Die Gabe der Einsicht

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Eine Katechese zur Firmung

Mir fällt auf, je einfacher die Wörter sind, mit denen wir reden, oder besser gesagt, je selbstverständlicher sie scheinen, desto länger muss ich manchmal über sie nachdenken; oft, ohne sie wirklich ganz verstehen zu können. Heute ist die zweite der sieben Gaben des Heiligen Geistes an der Reihe. Sie heißt die Gabe der Einsicht, und das Wort „Einsicht“ ist so eins von der Sorte. Ich meine, wenn ein Beamter sagt, er habe noch keine Einsicht in die Akte von Herrn Soundso gehabt, dann hat er einfach noch nicht in ihnen Lesen können. Die Sache ist ziemlich klar. Aber eine Einsicht in eine Sache haben kann ein Vorgang sein, der etwas anderes ist, als seine Zeit damit zu verbringen, Akten zu wälzen.
Wenn Dir jemand eine Torte vorsetzt, die in einige Stücke geschnitten ist und Dich bittet, ihm zu sagen, um wie viele es sich handelt, dann zählst Du kurz und kannst antworten. Du hast gezählt oder gerechnet. Man würde aber nicht sagen, Du hast eingesehen, dass es zwölf Stücke waren.
Stellt Dir aber jemand eine ganze Torte vor die Augen und daneben ein einzelnes Stück, dann weißt Du sofort, so genau und sebstverständlich, dass die ganze Torte größer ist, dass niemand ein Wort darüber zu verlieren bräuchte. Dass ein Teil kleiner ist als ein Ganzes, das sieht man gleich ein. Es braucht da kein Überlegen und rechnen, man weiß es,eben, weil man es einsieht.
Dass man einen anderen Menschen nicht grundlos ohrfeigt, sieht auch jeder ein. Man muss da nichts erklären, und wer das nicht einsieht, dem ist mit Belehrungen nicht zu helfen, der hat irgendwo einen Fehler im System. Einsicht ist Einsicht. Man hat sie oder man hat sie nicht. Immer wenn ich über die Gabe der Einsicht nachdenke, dann meine ich, sie muss irgendwie von dieser Art sein.

Übrigens, wann immer ich mir wünsche, ein Mensch, den ich mag, möge zum guten Glauben finden, dann halte ich es für das Sinnvollste, Gott um die Gabe der Einsicht in seinem Herzen zu bitten. Logische Argumente sind wichtig und hilfreich. Sie können viel vermitteln und viel aus dem Weg räumen, aber eine wirkliche Einsicht können sie nicht geben. Die Bitte um Einsicht wünscht sich, dass jemand einfachhin weiß, was ist, wie es ist.
Wirkliche Einsichten kann uns auch keiner ausreden. Dass man unschuldige Leute nicht ohrfeigt und das Teile kleiner sind, als das Ganze, kann man gar nicht diskutieren. Man kann wohl eine Menge drüber sagen, aber niemand kann drüber verhandeln.

Im Moment wird relativ viel über die Bibel gesprochen, weil sehr viel über den Koran geredet wird. Wenn jemand sagt, im Koran stünden schlimme Sachen, dann kommt sicher einer um die Ecke und sagt, mit der Bibel sei es nicht viel anders. Wir nennen die Bibel das Wort Gottes, meinen es aber anders, als die Muslime, wenn sie ihren Koran Gottes Wort nennen. Für uns ist das eigentliche Wort Jesus, und die Bibel ist das Buch, das von ihm handelt. Das zum Teil Sachen darin stehen, die uns nicht behagen, ist nicht sonderlich schlimm, denn verstehen kann nur jeder, was er verstehen soll, wenn er vom Geist Gottes mit der Gabe der Einsicht beschenkt wird. Ist das der Fall, dann wird er auch die unbequemen Teile richtig einzuordnen wissen. Die Bibel ist mit Hilfe des Geistes geschrieben und zusammengestellt worden. Dann sollte sie auch im selben Geist gelesen werden.

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