Ein Gedanke als Vorwort

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Klärende Gedanken zur Eucharistie

Starten wir also. Ich gehe wieder vor, wie in unserem ersten Projekt über die Firmung und folge, meistens ohne es hier eigens zu erwähnen, den Vorgaben meines Lehrers, des heiligen Thomas von Aquin. Das gibt mir Sicherheit, auf dem sichersten Weg zu laufen.

Zunächst aber eine Art Vorwort. Nehmen wir an, jemand will Dir eine Gemäldesammlung zeigen, die ihm sehr am Herzen liegt. Jedes Stück ist ihm wertvoll wie Gold und an jedem hängt sein Herz auf besondere Weise. Was wird er Dir als letztes zeigen? Sicher das allerliebste Stück, das mit dem größten Wert und das, worum der meiste Aufwand zur Pflege und zum Schutz getrieben wird. Das Allerschönste, das Allerwichtigste, das was absolut im Zentrum steht, das man nur ansehen, nicht anfassen darf, das wird er besonders umschwärmen und Dir mit Liedern besingen, was es ihm bedeutet.

Wenn jemand die katholische Kirche bitten würde, ihm ihre Schätze vorzuführen, dann würde sie, wie der Kunstliebhaber alles mögliche besingen, umschmeicheln und preisen. Als letztes aber würde sie feierlich zu den sieben Sakramenten schreiten. Sie sind der Gegenstand aller Pflege, allen Schutzes und jeder Verehrung und der ganzen Liebe. Unter ihnen aber, die ganz besondere Mona Lisa sozusagen, das ist das Sakrament der Eucharistie.

Wir werden hier sicher das eine oder andere Mal ziemlich nüchtern, ja fast trocken drüber reden. Wir sollten aber immer im Hinterkopf bewahren: Die Eucharistie ist das Herz der Kirche, dasjenige aus dem sie wächst und gedeiht und dasjenige, um dessentwillen sie überhaupt auf der Welt ist. Die Katholiken selbst gehen, sogar bis hinauf in die höchsten Gremien und Posten der Kirche mit der Eucharistie schon mal um, wie wenn man Würstchen auf den Grill legt. Das ist bedauerlich und sollte uns nicht zu lange betrüben. Die Menschen haben nunmal den Hang, sogar vor dem Allerschönsten gelangweilt zu sein und nicht mehr zu erkennen, was ihnen eigentlich in die Hände gegeben ist. Geheult und gesungen wird oft erst, wenn wir die Dinge vermissen. Aber wie gesagt, wir sollten uns davon nicht aufhalten lassen, sondern das Lied hin und wieder anstimmen.
Ich kündige an, zunächst kurz anzureizen, was überhaupt ein Sakrament ist.

Kindschaft – Die Gabe der Frömmigkeit

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Eine Katechese zur Firmung

Die Gabe der Frömmigkeit, die wir heute zu besprechen haben, ist mir von den sieben die liebste geworden. Warum, das erzähle ich Dir deswegen natürlich besonders gern. Um das aber tun zu können, müssen wir uns anschauen, was mit Frömmigkeit überhaupt gemeint ist, bzw. was die Lehre unserer Kirche damit meint.
Wenn wir bei den Leuten fragen, was sie unter einem frommen Menschen verstehen, dann meinen sie sicher einen, der die Regeln seiner Religion einhält und ihre Bräuche pflegt. Ein frommer Jude ist dann einer, der in die Synagoge geht, jüdisch betet und koscher isst. Ein frommer Moslem geht freitags in die Moschee, verzichtet auf Schweinefleisch und pilgert nach Mekka. Im gleichen Sinn lesen die frommen Protestanten fleißig und betend die Bibel, ein frommer Katholik geht beichten und Sonntags in die Kirche. Alles schön und gut, aber das beschreibt erst einmal überhaupt nicht, was die Lehre der Kirche unter Frömmigkeit versteht.

Das lateinische Wort für Frömmigkeit lautet „pietas“. Die Namen Pia und Pius leiten sich davon ab. Ein Mädchen, das Pia heißt trägt einen Namen, der von ihr sagt, sie sei fromm, und fromm versteht sich zunächst einmal gar nicht religiös. Wer fromm war, der hat erst einmal nicht die Götter geehrt, sondern seine Eltern. Die Tugend der Frömmigkeit wurde zunächst verstanden als eine Neigung, mit Freuden das vierte Gebot zu halten, das sagt, man solle Vater und Mutter die Ehre geben. Dabei ist Wert auf die Freude zu legen.
Wer zähneknirschend und mit innerem Widerstand seine Eltern ehrt, erfüllt zwar das Gebot. Er tut es aber nicht spontan, nicht unbedingt gern und nicht mit einer aus tiefer Einsicht kommenden Leichtigkeit. Weißt Du, wenn ich Dir etwas schenke, weil Dein Vater mich bittet, dann muss ich das nicht gern tun. Wenn ich Dir aber ein Geschenk mache, einfach nur, weil ich Dich mag, dann ist das etwas ganz anderes, und erst dann wirklich schön für Dich.
Der heilige Thomas von Aquin, der die Lehre unserer Kirche am besten erklären konnte, schrieb deshalb, die Tugend der Frömmigkeit setze uns in den Stand, unseren Eltern freudig und leicht die ihnen zugkommende Ehre zuteil werden zu lassen. Wenn die Frömmigkeit aber als eine Gabe des Heiligen Geistes zu verstehen sei, dann ermutige sie uns, Gott als unseren Vater mit einer solchen Leichtigkeit zu ehren.

