Besondere Priester

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Über Engel, Dämonen und alles Mögliche und Unmögliche

Ein kleiner Einschub, der Vollständigkeit halber. Jesus Christus ist der neue Priester für die Welt. Er ist der erste und einzige seines Priestertums. Wenn man so möchte, ist er der einzig mögliche, und um das ein bisschen näher zu verstehen, empfehle ich einen Blick in den Brief an die Hebräer. Da ist alles eigentlich ziemlich deutlich beschrieben.
Dem Glauben meiner Kirche nach hat Christus am Abend vor seinem Tod seine Jünger zu ganz besonderen Priestern gemacht, als er ihnen den Auftrag gab, den Ritus zu wiederholen, den er ihnen vorzelebriert hatte. Den Priestern dieser Art wurde vom Meister persönlich das Verwandeln und Verwalten von Brot und Wein in die Hände gegeben. Diese Aufgabe haben die Priester bis heute, und es bleibt ihre vornehmste Aufgabe aller Priester im Amt bis heute.

Du wirst Dich nicht wundern, wenn ich sage, dass um dieses Priesteramt schon immer viel Wirbel gemacht wurde und immer gemacht werden wird. Um das Vornehmste wird sich manchmal am wenigsten vornehm gestritten.
Die evangelischen Christen haben die Weitergabe des geweihten Priestertums aufgehört und betonen eine Tatsache, die wir der Vollständigkeit halber kurz anreißen müssen. Dem biblischen Glauben nach ist jeder getaufte Christ nämlich ein kleiner Priester. Schließlich heißt es, Christus sei das Haupt und alle, die zu ihm gehören, sind seine Glieder auf Erden. Wer getauft ist, bekommt besonderen Anteil an ihm, und da er der Priester aller Priester ist, wird jeder getaufte Mensch sozusagen ein Prinz am Hofe Gottes und ein Teilhaber des priesterlichen Daseins Jesu. So jedenfalls unser Glaube.

In jedem Januar machen sich die Sternsinger auf den Weg, um die Häuser aller Menschen, die es wünschen zu segnen. In der allgemeinen Neigung zur Oberflächlichkeit sehen wir meistens nur, wie sie Süßigkeiten für sich und Geld für arme Menschen sammeln. Das eigentliche aber gerät da schon mal aus dem Blick. Die Kinder werden mit einem priesterlichen Auftrag ausgesandt. Sie sollen die Geburt des Erlösers Christus in Bethlehem verkünden und die Häuser der Menschen segnen. Wenn Kinder ein Haus segnen, dann ist es gesegnet und der Segen Gottes ist kein Nebenbei. Gottes Segen ist wirksam und wohltuend. Es gibt also ein sogenanntes allgemeines Priestertum aller Gläubigen, die mit Christus verbunden sind. Das sollte kurz gesagt sein.

Es gibt da aber noch einen Gedanken, aus dem ich die alten Kirchen sehr gut verstehen kann, wenn sie auf das besondere Priestertum der Weihe nicht verzichten können: Es ist der Gedanke des Schutzes. Das Sakrament der Eucharistie ist der bleibende Mittelpunkt unseres gesamten Glaubens, sowohl in der Lehre, als auch im Tun der Kirche überhaupt. Um dieses Sakrament hat der Ritus der Kirche sechs weitere Sakramente gestellt, die dem Leben der Menschen dienen. Diese Sakramente sind sehr verletzlich. Sie können missbraucht, falsch verstanden und in den Händen Unwissender zerbröselt werden. Daher brauchen sie den friedlichen Schutz von Riten, die genau eingehalten und nur von bestimmten Leuten gefeiert werden können und dürfen. Das erledigen die Priester, die in ihrem Amt ganz dafür zu leben haben.

Wir glauben, dass Christus das so wollte und will, solange es Menschen gibt. Die verwandelten Gaben vom Altar sollen zu den Kranken getragen werden, die Sakramente sollen in besonderen, rituellen Feiern auf die Welt kommen. Die Kirche hat schon jede Menge Unsinn gemacht und hat es dauernd nötig, ihre Gewänder zu waschen. Was sie aber immer zustande gebracht hat, ist der Schutz ihrer Sakramente und ihrer Lehre, was den Kern angeht. Das besondere Priestertum der geweihten Teilhaber ist wie ein Kranz, der sich um das schlagende Herz der Kirche legt, das die Eucharistie ist.

Christus hat aber nicht nur das getan. Er hat Wunder gewirkt und dem Bösen und Negativen in seiner Nähe so lange den Garaus gemacht, bis er sich ihm ein einziges Mal freiwillig ganz hingegeben hat. Am Kreuz durfte sich die Bosheit einmal ganz an ihm austoben. Der Priester wurde zugleich das Lamm und sogar der Altar, auf dem es dargebracht wurde. Das war aber eine Sache, die er selbst, ganz allein und in seiner starken Hingebung erledigen wollte. Zuvor hörte man ihn von „meinen Kleinen“ sprechen, dem man besser kein Leid zufügen sollte. Er hat den Kranken Gutes getan und ihnen Gesundheit geschenkt, er hat Dämonen ausgetrieben und den Bösen den Kampf angesagt, genau jenen Kampf, den nur er gewinnen kann. Auch das ist eine Art Schutz, in dessen Namen die Priester in besonderer Weise unterwegs sein sollen.

Gott kann nicht kämpfen

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Über Engel, Dämonen und alles Mögliche und Unmögliche

Die Stimmung von Gesprächspartnern hängt oft an ihrer Lage. Ich war noch nie in der Lage, aber ich könnte mir denken, jemand, der viel Geld hat, viel gelassener drüber sprechen kann als ein Bettelmann. Wer die Krätze am Leib hat, spricht anders über sie als ein Gesunder, und unterm Dach lässt sich viel gelassener über den Regen diskutieren als in einem Unwetter auf verlassener Straße.
Ich leite das alles hier ein, weil ich zum Schluss unseres Projektes noch über diese Sache reden muss, um die ich, wie Du weißt, immer viel lieber herum segle, nämlich über die Macht, die der üble Geselle über uns Menschen hat.
Meine Antwort lautet: Gar keine. Weder der Dreigeschwänzte höchstpersönlich, noch seine Gesellen und Freunde haben irgendeine Macht über uns. Wir können mit der gleichen Gelassenheit über ihn sprechen, wie der Gesunde über Krankheit, wie der Reiche über Geld und wie der, der sich und seine Schäfchen im Trockenen hat.
Dass das so ist, das liegt an zwei Sachen, über die ich wiederum sehr gern spreche, am Priestertum Jesu nämlich und am Geschenk des freien Willens.

