Kindschaft – Die Gabe der Frömmigkeit

Bildschirmfoto 2016-07-01 um 08.58.08

Eine Katechese zur Firmung

Die Gabe der Frömmigkeit, die wir heute zu besprechen haben, ist mir von den sieben die liebste geworden. Warum, das erzähle ich Dir deswegen natürlich besonders gern. Um das aber tun zu können, müssen wir uns anschauen, was mit Frömmigkeit überhaupt gemeint ist, bzw. was die Lehre unserer Kirche damit meint.
Wenn wir bei den Leuten fragen, was sie unter einem frommen Menschen verstehen, dann meinen sie sicher einen, der die Regeln seiner Religion einhält und ihre Bräuche pflegt. Ein frommer Jude ist dann einer, der in die Synagoge geht, jüdisch betet und koscher isst. Ein frommer Moslem geht freitags in die Moschee, verzichtet auf Schweinefleisch und pilgert nach Mekka. Im gleichen Sinn lesen die frommen Protestanten fleißig und betend die Bibel, ein frommer Katholik geht beichten und Sonntags in die Kirche. Alles schön und gut, aber das beschreibt erst einmal überhaupt nicht, was die Lehre der Kirche unter Frömmigkeit versteht.

Das lateinische Wort für Frömmigkeit lautet „pietas“. Die Namen Pia und Pius leiten sich davon ab. Ein Mädchen, das Pia heißt trägt einen Namen, der von ihr sagt, sie sei fromm, und fromm versteht sich zunächst einmal gar nicht religiös. Wer fromm war, der hat erst einmal nicht die Götter geehrt, sondern seine Eltern. Die Tugend der Frömmigkeit wurde zunächst verstanden als eine Neigung, mit Freuden das vierte Gebot zu halten, das sagt, man solle Vater und Mutter die Ehre geben. Dabei ist Wert auf die Freude zu legen.
Wer zähneknirschend und mit innerem Widerstand seine Eltern ehrt, erfüllt zwar das Gebot. Er tut es aber nicht spontan, nicht unbedingt gern und nicht mit einer aus tiefer Einsicht kommenden Leichtigkeit. Weißt Du, wenn ich Dir etwas schenke, weil Dein Vater mich bittet, dann muss ich das nicht gern tun. Wenn ich Dir aber ein Geschenk mache, einfach nur, weil ich Dich mag, dann ist das etwas ganz anderes, und erst dann wirklich schön für Dich.
Der heilige Thomas von Aquin, der die Lehre unserer Kirche am besten erklären konnte, schrieb deshalb, die Tugend der Frömmigkeit setze uns in den Stand, unseren Eltern freudig und leicht die ihnen zugkommende Ehre zuteil werden zu lassen. Wenn die Frömmigkeit aber als eine Gabe des Heiligen Geistes zu verstehen sei, dann ermutige sie uns, Gott als unseren Vater mit einer solchen Leichtigkeit zu ehren.

Ein kurzer Gedanke noch, der nicht ganz unwichtig ist. In Deiner Vorbereitung auf die Firmung hat man Euch gebeten, einen Paten zu suchen. Deine Wahl fiel auf mich und so bin ich jetzt Dein Firmpate geworden. Wenn Du mit jemandem über mich sprichst, dann musst Du das aber gar nicht unter dieser Hinsicht tun. Du kannst auch über mich sprechen, insofern ich ein alter Freund Deines Vaters bin. Du kannst über mich sprechen insofern ich ein Theologe oder Sozialarbeiter bin. Du kannst über mich reden, weil ich ein Westfale bin oder unter vielen Hinsichten noch. Du kannst zum Beispiel sagen, als Freund meines Vaters schätzt Du meine Person, mit den Westfalen aber stehst Du innerlich ein bisschen auf dem Kriegsfuß. Du kannst sagen, als Sozialarbeiter weißt Du nicht, wie Dein Patenonkel einzuschätzen ist, als Theologe aber magst Du vielleicht, dass er Dir ein Buch schreibt. Du sprichst immer über den selben, einen Menschen, seine einzelnen Facetten aber magst Du vielleicht ganz verschieden einschätzen.
Mit Gott ist es etwas ähnlich. Die Juden denken am Sabbath nicht einfach nur an Gott. Sie denken an Gott, der sie durch das Rote Meer geführt hat, dafür lieben sie ihn – als sein Volk – ganz besonders. Die Muslime beginnen jede Sure, die sie im Koran lesen (bis auf eine) mit der Information, dass Gott barmherzig ist. Diese Seite betonen sie am meisten.
Die Christen verehren Gott durchaus als Gott und mächtigen Schöpfer. Thomas sagt, das tun sie in der Tugend der sogenannten „religio“. Sie verehren ihn als Schöpfer und ebefalls als den Barmherzigen. Was sie aber besonders lieben, schätzen und verehren, das ist seine Vaterschaft. Jene Vaterschaft, in der wir unser höchstes und tägliches Gebet mit den Worten „Vater unser“ beginnen. 
Was die einzelnen Religionen am meisten verehren, das meinen sie als ihr „mehr geht nicht“, als das Höchste. Der Zug des Volkes, den Gott ermöglicht hat, ist für die Juden so etwas wie das Größte. Man wählt kein Nebenbei, wenn man an jedem Sabbath zusammen kommt, um der Familie die Großtaten Gottes ins Gedächtnis zu rufen. Das Gott der Allbarmherzige ist, bedeutet für die Muslime das größte. Warum sollte fast jede Sure sonst mit dieser Auskunft beginnen. Für uns Christen ist das größte und höchste, das man von Gott aussagen kann, dass er unser Vater, nicht nur unser Schöpfer, sondern unser väterlicher, treuer Freund ist. Und es ist die Gabe der Frömmigkeit die uns ermutigt, das in Liebe zu ehren, nach dem wir es in den anderen Gaben hinreichend erkennen konnten.