Ein kurzer Gedanke noch, der nicht ganz unwichtig ist. In Deiner Vorbereitung auf die Firmung hat man Euch gebeten, einen Paten zu suchen. Deine Wahl fiel auf mich und so bin ich jetzt Dein Firmpate geworden. Wenn Du mit jemandem über mich sprichst, dann musst Du das aber gar nicht unter dieser Hinsicht tun. Du kannst auch über mich sprechen, insofern ich ein alter Freund Deines Vaters bin. Du kannst über mich sprechen insofern ich ein Theologe oder Sozialarbeiter bin. Du kannst über mich reden, weil ich ein Westfale bin oder unter vielen Hinsichten noch. Du kannst zum Beispiel sagen, als Freund meines Vaters schätzt Du meine Person, mit den Westfalen aber stehst Du innerlich ein bisschen auf dem Kriegsfuß. Du kannst sagen, als Sozialarbeiter weißt Du nicht, wie Dein Patenonkel einzuschätzen ist, als Theologe aber magst Du vielleicht, dass er Dir ein Buch schreibt. Du sprichst immer über den selben, einen Menschen, seine einzelnen Facetten aber magst Du vielleicht ganz verschieden einschätzen.
Mit Gott ist es etwas ähnlich. Die Juden denken am Sabbath nicht einfach nur an Gott. Sie denken an Gott, der sie durch das Rote Meer geführt hat, dafür lieben sie ihn – als sein Volk – ganz besonders. Die Muslime beginnen jede Sure, die sie im Koran lesen (bis auf eine) mit der Information, dass Gott barmherzig ist. Diese Seite betonen sie am meisten.
Die Christen verehren Gott durchaus als Gott und mächtigen Schöpfer. Thomas sagt, das tun sie in der Tugend der sogenannten „religio“. Sie verehren ihn als Schöpfer und ebefalls als den Barmherzigen. Was sie aber besonders lieben, schätzen und verehren, das ist seine Vaterschaft. Jene Vaterschaft, in der wir unser höchstes und tägliches Gebet mit den Worten „Vater unser“ beginnen. 
Was die einzelnen Religionen am meisten verehren, das meinen sie als ihr „mehr geht nicht“, als das Höchste. Der Zug des Volkes, den Gott ermöglicht hat, ist für die Juden so etwas wie das Größte. Man wählt kein Nebenbei, wenn man an jedem Sabbath zusammen kommt, um der Familie die Großtaten Gottes ins Gedächtnis zu rufen. Das Gott der Allbarmherzige ist, bedeutet für die Muslime das größte. Warum sollte fast jede Sure sonst mit dieser Auskunft beginnen. Für uns Christen ist das größte und höchste, das man von Gott aussagen kann, dass er unser Vater, nicht nur unser Schöpfer, sondern unser väterlicher, treuer Freund ist. Und es ist die Gabe der Frömmigkeit die uns ermutigt, das in Liebe zu ehren, nach dem wir es in den anderen Gaben hinreichend erkennen konnten.

Überzeugung – Die Gabe der Erkenntnis

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Eine Katechese zur Firmung

Gehen wir einen Schritt weiter und kommen wir zur Gabe der Erkenntnis. Sie ist, wenn man so möchte, eine Partnerin der Einsicht, die wir schon hatten. Auch wieder kurz erklärt: Angenommen es gibt Dir einer in englischer Sprache die Auskunft, in fünf Minuten komme laut Zeitplan schon ein Bus, den Du nehmen willst. Die Einsicht vermittelt Dir, was er sagt. Du hast genügend Englisch gelernt und kannst seinen Worten ablesen, was er sagen will. Das ist das eine: Erkennen, was er sagt. Es gibt aber eine zweite Art Erkennen, die zum ganzen gehört. Wenn Du erfasst hast, was er sagt, musst Du noch erfassen, ob es auch wahr ist oder ob er Unsinn redet. Der Fahrplan und der Bus werden es Dir zeigen.
Die alten Theologen, die ihre Gedanken immer eingeteilt und geordnet haben, erkannten, es gibt immer diese beiden, ob im täglichen, praktischen Leben oder im geistigen, beschaulichen. Zum einen sollte man erkennen, was Sache ist, zum anderen, ob sie zutrifft. Das erste macht der Intellekt, das zweite die eigentliche Erkenntnis.