Fangen wir mit dem Priestertum an. Priester hat es schon immer gegeben. Die Römer hatten welche, die Griechen, die Germanen offenbar auch und ich vermute, die Steinzeitmenschen haben ihren Verstorbenen die Grabbeigaben auch von einer Art Priester ins Grab legen lassen.
Priester sind Leute, die als Vermittlungsinstanz zwischen der Welt der Menschen und der Sphäre Gottes auftreten, und als Gott seine Geschichte mit den Menschen einleitete, hat er diese Grundidee sozusgen aufgenommen und persönlich zur Vollendung geführt. Die Juden haben auf ihrem Weg, zum Volk Gottes zu werden schon sehr früh begonnen. die Idee des Priestertums zu entwickeln. Priester waren es, die die Gaben im Tempel darbrachten, die Priester waren es, die die Versöhnung mit Gott begleiteten und in sichtbaren Riten darstellen, und Priester waren es, die den Dienst im Tempel organisierten.
Der Schöpfer hat, wie gesagt, die Idee mit der priesterlichen Vermittlung aufgenommen, das allerdings nur, um sie sozusagen den Menschen aus der Hand zu nehmen, um sie selbst zu übernehmen. Die vielen Priester gab es im Judentum eigentlich nur, um sie durch einen einzigen zu ersetzen. Die vielen Riten und Bräuche gab es eigentlich nur, um einen einzigen Ritus einzusetzen, der alle anderen austauschen konnte. Die vielen Lämmer wurden geschlachtet, um auf den Tod eines einzigen Lammes vorzubereiten, das Lamm Gottes, das alle Probleme mit einem Mal aus dem Weg räumt.

Es ist nun so zu erklären, dass sich das Priestertum Jesu nicht aus dem Priestertum des Tempels entwickelt hat. Das Priestertum Jesu ist mit seinem Erscheinen auf der Welt ganz neu eingesetzt worden, und zwar von Gott höchstpersönlich. Der Schöpfer hat sich das neue Priestertum ausgedacht und mit seiner Menschwerdung eingesetzt, und der große Unterschied dabei ist nun, das neue Priestertum arbeitet aus der unendlichen Kraft, die der Schöpfer hat. Das ermöglicht die Sicherheit, von der ich andeutungsweise sprach.
Wir erinnern uns, Gott kann sich nicht anstrengen. Er kann nichts erkämpfen, weil alles, was er will, immer schon ist und alles was er macht, ohne die leiseste Mühe passiert.
Die sicherste Weise also, sich den Bösen mit seiner Bosheit vom Leib zu halten ist die Verbindung und der Schutz mit dem Priestertum Jesu, und mit dem ist es nun so: Jeder Mensch, der per Weihe Priester wird, bekommt lebendigen Anteil an Jesu Priestertum. Das Priestertum der Geweihten ist nicht das ihre und die Kraft, mit der sie ihr Priestertum ausüben haben sie nicht aus sich. Es ist immer direkt das Tun des Hohenpriesters Jesus, in der sie arbeiten. Es gibt also im Grunde nur einen Priester, der Jesus heißt. Er tauf die Kinder höchstpersönlich, nicht der Pfarrer am Ort. Der vollzieht wohl die Riten und erklärt sie, aber wenn ein Kind getauft wird, dann bekommt es das neue Leben als Gotteskind direkt aus der Hand des Schöpfers. Wir können also sagen, in der Taufe und in allen Sakramenten geschieht Schöpfung, und das aus der federleichten Hand des Meisters.

Dumm und intelligent zugleich

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Über Engel, Dämonen und alles Mögliche und Unmögliche

Wir sollten noch einmal kurz über Vernunft und Unvernunft sprechen. Wir nennen zum Beispiel niemanden unvernünftig, der nicht eigentlich vernünftig sein könnte oder sollte. Wir würden ein Tier nicht unvernünftig nennen, das seinem Schlachter entgegen läuft. Manche Tiere sind so dumm. Wir nennen aber einen Schüler unvernünftig, wenn er nicht zur Schule geht und dadurch seinen so wichtigen Abschluss versäumt. Wir nennen ihn unvernünftig, weil er es eigentlich besser wissen müsste. Unvernünftig ist einer, der genügend Vernunft hat, die er aber nicht an den Tag legt. Hagelkörner sind nicht unvernünftig, wenn sie auf ein Autodach fallen. Aber wenn einer auf sein eigenes springt und es zerbeult, der hat den Verstand verloren. Verloren haben kann man nur, was man eigentlich haben sollte.

Wann immer der heilige Thomas über die Sünde spricht, dann meint er so etwas: Jemand ist unvernünftig, wo er seinem Können nach eigentlich leicht vernünftig sein könnte. Nebenbei gesagt habe ich in meinem Leben schon viel von Sünde und nicht Sünde gehört. Es hat aber noch nie jemand so von ihr gesprochen, wie Thomas. Er hört nicht auf zu betonen, die Sünde sei vor allem unvernünftig, und zwar im oben besprochenen Sinn: Man macht nicht, was man seinem Vermögen nach eigentlich leicht könnte und was viel klüger wäre. Man könnte durchaus sagen, die Sünde ist eigentlich immer eine ausgesprochen dumme Angelegenheit.

Nun heißt es bei Thomas über den Teufel, bei ihm sei es überhaupt nicht anders, als bei allen Geschöpfen, die etwas wollen können: Auch der Teufel liebt Gott über alle Maßen. Wir erinnern uns: Wer einen Menschen liebt, der liebt auch die Liebe als solche. Eigentlich lieben wir unsere Leute nur, weil wir überhaupt und insgesamt von vorn herein auf die Liebe aus sind und die Liebe immer schon lieben. Nur wer überhaupt gern läuft, der läuft gern einen bestimmten Berg herunter. Das bedeutet, hinter jeder konkreten Liebe steht ein allgemeines Lieben der Liebe. Wenn Gott die Liebe schlechthin und ihr Maßstab ist, was der Glaube behauptet, dann steht hinter jeder konkreten Liebe eine sozusagen Grundliebe zu Gott. Dazu muss man ihn nicht einmal kennen.