Überzeugung – Die Gabe der Erkenntnis

Bildschirmfoto 2016-07-01 um 08.58.08

Eine Katechese zur Firmung

Gehen wir einen Schritt weiter und kommen wir zur Gabe der Erkenntnis. Sie ist, wenn man so möchte, eine Partnerin der Einsicht, die wir schon hatten. Auch wieder kurz erklärt: Angenommen es gibt Dir einer in englischer Sprache die Auskunft, in fünf Minuten komme laut Zeitplan schon ein Bus, den Du nehmen willst. Die Einsicht vermittelt Dir, was er sagt. Du hast genügend Englisch gelernt und kannst seinen Worten ablesen, was er sagen will. Das ist das eine: Erkennen, was er sagt. Es gibt aber eine zweite Art Erkennen, die zum ganzen gehört. Wenn Du erfasst hast, was er sagt, musst Du noch erfassen, ob es auch wahr ist oder ob er Unsinn redet. Der Fahrplan und der Bus werden es Dir zeigen.
Die alten Theologen, die ihre Gedanken immer eingeteilt und geordnet haben, erkannten, es gibt immer diese beiden, ob im täglichen, praktischen Leben oder im geistigen, beschaulichen. Zum einen sollte man erkennen, was Sache ist, zum anderen, ob sie zutrifft. Das erste macht der Intellekt, das zweite die eigentliche Erkenntnis.

Wenn Dir jemand gesteht, dass er Dich lieb hat, dann hörst Du seine Worte und mit Deiner Intelligenz kannst Du sie verstehen. Die Botschaft kommt an, aber ob auch stimmt, was er sagt, das muss sich in der zweiten Erkenntnis zeigen. Du wirst es zum Beispiel daran sehen, wie er sich Dir gegenüber benimmt, wie sich zeigt und anfühlt, was er tut und weiterhin sagt.

Nun reden wir hier ja die ganze Zeit über die Gaben des Heiligen Geistes, und somit über die Religion und was sie mit uns zu tun hat. Auch da lässt sich unsere Schablone auf die Dinge legen, aber manchmal liegen hier die Dinge nicht ganz so eindeutig am Tage und wir brauchen Hilfe. Ich habe es in meinem Leben hier gerade mit einem jungen Freund zu tun, der, wie er sagt, an Gott glaubt. Er möchte hier und da, dass ich mit ihm drüber rede, weil er ein großes Interesse daran hat, wie ein Gläubiger Christ seinen Glauben glaubt und lebt. Er würde irgendwie auch gern glauben, aber das mit dem persönlichen Gott, wie wir ihn kennen, liegt ihm einigermaßen fern. 
Ich tue gern, was er wünscht und habe ihm schon des längeren unsere Lehre ausgebreitet. Er versteht die Worte. Er versteht, was ich sage, wenn ich darlege, Gott liebe seine Schöpfung, er kenne alles und jeden und habe ein wirkliches Interesse an uns und ihm. Er versteht auch, wenn ich ihm darlege, wie das mit der Menschwerdung war, wie das mit den Sakramenten ist und dem liebevollen Vater im Himmel. Er versteht, wie gesagt, denn er ist ein intelligenter Bursche. Ich kann ihm also alles darlegen, so genau wie er möchte und so genau wie ich kann. Aber ob auch stimmt, was ich meine, ob ich Recht habe mit dem, was ich glaube, das können meine Worte nicht vermitteln. Hier bräuchte er die Gabe der Erkenntnis. Um die kann man beten, und wenn der Schöpfer die Gabe allen anbietet, dann hat er auch Lust sie zu vergeben. Wann und wie ist seine Sache, aber was er wünscht, hat er uns kund getan. 
Der Gabe kommen natürlich einige Faktoren entgegen. Meine Glaubwürdigkeit, sein Vertrauen in meine Person als sein Freund, viele Zeugnisse kräftig gläubiger Christen und vieles mehr. Es kommt auch das eine oder andere von anderen Seiten, etwa seine eigenen Bedenken, die Muslime, die das alles mit der entgegenkommenden Liebe nicht glauben oder das Zeugnis der jüdischen Gemeinden, die wieder andere Standpunkte vertreten. Alles steht da, hoffentlich, ohne sich aufzudrängen und am Herzen dessen zu zerren, der sich da interessiert. Deshalb bin ich eher zur stillen und beschaulichen Weise geneigt und schlage vor, ein bisschen in die Stille oder mal allein spazieren zu gehen, die Dinge in Ruhe zu betrachten und zaghaft zu beten. Der, der alles weiß, möge uns Erkenntnis schenken und seine gute Wege führen. Die Gabe der Erkenntnis ist also in erster Linie eine Gabe der Beschaulichkeit, dann erst eine Anleitung zur Praxis. Zuerst möchten wir sehen, wo wir sind und was ist, wie es ist. Dann erst kommt der zweite Schritt, das losgehen und in die Tat umsetzen.