Wenn Dir jemand gesteht, dass er Dich lieb hat, dann hörst Du seine Worte und mit Deiner Intelligenz kannst Du sie verstehen. Die Botschaft kommt an, aber ob auch stimmt, was er sagt, das muss sich in der zweiten Erkenntnis zeigen. Du wirst es zum Beispiel daran sehen, wie er sich Dir gegenüber benimmt, wie sich zeigt und anfühlt, was er tut und weiterhin sagt.

Nun reden wir hier ja die ganze Zeit über die Gaben des Heiligen Geistes, und somit über die Religion und was sie mit uns zu tun hat. Auch da lässt sich unsere Schablone auf die Dinge legen, aber manchmal liegen hier die Dinge nicht ganz so eindeutig am Tage und wir brauchen Hilfe. Ich habe es in meinem Leben hier gerade mit einem jungen Freund zu tun, der, wie er sagt, an Gott glaubt. Er möchte hier und da, dass ich mit ihm drüber rede, weil er ein großes Interesse daran hat, wie ein Gläubiger Christ seinen Glauben glaubt und lebt. Er würde irgendwie auch gern glauben, aber das mit dem persönlichen Gott, wie wir ihn kennen, liegt ihm einigermaßen fern. 
Ich tue gern, was er wünscht und habe ihm schon des längeren unsere Lehre ausgebreitet. Er versteht die Worte. Er versteht, was ich sage, wenn ich darlege, Gott liebe seine Schöpfung, er kenne alles und jeden und habe ein wirkliches Interesse an uns und ihm. Er versteht auch, wenn ich ihm darlege, wie das mit der Menschwerdung war, wie das mit den Sakramenten ist und dem liebevollen Vater im Himmel. Er versteht, wie gesagt, denn er ist ein intelligenter Bursche. Ich kann ihm also alles darlegen, so genau wie er möchte und so genau wie ich kann. Aber ob auch stimmt, was ich meine, ob ich Recht habe mit dem, was ich glaube, das können meine Worte nicht vermitteln. Hier bräuchte er die Gabe der Erkenntnis. Um die kann man beten, und wenn der Schöpfer die Gabe allen anbietet, dann hat er auch Lust sie zu vergeben. Wann und wie ist seine Sache, aber was er wünscht, hat er uns kund getan. 
Der Gabe kommen natürlich einige Faktoren entgegen. Meine Glaubwürdigkeit, sein Vertrauen in meine Person als sein Freund, viele Zeugnisse kräftig gläubiger Christen und vieles mehr. Es kommt auch das eine oder andere von anderen Seiten, etwa seine eigenen Bedenken, die Muslime, die das alles mit der entgegenkommenden Liebe nicht glauben oder das Zeugnis der jüdischen Gemeinden, die wieder andere Standpunkte vertreten. Alles steht da, hoffentlich, ohne sich aufzudrängen und am Herzen dessen zu zerren, der sich da interessiert. Deshalb bin ich eher zur stillen und beschaulichen Weise geneigt und schlage vor, ein bisschen in die Stille oder mal allein spazieren zu gehen, die Dinge in Ruhe zu betrachten und zaghaft zu beten. Der, der alles weiß, möge uns Erkenntnis schenken und seine gute Wege führen. Die Gabe der Erkenntnis ist also in erster Linie eine Gabe der Beschaulichkeit, dann erst eine Anleitung zur Praxis. Zuerst möchten wir sehen, wo wir sind und was ist, wie es ist. Dann erst kommt der zweite Schritt, das losgehen und in die Tat umsetzen.

Die Gabe der Stärke

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Eine Katechese zur Firmung

Ein kleines Geständnis meinerseits. Ich bin etwas altbacken, was zum Beispiel den Gottesdienst angeht. Ich liebe die lateinische Sprache, weil ich sie ja jeden Tag lese, und so liebe ich auch die lateinische Messe und die alten Riten. Es gibt bei den sogenannten neueren Liedern, also bei denen, die meist von einer Band, als von einer Orgel begleitet werden aber eins, das mir ausnehmend gut gefällt. Vielleicht kennst Du es? Es heißt: Meine Zeit steht in Deinen Händen“, und ein paar Zeilen daraus sagen auch schon alles: „Du gibst Gebortenheit, Du kannst alles wenden, gib mir ein festes Herz, mach es fest in Dir“, und dann : „Nun kann ich ruhig sein in Dir.“
Mir kommt vor, als ob der Schreiber sich vorgenommen hat, ein Lied über die Gabe der Stärke zu schreiben.

