders: Wir können von dem aus sehen, was alle gemeinsam haben. Die einen finden Käse gut, die anderen Kuchen. Aber alle finden etwas gut. Die einen mögen große Feiern, die anderen mögen es, im ruhigen Wald zu sein. Mögen aber heißt gut finden. Mein Vater liebt seine Frau, Dein Onkel Deine Tante, aber lieben tun sie alle. Auch lieben heißt gut finden.
Die Frage wäre jetzt nicht, ob man aufhören kann, dieses oder jenes zu wollen, sondern, wie das mit dem gut finden überhaupt ist. Kann man aufhören, das Gute zu wollen? Oder etwas anders gefragt: Kann man aufhören, sich Gutes zu wünschen?
Wir müssen jetzt gut achtgeben, denn man könnte gleich mit „Ja“ antworten, etwa wenn man sieht, wie eine Mutter gern auf das Süße verzichtet, um es ihrem Kind zu geben. Sie will dann das Gute nicht für sich, sondern für jemand anderen und wählt das weniger Gute. Ich will gleich meine Meinung sagen. Ich behaupte, kein Mensch kann aufhören, das Gute für sich (und überhaupt) zu wünschen. Auch die Mutter sieht ihr größeres Glück im Glück ihres Kindes. Sie wählt das weniger Gute, um das schönste Gut zu bekommen, das im Lächeln ihres Kleinen besteht. Sie kann nicht aufhören, das Glück ihrer Kinder zu wünschen, und damit kann sie auch nicht aufhören, sich nach ihrem eigenen Glück zu sehnen. Selbst wenn sie ihr Leben geben würde, um das ihres Kindes zu retten, dann wäre sogar ihr Opfer ihr größtes, eigenes Glück.

Es gibt Leute, die können sich nicht lieb haben. Irgendetwas ist oder war, was ihr Verhältnis zu sich selbst verletzt. Das stimmt und gibt es tausendmal. Aber ist es nicht so, dass wir darunter leiden, wenn wir uns nicht lieben können? Und wenn wir darunter leiden, dann möchten wir, dass es anders sei. Heißt „ich hasse Dich!“ nicht oft, „ich möchte Dich gern lieben?“, wenn doch nur dieses oder jenes anders oder nicht geschehen wäre? Eigentlich möchte jeder sein Glück, tief drinnen, wie man sagt.

Der Lehrer meiner Schule, der heilige Thomas, ist immer in allem sehr klar und immer gerade heraus. Er sagt kurz und bündig: Jeder Mensch sucht immer das Gute. Damit meint er sowohl das Gute für sich, als auch das Gute überhaupt. Wenn man so möchte, ist hier diese Grenze der Freiheit, die selten gesehen wird: Die Freiheit zu wählen bewegt sich immer in der Vorgabe, dass der Wille Gutes will. Man kann zwar irren und Schlechtes fälschlich gut finden. Man will dann aber hinter dem Schlechten immer noch das Gute. Es heißt in der modernen Sprache schon mal, jemand will subjektiv das Gute und wählt objektiv etwas Schlechtes. Man will sich verwöhnen und schadet sich in Wirklichkeit eher. Um es für heute auf den Punkt zu bringen: Eine Grenze der Freiheit lautet: Man kann eigentlich nichts Schlechtes wollen.

Quelle:
Sent, 2, 39, 2, 1, co:„Ideo quamvis velle bonum homini sit naturale, nihilominus tamen potest malum velle, non inquantum est malum, sed inquantum existimatur bonum.“ – „Obwohl Gutes wollen für den Menschen das Natürliche ist, kann er dennoch Schlechtes wählen, nicht insofern es schlecht ist, sondern insofern es als etwas Gutes angesehen wird.“

Wenn der Wille festmacht

Bildschirmfoto 2015-03-29 um 12.44.14

Wenn man mit Leuten zu tun hat, die etwas genauer nachdenken können, dann sollte man versuchen, auch möglichst etwas genauer schreiben, und etwas genauer bedacht ist Freiheit nicht gleich Freiheit.
Wer im Knast sitzt, kann sich wohl frei für eine Reise auf die Malediven entscheiden. Er ist aber nicht frei genug, die Reise auch anzutreten. Knast heißt eben Freiheitsentzug. Es gibt also eine Freiheit, die man entziehen kann und eine, die man behält. Die Freiheit der Entscheidung, nämlich reisen zu wollen, die bleibt. Unsere Demonstrationen für die Freiheit auf den Straßen fordern immer die, die man erstatten und verweigern kann. Entscheidungsfreiheit kann man nicht fordern, die hat jeder.
Es gibt auch Möglichkeiten in der Freiheit, die man wohl hat, aber nicht nutzt. Mein Onkel Herman ist frei, sich Drogen zu besorgen, er ist aber nicht so dumm, es zu tun. Die reichen Leute in ihren Palästen sind frei, in die Elendsviertel ihrer Städte zu ziehen. Sie verzichten in der Regel aber auf diese Möglichkeit ihrer Freiheit.
Damit sind wir schon beim Thema, das die alte Lehre die „Festigkeit des Willens“ im Guten oder auch im Bösen nennt. Im Reichtum ist kaum jemand so dumm, ihn zu verlassen, wenn er nicht gezwungen wird. So lange er kann bleibt der Reiche bei seinem Reichtum und sein Wille festigt sich ganz in dieser Richtung. Die Festigkeit des Willens ist von dieser Art: Man kann, was man nie tun wird.