Das alles ist auch beim Teufel so. Auch er liebt seinen Schöpfer über alle Maßen und möchte vor allem immer eins: Mit ihm in der vollendeten Liebe zu Hause und geborgen sein. Das ist das eine. Auf der anderen Seite heißt es aus der selben Feder des selben Gelehrten, alles, absolut alles, was der Teufel tue, sei absolute Todsünde. Er ist vollendet böse, das heißt, er ist so böse, wie er überhaupt sein kann. Nichts Gutes ist in seinem Sinnen und Wirken. Das wiederum hängt mit dem Verlust der Güte zusammen, die der Schöpfer persönlich ist.
Was mir nun diese großen Schwierigkeiten macht, ist, die Dinge zusammen zu denken und unverletzt stehen zu lassen. Die absolute Liebe zu Gott und das absolute Gegenteil in allem, was er will und tut. Aber so steht es da. Thomas behauptet beides und ist nicht bereit, auch nur einen Handbreit Platz zu machen für Kompromisse, die das eine oder andere kleiner machen würden. Und wenn wir „das geht doch nicht!“ sagen wollen, antwortet er „doch, das geht“ in größter Gelassenheit.

Je länger ich über diese Dinge nachdenke, desto mehr wird mir klar, dass es keinen Sinn macht, einen Sinn zu suchen, wo man prinzipiell keinen finden kann. Wenn sich ein schon erkälteter Kerl beim Eisregen im dünnen Hemd vor die Tür stellt, dann mag er seine Gründe haben. Wenn er sie lange und plausibel genug darlegt, dann mag man einen Sinn darin sehen. Wenn es aber pure Dummheit ist, dann ist es pure Dummheit, und Dummheit hat keinen Sinn. Sie ist leider wirksam, sie hat aber keinen Sinn, und es macht auch keinen, einen in ihr zu suchen.

Nach allem, was der heilige Thomas sagt, hatte der Teufel es mit einer Sache zu tun, die uns allen bestens bekannt ist: Wer etwas will, der sollte die Bedingungen akzeptieren, unter denen man sie bekommen kann. Der Teufel will die Liebe Gottes. Er akzeptiert aber nicht, sie geschenkt zu bekommen. Weil er das verweigert, bekommt er sie nicht, und zwar überhaupt nicht. Das macht ihn so wütend und führt ihn dazu, alles verkehrt zu machen, was überhaupt verkehrt gemacht werden kann. Bei aller überragenden Intelligenz, die er hat, merkt er nicht einmal, dass er sündigt. Man kann sagen, der Neid macht ihn so blind, wie uns die Wut, wenn wir toben. Im Moment, wo wir es tun, merken wir nicht, auf welchem Holzweg wir uns befinden. Wir finden richtig, was wir machen, auch wenn es himmelschreiend falsch ist. Ein sicheres Zeichen, dass Intelligenz sehr dumm sein kann und der Teufel ist dumm, sehr dumm sogar.

Geister und Götter?

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Über Engel, Dämonen und alles Mögliche und Unmögliche

Gestern habe ich mir eine Reportage über die Kunst der Stadt Florenz im fünfzehnten Jahrhundert angesehen, und ganz beiläufig meinte der Sprecher in irgendeinem unwichtigen Zusammenhang, damals habe man noch an Geister und Dämonen geglaubt. Ich mag solche Sätze nicht, oder bei allem Respekt gesagt: Ich mag Leute nicht, die solche Sachen sagen. Von Zeitgenossen, die glauben, sie seien heute viel schlauer als alle armen Menschen vor ihnen, ist meist nicht viel zu halten.

Außerdem: Wer war „man“ damals, und wer ist „man“ heute? Sind es „die Leute“ von damals, die an Geister glauben? Mag sein, aber die Leute von heute glauben nicht weniger Schund, und der Geisterzauberglaube ist verbreitet wie noch nie. Die Summe des Aberglaubens ist heute kein bisschen geringer als im Mittelalter und in der Steinzeit.

Manchmal wird uns mitgeteilt, die Kirche sei zu allen Zeiten diejenige gewesen, die den Glauben an Geister und Zauberkram hervorgebracht habe. Ihre Lehre von den Engeln und Dämonen habe den Glauben an irgendwelchen Zauber genährt und aufrecht erhalten. Ich würde meinen, es gibt gute Gründe, das glatte Gegenteil für wahr zu halten.

Wenn ich nicht irre, war es der heilige Pfarrer von Ars, der gesagt hat: „Nimm dem Menschen den Glauben und sie werden das liebe Vieh anbeten.“ Als Priester der Kirche meinte er freilich den Glauben seiner Gemeinschaft, und er hatte sicher Recht: Seine Kirche ist eher immer diejenige gewesen, die den Glauben an Geister und Spukereien nicht hervor gebracht, sondern in seine Schranken gewiesen hat.

Die Geisterseher im alten Rom haben die Kirche nicht gebraucht, um auf die Idee zu kommen, in den Eingeweiden von Ochsen und in den Flugbahnen der Vögel die Zukunft vorauszusagen. Dass man irgendwelchen obskuren Göttern Opfer bringen musste, damit es regnet, ist keine Erfindung der Botschaft Jesu. Sie war es vielmehr, die dem Sonnengott den Kampf ansagte und dem Stern am Himmel seine Göttlichkeit absprach.

Gestern zappte ich zufällig in eine Fernsehsendung, in der gekocht wurde. Da stand eine bedauernswerte junge Frau am Herd, die sagte, sie spreche beim Kochen nicht gern mit Menschen. Sie spreche vorzugsweise mit dem Essen, um ihm dadurch positive Energien mit zu geben. Auch so ein Glaube ist keine Erfindung der Kirche, das denken sich Leute aus, die nicht mehr wissen, dass einzig der Schöpfer alle Dinge segnet oder nicht. Auch auf die Idee mit dem Hexenglauben aller Art kann nur kommen, wer die mittelalterliche Lehre des heilige Thomas nicht gelesen hat, nach der kein Geschöpf der lenkenden Hand Gottes Konkurrenz machen kann.

