Von der Last und der Lust

Bildschirmfoto 2016-07-01 um 08.58.08

Eine Katechese zur Firmung

Als ich neun Jahre war, fing ich an, Klarinette zu spielen. Ich muss mir das irgendwie gewünscht haben, denn sonst hätte meine Eltern den Unterricht nicht organisiert, den ich jetzt bekam. Damals hieß es, einmal die Woche ist Unterricht und ansonsten muss man jeden Tag eine Stunde daheim üben, ansonsten macht es wenig Sinn. Das Ziel war, nach etwa drei Jahren lernen und üben im kleinen Orchester am Ort mit spielen zu können, das damals schon gar nicht so schlecht war, glaube ich. Wir legten also los. Ein Freund von mir aus dem Dorf und ich bekamen Unterricht und unsere Eltern versuchten dafür zu sorgen, dass wir auch jeden Tag unser Stündchen übten. Wir bekamen Unterricht im Notenlesen, in Harmonielehre und was dazu gehört, vor allem aber die ersten Schritte am Instrument beigebracht. Du kannst Dir denken, das schwerste war es, sich jeden Tag allein hinter den Notenständer zu setzen und die langweiligen Tonleitern zu üben. Aber mit der Zeit lief es, wir wurden leichter am Instrument, das Spielen ging uns mit den Monaten und Jahren in Fleisch und Blut über und mit der Zeit wurden aus zwei kleinen Jungen zwei kleine Klarinettisten, wobei ich nicht sagen kann, ob wir besonders gut waren. Das Ding ist aber, zuerst ist es sehr mühsam und alles geht steif und ungeübt. Mit der Zeit aber geht es. Man bekommt Lust am Spiel, alles wird viel leichter und sobald man irgendwo ein Instrument liegen sieht, hat man Lust, sein Können auf ihm zu zeigen und zu erweitern.

Für dieses sofort und gern spielen wollen haben die Lateiner ein kleines Wort, und das heißt „prompte“. Du kennst das vielleicht aus der etwas älteren, deutschen Sprache, etwa, wenn jemand sagt, eine Sache wird „prompt“ erledigt. „Prompt“ meint dann nicht nur, sofort oder schnell, sondern auch gern und leicht von der Hand gehend. Man sagt, jemand, der ein Instrument beherrscht, spielt es „im Schlaf“. Auch das meint, leicht, sicher und vor allem gern. Was man gut kann, das zeigt man eben gern.

Du fragst Dich sicher, warum ich das alles hier erzähle. Mein Thema von heute muss ich etwa so einleiten. Die Lehrer in der Theologie haben in der Regel in Latein geschrieben, und die sagen, Gott beschenkt uns mit seinen Gaben, damit wir seine Gebote „prompt“ erfüllen. Das meint, der Schöpfer gibt uns nicht nur Gebote und Ratschläge. Er gibt uns auch die Mittel, gern und leicht danach zu leben.
In der Zeit, als wir Klarinette lernten, mussten wir in der Küche unserer Mutter nach jeder Mahlzeit das gespülte Geschirr abtrocknen. Du kannst Dir denken, dass wir das nicht gern getan haben. Wir haben uns gedrückt, wann und wo wir nur konnten. Aber glaubst Du mir, dass man es später, wenn man verliebt war und seine eigene Küche hatte, mit Freude erledigt hat? Was vorher eine Last war, das kann einem zur Lust werden, es müssen sich nur die Umstände ändern. In diesem Sinn sagen die alten Meister, Gott legt uns gewisse Gaben ins Herz, dass aus der Last der Gebote eine Lust wird, sie zu betrachten und zu halten.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s