Zugestanden, auf Erden gibt es Verrückte und es gibt Kluge, die verrückt aussehen. Deshalb scheinen uns die Dinge nicht immer so eindeutig. Unsere Heiligen findet man schon mal in ziemlich elendigen Vierteln, für die sich die Meisten der Welt nie entscheiden würden. Die Heiligen hausen bei den Armen, um bei ihnen zu sein und ihnen zu helfen. Wer ihnen Millionen in die Hand drückt, muss mit ansehen, wie sie die mit einem Lächeln weiter verschenken. In den Augen der Welt ist das total verrückt und sieht nach einer Befestigung des Willens in der Dummheit aus.
Aber wenn man mit den Heiligen spricht, dann sind sie alles andere als dumm und finden bei ihren Armen eine Freiheit und einen Reichtum, den man sehr ernst nehmen sollte. Man kann über die Heiligen viel schreiben und sagen, und in einer Welt, die verschweigt, was sie nicht kapiert, kann man das wohl nicht genug tun. Um die Heiligen aber zu verstehen, geht man sie am besten besuchen.

Wir sind bei den Engeln. Thomas schreibt, sie hätten eine Art endgültige Festigkeit im Guten, und das bei bleibender, voller Freiheit. Man kann das ähnlich verstehen wie das mit den Wohlhabenden in der Welt. Sie sind in aller Regel nicht so dumm, um ihr angenehmes Leben aufzugeben. Die Umstände können sich allerdings ändern. Ein Sohn der Familie erkennt einen neuen, spirituellen Weg und ist bereit, dafür alles zu verlassen. Ein anderer gibt einen Teil den Armen und findet darin sein Glück. Wieder anderen wird genommen, was sie gern behalten würden. Im Leben auf Erden gibt es nichts, was es nicht gibt, und es gibt viel Freiheit und wenig Sicherheit. Das liegt daran, dass die Umstände der Welt sich ständig ändern können.
Mit den Engeln und Heiligen im Himmel sieht das anders aus. Die Heiligen haben die unbeständige Welt hinter sich gelassen und die Engel waren ihr nie unterworfen. Beide sind nun da, wo die Umstände gleich bleiben, wo die Dinge nicht in Gefahr sind und wo es keine Armen gibt, die gern reicher wären. Gott ist der selbe, ihre Welt bleibt die selbe und sie sind die selben. Sie haben alles, was sie sich wünschen und wünschen sich nichts was sie nicht bekommen könnten. Ihre grundsätzliche Freiheit aber ging nie verloren.
In ihrer Freiheit haben sie immer irgendwie ihr Glück gesucht. Jetzt haben sie es und können gar nicht anders, als in ihm bleiben wollen. Der Wille steht fest in dem, was sie haben. Das Himmelstor kann sperrangelweit aufstehen, niemand wird gehen.
Das legendäre Tor zur Hölle steht übrigens auch weit auf, und auch da kommt niemand heraus. Es gibt auch da keinen anderen Zwang außer den des eigenen Wollens. Wer will, kann gehen, es will aber niemand. Weder hier noch dort. Es gibt eine Festigkeit des Willens im Guten. Es wird allerdings auch eine im Bösen geben, und über die wird zu reden sein.

Eine Frage, die man eigentlich nicht stellt

Bildschirmfoto 2015-03-29 um 12.44.14

Für Mantha und Lisa

Wer sich einen Hund aus den Tierheim kauft, wird vermutlich zwei Gründe haben. Ich meine, es können tausend sein, die wir nicht wissen, zwei aber können wir vermuten: Er will, erstens ein Haustier haben, weil er Haustiere mag. Er möchte, zweitens, einem Tier helfen, das es bei ihm besser hat, als im Heim. Wenn ich richtig liege, gehen die Wünsche in zwei Richtungen: Man möchte selbst etwas bekommen und man möchte, dass es einem Tier gut geht.