Vielleicht ein kurzes Wort zur Magie und ihre kirchliche Beendigung. Wenn unsere Priester Kerzen oder Medaillen segnen, dann werden diese dadurch nicht im geringsten verändert. Die Kerzen bleiben Kerzen aus schlichtem Wachs, und die Medaillen bleiben gestanztes Metall mit Bildchen drauf. Die Dinge bekommen keinen Zauber und keine Zusatzenergien, noch werden ihnen irgendwelche, außernatürlichen Kräfte zugesprochen. Der Segen will nichts anderes, als den Schöpfer bitten, er möge den Menschen, die diese Dinge besitzen und betrachten, etwas Gutes tun. Kein Segen verzaubert etwas in der Welt. Er bittet aber die Güte Gottes für die Menschen herab, die gesegnet werden möchten. Unser Essen braucht keine positiven Energien, aber unsere Kinder brauchen den Schutz des Allmächtigen und die Begleitung ihrer Engel.

Der Glaube entzaubert die Welt, er lädt sie nicht auf. Die einzigen, großen sieben Ausnahmen sind die Sakramente der Kirche. In der Eucharistie ist das Brot am Ende wirklich kein Brot mehr und der Wein kein Wein. In der Taufe werden aus Adams Söhnen und Evas Töchtern wirkliche Gotteskinder, und die Beichtstühle können wir wirklich ohne Sünden verlassen. Das ist keine Zauberei, sondern Gottes Wirken auf Ansage, nach der die Welt außer diesen sieben Gaben keine weiteren braucht.

Auch die Engel sind keine Zaubergeister, sondern schlichte, vernünftige Wesen wie wir. Der Teufel ist keine boshafte, sabbernde Konkurrenz Gottes, sondern ein Geschöpf, das in schlichter Freiheit so böse wurde, wie es böse werden konnte. Auch die Menschen können böse werden, und auch das ist kein Hexenwerk.

Versuchung und Freiheit

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Über Engel, Dämonen und alles Mögliche und Unmögliche

Jetzt haben wir einfach den Begriff der Versuchung eingeführt, ohne wenigstens etwas genauer zu besprechen, was damit überhaupt gemeint sein könnte. Wenn das Wort „Versuchung“ klingt, dann meint es in der Regel etwas Negatives. Das setzt natürlich voraus, dass es auch das Positive gibt, und zwar im Sinn von Gut und Ungut.

Schlechte Menschen können gute Ärzte sein, und wir könnten jetzt einen langen Vortrag einschalten, was Gut und Ungut überhaupt meint. Für einen Bankräuber ist es schlecht, wenn er eine Lungenentzündung bekommt, die ihn ans Bett fesselt. Für die Bank und deren Kunden ist es gut. Für unseren Makler ist es nützlich, wenn wir eine Versicherung gegen Blitzeinschläge abschließen. Für uns wird die dann gut, wenn irgendwann ein Blitz einschlägt und wir unsere Möbel erstattet bekommen. Schlägt er Blitz immer nur beim Nachbarn ein, haben wir nichts davon gehabt und es fragt sich am Ende, wie gut die Versicherung war.
Wir könnten jetzt lange über die Frage reden, warum „negativ“ eher schlecht und „positiv“ eher gut für uns meint. Unser Buch wird aber langsam zu dick, und deshalb schlage ich vor, diese Diskussion auf später zu verlegen.

Gehen wir lieber gleich auf die Bedeutung, die der heilige Thomas einführt. Der Mensch seiner Vorstellung ist, so lange er auf Erden lebt, im Stande eines Wanderers, dessen Marsch ein großes Ziel hat. Wer es mit Thomas zu tun bekommt, der wird sehen, dass er dieses Ziel nie aus seinen Professorenaugen verliert.
Für uns heißt „ein Kind bekommen“ einem Menschen das Leben auf der Erde ermöglichen. Es heißt, einer Existenz auf die Beine helfen, die es einmal gut haben soll, dessen Leben gelingen möge und das vielleicht selbst wieder Kinder bekommt, um die es sich kümmern kann. Unser Gelehrter würde das alles sicher nicht bestreiten. Man würde wohl auch tagelang mit ihm über alle Einzelheiten des Lebens sprechen können. Wahrscheinlich würde er uns irgendwann aber fragen, ob „Kinder bekommen“ nicht zunächst eine gute Chance bedeute, den Himmel zu bevölkern. Thomas denkt immer vom Ziel der Dinge her. Er will immer zuerst möglichst genau wissen, was wozu eigentlich gemeint war oder ist. Wenn man ihn bitten würde, einen Heißluftballon zu beschreiben, er finge nicht mit seinem Aussehen an, sondern mit der herrlichen Aussicht, in einem zu fliegen. Thomas kann nicht anfangen, ausführlicher vom Menschen zu sprechen, ohne erst in Ruhe über den Himmel zu reden.

Wenn wir hier gegen Ende kurz über die Teufel und Dämonen sprechen wollen, die Thomas meint, dann bietet sich an, die Dinge auch auf diese Spitze zu führen. Die Schlange hatte Eva nicht verführt, damit sie die unbekannte Frucht kennenlernt. Eva selbst denkt so kurz. Sie sieht, wie köstlich die Frucht doch wäre. Für die Schlange waren weder der Baum, noch das Essen interessant. Entscheidend war nur, dass sie mit ihrem Mann und allen Kindern aus dem Paradies geworfen wird. Nicht nur Thomas denkt vom Ende her. Auch Gott tut es, auch die Engel und ebenso die Feinde. Die Kirchen in unseren Breitengraden denken und sprechen eher vom Apfel her und dass es uns gelinge, gut zu essen, satt zu werden und vor allem nicht unter der Verdauung zu leiden. Deshalb kann es schon mal sein, dass es uns zu nächst etwas fremd vorkommt, wenn plötzlich einer vom Himmel spricht und von der Möglichkeit, ihn zu verfehlen. Bei Thomas ist das aber so.

„Für gewöhnlich“, schreibt er, „wird mit Versuchung“ eine Provokation zur Sünde gemeint“, und mit Sünde ist hier also weniger eine Tafel Schokolade zu viel oder ein Bier über den Durst gemeint. Sünde sagt, den Wanderer an der Herberge vorbei zu locken, dafür zu sorgen, dass er nicht ankommt und zwar, damit er in den Bergen verhungert und seine Familie nie wieder sieht.
Die Frage etwa, ob der Teufel Zugriff auf den menschlichen Willen haben kann, hat hier also auch die am tiefsten mögliche Bedeutung. Wir können ihre Antwort vorwegnehmen und ein entschiedenes Nein des Gelehrten auf den Tisch legen. Für Thomas ist und bleibt der Mensch ein freies Wesen. Da können weder Sonne, Mond und Sterne, noch Freunde und Feinde etwas ändern. Wer seinen Willen im Ziel verankert, der wird es nicht verfehlen.

