Die Religion ist keine Quelle der Moral

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Meinem lieben Doktor

Die Moral sagt uns, wie man sich zu benehmen hat, und was dieses sei, das sagt uns am besten erst einmal nicht die Religion. Ein Muslim mag anderen Muslimen vorschreiben, im Ramadan zu fasten und nach Arabien zu pilgern. Mir hat er in diesen Dingen nichts zu sagen. Ich kann von ihm auch nicht verlangen, zu Weihnachten das Christkind mit mir anzubeten. Wir können aber fordern, dass wir uns gefällig freundlich begegnen. Das kann man auch von Apachenhäuptlingen und Staatspräsidenten verlangen. „Du sollst nicht lügen“, steht natürlich im Alten Testament. Es könnte aber genau so gut für alle in die Wolken geschrieben worden sein, und alle würden lesen, was sie eigentlich schon immer gewusst haben.

Die groben Züge der Moral können weder aus der Religion, noch aus der Philosophie kommen. Aus der Religion aus schon genanntem Grunde, denn sie wären dann ja exklusiv und gälten nicht für alle. Aus der Werkstatt der Philosophie können sie nicht sein, denn dann wären sie ein Gegenstand des Erörterns und somit verhandelbar. Das sind sie aber nicht. Wir sollten uns weigern zu diskutieren, ob wir unsere Frauen verprügeln dürfen. Wer das tut, hat selber Schläge nötig, nicht aber Verhandlungen.

Wenn die Moralvorschriften nicht aus den Religionen kommen, dann sollten die Folgen bei Zuwiderhandeln auch nicht aus ihnen abgeleitet werden. Religion sollte weder bestrafen, noch Ratgeber in den Fragen sein, wer zu bestrafen wäre. An letzterem haben sich die Kirchen nach Kräften versündigt, am ersten bis heute jene unter den Moslems, die der Sharia nachlaufen. Aber das ist eine aufgeklärte Meinung, der es wie jeder Meinung geht: Man muss sie nicht haben.

Zu Henry Newmans Zeiten konnte in England nur studieren, wer eine brave Weihnachtsbeichte nachweisen konnte. Es war der selbe Newman, der diese Einmischung nicht länger wollte und seiner Kirche schrieb, sie würde ja auch keine Zolltarife regeln.

Aber auch Newman nahm seine Forderungen gewiss nicht aus der Religion. Es war der gesunde Menschenverstand. Also man kann von einem Kommunisten wohl verlangen, ehrlich zu bleiben. Die religiöse Polsterung kann man ihm ersparen.

Moral und Sanktion müssen allgemein sein. Wer behauptet, beides sei ganz unwandelbar vom unwandelbaren Gott, der hat die Dinge vielleicht nicht ganz durchdacht. Sklaverei ist Diebstahl, Diebstahl von Freiheit, von der Erlaubnis, sich häuslich einzurichten und Diebstahl an der Möglichkeit, seiner Würde Ausdruck zu verleihen. Wenn man sich darauf einigen kann, dann hätte der Prophet die Slaverei im Namen des Unwandelbaren schon damals verbieten müssen. Denn was heute falsch ist, das muss schon immer falsch gewesen sein. „Du sollst nicht stehlen!“, muss auch bedeuten, man darf dem Menschen seine Würde nicht wegnehmen. Der Prophet hat sich aber Sklaven genommen, alle haben das getan. Die ganze Welt war noch nicht so weit, von allgemeinen Menschenrechten zu sprechen.

Die Salafi, die der Welt jetzt das Leben schwer machen und sie in ein Kloster verwandeln wollen, die wollen das alles nicht, weil sie brave Schüler ihrer Schrift sein möchten. Sie wollen, das weil sie sich als Nachahmer der Altvorderen sehen, des Propheten und seiner ersten Nachfolger.  Die Leute sehen so ulkig aus, weil sie die gleichen Gewänder wie ihre Vorbilder glauben tragen zu müssen. Ins Christliche übertragen würde das bedeuten, unsere Männer müssten sich Bärte wie Petrus und Paulus wachsen lassen und am besten Fischer am See Genezareth sein oder Zeltmacher in Tarsus. Bei Jesu Gebot, den Nächsten zu lieben, müsste man nicht nur tun, was er sagte, sondern auch genau, wie er es tat. Hierin aber ändert sich die Welt ständig, und die Salafi sagen, das hätte sie seit 1400 Jahren nicht tun dürfen. Also Realpolitiker sind diese Heinis nicht. Einer Welt, die sich dreht vorschreiben, sie hätte damit gefälligst aufzuhören, ist so sinnvoll, wie dem Regen sagen, er solle nicht mehr fallen.
Es gibt sie aber, die philosophia perennis, die Philosophie, die sich nicht ändern kann.  Sie kann aber keine sein, die in die konkrete Welt agiert. Sie muss allgemeiner bleiben und den jeweils gerade Lebenden überlassen, Konkretes  zu tun.
„Diebstahl ist zu bestrafen“ mag etwas Bleibendes sein, Hände von den Armen trennen nicht. Heute bestraft man mit Geldbußen oder Knast. Was die von morgen machen, muss ihnen überlassen sein.

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