Die Gabe der Stärke

Bildschirmfoto 2016-07-01 um 08.58.08

Eine Katechese zur Firmung

Ein kleines Geständnis meinerseits. Ich bin etwas altbacken, was zum Beispiel den Gottesdienst angeht. Ich liebe die lateinische Sprache, weil ich sie ja jeden Tag lese, und so liebe ich auch die lateinische Messe und die alten Riten. Es gibt bei den sogenannten neueren Liedern, also bei denen, die meist von einer Band, als von einer Orgel begleitet werden aber eins, das mir ausnehmend gut gefällt. Vielleicht kennst Du es? Es heißt: Meine Zeit steht in Deinen Händen“, und ein paar Zeilen daraus sagen auch schon alles: „Du gibst Gebortenheit, Du kannst alles wenden, gib mir ein festes Herz, mach es fest in Dir“, und dann : „Nun kann ich ruhig sein in Dir.“
Mir kommt vor, als ob der Schreiber sich vorgenommen hat, ein Lied über die Gabe der Stärke zu schreiben.

Es ist, wie es dort gesungen wird: Die Gabe der Stärke gibt uns ein festes Herz, ein festes Herz im Vertrauen auf unseren Schöpfer. Weißt Du, wir können den lieben langen Tag jede Menge Sachen aufzählen, bei denen wir Grund haben, uns auf uns selbst verlassen zu können. „Vertrau mir, ich mache das schon“, sagen die Eltern ihren Kindern. Das sagen Freunde untereinander und immer da, wo man etwas drauf hat und gut kann. Es gibt aber auch eine ganze Menge Dinge, von denen wir nicht wissen, wie sie laufen werden. Die komplette Zukunft steht vor uns und wir wissen nicht, wie sie sich entwickelt, ob unsere Mittel reichen, ob alles klar und gut geht, ob und wie wir am Ende aussehen werden.
Hier verschafft uns die Gabe der Stärke ein festes Herz im Wissen, dass da ein Gott ist, der es gut mit uns meint, der größtes Interesse hat, dass alles am Ende gut mit uns wird und der die Mittel hat, es ins Werk zu setzen. 
Deshalb sagt uns die alte Lehre, die Gabe der Stärke sei eine doppelte. Sie gebe uns ein starkes Herz und zugleich Zuversicht und Vertrauen.

Vorurteile – Die Gabe der Einsicht, Teil 2

Bildschirmfoto 2016-07-01 um 08.58.08

Eine Katechese zur Firmung

Was wir hier mit Einsichten meinen, sind Sachen, über die man in der Regel sagt, sie leuchten einem ein. Es leuchtet einfach ein, dass man das Schwache schützt und Kindern nichts tut. Wenn der Heilige Geist uns mit Einsichten beschenkt, dann gehört da unter Umständen etwas zweites zu, damit die Einsichten überhaupt möglich werden. Um richtige Einsichten geben zu können, müssen zuvor schon mal Vorurteile, die nicht stimmen, aus dem Weg geräumt werden. Deshalb sagen die großen Lehrer unserer Kirche schon mal, zur Gabe der Einsicht gehöre auch eine Art Reinigung des Herzens, die der Geist vornimmt.

Was Vorurteile angeht, hört man schon mal sagen, man dürfe eigentlich keine haben. Ich glaube das nicht, und ich glaube nicht einmal, dass man keine haben kann. Jeder hat Vorurteile und jeder soll die seinen haben dürfen. Der Volksmund sagt schon mal, der erste Eindruck sei oft der richtige. Daran ist sicher viel, aber der erste Eindruck ist immer ein Vorurteil. Man begegnet einem Menschen zum ersten Mal und findet ihn gleich sympathisch. Das ist genau so ein Vorurteil, wie wenn man jemanden auf den ersten Blick lieber nicht über den Weg traut. Man bildet sich die ersten, schnellen Urteile zum eigenen Schutz, eben, um nicht auf den nächstbesten Scharlatan herein zu fallen. Vorurteile können also wichtig sein, entscheidend ist nur, sie nicht wie Sicherheiten zu behandeln.