Sth I-II, 79, 1, arg 2: „Tentatio solet dici provocatio ad peccandum.“

Die Versuchungen und der Herr im Hause

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Über Engel, Dämonen und alles Mögliche und Unmögliche

Als mein Freund mich bat, über den Teufel zu schreiben, wusste ich, es würde etwas herauskommen, was nicht ganz seinen Vorstellungen entsprechen kann. Er mag es nämlich, wenn lange über den großen Verlierer gesprochen wird, wobei ich am liebsten gar nichts bis wenig über ihn sage. Es gibt in den christlichen Gemeinschaften eine Sorte Denken und Empfinden, auf die ich mich nicht gern einlasse.

Ein Beispiel. Auf der Kirmes gibt es verschiedene Typen, die alle gern über den Platz laufen, die aber an verschiedenen Geschäften jeweils ihre größere Freude haben. Manche rennen gleich zu den Achterbahnen mit den haarsträubenden Kurven, Loopings, Umdrehungen und Schockmomenten. Andere suchen eher den Grusel in den Geisterbahnen und haben einen Hang, mystische und magische Zeiten zu erleben. Ein dritter Teil schlendert lieber eher als Zuschauer über die Plätze, um an der Freude der anderen seinen Spaß zu haben. Diese Leute ziehen es vor, mit einem Bier, mit Wurst oder süßen Sachen in der Hand zwischen den Geschäften zu spazieren.

Mein Freund, der mich bat, über den Widersacher zu schreiben, ist ein ausgesprochener Geisterbahntyp. Das Dumme an unserer gemeinsamen Sache ist, ich spaziere lieber, und ich glaube, das habe ich von meinem Lehrer Thomas. Der sagt zum Beispiel, es gebe drei Faktoren, die den Menschen durcheinander bringen und aus der Bahn werfen. Das eine sei das Angebot der Welt, das zweite sei man selbst, das dritte sei der Teufel. Natürlich hängen die drei Dinge zusammen, aber ich würde sagen, meistens sind wir es doch selber.
Was mich an den Freunden der Geisterbahn schon mal stört, das ist ihre Annahme, die drei Quellen unterscheiden, zu trennen und klar ausmachen zu können, was jetzt von was kommt. Da würde ich für meinen Teil eher eine gewisse Zurückhaltung, Demut und Vorsicht anmahnen.

Als vor Tagen über diese Terroranschläge in Europas Städten geklagt wurde, kletterte wieder ein Geisterbahnfreund auf den Plan und äußerte sein Wissen, der Teufel habe die Leute verführt, und er nutzte die Gelegenheit, das schreckliche Wirken des Satans auf Gottes Erde zu beklagen. Ich will gar nicht auftreten und Gegenteile behaupten oder Rundumverneinungen aussprechen. Wie gesagt, ich schlendere lieber, würde aber doch kurz anmerken wollen, die Geisterbahnen auf der Kirmes sind fest umgrenzte Häuser, Mauern haben, über die kein Geist zu klettern hat. Die Kirmes als ganze und als solche ist keine Geisterbahn.
Der Geisterseher unterlag der gleichen Versuchung wie seine schlimmsten Feinde. Die Taliban wollen aus ihrem ganzen Land ein Schweigekloster machen, in dem keine Musik läuft und alle streng fasten und beten. Dabei sind Klöster doch feste, umgrenzte Räume, in die ja eintreten kann, wer möchte und vor allem nicht jeder muss.

So sind auch die Geisterbahnen streng definierte Gebiete, von denen sich die Umwelt mit bestem Heimrecht absetzt. Der Teufel und die Taliban mögen von mir aus ihre Häuser haben. Solange meine Entscheidung nicht hinein führt, können sie mir gestohlen bleiben. Ich mag es also nicht, überall gleich den Widersacher am Werk zu sehen und halte das manchmal auch schlicht für eine verehrte Deutung der Welt, die aus dem Drang zum Geistersehen kommt. Ich mag auch keine Beichtstühle betreten, in denen viel von Teufels- und Engelszauber geredet wird.

Vielleicht lohnt noch ein kurzer Blick auf die drei Komponenten der Versuchung, von denen Thomas spricht: Der Teufel, die Welt und wir selber. Wichtig ist dabei nämlich zu wissen, wie das ganze gemeint ist. Das zuletzt genannte, wir selbst, sollte nicht als Instanz der Entscheidung außer Acht gelassen werden. Wer nicht in die Geisterbahn will, dem kann kein Geist etwas. Der macht mit seinen Werbeschildern zwar seine Angebote in der Welt lesbar, es ist aber jedem seine Sache, wie er seinen Kirmesgang gestaltet. Auch das „Welt“ genannte mit seinen Kiosks, seinen Geschäften und schmackhaften Spelunken und Bars steht als Angebot ins Haus. Aber auch da obliegt die Entscheidung dem Hausherrn, welche Stimmung in seinem Inneren zu herrschen hat. Die eigenen Erfahrungen, Gewohnheiten und Neigungen sind auch mehr oder weniger Angebote, zwischen denen man wählen kann. Thomas sagt einmal, mögen die Himmelskörper, wir würden sagen der Mond, auch seine Auswirkungen auf uns haben. Das entbinde uns dennoch nicht, verantwortliche Entscheidungen zu treffen. Thomas hat ein eigenes, kleines Kapitel, in dem er seine Meinung kundtut, in wie fern und ob überhaupt der Gehörnte Herr über uns sein kann. Das sollten wir uns bei Zeiten ansehen.

Engel haben keine Familie

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Über Engel, Dämonen und alles Mögliche und Unmögliche

Der christliche Glaube sagt bekanntlich, bei der Zeugung eines Kindes seien nicht nur Vater und Mutter beteiligt, sondern ein Dritter sei im Bunde, nämlich der Schöpfer, der die Seele erschafft. Es sind also drei am Werk.
Beim Engel muss es anders sein. Sie haben keine Körper, Vater und Mutter sind also nicht nötig. Es ist nur der Schöpfer allein, der die Engel ins Leben stellt.