Es ist, wie es dort gesungen wird: Die Gabe der Stärke gibt uns ein festes Herz, ein festes Herz im Vertrauen auf unseren Schöpfer. Weißt Du, wir können den lieben langen Tag jede Menge Sachen aufzählen, bei denen wir Grund haben, uns auf uns selbst verlassen zu können. „Vertrau mir, ich mache das schon“, sagen die Eltern ihren Kindern. Das sagen Freunde untereinander und immer da, wo man etwas drauf hat und gut kann. Es gibt aber auch eine ganze Menge Dinge, von denen wir nicht wissen, wie sie laufen werden. Die komplette Zukunft steht vor uns und wir wissen nicht, wie sie sich entwickelt, ob unsere Mittel reichen, ob alles klar und gut geht, ob und wie wir am Ende aussehen werden.
Hier verschafft uns die Gabe der Stärke ein festes Herz im Wissen, dass da ein Gott ist, der es gut mit uns meint, der größtes Interesse hat, dass alles am Ende gut mit uns wird und der die Mittel hat, es ins Werk zu setzen. 
Deshalb sagt uns die alte Lehre, die Gabe der Stärke sei eine doppelte. Sie gebe uns ein starkes Herz und zugleich Zuversicht und Vertrauen.

Klug sein und die Gabe des Rates

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Eine Katechese zur Firmung

Die sogenannte „Gabe des Rates“ müssen wir kurz um die Ecke besprechen. Das heißt, wir müssen erst eine andere Angelegenheit beleuchten, um dann auf die eigentliche Gabe zu kommen. Diese andere Sache heißt Klugheit. Unser Lehrer Thomas sagt nämlich, die Gabe des Rates entspreche der Klugheit, bzw. sie liege mit ihr auf einer Linie, und was mit Klugheit gemeint ist, das sollten wir uns in einem kleinen Schlenker anschauen.

Wenn von einem klugen Kind die Rede ist, weiß jeder, was gemeint ist: Ein Kind, das gut lernen kann und in seinem Leben gut über die Runden kommt. Eine kluge Antwort ist schnell und gut durchdacht, ein kluger Einwand ist gewitzt und passend.
Das ist sicher alles richtig, es ist aber keine Definition von Klugheit dabei, sondern eher nur Beispiele. 
Wenn ich in der Schule gefragt hätte, was klug heißt, dann hätten die Schüler so ziemlich alle mit: „Klug ist, wenn zum Beispiel jemand…“ und dann hätten sie sicher richtige Situationen aufgezählt. Schüler definieren ihre Sachen aber nicht, sie fangen gleich mit Beispielen an. In einer Definition aber geht den Beispielen immer ein Satz voraus, der die Sache – ohne Beispiele – umreißt. Die Beispiele kommen dann erst.

Ich versuche eine Definition der Klugheit. Klug ist jemand, der im praktischen Leben immer gleich weiß was Sache ist und was man am besten tut. Dann kommen Beispiele. Klug ist ein Schüler, der am Pfeifen auf dem Gang seinen Lehrer erkennt und der gleich weiß, es ist besser, sich zu setzen und lernbegierig drein zu schauen. Klug ist ein Lehrer, der seinen Schülern nicht zu viel und nicht zu wenig Hausaufgaben aufgibt. Klug ist ein Fußgänger, der erkennt und erfasst, wann es ratsam ist oder nicht, die Straße zu überqueren. Die Klugheit ist eine praktische Fähigkeit der Erkenntnis. Somit ist sie die Voraussetzung für viele andere Fähigkeiten, denn wer nicht gut erkennen kann, was Sache ist, der wird mit vielen Dingen seine Schwierigkeiten haben.

Wenn wir nun zur Gabe des Rates gehen, dann können wir, etwas lapidar sagen, die Gabe des Rates bedeutet, dass uns der Heilige Geist schon mal selber sagt, was klug ist, und zwar, wenn wir selber nicht hätten drauf kommen können.
Eins will die Gabe des Rates sicher nicht. Sie will uns nicht die Notwendigkeit nehmen, selber klug zu sein im Leben. Was die ganz normale Klugheit im Alltag angeht, müssen wir schon noch selber sehen und uns selber mühen. Es kann aber sein, dass wir im Hinblick auf den Lieben Gott nicht wissen können, was wirklich klug ist.

Stellen wir uns ein Schachspiel vor. Da macht jemand einen Zug und ahnt, was sein Gegner daraufhin tun wird. Gute Schachspieler können einen Zug weiter denken und im Voraus ahnen. Sie können ihren Gegner so in Fallen locken und überlisten. Richtig gute Schachspieler können noch einen Zug mehr voraus planen, ich weiß nicht, wie weit das geht. Das ganze Spiel aber hat niemand im Kopf, Gott aber hat diese Fähigkeiten. Wenn wir ihn, also Gott, fragen, dann erkundigen wir uns immer bei einem, der die ganzen Spiele im Kopf hat und uns sagen könnte, was im Hinblick auf die letzten Züge oder überhaupt aufs Ganze gesehen, wirklich das Klügere sei. Die Gabe des Rates in der Firmung will also meinen, dass der Schöpfer Lust und beschlossen hat, uns hier und da schon mal viel klüger zu beraten, als wir selbst, das Leben und die Welt es könnte.