Die Antwort auf die Frage, warum Gott die Engel gemacht hat, könnte auch in zwei solcher Richtungen gehen. Erstens mag er, dass es Engel gibt und zweitens mag er, dass sie Freude haben, und zwar eine, die nie vergeht.
Hier muss ich sagen, dass mich die Frage etwas nervös macht. Sie ist eine, die ich selbst nicht stellen würde. Es gibt übrigens eine Menge Fragen, die man fragen kann, aber nicht sollte. Man kann im Prinzip jede Frage stellen, wie man im Prinzip auch jede Kartoffel essen kann, warum nicht? Es gibt aber fragen, die zu stellen unanständig ist. Wenn da zum Beispiel jemand ist, der nicht Nein sagen kann und ein Buch nur sehr ungern und mit Bauchweh verleiht, dann ist es anständig, ihn nicht danach zu fragen. Tut man es doch, wird er ja sagen, aber höchst ungern. Man bringt ihn mit der Frage in eine sehr unangenehme Lage. Es gibt also Fragen, die man stellen kann, die zu stellen man aber unverschämt sein muss.
Es gibt eine zweite Sorte Fragen, die man eigentlich nicht stellt, obwohl man sie – natürlich – stellen kann. Das sind zum Beispiel solche, die das Gegenüber peinlich berühren, Fragen, die man nur mit guten, und ganz wenigen Freunden bespricht. Die in der Öffentlichkeit zu stellen ist frech und oft gemein.
Eine dritte Art stellt man besser nicht, weil sie dumm sind. Über die brauchen wir nicht eigens reden. Unsere heutige Frage ist von einer vierten Sorte, die man eigentlich nicht stellt, weil sie nicht ganz beantwortet werden kann. Der heilige Thomas sagt zum Beispiel, dass alle Dinge in ihrem Wesen ein Geheimnis haben. Man kann an keinem Ding der Welt alles wirklich ganz verstehen. Wir sehen das an den Menschen. Jeder Mensch, ob dick, dünn, dumm oder schlau, jeder Mensch hat etwas, was uns immer ein Geheimnis bleiben wird. Das geht so weit, dass wir uns selbst über ziemliche Strecken ein Rätsel bleiben. Thomas sagt etwas ähnliches von der ganzen Welt, und er meint, alle Philosophen der Welt könnten nicht einmal das Wesen einer einzigen Biene ganz erforschen. Gott hat auch die Bienen gemacht, und das Warum verstehen würde heißen, die Gedanken Gottes kennen, die er sich gemacht hat. Das aber ist für uns eine Nummer zu groß. Es gibt im Leben Geheimnisse, in die man nicht frech hinein greift, wie es Zimmer gibt, die man nicht mit Stiefeln betritt.

Die Frage nach dem Warum der Engel geht in diese Richtung. Sie führt aber zum nächsten Thema im Buch des heiligen Thomas: Die Engel haben nicht nur Verstand, sondern auch einen freien Willen. „Freier Wille“ ist ein Doppelwort, bei dem beide Teile von Bedeutung sind. Es gibt nämlich auch Willen, die man nicht frei nennen kann. Wenn eine Mücke zum Licht fliegt oder dahin, wo es warm ist, dann „will“ sie ins Helle und Warme. Ihr Wille ist aber nicht frei, sie kann nicht anders. Wer schlauer ist und sie durchschaut, kann im Hellen in Ruhe auf sie warten, um ihr mit der Zeitung eins überzuziehen.
Wer einen freien Willen hat, der kann sich auch für den dunklen und kalten Keller entscheiden, weil er, wie wir sagen, einen Durchblick hat. Mücken haben wohl einen Blick, aber keinen, der irgendwo hindurch geht. Mücken durchschauen keine Umstände. Engel und Menschen können das. Sie können grundsätzlich durchschauen, nicht alles, aber viel, das hilft ihnen, auch grundsätzlich frei zu sein.
Wir haben einen weiteren Grund, der den von oben noch etwas genauer umschreibt: Gott wollte auch, dass es Geschöpfe gibt, die sich eines freien Willens erfreuen. Und um das ganze zum kurzen Abschluss zu bringen: Er wollte den freien Willen um der Liebe willen, denn wer nicht frei ist, der kann auch nicht wirklich lieben, weder sich selbst, noch jemand anderen. Lieben bedeutet, auch anders können.

Quellen:
Symb apost, pro: „Cognitio nostra est adeo debilis quod nullus philosophus potuit unquam perfecte investigare naturam unius muscae: unde legitur, quod unus philosophus fuit triginta annis in solitudine, ut cognosceret naturam apis.“

Man wird, was man tut

Bildschirmfoto 2015-01-25 um 12.58.50

Das „nur der Mensch kann böse sein“ stimmt nicht, nicht jedenfalls, wenn es die Engel gibt. Es stimmt wohl, wenn man „auf Erden“ sagt und nur die Geschöpfe meint, die zu diesem Planeten gehören. Die Engel gehören nicht der Erde an. Sie sind wohl sehr gern hier, aber sind der Erde nicht zugehörig. Ein Gedanke dazu.
Zur Erde gehören heißt von ihr abstammen. Ob man das biblisch etwas wörtlicher nimmt oder über den Gedanken der Evolution, in beiden Fällen ist der Mensch seinem Leibe nach, wie alle Tiere und Pflanzen, von der Erde genommen. Er ist aus Staub gemacht und zum Staube wird er zurückkehren. Der Mensch mag zum Mond fliegen, er ist ein Erdenwesen und kommt aus dieser Schleife nicht heraus. Er mag noch so hoch springen oder fliegen, landen tut er wieder in dem Garten, aus dem er stammt.
Zur Erde zu gehören heißt gebunden sein, gebunden an die Materie zum Beispiel. Unsere Gedanken sind frei wie der Wind und übernatürlich, unsere Wünsche sind es auch. Wir können in Gedanken ferne Planeten besuchen, in die Vergangenheit zurück und die Zukunft planen. Die Gedanken sind frei. Sie können jedoch nur in einer geheimnisvollen Verbindung existieren: Funktioniert das Gehirn aus Fleisch und Blut nicht richtig, dann werden auch unsere Gedanken fehlerhaft bis gar nicht mehr.