Wenn wir an unseren Vorurteilen hängen, wie ein Dieb an seiner Beute, dann müssen wir uns den Vorwurf gefallen lassen, unbelehrbar zu sein. Sich vom Leben und klugen  oder lieben Leuten etwas sagen lassen, gehört schon immer zu den hohen Tugenden und besonders guten menschlichen Eigenschaften. Wer bereit ist, sich belehren zu lassen, dessen Vorurteile sitzen sozusagen locker und hat Lust, berichtigt zu werden.
Übrigens, das vermutlich beste Mittel gegen falsche Vorurteile ist die Begegnung mit der Realität. Ein Mensch, der etwas gegen Eskimos hat, der fährt am besten mal nach Grönland, um welche kennenzulernen. Wer Italiener nicht mag, begibt sich am besten mal nach Neapel oder Mailand. Er wird dann schon merken, was für ein liebes Volk ihm da entgegen kommt.
Wenn Du aber den Heiligen Geist auf Deiner Seite hast, dann brauchst Du nicht zu reisen.

Die Gabe der Einsicht

Bildschirmfoto 2016-07-01 um 08.58.08

Eine Katechese zur Firmung

Mir fällt auf, je einfacher die Wörter sind, mit denen wir reden, oder besser gesagt, je selbstverständlicher sie scheinen, desto länger muss ich manchmal über sie nachdenken; oft, ohne sie wirklich ganz verstehen zu können. Heute ist die zweite der sieben Gaben des Heiligen Geistes an der Reihe. Sie heißt die Gabe der Einsicht, und das Wort „Einsicht“ ist so eins von der Sorte. Ich meine, wenn ein Beamter sagt, er habe noch keine Einsicht in die Akte von Herrn Soundso gehabt, dann hat er einfach noch nicht in ihnen Lesen können. Die Sache ist ziemlich klar. Aber eine Einsicht in eine Sache haben kann ein Vorgang sein, der etwas anderes ist, als seine Zeit damit zu verbringen, Akten zu wälzen.
Wenn Dir jemand eine Torte vorsetzt, die in einige Stücke geschnitten ist und Dich bittet, ihm zu sagen, um wie viele es sich handelt, dann zählst Du kurz und kannst antworten. Du hast gezählt oder gerechnet. Man würde aber nicht sagen, Du hast eingesehen, dass es zwölf Stücke waren.
Stellt Dir aber jemand eine ganze Torte vor die Augen und daneben ein einzelnes Stück, dann weißt Du sofort, so genau und sebstverständlich, dass die ganze Torte größer ist, dass niemand ein Wort darüber zu verlieren bräuchte. Dass ein Teil kleiner ist als ein Ganzes, das sieht man gleich ein. Es braucht da kein Überlegen und rechnen, man weiß es,eben, weil man es einsieht.
Dass man einen anderen Menschen nicht grundlos ohrfeigt, sieht auch jeder ein. Man muss da nichts erklären, und wer das nicht einsieht, dem ist mit Belehrungen nicht zu helfen, der hat irgendwo einen Fehler im System. Einsicht ist Einsicht. Man hat sie oder man hat sie nicht. Immer wenn ich über die Gabe der Einsicht nachdenke, dann meine ich, sie muss irgendwie von dieser Art sein.

Übrigens, wann immer ich mir wünsche, ein Mensch, den ich mag, möge zum guten Glauben finden, dann halte ich es für das Sinnvollste, Gott um die Gabe der Einsicht in seinem Herzen zu bitten. Logische Argumente sind wichtig und hilfreich. Sie können viel vermitteln und viel aus dem Weg räumen, aber eine wirkliche Einsicht können sie nicht geben. Die Bitte um Einsicht wünscht sich, dass jemand einfachhin weiß, was ist, wie es ist.
Wirkliche Einsichten kann uns auch keiner ausreden. Dass man unschuldige Leute nicht ohrfeigt und das Teile kleiner sind, als das Ganze, kann man gar nicht diskutieren. Man kann wohl eine Menge drüber sagen, aber niemand kann drüber verhandeln.

Im Moment wird relativ viel über die Bibel gesprochen, weil sehr viel über den Koran geredet wird. Wenn jemand sagt, im Koran stünden schlimme Sachen, dann kommt sicher einer um die Ecke und sagt, mit der Bibel sei es nicht viel anders. Wir nennen die Bibel das Wort Gottes, meinen es aber anders, als die Muslime, wenn sie ihren Koran Gottes Wort nennen. Für uns ist das eigentliche Wort Jesus, und die Bibel ist das Buch, das von ihm handelt. Das zum Teil Sachen darin stehen, die uns nicht behagen, ist nicht sonderlich schlimm, denn verstehen kann nur jeder, was er verstehen soll, wenn er vom Geist Gottes mit der Gabe der Einsicht beschenkt wird. Ist das der Fall, dann wird er auch die unbequemen Teile richtig einzuordnen wissen. Die Bibel ist mit Hilfe des Geistes geschrieben und zusammengestellt worden. Dann sollte sie auch im selben Geist gelesen werden.