Vorurteile – Die Gabe der Einsicht, Teil 2

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Eine Katechese zur Firmung

Was wir hier mit Einsichten meinen, sind Sachen, über die man in der Regel sagt, sie leuchten einem ein. Es leuchtet einfach ein, dass man das Schwache schützt und Kindern nichts tut. Wenn der Heilige Geist uns mit Einsichten beschenkt, dann gehört da unter Umständen etwas zweites zu, damit die Einsichten überhaupt möglich werden. Um richtige Einsichten geben zu können, müssen zuvor schon mal Vorurteile, die nicht stimmen, aus dem Weg geräumt werden. Deshalb sagen die großen Lehrer unserer Kirche schon mal, zur Gabe der Einsicht gehöre auch eine Art Reinigung des Herzens, die der Geist vornimmt.

Was Vorurteile angeht, hört man schon mal sagen, man dürfe eigentlich keine haben. Ich glaube das nicht, und ich glaube nicht einmal, dass man keine haben kann. Jeder hat Vorurteile und jeder soll die seinen haben dürfen. Der Volksmund sagt schon mal, der erste Eindruck sei oft der richtige. Daran ist sicher viel, aber der erste Eindruck ist immer ein Vorurteil. Man begegnet einem Menschen zum ersten Mal und findet ihn gleich sympathisch. Das ist genau so ein Vorurteil, wie wenn man jemanden auf den ersten Blick lieber nicht über den Weg traut. Man bildet sich die ersten, schnellen Urteile zum eigenen Schutz, eben, um nicht auf den nächstbesten Scharlatan herein zu fallen. Vorurteile können also wichtig sein, entscheidend ist nur, sie nicht wie Sicherheiten zu behandeln.

Wenn wir an unseren Vorurteilen hängen, wie ein Dieb an seiner Beute, dann müssen wir uns den Vorwurf gefallen lassen, unbelehrbar zu sein. Sich vom Leben und klugen  oder lieben Leuten etwas sagen lassen, gehört schon immer zu den hohen Tugenden und besonders guten menschlichen Eigenschaften. Wer bereit ist, sich belehren zu lassen, dessen Vorurteile sitzen sozusagen locker und hat Lust, berichtigt zu werden.
Übrigens, das vermutlich beste Mittel gegen falsche Vorurteile ist die Begegnung mit der Realität. Ein Mensch, der etwas gegen Eskimos hat, der fährt am besten mal nach Grönland, um welche kennenzulernen. Wer Italiener nicht mag, begibt sich am besten mal nach Neapel oder Mailand. Er wird dann schon merken, was für ein liebes Volk ihm da entgegen kommt.
Wenn Du aber den Heiligen Geist auf Deiner Seite hast, dann brauchst Du nicht zu reisen.

Die Gabe der Einsicht

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Eine Katechese zur Firmung

Mir fällt auf, je einfacher die Wörter sind, mit denen wir reden, oder besser gesagt, je selbstverständlicher sie scheinen, desto länger muss ich manchmal über sie nachdenken; oft, ohne sie wirklich ganz verstehen zu können. Heute ist die zweite der sieben Gaben des Heiligen Geistes an der Reihe. Sie heißt die Gabe der Einsicht, und das Wort „Einsicht“ ist so eins von der Sorte. Ich meine, wenn ein Beamter sagt, er habe noch keine Einsicht in die Akte von Herrn Soundso gehabt, dann hat er einfach noch nicht in ihnen Lesen können. Die Sache ist ziemlich klar. Aber eine Einsicht in eine Sache haben kann ein Vorgang sein, der etwas anderes ist, als seine Zeit damit zu verbringen, Akten zu wälzen.
Wenn Dir jemand eine Torte vorsetzt, die in einige Stücke geschnitten ist und Dich bittet, ihm zu sagen, um wie viele es sich handelt, dann zählst Du kurz und kannst antworten. Du hast gezählt oder gerechnet. Man würde aber nicht sagen, Du hast eingesehen, dass es zwölf Stücke waren.
Stellt Dir aber jemand eine ganze Torte vor die Augen und daneben ein einzelnes Stück, dann weißt Du sofort, so genau und sebstverständlich, dass die ganze Torte größer ist, dass niemand ein Wort darüber zu verlieren bräuchte. Dass ein Teil kleiner ist als ein Ganzes, das sieht man gleich ein. Es braucht da kein Überlegen und rechnen, man weiß es,eben, weil man es einsieht.
Dass man einen anderen Menschen nicht grundlos ohrfeigt, sieht auch jeder ein. Man muss da nichts erklären, und wer das nicht einsieht, dem ist mit Belehrungen nicht zu helfen, der hat irgendwo einen Fehler im System. Einsicht ist Einsicht. Man hat sie oder man hat sie nicht. Immer wenn ich über die Gabe der Einsicht nachdenke, dann meine ich, sie muss irgendwie von dieser Art sein.