Beim Engel ist das anders. Er hat keinen Körper und braucht auch kein Gehirn zum Denken und Entscheiden, der braucht keine Augen zum Sehen und keine Beine um weg zu kommen. Um etwas genauer zu verstehen, müssen wir noch sehen, wie das alles gedacht werden kann. Für jetzt aber reicht die Annahme, dass die Engel noch freier sind als wir, weil nichts Irdisches sie hält und hindern kann. Dennoch haben sie Vernunft und Erkenntnis. Sie können sehen und urteilen, deshalb sind sie uns verwandt in dieser Sache.
Wir müssen etwas hinzunehmen, was wir gern vergessen machen. Das, was wir tun und was wir entscheiden, das macht etwas aus uns. Wir haben das nicht gern, weil das ja bedeutet, wir müssen dieses oder jenes lassen, um dieses oder jenes nicht zu werden.
Als mein kleiner Freund in der Kindheit beim Diebstahl erwischt wurde, gab es zu Hause ein ausgewachsenes Donnerwetter, was mir nicht gefiel. Sein Vater nannte aber eine Begründung, die mir bis heute sehr lieb ist: Er wollte nicht, dass aus seinem Sohn ein Dieb wird.
Diebe sind Lügner und Lügner haben nur Kameraden, keine Freunde. Wer will schon etwas mit Lügnern und Dieben zu tun haben, außer mit ihnen lügen und stehlen gehen, um die Beute zu versaufen?
Dieser Zusammenhang, dass wir werden, was wir tun, ist für unsere Untersuchung zu den Engeln von ziemlicher Wichtigkeit. Wir mögen den Gedanken aber nicht, besonders in Fragen des sechsten Gebotes. Wir leben viel lieber in dem Irrtum, dass wir fröhlich die Ehe brechen können und feine Kerle dabei bleiben. Ich würde aber meinen, Gott hat uns die Gebote auch deshalb gegeben, weil er nicht möchte, dass seine Erde von Lügnern, Dieben, Mördern und Ehebrechern bevölkert wird. 

Weil nun Engel und Menschen Entscheidungen fällen können, deshalb können sie werden, wozu sie sich entscheiden. Der Mensch kann in seinen Entscheidungen ein Schurke oder ein Heiliger werden, der Engel auch. Deshalb gibt es gute Menschen, schlechte, starke und schwächliche Halunken. Deshalb gibt es gute Engel und schlechte, hell und strahlend leuchtende, und solche, deren Finsternis dunkler ist als jedes Kellerloch. Das sagt jedenfalls der Glaube, und damit wir schneller unterscheiden und Grenzen ziehen können, haben die guten andere Namen als die bösen. Die guten Menschen heißen Heilige, die schlechten nennen wir Schurken und Halunken. Die guten, körperlosen Geschöpfe nennen wir Engel, die bösen Teufel oder Dämonen. Diese Zusammenhänge nimmt der heilige Thomas in seinen Büchern haarklein auseinander um die Logik darin darzutun.

Die Freiheit der Engel, Teil 1

Bildschirmfoto 2015-01-25 um 12.58.50

Wer über den Teufel sprechen will, der muss über die Engel reden. Wer sich die Engel vornimmt, der muss irgendwann auf deren Freiheit zu sprechen kommen, und da sind wir gleich schon bei einem Punkt angelangt, wo sich das Unternehmen im Unendlichen verlieren kann. Freiheit ist eines von diesen großen Wörtern, bei denen man immer richtig liegt, wenn man sie fordert, jeder will schließlich Freiheit. Aber einfach das Wort in die Menge rufen ist ebenso nichts sagend, wie wenn einer „Grün!“ oder „Donnerstag!“ hinaus ruft.
Westernhagen hat im passenden Augenblick ein Lied mit dem Titel „Freiheit“ geschrieben, mit dem er vermutlich genau so viel verdient, wie er wenig gesagt hat. Aber Künstler seiner Art müssen ja nichts vorweisen. Es reicht, wenn sie Gefühle treffen, um dabei groß im Sinne ihrer Käufer zu werden. Und das ist schließlich auch eine Kunst, wenn auch keine besonders redliche.
Der Meister von Aquin hat auch über die Freiheit nachgedacht, allerdings auf seine Art, nicht also, um Gefühle anzufiedeln, sondern das Gehirn. Erst wenn man den Verstand anspricht, wird zur Herausforderung, was man tut.
Das Reden von der Freiheit verliert sich ins Unendliche, wenn man etwas lässt, was Thomas immer tut: Er fordert sich heraus. Er fragt nach und wird dabei genau. Westernhagen ist nicht präzise. Er singt einfach nur von Freiheit und sagt dabei nicht, ob er von der Freiheit spricht, überall hin fahren zu können oder von der Freiheit, die jemand hat, wenn er seine Schulden endlich los ist. Er sagt nicht, ob er die Freiheit meint, in der man in der Zeitung schreiben kann, was man will oder die Freiheit von Pickeln, nach der sich die Tochter des Nachbarn so sehr sehnt. So von Freiheit sprechen kann jeder, solange er sicher sein kann, dass ihn niemand mit einer Frage herausfordert. Aber wie gesagt, die Kleinkunst verlangt das alles gar nicht. Sie muss nur zum lachen oder weinen bringen, und mehr fordert ja keiner.
Beim Aquinaten sind wir an einen Denker geraten, der sich die schwersten Fragen gleich immer selber stellt. Thomas macht es sich so schwer wie möglich, um so tief es geht zu dem Kern der Dinge vorstoßen zu können, und vor allem: Um seinen Leuten etwas beizubringen. Er hat diese wohltuende Redlichkeit eines Lehrers, der sich nichts auf eigene Konten spielt und dem es überhaupt nicht um sich selbst geht. Er will einfach, was er hat und kann, seinen Schülern übermitteln und zur Diskussion bieten. Er ist also präzise. Das bedeutet, er spricht eigentlich nie einfach so von Freiheit. Er sagt immer gleich dazu, welche er genauer meint.
Für den interessierten Leser des Aquinaten ist der Umstand allerdings ein bisschen schwierig, dass Thomas kein eigenes Buch über die Freiheit geschrieben hat. Man muss also stöbern und sich seine Sachen im ganzen Werk zusammensuchen. Ein Klassiker ist da natürlich das dreiundachtzigste Kapitel im ersten Teil der philosophischen Summe, wo es schlicht um die grundsätzliche Freiheit des menschlichen Willens geht.
Wenn man so möchte, haut der Heilige hier einmal mit seiner Riesenfaust auf den Tisch und ruft: Der Mensch ist frei und basta! Man liest das zwar nicht, wenn man sich an die Lektüre begibt. Aber wenn man weiß, dass Thomas die menschliche Willensfreiheit vor acht Jahrhunderten genau so zu verteidigen hatte, wie heute, dann dämmert es einem. Heute gibt es, wie damals auch, Gelehrte und Stimmungen, die die grundsätzliche, menschliche Freiheit in Frage stellen. Früher glaubte man, die Sterne würden uns bestimmen und leiten, heute sind es die Gene oder gewisse Seitenarme des Materialismus. Zu allen Zeiten wird von jeweils höchst moderner Weise bestritten, dass der Mensch wirklich Verantwortung hat. Was früher die mittelalterlichen Himmelskörper waren, ist heute der Vollmond oder die persönliche Veranlagung. Früher war es die Philosophie, nach der alle Menschen sich einen einzigen Verstand teilen müssen, heute ist es die schwere Kindheit. Zu allen Zeiten zieht der Mensch sich den Kopf aus der Schlinge und sagt, er könne nichts dafür, wie Adam, der sagte, die Frau habe ihn verführt, bis sie behauptet, dass es die Schlange war. Der Gentleman Thomas lässt das alles natürlich gelten. Er sagt allerdings zu alledem stets, dem Menschen sei zu allen Umständen aber immer noch die grundsätzliche Fähigkeit gegeben, vernünftige Entscheidungen zu fällen. Wenn es nun um die Freiheit der Engel gehen soll, dann reicht es, wenn wir hier eine Parallele behaupten: Menschen und Engel sind beides Wesen, die das Geschenk der Freiheit haben. Das heißt, sie können wirklich wählen. Damit ist gesagt, beide sind wirklich ihres Glückes oder Unglückes Schmied.