Weisheit

Bildschirmfoto 2016-07-01 um 08.58.08

Eine Katechese zur Firmung

In Deiner Heimatstadt Bochum wohnt mein liebster Freund. Er ist Polizist dort und wird immer gerufen, wenn irgendwo etwas nicht in Ordnung scheint oder eine Lage aus dem Ruder läuft. Polizisten müssen Ordnung schaffen. Wenn mein Freund an einen seiner Einsatzorte kommt, dann braucht er viele, einzelne Fähigkeiten, die Dinge wieder ins Lot zu bringen. Er muss mit Leuten reden und ihre Anliegen verstehen können. Er braucht Fähigkeiten, mit den technischen Geräten umzugehen, er muss kämpfen und im Team arbeiten können. Das alles sind vielfältige Tätigkeiten, aber er braucht für seinen Job kein Wissen darüber hinaus.
Wenn ein Dachdecker an eine Baustelle kommt, dann muss er wissen, wie man dort die Dächer deckt. Er muss aber nicht wissen, wie viele Kabel der Elektriker später braucht. Das muss nur der wissen, der den Überblick über den ganzen Bau hat. Ein Matrose, der die Segel setzt, muss nicht den Reiseplan im Kopf haben. Es reicht, wenn er tut, was ihm aufgetragen wird. Der Kapitän aber braucht den ganzen Überblick.

Wenn wir über Weisheit sprechen, dann meinen wir das ungefähr so. Wer weise ist, der weiß nicht nur, dass er auf einem Schiff fährt, er weiß auch, wohin die Reise geht und wozu er unterwegs ist. Christlich gesprochen ist weise, wer um die Dinge Bescheid weiß, die mit Gott, dem ewigen Leben, seinen persönlichen, größten Zielen und somit über den eigentlichen Sinn seines Lebens Bescheid weiß. Schlau ist jemand, der im Leben weiß, wie man sich durchschlägt. Intelligent ist jemand, der nicht oberflächlich ist und in den Dingen des Lebens lesen kann. Weise ist dagegen, wer sich über die letzten und somit wichtigsten Angelegenheiten im Klaren ist.

Wir reden hier über die Weisheit als eine Gabe, ein Geschenk aus Gottes Hand. Ohne, dass Gott uns die Weisheit schenkt, können wir sie gar nicht erlangen. Wir wüssten, wie schon gesagt, gar nicht, dass Gott drei in eins ist, wenn er uns dieses Wissen nicht geschenkt hätte. Jesus hat gesagt: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten, wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.“ Er hat auch „niemand komm zum Vater, es sei denn durch mich“, gesagt. Wir wüssten das alles nicht, wenn er nicht gekommen wäre, es uns zu sagen. Sein Kommen und was er getan hat, war nicht nur eine großangelegte Rettungsaktion, es war auch ein Weg, uns Weisheit zu verschaffen.

Der Unverstehbare und seine Gaben

Bildschirmfoto 2016-07-01 um 08.58.08

Eine Katechese zur Firmung

In meiner Heimat gibt es einen nicht unklugen Spruch. Wenn zwei Leute ihre Hochzeit bekanntgeben, dann kriegt sie den Bock und er die Ziege. Das meint, wenn die Zeit der unmittelbaren Verliebtheit verstreicht, was ganz normal ist, dann lernt man immer auch Seiten an seinem Partner kennen, die nicht gerade golden in der Sonne glänzen. Er wird bockig und sie zeigt gewisse ziegige Seiten, um es einmal so zu sagen.
Das alles ist normal und zeigt, dass der Mensch ein buntes Tierchen ist. Er schillert in allen möglichen Farben und Mustern, hat aber auch Flecken und Runzeln, die er manchmal lieber nicht hätte. Was wir hier sehen, ist auf der Welt eigentlich mit allen Dingen so. Man bekommt nichts ohne Schattenseiten, weil auf alles die selbe Sonne scheint. Wer einen Hund hat, der stellt irgendwann fest, dass er krank werden und unbequeme Sachen auf die Straße legt. Jedes noch so schöne Auto muss mal in die Werkstatt, und man kann mit seinen Lieben ein Leben lang befreundet sein und entdeckt am Ende noch Seiten, mit denen man nicht gerechnet hätte.

Bei Gott allerdings, über den wir hier ja reden, muss es anders sein. Er ist immer gleich, und die Gelehrten wissen, er kann, wenn er gütig ist, nicht zugleich nicht gütig sein. Ist er lieb, dann hat er keine böse Seite. Wir nennen ihn groß, und nichts Kleines ist an ihm. Die klugen Philosophen sagen, Gott ist alles ganz und gar, was er ist und nie ist ein Gegenteil an ihm. Gott allein ist eine, ja, die große Konstante. Das sagen übrigens alle Religionen, die an den gleichen, einen Gott glauben. Die Muslime nennen ihre Gottheit in ihren Gebeten jeden Tag den großen Erbarmer. Damit sagen auch sie, dass er nie unbarmherzig sein kann. Sie sagen allerdings nicht, das tun ja nur die Christen, dass Gott sich uns auf geheimnisvolle Weise schenken will.