Übrigens, wann immer ich mir wünsche, ein Mensch, den ich mag, möge zum guten Glauben finden, dann halte ich es für das Sinnvollste, Gott um die Gabe der Einsicht in seinem Herzen zu bitten. Logische Argumente sind wichtig und hilfreich. Sie können viel vermitteln und viel aus dem Weg räumen, aber eine wirkliche Einsicht können sie nicht geben. Die Bitte um Einsicht wünscht sich, dass jemand einfachhin weiß, was ist, wie es ist.
Wirkliche Einsichten kann uns auch keiner ausreden. Dass man unschuldige Leute nicht ohrfeigt und das Teile kleiner sind, als das Ganze, kann man gar nicht diskutieren. Man kann wohl eine Menge drüber sagen, aber niemand kann drüber verhandeln.

Im Moment wird relativ viel über die Bibel gesprochen, weil sehr viel über den Koran geredet wird. Wenn jemand sagt, im Koran stünden schlimme Sachen, dann kommt sicher einer um die Ecke und sagt, mit der Bibel sei es nicht viel anders. Wir nennen die Bibel das Wort Gottes, meinen es aber anders, als die Muslime, wenn sie ihren Koran Gottes Wort nennen. Für uns ist das eigentliche Wort Jesus, und die Bibel ist das Buch, das von ihm handelt. Das zum Teil Sachen darin stehen, die uns nicht behagen, ist nicht sonderlich schlimm, denn verstehen kann nur jeder, was er verstehen soll, wenn er vom Geist Gottes mit der Gabe der Einsicht beschenkt wird. Ist das der Fall, dann wird er auch die unbequemen Teile richtig einzuordnen wissen. Die Bibel ist mit Hilfe des Geistes geschrieben und zusammengestellt worden. Dann sollte sie auch im selben Geist gelesen werden.

Weisheit

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Eine Katechese zur Firmung

In Deiner Heimatstadt Bochum wohnt mein liebster Freund. Er ist Polizist dort und wird immer gerufen, wenn irgendwo etwas nicht in Ordnung scheint oder eine Lage aus dem Ruder läuft. Polizisten müssen Ordnung schaffen. Wenn mein Freund an einen seiner Einsatzorte kommt, dann braucht er viele, einzelne Fähigkeiten, die Dinge wieder ins Lot zu bringen. Er muss mit Leuten reden und ihre Anliegen verstehen können. Er braucht Fähigkeiten, mit den technischen Geräten umzugehen, er muss kämpfen und im Team arbeiten können. Das alles sind vielfältige Tätigkeiten, aber er braucht für seinen Job kein Wissen darüber hinaus.
Wenn ein Dachdecker an eine Baustelle kommt, dann muss er wissen, wie man dort die Dächer deckt. Er muss aber nicht wissen, wie viele Kabel der Elektriker später braucht. Das muss nur der wissen, der den Überblick über den ganzen Bau hat. Ein Matrose, der die Segel setzt, muss nicht den Reiseplan im Kopf haben. Es reicht, wenn er tut, was ihm aufgetragen wird. Der Kapitän aber braucht den ganzen Überblick.

Wenn wir über Weisheit sprechen, dann meinen wir das ungefähr so. Wer weise ist, der weiß nicht nur, dass er auf einem Schiff fährt, er weiß auch, wohin die Reise geht und wozu er unterwegs ist. Christlich gesprochen ist weise, wer um die Dinge Bescheid weiß, die mit Gott, dem ewigen Leben, seinen persönlichen, größten Zielen und somit über den eigentlichen Sinn seines Lebens Bescheid weiß. Schlau ist jemand, der im Leben weiß, wie man sich durchschlägt. Intelligent ist jemand, der nicht oberflächlich ist und in den Dingen des Lebens lesen kann. Weise ist dagegen, wer sich über die letzten und somit wichtigsten Angelegenheiten im Klaren ist.

Wir reden hier über die Weisheit als eine Gabe, ein Geschenk aus Gottes Hand. Ohne, dass Gott uns die Weisheit schenkt, können wir sie gar nicht erlangen. Wir wüssten, wie schon gesagt, gar nicht, dass Gott drei in eins ist, wenn er uns dieses Wissen nicht geschenkt hätte. Jesus hat gesagt: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten, wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.“ Er hat auch „niemand komm zum Vater, es sei denn durch mich“, gesagt. Wir wüssten das alles nicht, wenn er nicht gekommen wäre, es uns zu sagen. Sein Kommen und was er getan hat, war nicht nur eine großangelegte Rettungsaktion, es war auch ein Weg, uns Weisheit zu verschaffen.