Kann man überhaupt ganz frei sein?

Bildschirmfoto 2014-09-06 um 12.26.27

Mit dem angesprochenen Loskauf ist ein Freikauf gemeint, und der unterscheidet sich in seiner ersten Absicht von einem sonstigen, gewohnten Kauf. Wenn ein Kind einen Papagei bekommen soll, kauft man ihm einen. Das bedeutet, der Vogel marschiert vom Käfig zu Käfig; von dem der Zoohandlung in den daheim. Wenn aber ein Tierliebhaber einen Vogel freikauft, dann kauft er ihn, um ihm die Freiheit zu schenken. Er lässt ihn einfach fliegen. Der erste Grund, warum dem Kind der Vogel gekauft wurde war: Es wollte einen Vogel haben. Der erste Grund des Vogelnarren ist, der möchte die Freiheit des Tierchens.
Wenn wir mit unseren Fragen im Bild bleiben, dann kann man durchaus sagen, Gott hat uns freigekauft, weil er ein Menschennarr ist und unsere Gefangenschaft nicht länger mit ansehen konnte. Er wollte unsere Freiheit, das ist also ein wesentlicher Grund für das Kreuz.

An dieser Stelle bietet sich eine grundsätzliche Überlegung zur Knechtschaft und Freiheit an. Wer gewohnt ist, in der Bibel zu lesen, dem müssten hier nämlich die Ohren klingeln. Die Heilige Schrift hat vom Menschen ein etwas anderes Bild als wir Heutigen. Wir verstehen unter Freiheit schon mal so etwas wie ein absolutes Ungezwungensein. Frei sein heißt frei sein von allem und allem gegenüber. Es ist allerdings zu fragen, ob das so überhaupt möglich ist.
Die klassische Meinung vom Menschen sieht das etwas anders, nämlich, dass er immer irgendwelchen Dingen unterworfen ist.
Jeder kann sich frei entscheiden, Fleisch zu essen oder vegetarisch zu leben. Es kann sich aber niemand entschließen, in Zukunft gar nichts mehr zu sich zu nehmen. Wir sagen von einem, der in einer rücksichtslosen Firma geknechtet hat und sich für den Umweltschutz entschied, dass er nun einer guten Sache dient. Er dient aber wieder und fühlt sich befreit dabei.
Wer einer schweren Sucht entkam, der weiß, was Knechtschaft heißt. Er weiß allerdings auch, was dagegen die Freiheit von der Droge bedeutet. Solche Leute haben schon mal Lust, sich dafür einzusetzen, dass andere den Ausstieg auch schaffen. Auch sie dienen jetzt einer guten Sache, sie dienen aber einer und sind viel freier. Einer Sache steht man immer zu Diensten, und sei es der armseligsten, nur seinem eigenen Bauch zu dienen.