Erlaube mir, einen Gedanken zu erläutern. Wenn jemand einen handelsüblichen Lichtschalter betätigt, dann ist das Licht am Ende entweder an oder aus. Licht kann nicht halb oder viertel an sein, genau wie eine Schwangerschaft. Da gibt es auch keine Hälften. Keine Frau kann ein bisschen schwanger sein, und Licht ist entweder ganz an oder ganz aus. Was geht, das ist weniger Licht, das an ist. Es gibt Lampen, die wenig Licht machen und es dunkler bleiben lassen. Aber auch wenig Licht ist immer ganz an, wenn es überhaupt an ist. Entscheidend ist nun der Gedanke, nach dem man einfache Dinge nicht langsam werden können.
Mit den Engeln ist es, wie mit der menschlichen Seele. Beide sind absolut einfache Dinge, die nur entweder da sein oder nicht da sein können. Eine halbe Seele kann es nicht geben, es wäre dann nur eine ganze, die kleiner wäre.
Mit dem Dasein ist es übrigens genau so. Etwas ist entweder ganz da oder gar nicht. Deshalb ist auch das Sein der Dinge als solches ganz einfach. Ein Flugzeugträger ist ein kompliziertes Ding, aus vielen Teilen zusammen gebaut. Aber auch er kann entweder nur ganz da sein oder nicht, jedenfalls, was das Sein angeht. Thomas sagt nun, das, was wir Schöpfung nennen, bedeute nichts anderes als den Dingen ihr Sein, ihr Dasein verleihen. Ob diese Dinge nun kompliziert sind oder nicht, ihr Dasein ist entweder null oder eins. Auch das Sein also ist etwas ganz einfaches. Dehalb sagt Thomas, Schöpfung geschehe ohne Bewegung. Geschöpf sein bedeutet dem Sein nach nicht gewachsen sein, sondern plötzlich einfach da gewesen. Auch was wachsen muss, ist in seinen Einzelteilen da oder nicht da.

Wenn es so etwas wie eine menschliche Seele gibt, so nehmen wir an, dass mit ihr etwas ganz Neues in die Welt gestellt wird. Die Seele ist so einfach, wie das Dasein. Sie kann ganz viel, ist aber, was ihr Wesen angeht, vollkommen einfach.
Gedanken können furchtbar kompliziert sein. Dem Zeug nach aber, aus dem sie sind, kann niemand Komponenten nennen, aus denen sie zusammengesetzt wären.
Man mag sich jetzt streiten, ob es Engel gibt, aber wenn ja, und wenn sie keine Körper haben, dann müssen sie ihrem Dasein nach so einfach sein, wie unsere Gedanken und Träume. Deshalb haben Engel keine Väter und Mütter und somit auch keine Familien, wohl aber Freunde, das geht. Und wo wir beim Vereben sind, wer keine Familie hat, der kann auch niemanden haben, der ihm etwas vererbt. Die Engel sind von der Erbsünde nicht betroffen, sie kann sie nicht berühren.

Anmerkungen sind in Arbeit.

Größe und Weite

Heute wieder zwei Texte

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Über Engel, Dämonen und alles Mögliche und Unmögliche

Wenn Friede bedeutet, in einem Zustand könne alle Sehnsucht zur Ruhe kommen, dann kann es nur der Himmel sein. Allein schon, weil die Sehnsucht der Liebe Sachen wünscht, die auf Erden schlicht unerfüllbar bleiben müssen. Das bunte Lied der Liebe in ihren schönsten Stunden, es möge nie aufhören, so schön zu sein, weicht dem Grau der Realität: Das Altern und spätestens der Tod wird dem ein Ende bereiten. In „alle Sehnsucht“ muss auch das Verlangen nach Unvergänglichkeit mit eingeschlossen sein, und die gibt es entweder nie oder im Himmel.

Wer Frieden in der Welt ausruft, der muss also bescheidener bleiben. Christus rief den Frieden aus. Dieser Friede sollte der Generalfriede der Welt sein, und zugleich die Wurzel genau jenes Friedens, nach dem alle Welt sich sehnt und den alle Welt nicht geben kann.

Vielleicht erinnerst Du Dich? Ich habe ziemlich am Anfang unserer Überlegungen einmal gesagt, wer jemanden liebt, der liebe auch die Liebe selbst. Für Thomas ist jede Liebe ein Zeichen dafür, dass der Mensch als solcher sich nach der Liebe als solcher ausstreckt. Hinter jeder kleinen Liebe steht, unbewusst, aber klar, eine grundsätzliche Offenheit für alles Liebe. Dadurch, dass ein Mensch jemanden liebt, zeigt er, dass er grundsätzlich auf die Liebe aus ist. Wenn nun, was Thomas annimmt, hinter jeder Liebe der Liebenswürdige schlechthin steht, in dem jede Liebe irgendwie geborgen und enthalten ist, dann ist dieser Liebenswürdige schlechthin das Ziel aller Liebe, besonders wenn diese darin nicht vergehen braucht. Je größer die Liebe ist, desto weniger braucht sie eifersüchtig zu sein. Die Liebe guter Eltern wird nicht verletzt, wenn das Töchterlein sich in ihren Bräutigam verliebt hat. Gottes Liebe ist nicht gekränkt, wenn wir unsere Heiligen lieben und verehren.  Jesu Liebe ist nicht verwundbar, wenn wir uns mit seiner Mutter abgeben, im Gegenteil.

Hinter jeder Liebe steht, so der Glaube, der Liebende schlechthin, der sich schlechthin an jeder Liebe erfreut. Und der Liebende schlechthin ist der Zielpunkt allen Liebens.

Erbsünde hieß nun, genau mit diesem Zielpunkt eine unaufhebbare Schwierigkeit zu haben. Die Liebe findet irgendwie nie nach Hause. Dieses Zuhause hat nun die Welt betreten und beschlossen, in die Herzen einzuziehen, um für Frieden zu sorgen. Es ist der Friede mit Gott im Innenleben des konkreten Menschen, den Christus meinte, als er seinen Frieden versprach. Dieser Friede ist das Ergebnis der gesamten Unternehmung Gottes in der Welt, die im Kreuz und in der Auferstehung des Sohnes ihren geheimnisvollen Höhepunkt gefunden hatte. Christus hat sich die Schwierigkeiten der Menschen zum Problem gemacht und gelöst.