Von der Last und der Lust

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Eine Katechese zur Firmung

Als ich neun Jahre war, fing ich an, Klarinette zu spielen. Ich muss mir das irgendwie gewünscht haben, denn sonst hätte meine Eltern den Unterricht nicht organisiert, den ich jetzt bekam. Damals hieß es, einmal die Woche ist Unterricht und ansonsten muss man jeden Tag eine Stunde daheim üben, ansonsten macht es wenig Sinn. Das Ziel war, nach etwa drei Jahren lernen und üben im kleinen Orchester am Ort mit spielen zu können, das damals schon gar nicht so schlecht war, glaube ich. Wir legten also los. Ein Freund von mir aus dem Dorf und ich bekamen Unterricht und unsere Eltern versuchten dafür zu sorgen, dass wir auch jeden Tag unser Stündchen übten. Wir bekamen Unterricht im Notenlesen, in Harmonielehre und was dazu gehört, vor allem aber die ersten Schritte am Instrument beigebracht. Du kannst Dir denken, das schwerste war es, sich jeden Tag allein hinter den Notenständer zu setzen und die langweiligen Tonleitern zu üben. Aber mit der Zeit lief es, wir wurden leichter am Instrument, das Spielen ging uns mit den Monaten und Jahren in Fleisch und Blut über und mit der Zeit wurden aus zwei kleinen Jungen zwei kleine Klarinettisten, wobei ich nicht sagen kann, ob wir besonders gut waren. Das Ding ist aber, zuerst ist es sehr mühsam und alles geht steif und ungeübt. Mit der Zeit aber geht es. Man bekommt Lust am Spiel, alles wird viel leichter und sobald man irgendwo ein Instrument liegen sieht, hat man Lust, sein Können auf ihm zu zeigen und zu erweitern.

Für dieses sofort und gern spielen wollen haben die Lateiner ein kleines Wort, und das heißt „prompte“. Du kennst das vielleicht aus der etwas älteren, deutschen Sprache, etwa, wenn jemand sagt, eine Sache wird „prompt“ erledigt. „Prompt“ meint dann nicht nur, sofort oder schnell, sondern auch gern und leicht von der Hand gehend. Man sagt, jemand, der ein Instrument beherrscht, spielt es „im Schlaf“. Auch das meint, leicht, sicher und vor allem gern. Was man gut kann, das zeigt man eben gern.

Du fragst Dich sicher, warum ich das alles hier erzähle. Mein Thema von heute muss ich etwa so einleiten. Die Lehrer in der Theologie haben in der Regel in Latein geschrieben, und die sagen, Gott beschenkt uns mit seinen Gaben, damit wir seine Gebote „prompt“ erfüllen. Das meint, der Schöpfer gibt uns nicht nur Gebote und Ratschläge. Er gibt uns auch die Mittel, gern und leicht danach zu leben.
In der Zeit, als wir Klarinette lernten, mussten wir in der Küche unserer Mutter nach jeder Mahlzeit das gespülte Geschirr abtrocknen. Du kannst Dir denken, dass wir das nicht gern getan haben. Wir haben uns gedrückt, wann und wo wir nur konnten. Aber glaubst Du mir, dass man es später, wenn man verliebt war und seine eigene Küche hatte, mit Freude erledigt hat? Was vorher eine Last war, das kann einem zur Lust werden, es müssen sich nur die Umstände ändern. In diesem Sinn sagen die alten Meister, Gott legt uns gewisse Gaben ins Herz, dass aus der Last der Gebote eine Lust wird, sie zu betrachten und zu halten.

Angst und Gottesfurcht

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Eine Katechese zur Firmung

Als Du noch an den Weihnachtsmann glaubtest, hast Du je gehört, dass er kommt und wieder geht, ohne Geschenke da zu lassen? Immer wenn der ein Kind besucht, hinterlässt er ihm süße Sachen und reiche Gaben. Ein Weihnachtsmann ohne Geschenke wäre wie ein Fernseher, der nicht läuft oder ein Radio ohne Musik. Der Weihnachtsmann ist eine Hilfe der Eltern, den Kindern beizubringen, dass die Begegnung mit dem Himmel immer mit Güte und guten Gaben zu tun hat. Wann immer Gott kommt oder einer seiner Boten, bleibt am Ende der Duft und eine Spur der Güte zurück. Das sollen die Kinder lernen, ebenso beim Sankt Martin Spiel, am Heiligen Abend oder im Spiel der Geschichte des heiligen Nikolaus: Der Himmel ist gütig, weil der gütige Gott ihn gemacht hat.