Der heilige Paulus schreibt im Römerbrief einmal etwas Eigentümliches: „Als ihr noch in Sünde lebtet, wart ihr frei von der Gerechtigkeit.“ Ich dachte immer, zu diesem Satz müsse mir einmal jemand etwas sagen, damit ich ihn verstehen kann, und er kam mir reichlich spanisch vor. Als ich dann Latein konnte, schaute ich in der Vorlesung des heiligen Thomas nach, die er zu dieser Stelle gehalten hat. Auch da geht es eigentümlich zu, aber es bietet sich ein kleiner Schlüssel. Thomas spricht dort von den Zügeln der Gerechtigkeit, die uns abhalten, völlig ins Böse abzustürzen.
Über die Gerechtigkeit wurden schon ganze Bücher geschrieben. Zum schlichten Verständnis würde ich hier aber die kurze, alte Definition in Anschlag bringen: Gerecht ist einer, der den Wunsch hat, jeder solle das bekommen, was ihm zusteht.

Ein tragisches Beispiel aus dem heutigen Leben. Wenn ein gerechter Mensch einem Kind in die Augen sieht, dann wünscht er ihm, dass es geschützt ist, dass es Liebe und Geborgenheit erfährt, dass ihm geholfen wird und dass es keine Angst haben muss. All das kommt Kindern zu. Das heißt, Kinder haben ein Recht darauf. Der Gerechte wünscht das alles automatisch und ohne drüber nachdenken zu müssen. Die Terroristen der IS köpfen und versklaven die Kinder derer, die sie ungläubig nennen. Hier leuchtet der Satz des Paulus in seinen grellsten Farben, und die Erklärung des heiligen Thomas kommt zur Geltung. Es gibt Menschen, die haben, warum auch immer, jeden Zügel des Gerechtigkeitsempfindens abgelegt und fallen ganz und gar ins Böse herab.
Zwei Zeilen weiter zitiert der Aquinate das Buch Ijob, wo es heißt: Der dumme Mensch erregt sich in seinem Hochmut wie ein junges Vieh, und hält sich für frei. Dann schreibt er dazu: Man muss wissen, hier handelt es sich um eine wahre Knechtschaft, die nur als Freiheit erscheint.
Der Freikauf Gottes widerspricht also nicht dem Satz Jesu, sein Joch drücke nicht und seine Last sei leicht. Nach dieser Sicht ist also der Diener Gottes der freieste aller Menschen. Thomas sagt sogar: Ein wirklich freier Mensch kann sich gar nicht mehr für das Böse entscheiden. Wäre das anders, dann wären nicht einmal die Engel im Himmel frei.

Sup Rom, 8,4: „Qui facit peccatum, servus est peccati. Et quantum ad hoc dicit: cum enim servi essetis peccati. Libertatem vero a iustitia, quantum ad hoc quod homo absque freno iustitiae praecipitat se in peccatum. Et quantum ad hoc dicit liberi fuistis iustitiae, quod praecipue contingit his qui ex certo proposito peccant. Nam illi qui ex infirmitate vel passione peccant, aliquo freno iustitiae retinentur, ut non videantur a iustitia omnino liberi. Ier. II, 20: a saeculo fregisti iugum, rupisti vincula, dixisti, non serviam. Iob XI, 12: vir vanus in superbiam erigitur; et tamquam pullum onagri, liberum se putat. Sciendum est tamen, quod iste status habet veram servitutem, libertatem autem non veram, sed apparentem.“
(Thomas übersetzt Hiob aus der alten Vulgata, die Neovulgata hat den letzten Vers mit der Freiheit nicht, also auch nicht die neueren Übersetungen.)

Sth I, 62, 8, ad 3: »Maior liberatas arbitrii est in angelis, qui peccare non possunt, quam in nobis, qui peccare possumus«

 

Bild von hier.

Kindliche Fragen zur Erlösung

Bildschirmfoto 2014-09-05 um 09.15.05

Christus hat die Menschheit also erlöst. Wenn nun einer die Frage stellt, wie er das gemacht hat, wird man natürlich aus der Pistole schießen können, er habe das durch seinen Tod am Kreuz bewirkt, was ja stimmt. Es schließt sich dann allerdings sofort die Frage an, wie das denn möglich war und was das Leiden denn genauer bewirkt hat.
Die Antwort ist biblisch und klassisch: Christus hat mit seinem Leiden aus Liebe ein freiwilliges Opfer gebracht. Dieses Opfer deutet der heilige Thomas erst einmal und ebenso biblisch-klassisch als einen Loskauf.
Der Heutige wird sagen, das mag so biblisch sein, wie es will, es bedarf wohl aber noch einiger Erklärungen. Loskaufen kann man zum Beispiel ja nur das, was einem gar nicht oder nicht mehr gehört und was man haben will.
Wir haben bereits gesehen, die gesamte Initiative geht allein von Gott aus. Wenn da ein Loskauf geschah, dann nicht aus irgendwelchen, mechanischen Forderungen, wie wir sie auf der Erde kennen. Wenn wir ein Haus verkaufen, den Verkauf bereuen und es wieder zurück kaufen wollen, dann müssen wir draufzahlen. Der Käufer kann den Preis machen und hat als neuer Besitzer Rechte.
Nun haben manche der alten Denker in ihrer Ausdeutung der heiligen Schriften gesagt, Christus habe uns von der Knechtschaft des Teufels losgekauft und allerlei Theorien angestellt, wie man das verstehen kann. Dabei sind schon mal allerlei Geschichten entstanden, mit denen man uns in Kindertagen gewisse Antworten gab.
Ich erinnere mich, dass ich eine Art Geschäft im Kopf hatte, auf das sich der Schöpfer gegenüber dem Teufel irgendwie einlassen hatte müssen. Der Sohn Gottes hätte einen Preis zu zahlen gehabt, der zu zahlen gewesen sei. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, aber ich glaube jetzt noch ein leises Gefühl dafür zu haben, wie sich damals meine kleine Stirn in Falten gelegt hat. Irgendetwas konnte da doch nicht stimmen.