Es ist immer der persönliche Friede der bedeutendste. Jeder Liebende sagt, man könne das Haus unter ihm verbrennen, den Wagen stehlen und den Garten pflügen, wenn er nur seine Familie gesund bei sich behielte. Was nützt einem das Geld der Welt, wenn man keine Freunde hat, mit denen man es auf den Kopf hauen kann? Der wichtigste Friede, und der, der allem vorgezogen wird, ist immer der mit der Menschenwelt. Weil aber immer noch gilt, was Thomas erkannte, dass auch hinter dem der Große Friede steht, deshalb ist der Trick mit der Menschwerdung so vollkommen. Der Große führt die Welten zusammen und lässt die kleine in seiner aufgehen, ohne sie zu verletzen. Als Mensch versöhnte er sich mit den Menschen.

Das tut seiner unanfechtbaren Größe übrigens keinen Abbruch. Gott wird nicht kleiner, wenn er sich in den Leib eines kleinen Kindes begibt. Wie soll der Grenzenlose plötzlich eine Grenze bekommen? Gott wurde ja auch nicht weniger erhaben, als er begann, sich mit den Menschen zu beschäftigen, etwa, in dem er ihnen Gebote und Bücher gab. Ein Großer wird nicht klein, wenn er sich auf seine Knie begibt, um mit einem Kind zu spielen.

Ich weiß, es gibt große Sorgen gläubiger Leute, die der Gedanke von der Menschwerdung Gottes erschreckt und empört. Sie fürchten, die Ehre und Erhabenheit Gottes werde geschmälert, wenn behauptet wird, er habe sich als Mensch unter die Menschen begeben.  Das Problem hört aber auf ein Problem zu sein, wenn man einmal etwas anders denkt. Früher dachten die Leute, die Erhabenheit eines Königs müsse sich darin zeigen, dass er weit über dem Volke lebt und nicht in den Gassen der gewöhnlichen Menschen zu sehen ist. Erhabenheit bedeutete eine gewisse Ferne. Sobald man aber die Größe des Königs als Weite des Herzens denkt, ändert sich das. Plötzlich ist der König noch viel größer, gerade weil er sich auch mal um die Kleinen kümmert. Wirklich groß ist der König, wenn er sein Schloss nicht verliert, seine Erhabenheit nicht ablegt und doch bisweilen verkleidet durch die Straßen geht, um zu helfen und Mitleid zu haben. Wahre Größe heißt alles können. Wer sagt, Gott könne kein Mensch sein, er könne wegen seiner Übergröße das Kleine nicht erledigt haben, der macht aus seiner Erhabenheit vielleicht sogar etwas Geringes.

Was Friede heißt

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Über Engel, Dämonen und alles Mögliche und Unmögliche

Gelehrt sein und erfahren sind zwei ganz verschiedene Dinge, wobei das gelehrt sein das Ärmere von beiden ist. Der Friede, über den ich in Sachen Erbsünde und Innenleben ein Wort verlieren möchte, ist ein gutes Beispiel. Ein Gelehrter wird auf unsere Frage, was Friede ist und was sein Gegenteil, kluge Antworten wissen. Er wird das berühmte Zitat hervorheben, nach dem Friede viel mehr ist als nur die Abwesenheit von Krieg. Er wird den heiligen Thomas zu zitieren wissen, der sagte, der Friede sei ein Zustand bei dem alle Sehnsucht ohne Störung zur Ruhe kommen könne. Der Gelehrte wird viel Bewunderung ernten, und das wird ihm gut tun.

Ein Erfahrener dagegen muss nicht unbedingt mit Wissen aus Büchern glänzen. Er weiß was Frieden und Unfrieden sind, weil er beides erlebt hat. Ein Gelehrter zitiert die großen Meister, die die wunderbare Luft in Italien schildern, ein Erfahrener war dort.

Zwei übliche Spiele in unserer Gesellschaft gehen so: Das eine fragt, was bist du und was hast du?, das andere, mit wem gibst du dich gern ab? In der ersten Frage glänzen wir gern als Gebildete und vor allem als Menschenkenner. Hat jemand ein Buch gelesen, sehnt er die Situationen herbei, in der er das sagen kann. Wer in den Bergen geklettert hat, dem reicht es nicht, dort gewesen zu sein. Das eigentliche Ziel ist es, davon zu erzählen. Deshalb sind das Fotoschießen wichtiger als das Erleben.

In der zweiten Frage geht es um den Umgang, den wir lieben und mit dem wir uns umgeben können. Auch da geht es um den Glanz, den wir verbreiten, nun aber nicht mit den Federn, die uns selber wuchsen, es reichen fremde. Berühmte Leute zu Freunden haben ist genau so befriedigend, wie gerühmt zu werden. Hier steht allerdings weder der Gebildete, noch der Gelehrte auf Platz eins, sondern der, der beides hat, der gebildete Gelehrte. Eine Reise machen und dann ein Buch drüber schreiben ist die Kombination, die am meisten verspricht.

Der heilige Thomas kann es im Ranking der Gesellschaft nicht weit bringen. Er war wohl gelehrt, nicht aber erfahren. Er hat die dicksten Bücher über alle Belange der menschlichen Befindlichkeit gelesen, gelebt hat er in einer Klosterzelle. Er hat im Geist die höchsten Höhen und tiefsten Täler der Sünde und der Heiligkeit durchschritten. Im Leben reichte ihm der Kreuzgang seiner klösterlichen Einsamkeit. Man rief ihn als Schlichter in Erbangelegenheiten und machte ihn zum Berater an den großen Höfen. Aber wenn man ihn hätte gehen lassen, er hätte wieder das nächst beste Kloster angesteuert, weil man dort am ungestörtesten Denken konnte. Für einen so gestrickten Menschen ist das Kloster ein Ort des Friedens, weil dort ungestört die Sehnsucht nachzudenken und zu spekulieren ihre Ruhe finden kann.

