Spricht Gott?

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Eine Katechese zur Firmung

Einen Weg würde ich gern noch bestreiten. Er beginnt wieder mit einer Frage. Gott kann alles, sagen wir. Kann er auch sprechen? Jeder wird sagen, er kann, schließlich ist er allmächtig. Es wäre nur zu fragen, ob wir ihn verstehen, wenn er spricht. Er müsste, damit wir ihn verstehen, in einer Sprache sprechen, die wir verstehen. Dass ein allmächtiger Gott das kann, steht außer Frage. Aber ob er will oder nicht, das ist seine Sache.
Es gibt nun aber zwei Arten von Worten. Die einen machen wir mit unserer Zunge hörbar, die anderen bleiben in uns. Etwa, wenn wir uns etwas ausdenken. Gedanken, auch wenn wir sie uns innerlich vorsprechen, bleiben in dem, der sie denkt, und normalerweise können Gedanken nicht gelesen, schon gar nicht gehört werden. Meine Frage wäre: Ein Gott, der sprechen kann, tut er es nicht auch? Die Christen sagen, ja, er tut es. In Gott spricht sich eine Art Wort aus. Das müssen wir uns nicht vorstellen, wie wenn in Gott Mund und Ohren wären. Das muss nicht sein. Aber Kontakt mit sich selbst, das ist denkbar, und wir nennen das nur Wort, weil uns nichts Besseres einfällt. Wir sagen ja auch, Gott hat die Welt ins Leben gerufen und müssen nicht annehmen, dass da ein Ruf aus Schallwellen gemeint ist. Die Gottheit ist uns natürlich in allem völlig über und überlegen. Unsere Worte sind unbeholfen und Gott wird milde lächeln über unsere Versuche, uns ihn vorzustellen.
Es ist aber nunmal so, dass Jesus einerseits den Befehl gegeben hat, „im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ zu taufen. Das Evangelium nach Johannes beginnt mit den feierlichen Worten:

„Im Anfang war das Wort,
das Wort war bei Gott,
das Wort war Gott,
im Anfang war es bei Gott.“

Das meint das innere Wort, das es seit Ewigkeit in ihm gibt. Es ist höchstes, liebevolles Entzücken. Dann steht, etwas weiter der feierliche, unglaubliche Satz:

„Das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt.“

Das meint, dass Gott beschlossen hat, sein inneres Wort auch auf der Erde auszusprechen, freilich, ohne die unveränderliche Gottheit zu verändern. Gott hat nach christlichem Glauben Fleisch angenommen. Nur so konnte Jesus später zu seinen Jüngern sagen:

„Wer mich sieht, der sieht den Vater.“

Auch das meint natürlich nicht dass Gott wie Jesus ausschaut. Die Gottheit ist unanschaulich und für keine Augen sichtbar. Gemeint ist eher, dass wer Jesus sieht, was er tut, was er spricht, wie er zu den Menschen war, der sieht Gottes Gesinnung und Liebe. Die nachzuahmen ist die unerfüllbare, aber gegebene Aufgabe aller Christen.

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4 Kommentare zu “Spricht Gott?

  1. Kleine Korrektur: Gott stellt keine unerfüllbaren Aufgaben. Er gibt den Befehl, das Wollen und das Vollbringen.

    Und die Sünde ist nicht, daß man nicht besser konnte, sondern daß man nicht tat, obwohl man konnte (hier am Beispiel der Unterlassungssünde).

  2. Oh, ich glaube, man kann sogar sündigen, ohne es zu wissen und „sündig“ sein, ohne es zu wollen. Wären wir Heilige, dann wüssten wir auch das nicht. Es gibt wohl weitere und engere Auffassungen von Sünde, und interessant ist die relative Entkopplung von der Moral bei Prof.T.

  3. Gut, wenn Du die Erbsünde meinst….

    aber ansonsten klingt das für mich sehr nach

    „Wir müssen lernen, uns nicht so sehr für unsere Fehler, als vielmehr für unsere Existenz zu entschuldigen“

    und dieses Scholion erschien mir, obwohl es (so ähnlich) von N. Gomez Dávila kommt, immer wie die Quintessenz dessen, was in dieser Beziehung vielleicht die allzu häufige *Versuchung* des Katholiken, aber eben selbst *nicht* mehr katholisch ist. Unsere Existenz ist das Gute, über das wir uns freuen, auf das wir (im Sinne des etablierten deutschen Sprachgebrauchs) stolz sein dürfen; das Schlechte ist die Sünde: aber die ist (wenn wir die Erbsünde einmal wegdenken – und auch die hätte Adam ja unterlassen können) etwas, woran wir selbst schuldig geworden sind und das wir auch hätten unterlassen können.

  4. Glaub mir, nichts liegt mit ferner als der Inhalt Deines Scholions. Wo ich Davila über die Maßen schätze, kann ich mir einen solchen Gedanken auch nicht aus seiner Feder vorstellen.

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