Wir haben es hier mit einem Konflikt zu tun. Die Bibel spricht ziemlich eindeutig von einem kostbaren Preis, um dem wir erlöst wurden. Ich glaube aber, ich wäre schon zu Kindertagen sehr froh gewesen, hätte ich einen Pfarrer oder sonst einen Gelehrten gehabt, der den Aquinaten in der Tasche hatte. Es hätte vermutlich zu einer gewissen Erleichterung beigetragen, wenn da einem wenigstens Sth III,48,4 geläufig gewesen wäre. Dort steht nämlich wenigstens, dass der Teufel bei Gott nichts zu melden hat und dass ihm kein Pfennig gezahlt wurde.
Thomas verlässt den biblischen Pfad natürlich nicht und scheint mir auch zu anständig zu sein, die altehrwürdigen Väter abzukanzeln. Er sagt aber in aller Deutlichkeit, Christus habe die gerechte Erlösung nicht wegen des gehörnten Gesellen, sondern einzig wegen Gott vollbracht. Im gleichen Artikel sagt er dann auch, der Preis wurde nicht dem Widersacher, sondern dem Allmächtigen gezahlt.
Als Kind hätte ich vermutlich weiter gebohrt, wie Kinder das machen, wenn Antworten keine Ruhe geben. Zum Beispiel: Wie kann Christus den Preis an den Schöpfer zahlen, wenn der Mensch in der Macht des Teufels gewesen ist? Es bekommt doch immer der Besitzer den Preis.
Der Artikel hat das auch zum Thema, er geht aber ganz anders an die Dinge heran. Der erste Einwand bringt die Frage ans Licht. Sie lautet etwa so: Gott ist der Herr der Welt, ihm gehört doch alles. Alle Geschöpfe sind sein. Also gehört auch der Mensch immer ganz Gott. So konnte Christus uns gar nicht wirklich loskaufen.
Die Antwort klingt anders, als man uns damals sagte: Natürlich, die ganze Welt gehört Gott, und insofern das so ist, hat auch der Mensch nie aufgehört, ganz Gottes zu sein. Es gibt aber noch ein zweites Band, das uns in der Hand des Höchsten hält. Das ist das Band der Liebe. Unsere Fehler haben die Tendenz, dieses Band zu durchtrennen. Würden wir uns hier der verkehrten Seite verschreiben, wir gehörten in dieser Hinsicht nicht mehr wirklich dem, der uns doch bei sich behalten möchte. Wenn Christus uns durch sein Leiden von der Sünde befreit hat, dann kann man sagen, dass er uns los- und in die Hände Gottes zurück gekauft hat.
Ich glaube, ein kundiger Pfarrer hätte uns das an der Hand des Lehrers der Kirche so ungefähr oder auch etwas anders viel besser erklären können, und er hätte uns viel ruhiger heim schicken können, als es damals der Fall war.
Was den Teufel angeht, bin ich eigentlich immer der Meinung gewesen, über ihn redet man am besten nur sehr wenig und mit ihm kein einziges Wort. Manchmal muss man ihn allerdings erwähnen, und sei es nur, um irgendwelche schrägen Vorurteile aus dem Weg zu räumen. Aber man sollte wenigstens nicht von ihm als jemanden reden, der irgendwo irgendwelche Ansprüche anzumelden hat und vor dem wir uns zu fürchten hätten. Ich glaube, unser Pfarrer hätte sich Gedanken machen müssen, ob er uns in dieser Richtung nicht noch etwas erklären sollte. Am besten vielleicht erst einmal etwas über die Sünde, von der immer die Rede ist, und was sie mit der Freiheit zu tun hat, die hier ja auch dauernd aufscheint. Vielleicht holen wir da am besten gleich mal etwas nach.

Quelle:
Sth III,48,4

Wie frei müssen wir sein dürfen?

Kommentar zur Summe wider die Heiden von Thomas von Aquin.
Scg I,88: “In Gott gibt es Entscheidungsfreiheit.”