Wir sind bei der Erbsünde, und je länger ich in letzter Zeit wieder über sie nachdenke, desto klarer wird mir, dass sie vor allem auch mit dem Frieden zu tun hat, und zwar mit dem Frieden, von dem der Christus spricht. Er sagt gegen Ende seines Lebens auf Erden etwas sehr geheimnisvolles. Er sagt: „Friede sei mit euch“, und „meinen Frieden gebe ich euch.“ Verwunderlich an dem Satz ist die Situation. Er spricht vom Frieden, den er seinen Jüngern mit gibt und schickt sie in eine friedlose Welt. Er gibt ihnen seinen Frieden mit und sie werden, wie er, allesamt grausam umgebracht; ausgenommen der Jüngling Johannes. Der hatte die Grausamkeit des Sterbens tags drauf vorweggenommen, als er sich das seines Meisters mit anschauen musste.

Jesus spricht vom Frieden geben und muss etwas meinen, das selbst von der Grausamkeit der Welt nicht verletzt werden kann. Ich würde meinen, es gibt gute Gründe anzunehmen, dieser Friede hat vor allem mit der Erbsünde zu tun. Er ist nämlich das Ergebnis ihrer Beseitigung, und hinweg geräumt hat Christus sie höchstpersönlich. Deshalb kann er auch nur er so sprechen, und wer so spricht, der kann es ohne Anmaßung nur in seinem Namen tun. Diesen Frieden verteilen kann nur, wer Herr über ihn ist, und da kann es nur einen geben. Dieser, das sei noch schnell gesagt, ist schon immer der Herr alle Bildung, und zu dem wurde er in der Menschwerdung auch noch der, er alles am eigenen Leib erfahren hat. Aber Schritt für Schritt.

Sth I-II, 70, 3, co: Haec autem (…) importat pax, scilicet ut neque ab exterioribus perturbemur et ut desideria nostra conquiescant in uno.

Die besondere Freiheit der Engel

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Über Engel, Dämonen und alles Mögliche und Unmögliche

Wir sind beim Innenleben der Lebewesen. Man wird sagen können, jedes Leben hat das seine. Leben heißt lebendig sein und leben heißt ein Innenleben haben. Ein Baum, der im Winter schläft und im Frühjahr Blätter treibt, der wächst aus seinem ganz eigenen Innersten heraus. Das Innenleben eines Baumes nimmt sich gegen das eines Buckelwals wohl etwas bescheiden aus, und ein Mensch ist noch reicher ausgestattet. Ein Baum braucht nur für das Wachstum zu sorgen, das ist nicht so viel. Er kann und braucht nicht laufen, er muss deshalb nicht aufpassen können, dass er nicht stolpert. Ein Baum muss sich keine Verhaltensmuster in der Natur merken, er braucht und hat deshalb wohl auch kein Erinnerungsvermögen. Die Tiere sind mit ihrem Innenleben schon reicher ausgestattet. Sie wachsen, wie Bäume es tun, sie rennen durch die Natur und wissen, was ihnen schmeckt und gut tut. Tiere haben Instinkte, und jedes hat seinen eigenen Apparat dazu.
Menschen haben noch ein sehr bedeutendes Stück mehr in ihrer Ausstattung, sie haben eine Anlage zur Vernunft, sie können über sich selber nachdenken. Sie können sich in ihrer Umwelt nicht nur wahrnehmen. Sie können sich auch Gedanken dazu machen. Menschen sind Personen, und die zeichnen sich dadurch aus, dass sie ein bewusstes Verhältnis zu sich selber haben können.

Hier hat unser Lehrer Thomas eine interessante Idee. Er sagt etwas geheimnisvoll, ein Lebewesen stehe je höher in der Ordnung, je innerlicher ihm sei, was bei ihm sozusagen herauskommt. Er sagt, in Sachen Vernunft gebe es zum Beispiel zweierlei, den Verstand des Engels und den des Menschen. Der Mensch habe zwar auch einen freien Verstand, der über alles Mögliche nachdenken könne. Er sei aber, damit er überhaupt loslegen könne, auf Informationen von außen angewiesen. Er braucht sozusagen einen Input von außen. Ein  Baby braucht einen lebendigen Kontakt mit der Mutter, damit überhaupt eine Beziehung zu ihr beginnen kann. Dieser Kontakt muss von außen her, bei der Mutter seinen Anfang nehmen.
Unsere Augen, die Ohren, das Riechen und Betasten sind in gewisser Weise die Ein- und Ausgangstore für all unser Begreifen und alles Verstehen geht über Beziehungen, über unser Sein in unserer Welt. Wir brauchen Kontakt mit ihr. Deshalb könnte ein ganz und gar einsames, menschliches Leben ohne Umwelt gar nicht beginnen, und menschliche Personen können schon deshalb nicht ganz allein gedacht werden. Sie könnten ihr Personsein gar nicht starten, und verkümmern würden sie auch.

Es gibt doch diese berühmte Geschichte mit dem traurigen Geschick jener Babys, die der Stauffer Friedrich mit ihnen angestellt hatte. Er wollte heraus finden, ob der Mensch eine Ursprache habe und hat einer Anzahl Ammen und Müttern das Sprechen mit den Kindern verboten. Wie es heißt, sind alle Kinder an diesem Mangel gestorben. Die Menschen leben nunmal in ihrer Welt und sie brauchen den lebendigen Kontakt mit ihr.

Bei den Engeln ist das anders, sagt der Meister. Engel haben ihre Welt in sich, sie kommen ohne Körper aus und haben schon immer alles in ihrem Inneren. Die Engel, sagt Thomas kennen sich aus sich selbst heraus. Sie bekommen zwar auch Inputs. Die kommen aber sozusagen anders von außen, als bei uns. Vielleicht können wir uns diese Inputs eher wie Lichter vorstellen, die gleich in ihrem Inneren schon brennen oder angezündet werden. Diese Lichter kommen von Gott oder von anderen Engeln. Auch dieser Kontakt ist höchst lebendig und erfreulich. Sie reichen ebenso wie die unsrigen Kontakte uns genügen. Ihre Quelle und Weise, wie sie ankommen aber ist grundverschieden. Thomas sagt nun, die Engel stehen im Rang der Geschöpfe deshalb über dem Menschen, weil das alles, was bei ihnen herauskommt, weit innerlicher ist. Man kann auch sagen, sie sind freier, was die notwendigen Bindungen angeht.

ScG 4, 11, 5: Perfectior igitur est intellectualis vita in Angelis, in quibus intellectus ad sui cognitionem non procedit ex aliquo exteriori, sed per se cognoscit seipsum.