Der Gott der Christen ist einer, der sozusagen immer Lust hat, sich zu verschenken. Schon in seiner Dreieinigkeit gibt er sich immer schon dahin; zum ewigen Genuss und zur Betrachtung. Aber hier stoßen wir unsererseits auf ein Problem: Wir können mit ihm nichts anfangen. Ein Thermometer misst Temperaturen, niemand kann auf ihm den Luftdruck ablesen. Luftdruckmesser stellen dagegen nur den Druck der Luft fest, für Temperaturen braucht es wieder das andere Gerät. Um die Radioaktivität in verseuchten Gebieten festzustellen, brauchen wir Geigerzähler, und nichts anderes. So ist es mit allen Dingen. Wir Menschen können ohne Geräte weder Temperatur, noch Luftdruck und schon gar keine Radioaktivität messen. Aber wenn die Gottheit kommt, dann gehen uns die Geräte aus. Die Gottheit ist so viel größer, anders und erhaben, dass wir keine Werkzeuge haben, ihn zu verstehen, ihn zu begreifen oder zu messen. Gott ist nicht wie wir, nur größer. Er ist auch nicht wie etwas anderes auf Erden, nur irgendwie mehr davon. Gott allein ist Gott, und hier sollten wir anfangen, von den Muslimen zu lernen. Gott ist „hu akbar“, der immer Größere, immer eine Nummer erhabener als jeder unserer Gedanken und Gefühle. Deshalb kann es nur eine Lösung geben: Er muss mit Gaben kommen, mit denen wir etwas anfangen können.
Wenn ein Chinese Dir etwas sagen will, dann reicht es nicht, wenn er Dir sein Chinesisch an den Kopf wirft. Er muss entweder in Zeichensprache reden oder eine Sprache wählen, die Du gelernt hast. So verstehen wir das auch mit der Gottheit. Wenn sein Geist kommt, dann „nie ohne seine Gaben“, sagen die Lehrer des Christentums, und das sind Gaben, die wir verstehen und umsetzen können. Über diese Gaben Gottes müssen wir also reden, wenn wir das mit der Firmung etwas besser verstehen können.

Spricht Gott?

Bildschirmfoto 2016-07-01 um 08.58.08

Eine Katechese zur Firmung

Einen Weg würde ich gern noch bestreiten. Er beginnt wieder mit einer Frage. Gott kann alles, sagen wir. Kann er auch sprechen? Jeder wird sagen, er kann, schließlich ist er allmächtig. Es wäre nur zu fragen, ob wir ihn verstehen, wenn er spricht. Er müsste, damit wir ihn verstehen, in einer Sprache sprechen, die wir verstehen. Dass ein allmächtiger Gott das kann, steht außer Frage. Aber ob er will oder nicht, das ist seine Sache.
Es gibt nun aber zwei Arten von Worten. Die einen machen wir mit unserer Zunge hörbar, die anderen bleiben in uns. Etwa, wenn wir uns etwas ausdenken. Gedanken, auch wenn wir sie uns innerlich vorsprechen, bleiben in dem, der sie denkt, und normalerweise können Gedanken nicht gelesen, schon gar nicht gehört werden. Meine Frage wäre: Ein Gott, der sprechen kann, tut er es nicht auch? Die Christen sagen, ja, er tut es. In Gott spricht sich eine Art Wort aus. Das müssen wir uns nicht vorstellen, wie wenn in Gott Mund und Ohren wären. Das muss nicht sein. Aber Kontakt mit sich selbst, das ist denkbar, und wir nennen das nur Wort, weil uns nichts Besseres einfällt. Wir sagen ja auch, Gott hat die Welt ins Leben gerufen und müssen nicht annehmen, dass da ein Ruf aus Schallwellen gemeint ist. Die Gottheit ist uns natürlich in allem völlig über und überlegen. Unsere Worte sind unbeholfen und Gott wird milde lächeln über unsere Versuche, uns ihn vorzustellen.
Es ist aber nunmal so, dass Jesus einerseits den Befehl gegeben hat, „im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ zu taufen. Das Evangelium nach Johannes beginnt mit den feierlichen Worten:

„Im Anfang war das Wort,
das Wort war bei Gott,
das Wort war Gott,
im Anfang war es bei Gott.“

Das meint das innere Wort, das es seit Ewigkeit in ihm gibt. Es ist höchstes, liebevolles Entzücken. Dann steht, etwas weiter der feierliche, unglaubliche Satz:

„Das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt.“

Das meint, dass Gott beschlossen hat, sein inneres Wort auch auf der Erde auszusprechen, freilich, ohne die unveränderliche Gottheit zu verändern. Gott hat nach christlichem Glauben Fleisch angenommen. Nur so konnte Jesus später zu seinen Jüngern sagen:

„Wer mich sieht, der sieht den Vater.“

Auch das meint natürlich nicht dass Gott wie Jesus ausschaut. Die Gottheit ist unanschaulich und für keine Augen sichtbar. Gemeint ist eher, dass wer Jesus sieht, was er tut, was er spricht, wie er zu den Menschen war, der sieht Gottes Gesinnung und Liebe. Die nachzuahmen ist die unerfüllbare, aber gegebene Aufgabe aller Christen.