Thomas beendet seinen Abschnitt über den Willen Gottes mit der letzten, wichtigen Auskunft: Gott ist absolut frei mit seinem Willen, und zwar so frei, wie nichts und niemand sonst sein kann. Er nennt kurz Beispiele für relative Freiheit in der Schöpfung. Ziemlich wenig frei nennt er die Tiere, insofern sie nach ihren Instinkten handeln, die ihnen in gewisser Weise ja auferlegen, was sie zu tun haben. Der Hund rennt nunmal zur Wurst, wenn er eine sieht. Die Kinder wissen darum und spielen damit. Der Mensch dagegen ist viel freier, weil er seiner Natur mit der Vernunft begegnen kann. Ich bekenne zwar, dass ich manchen Nahrungs- und Genussmitteln gegenüber alles andere als frei bin, weil mein Wunsch und Wille, mich drüber her zu machen, ziemlich ausgeprägt ist. Grundsätzlich aber bin ich frei davon. Der Mensch muss das Bier nicht trinken, er muss die nächste Zigarette nicht rauchen und er muss auch die nächste Tüte Chips nicht aufreißen. Jedenfalls nicht so grundsätzlich wie das Tier zum Napf rennen muss. Der Mensch ist aus vielen Gründen zwar gebunden, aber nicht so, wie seine Zeitgenossen. Gott dagegen ist völlig frei. Thomas definiert die Freiheit hier als können, aber gar nicht müssen, und Gott kann alles Mögliche und muss nichts.
Als ich gestern im Laufe des Tages über das Kapitel nachdachte, überkam mich ein mildes Gefühl des Dankes, leben wir doch in einer Zeit und in einem Land, in dem man die relative Freiheit, die man hat, wohl einigermaßen ausleben kann, ohne dafür ins Gefängnis zu marschieren. Das ist lange nicht überall so, und ich bin ein bisschen in Sorge, dass sich das gerade wieder sanft zu ändern beginnt. Die Nazis und Kommunisten hatten ihren Leuten jeweils ihre kruden Vorstellungen einer glücklichen Welt ins Ohr geblasen. Alle verbreiteten eine hübsche Welt, in der man die Freiheiten gehörig beschneiden musste und in der man sich von jenen Subjekten befreien musste, die irgendwie falsch lagen oder ihre Freiheit meinten ausleben zu müssen. Man glaubte, die Welt erst von Millionen von Menschen befreien zu müssen oder sie umsiedeln, um die neu große Freiheit zu gestalten. Die Leute mussten erzogen werden, hieß es. Ich fand das immer ganz schrecklich, wenn ich davon las oder hörte, und war heil froh, dass das entweder lange her oder weit weg war. Wenn ich zu Hause meine Meinung äußerte, konnte es sehr gut sein, dass ich mich damit am Felsen stieß und auf ganze Bollwerke von Gegenmeinungen knallte, die mit dem lästigen Etikett daher kamen, schließlich von Erwachsenen geäußert worden zu sein. Wir stritten, bis uns die Köpfe rauchten, aber wir stritten über unsere Meinungen, nie gegen die Personen, die sie vertraten. Mein Vater war am Mittagstisch der politische Hauptgegner, nicht aber er persönlich, sondern nur die Meinung, die er vertrat. Bis heute halte ich es für ein Kennzeichen reifer Freiheit, wenn über Meinungen gestritten wird, ohne die Person gering zu schätzen. Wenn heute eine renommierte Person ein unliebsames Buch schreibt, heißt es gar nicht mehr nur, die Meinung des Buches müsse bestritten werden. Es heißt „null Toleranz gegen solche Leute“. Ich mag da etwas überempfindlich sein, aber der Unterschied zwischen das Buch muss weg und der Mensch gehört entsorgt oder zum Schweigen verurteilt scheint mir doch beträchtlich zu sein.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Weise, wie sich eine Gesellschaft definiert, und da beginnt das ganze auf eine Weise weich zu werden, die mich beunruhigt.
Es ist schon klar, dass man auf dem Boden unserer Erfahrungen leicht ins Hüsteln gerät, wenn zu viel von Recht und Ordnung die Rede ist. „Gemeinsame Werte“ klingt da schon viel milder und die werden dann auch mit größerem Mut in die Halle geworfen und beschworen. Die Politiker haben keine Scheu zu beschwören, die Militärs, die wir noch haben, seien dazu da, unsere Werte zu schützen. Ich will das aber gar nicht, weil ich nicht in einem Werte- sondern in einem Rechtsstaat leben will. Ich will nicht für gewisse Werte umerzogen werden und will nicht die Werte von Leuten teilen müssen, die zufällig unser Land regieren. Ich begrüße jeden, der unsere Rechte auf die möglichen Freiheiten beschützt und würde mich gern an der Verteidigung beteiligen. Was aber ist, wenn ich ganz andere Werte liebe, als die Menschen, die den Militärs befehlen aufzumarschieren?
Ich finde die Maximen der Zeugen Jehovas beispielsweise in manchen Fragen wirklich fragwürdig und weiß sehr genau, dass ich zum Teil ganz andere Werte vertrete, als die Muslime und Atheisten, die mich umgeben. Sie sollen ihre Werte aber haben dürfen und werden meine sicher zum Teil auch ziemlich verrückt oder himmelschreiend falsch finden. Ich würde keinem von ihnen zu sagen wollen, sie dürften nicht unserer Gemeinschaft angehören oder nicht in ihr mitwirken, weil sie Werte vertreten, die nicht passen. Viel entspannte finde ich da das Konzept des Rechtes. Wer sich an die  manchmal ungeliebten Regeln hält und bereit ist, die zu verteidigen, der kann ohne Furcht dabei sein. Der Mensch ist viel freier als die Tiere es sind, und ein Teil seiner Freiheit sollte darin bestehen, dass er ziemlich verrückte Werte im Kopf haben darf.

Kapitel 88 in Latein.