Dreifaltigkeit, nachgefragt

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Eine Katechese zur Firmung

Wie gesagt, wir reden hier jetzt einmal von Gott ohne den Menschen und die Welt mit in Betracht zu ziehen. Das ist ein bisschen, wie wenn ein Biologe von einer Katze spricht. Er braucht nicht wissen, wem sie gehört, wer sie lieb hat, woher sie stammt und ob sie noch Katzengeschwister hat. Er betrachtet ihr Fell, ihre Knochen, ihre Muskeln und Zellen, ganz ohne ein Außen zu berücksichtigen.

Ich würde gern eine Frage stellen: Weiß Gott, dass er Gott ist? Ich meine, kennt er sich selbst? Wie gesagt, nur für sich genommen. Als es noch keine Welt gab und Gott noch ganz allein war, hat er sich da gekannt? Hat er um sich selbst gewusst? Viele werden „hier steige ich aus“ sagen und nicht mehr mit denken. Aber lass es uns einmal tun.
Wenn Gott, auch ganz ohne die Schöpfung weiß, dass er Gott ist, dann muss es in ihm doch irgendwie zweierlei geben. Eine Komponente, die weiß und eine Komponente, die gewusst wird. Wenn Du etwas siehst, dann gibt es etwas, was sieht und etwas, was gesehen wird. Beide müssen da sein, sonst gibt es kein Sehen. Ein Auge, das nichts sieht, ist blind. So ist auch ein Vermögen etwas zu wissen nichts, wenn da nichts ist, was es weiß. Das ist jetzt alles etwas kompliziert, aber einfacher geht es nicht. Wenn Gott weiß, dass er Gott ist, dann muss es in ihm mindestens so etwas geben, wie eine Zweieinigkeit: Ein Wissendes und ein Gewusstes.

Der zweite Weg und wieder eine Frage: Ist Gott lebendig? Alle Religionen sagen, Gott ist das Leben und er schenkt das Leben. Alles Lebendige kommt aus ihm, so ist er selbst das Leben der lebendigen Dinge. Lassen wir das mal so stehen und bedenken wir, was Leben hier denn meinen muss. Alles, was lebendig ist, bewegt sich irgendwie. Alles, was lebendig ist, wächst, oder es marschiert hier und da hin. Leben heißt auf jeden Fall so etwas wie ein inneres Pulsieren. Auch die Qualle, die eigentlich gar nicht mehr zu sein scheint, wie eine schwimmende Plastiktüte, bewegt sich selbst von innen her. Wie immer auch, sie pulsiert innerlich. Leben heißt Innerlichkeit haben, leben heißt pulsieren, leben heißt Bewegung. Nur im Stein, der tot ist, tut sich nichts. Wie können wir von Gott sagen, er lebt, wenn sich in ihm nichts tut?

Ein dritter Weg. Es heißt, wir sollen Gott lieben. Auch unsere muslimischen Freunde sagen das: Gott zu lieben ist das höchste. Aber wenn wir Gott lieben sollen, liebt er sich selbst nicht auch? Wie kann man lieben, ohne dass es ein Liebendes und ein Geliebtes gibt? Wenn Gott ganz und gar liebenswert ist, was alle behaupten, dann muss es in ihm etwas geben, was das erkennt. Wir nennen einen Menschen, der das Liebenswerte nicht als liebenswert erkennt, stumpfsinnig. So etwas von der Gottheit sagen, sei ferne. Auf der anderen Seite finden wir es befremdlich, wenn wir Menschen von anderen Menschen sagen, sie würden sich selbst als erstes lieben. Wir Christen behaupten das aber von Gott, nicht im Sinn eines Egoismus, sondern in dem Sinn, dass Gott der erste ist, der sich an seiner Schönheit und Größe erfreut. Das dürfen wir übrigens auch. Wenn Du etwas gut gemacht hast, wenn Du etwas geschafft hast, für das Du lange üben musstest, dann darfst Du Dich daran erfreuen, ohne ein Egoist zu sein. Es gibt sie, die gesunde Liebe seiner selbst.
Wenn Gott die Liebe ist, dann muss es in ihm ein Liebendes und ein Geliebtes geben. Beides muss aber Gott und kann nichts anderes sein. So sprechen die Christen davon, dass es in Gott sozusagen dreierlei gibt: Ein Liebendes, ein Geliebtes und die Liebe, die beide verbindet. Aber wie gesagt, immer schon, ewig und eins.

Ein vierter Weg. Du bist als Person nur eine. Dennoch kann es schon mal sein, dass Du Dich selbst zu groß, zu klein, zu dick oder zu dünn findest. Es kann auch sein, Du findest Dich ganz ok, so wie Du bist. Wie immer das auch sein mag, eins steht fest: Du findest Dich irgendwie. Aber wie kann das sein, wenn Du nur eine bist? Auch in Dir schlagen zwei Herzen. Das eine sieht sich und das andere wird gesehen, anders kann man sich nicht „finden“.
Du bist traurig, wenn Du mit Dir nicht zufrieden bist. Du freust Dich an Dir selbst, wenn dir etwas gelang. Du ärgerst Dich, wenn Du zu kurz kommst und hast Spaß, wenn man Dich ehrt. Das bedeutet doch, es ist das Band einer Zuneigung, einer Liebe in Dir, das beide Herzen verbindet. In diesem Sinn haben die Kirchenväter schon sehr früh gesagt, auch der Mensch ist innerlich so etwas wie eine Dreieinigkeit. Du bist nur eine Person, aber in Dir ist Wissen, Leben und Liebe.

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