Wenn wir über die sieben Gaben des Heiligen Geistes sprechen, dann können wir die in diesem Sinn verstehen. Der Geist kommt mit Gaben, und zwar mit welchen, die wir brauchen und mit denen wir etwas anfangen können. Unter den sieben Gaben ist aber eine, die auf das erste Hören gar nicht klingt, dass wir sie brauchen, schon gar nicht, dass wir sie mögen. Sie nennt sich die „Gabe der Gottesfurcht“. Sie wird gern als letztes aufgezählt, ich würde aber gern als erstes über sie nachdenken.

Stell Dir ein kleines Kind vor, das einen lieben Vater hat. Wie alle Kinder schwärmt es seinen Freunden irgendwann vor, wie stark der Daddy ist. Wenn man den Geschichten kleiner Kinder glaubt, dann können ihre Väter alles. Ihre Autos sind die schnellsten, ihre Muskeln die stärksten, und sie können locker fünf erwachsene Männer auf die Matte legen. Auf jeden Fall mehr als andere Väter. Aber hast Du je gemerkt, dass Kinder in guten Kinderstuben Angst vor ihren Vätern haben? Normalerweise nicht, nicht jedenfalls, wenn es mit rechten Dingen zugeht. Die Väter sind zum Fürchten, aber nur für alle, die ihren Kindern etwas tun wollen. Und wenn die Kinder selbst etwas ausgefressen haben, dann kommen sie selbst mit hängenden Federn heim, in Furcht, den Ärger zu bekommen, den sie sich verdient haben. Gute Väter haben also eine Seite zum Fürchten, aber normalerweise braucht man keine Furcht zu haben. Die Kinder haben keine akute Sorge, schon gar keine Angst, aber doch so etwas wie Ehrfurcht. Sie wissen um die Schlagkraft, auch wenn sie nicht zur Anwendung kommt. Wir nennen das Respekt, wenn da im Unbewussten immer diese überlegene Kraft des anderen vor Augen steht, auch wenn sie ruht. Man hat freilich keine Angst, aber die Positionen sind klar. Ein solches Wissen dient dazu, mehr und besser zu sehen. Ein Wissen also um die Güte und Macht Gottes zugleich ist ein bisschen wie eine Furcht, die sich nicht fürchtet. Sie wird Gottesfurcht genannt und als eine Gabe des Heiligen Geistes angesehen. Sie hilft uns, die Dinge genauer im Auge zu haben und uns besser orientieren zu können. Sie hilft uns, klarer zu wissen, woran wir sind.

Es gibt aber zwei Arten von Furcht gegenüber einem Vater. Das eine ist die Furcht vor der Abreibung daheim, wenn man Dummheiten gemacht hat, die aufgeflogen sind. Das ist eine Furcht, die zu Kindern eigentlich nicht passt oder passen sollte. Normalerweise haben Kinder nichts zu fürchten. Diese Furcht ist eher eine, die man früher den Knechten und Dienern zuschrieb. Die wurden mit Druck an der Arbeit und auf der Schiene gehalten, und wenn sie nach ihrer eigenen Nase tanzen wollten, bekamen sie einen auf die selbe. Die Furcht vor Strafen heißt deshalb knechtische Furcht.
Dann gibt es aber noch eine zweite Art. Die hat man zum Beispiel bei guten Freunden. Es ist eine, in der man sich selber kennt und weiß, zu welchen Sachen man im Stande ist. Es ist die Furcht, man könnte irgendwie das gute Verhältnis zu seinem Freund verletzen. Da ist zum Beispiel ein notorischer, alter Schürzenheld. Seit seiner Jugend hat er nichts ausgelassen und das andere Geschlecht eher als Beute, denn als Partner angesehen. Der hat in einer Liebe auf den Pfad der Tugend gefunden und ist froh, die Ruhe eines geordneten Lebens zu haben und genießt die Freude, von einem einzigen Partner wirklich geliebt zu werden. Er weiß aber um seine Vergangenheit und wozu er fähig ist. Er hat, wenn man so möchte, Furcht vor sich selbst und hofft, nicht zu sehr in Versuchung zu gelangen, in die alten Bahnen zurück zu fallen, denn das würde seine Liebe gefährden. Wer die Gene eines Schlingels hat, der hat allen Grund, auf sich zu achten. Eine solche Furcht, nämlich sein Glück, seine Beziehung vielleicht verletzen zu können, auch die wird Gottesfurcht genannt und auch die wird als eine Gabe Gottes bezeichnet. Es geht nämlich um das eigene Verhältnis zum göttlichen Vater, der seine Kinder lieb hat und in seiner Nähe wissen will. Diese Nähe zu verlieren wäre traurig. Daher wird diese Furcht in unserer Tradition „Furcht der Söhne“ genannt. Heute würde man wahrscheinlich „Furcht der Kinder“ heißen, um beide Geschlechter nennen zu können. Sie wird so genannt, um sie deutlich von der Furcht der Knechte zu unterscheiden. Sie ist nämlich viel eher eine Furcht vor sich selbst oder vor den Umständen des Lebens als eine Furcht vor den Schöpfer.