Dreifaltigkeit, nachgefragt

Bildschirmfoto 2016-07-01 um 08.58.08

Eine Katechese zur Firmung

Wie gesagt, wir reden hier jetzt einmal von Gott ohne den Menschen und die Welt mit in Betracht zu ziehen. Das ist ein bisschen, wie wenn ein Biologe von einer Katze spricht. Er braucht nicht wissen, wem sie gehört, wer sie lieb hat, woher sie stammt und ob sie noch Katzengeschwister hat. Er betrachtet ihr Fell, ihre Knochen, ihre Muskeln und Zellen, ganz ohne ein Außen zu berücksichtigen.

Ich würde gern eine Frage stellen: Weiß Gott, dass er Gott ist? Ich meine, kennt er sich selbst? Wie gesagt, nur für sich genommen. Als es noch keine Welt gab und Gott noch ganz allein war, hat er sich da gekannt? Hat er um sich selbst gewusst? Viele werden „hier steige ich aus“ sagen und nicht mehr mit denken. Aber lass es uns einmal tun.
Wenn Gott, auch ganz ohne die Schöpfung weiß, dass er Gott ist, dann muss es in ihm doch irgendwie zweierlei geben. Eine Komponente, die weiß und eine Komponente, die gewusst wird. Wenn Du etwas siehst, dann gibt es etwas, was sieht und etwas, was gesehen wird. Beide müssen da sein, sonst gibt es kein Sehen. Ein Auge, das nichts sieht, ist blind. So ist auch ein Vermögen etwas zu wissen nichts, wenn da nichts ist, was es weiß. Das ist jetzt alles etwas kompliziert, aber einfacher geht es nicht. Wenn Gott weiß, dass er Gott ist, dann muss es in ihm mindestens so etwas geben, wie eine Zweieinigkeit: Ein Wissendes und ein Gewusstes.

Der zweite Weg und wieder eine Frage: Ist Gott lebendig? Alle Religionen sagen, Gott ist das Leben und er schenkt das Leben. Alles Lebendige kommt aus ihm, so ist er selbst das Leben der lebendigen Dinge. Lassen wir das mal so stehen und bedenken wir, was Leben hier denn meinen muss. Alles, was lebendig ist, bewegt sich irgendwie. Alles, was lebendig ist, wächst, oder es marschiert hier und da hin. Leben heißt auf jeden Fall so etwas wie ein inneres Pulsieren. Auch die Qualle, die eigentlich gar nicht mehr zu sein scheint, wie eine schwimmende Plastiktüte, bewegt sich selbst von innen her. Wie immer auch, sie pulsiert innerlich. Leben heißt Innerlichkeit haben, leben heißt pulsieren, leben heißt Bewegung. Nur im Stein, der tot ist, tut sich nichts. Wie können wir von Gott sagen, er lebt, wenn sich in ihm nichts tut?

Ein dritter Weg. Es heißt, wir sollen Gott lieben. Auch unsere muslimischen Freunde sagen das: Gott zu lieben ist das höchste. Aber wenn wir Gott lieben sollen, liebt er sich selbst nicht auch? Wie kann man lieben, ohne dass es ein Liebendes und ein Geliebtes gibt? Wenn Gott ganz und gar liebenswert ist, was alle behaupten, dann muss es in ihm etwas geben, was das erkennt. Wir nennen einen Menschen, der das Liebenswerte nicht als liebenswert erkennt, stumpfsinnig. So etwas von der Gottheit sagen, sei ferne. Auf der anderen Seite finden wir es befremdlich, wenn wir Menschen von anderen Menschen sagen, sie würden sich selbst als erstes lieben. Wir Christen behaupten das aber von Gott, nicht im Sinn eines Egoismus, sondern in dem Sinn, dass Gott der erste ist, der sich an seiner Schönheit und Größe erfreut. Das dürfen wir übrigens auch. Wenn Du etwas gut gemacht hast, wenn Du etwas geschafft hast, für das Du lange üben musstest, dann darfst Du Dich daran erfreuen, ohne ein Egoist zu sein. Es gibt sie, die gesunde Liebe seiner selbst.
Wenn Gott die Liebe ist, dann muss es in ihm ein Liebendes und ein Geliebtes geben. Beides muss aber Gott und kann nichts anderes sein. So sprechen die Christen davon, dass es in Gott sozusagen dreierlei gibt: Ein Liebendes, ein Geliebtes und die Liebe, die beide verbindet. Aber wie gesagt, immer schon, ewig und eins.

Ein vierter Weg. Du bist als Person nur eine. Dennoch kann es schon mal sein, dass Du Dich selbst zu groß, zu klein, zu dick oder zu dünn findest. Es kann auch sein, Du findest Dich ganz ok, so wie Du bist. Wie immer das auch sein mag, eins steht fest: Du findest Dich irgendwie. Aber wie kann das sein, wenn Du nur eine bist? Auch in Dir schlagen zwei Herzen. Das eine sieht sich und das andere wird gesehen, anders kann man sich nicht „finden“.
Du bist traurig, wenn Du mit Dir nicht zufrieden bist. Du freust Dich an Dir selbst, wenn dir etwas gelang. Du ärgerst Dich, wenn Du zu kurz kommst und hast Spaß, wenn man Dich ehrt. Das bedeutet doch, es ist das Band einer Zuneigung, einer Liebe in Dir, das beide Herzen verbindet. In diesem Sinn haben die Kirchenväter schon sehr früh gesagt, auch der Mensch ist innerlich so etwas wie eine Dreieinigkeit. Du bist nur eine Person, aber in Dir ist Wissen, Leben und Liebe.

Was wir glauben, sollte kein Unsinn sein

Bildschirmfoto 2016-07-01 um 08.58.08

Eine Katechese zur Firmung

Lass uns kurz über Gott reden, und zwar, wie es nicht oft geschieht. Die Prediger in unseren Kirchen reden natürlich von Gott, aber sie tun das nur selten oder nie, ohne die Menschen dabei einmal außen vor zu lassen. Es geht fast immer darum, was Gott mit uns zu tun hat, was er uns angeht, wie er uns behandelt oder wir ihn. Es geht darum, dass er uns helfen soll, dass wir ihn loben und wie wir ihn in unserem Alltag bei uns haben. Einfach nur von Gott, ganz ohne den Menschen oder die Welt, redet kaum jemand. Das sollten wir hier aber kurz machen, um das, was noch kommt, besser verstehen zu können. Wir sollten nämlich einen kurzen Gedanken über die Dreieinigkeit Gottes anstellen, schließlich ist der Heilige Geist einer von den dreien.

Dass Gott drei in eins ist, das haben wir von ihm. Es ist ein Wissen, das er uns persönlich mitgeteilt hat, weil er wollte, dass wir das wissen. Ich sehe gerade einen Vogel auf dem Baum vor meinem Fenster. Ich weiß, dass es Vögel gibt, weil die Menschen immer schon Vögel gesehen haben. Es  hat sie immer schon gegeben, und ob es Vögel gibt oder nicht, das brauchen wir nicht diskutieren, jeder weiß es. Aber stell Dir vor, es hätte noch nie ein Mensch je einen Vogel gesehen, alle Menschen würden den Himmel nur ohne fliegende Tiere kennen. Niemand würde denken, es müsste eigentlich so etwas geben, ein Himmel ohne Vögel sei eigentlich gar kein richtiger Himmel. Dass es Vögel gibt, das wissen wir von ihnen, einfach, weil sie vor uns her flattern und Nester in den Bäumen bauen. Hätte niemand je einen Vogel gesehen, es würde sich niemand einen malen.
So ist es mit Gott. Dass es ihn gibt, darauf haben schon die alten Griechen geschlossen, einfach aus ihrem logischen Denken. Aristoteles kannte keine Bibel und keine Juden. Christen und Muslime gab es noch gar nicht. Aber er dachte scharf nach und schrieb, das Ganze der Welt müsste eigentlich so etwas wie eine Gottheit haben, und es könnte nur eine sein. Auf zwei Sachen aber wäre er nie gekommen und kam er auch nicht. Erstens, dass Gott sich mit den Menschen in Verbindung setzt und erst recht nicht, dass Gott dreifaltig ist. Beides wissen wir nur von ihm und nur, seit er uns informiert hat.
Wenn wir von der Dreieinigkeit reden, dann also nicht, wie von etwas, das unbedingt so sein muss. Wir reden von etwas, das wir erfahren haben und versuchen es uns  im Nachhinein zu erklären.

Es haben mich schon oft muslimische Freunde gefragt, wie es denn sein könne, dass Gott einen Sohn hat und trotzdem nur einer ist. Der Sohn eines Menschen ist immer ein Mensch. So muss der Sohn Gottes doch auch ein zweiter Gott sein. Dass Gott zugleich eins und zugleich zwei ist, das wäre Unsinn. Entweder den Weihnachtsmann gibt es, oder es gibt ihn nicht. Beides zugleich behaupten ist ein Widerspruch in sich und Widersprüche in sich sind unsinnig. Wenn wir unseren Gesprächspartnern die Dreifaltigkeit mit Argumenten nahelegen, dann eigentlich nicht, dass sie sie glauben, sondern zunächst einmal nur, dass sie nicht glauben, wir glaubten Unsinn. Ich werde versuchen, mich der Sache auf mehreren Wegen zu nähern.