Meine vollkommene Religion

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Eine Katechese, Teil 14

Im vorigen Kapitel steckt ein Gedanke, der mir zu wichtig ist, als dass wir zu schnell über ihn hinweg gehen. Zusammengefasst lautet er etwa so: Wenn wir von Gott sprechen, dann meinen wir schon immer einen ganz bestimmten. Lass mich einen Gedanken dazu äußern.

Als mein Opa ein Kind war, fand er sich in einer Welt, die von allen Menschen ganz anders erlebt wurde als wir die Welt heute erleben. Es gab kein Internet, kein Fernsehen, und ein Radio hatte auch niemand. Nachrichten mussten in Zeitungen gelesen werden oder man hörte irgendwie anders, was los war. Die Welt war in gewisser Weise viel kleiner. Niemand machte Urlaub im Ausland, man wanderte zur Kirche oder zur Schule bestenfalls ins nächste Dorf und in eine große Stadt fahren glich einer seltenen, langen Reise. Meine Großeltern haben in ihrer Jugend noch nie einen Menschen mit anderer Hautfarbe gesehen, außer in ihren Büchern vielleicht, die fantastische Abenteuer beschrieben mit gemalten Bildern zur Illustration.
Wenn in dieser Welt von Gott gesprochen wurde, dann war immer allen klar, dass der christliche gemeint ist. Niemand sprach einfach nur von Gott, sondern immer schon von dem, den die Bibel beschrieb und den der Pfarrer am Sonntag in der Kirche erklärte. Vom Gott der Muslime, von dem der Juden oder den vielen der Hindus und Buddhisten war nie die Rede.

Ganz anders als in meiner Jugend. Als ich meinem Kinderglauben entwuchs und anfing, mir meine eigenen Gedanken zu machen, stand ich gleich vor einer bunten Palette an Vorstellungen und Gottesbildern, zwischen denen man scheinbar wählen konnte. Alle machten ihre Angebote, und ich kann mich erinnern, wie mein erster muslimischer Freund mir von ganz fremden Vorstellungen seiner religiösen Kultur berichtete. Ich erinnere mich auch, wie ich nach dem kurzen Gespräch beim Spielen ganz froh war, meine eigene zu haben. Religion war überhaupt eigentlich immer nur Nebensache, über die man nie viel sprach, wie wir das jetzt tun. Man hatte sie einfach, wie das Wohnzimmer zuhause. Auch das hatte man, aber man redete nie drüber, und wenn, dann nur kurz und nebenbei.

Als wir erwachsener wurden, standen wir vor einer Aufgabe, die die Alten nicht hatten. Ihr geistiges Weltbild war fertig und es war das Bild ihrer Väter und Mütter.
Ich machte mir also meine Gedanken und da standen Angebote ins Haus, die mein Opa nicht gekannt hatte. Da war die geistige Welt meiner neuen Freunde, die aus ganz anderen Gegenden und Welten kamen. Da war so vieles andere, was sich bot und ich schaute mir eine Menge an. Es gab es die Esoterik mit ihren verrückten Ideen, mit positiven Energien, negativen Mächten und neuen Gottheiten. Da gab es den atheistischen Buddhismus, die vielen anderen Atheisten, die Zauberer und was nicht alles. Aber weißt Du, was am Ende, nach jahrelangen Gedanken bei mir heraus kam? Die selbe alte Freude, irgendwie Glück gehabt zu haben, in der schönsten und vor allem vollkommensten aller religiösen Welten geboren worden zu sein. Dieses Gefühl habe ich bis heute und es hat mich nie verlassen. Es ist wie das Gefühl eines Glückspilzes, der einfach das große Los gezogen hat, ohne etwas dafür getan zu haben.

Am Ende kamen nur drei Optionen in Frage: Das Judentum, das Christentum und der Islam. Alle drei hatten, zugegeben, eine Menge gemeinsam. Sie hatten eine gemeinsame Wurzel, den Mann mit Namen Abraham, mit dem Gott zuerst gesprochen hatte. Alle drei kannten also den Einen, alle drei waren überzeugt, dieser habe sich den Menschen zugewandt, um ihnen den Weg zu sich zu weisen. Alle drei glaubten, diese Gottheit sei barmherzig und gütig. Aber nur eine der drei verkündete ohne Unterlass, Gott sei zu alledem auch liebevoll, und das in unserem Sinne. Diesen letzten Schritt, den taten nur die Christen.

Die Philosophen lehrten mich, lieben heiße, gut finden, dass es das Geliebte gibt. Das sagten alle Religionen. Die Gottheit musste die Welt irgendwie lieb haben, er war sie ja nicht leid und wollte offensichtlich, dass es sie weiterhin gibt. Würde er nicht lieben, dass sie sei, dann wäre sie ja nicht mehr da. Irgendwie reichte mir das aber nicht, denn lieben hieß für mich nämlich immer schon mehr, als was die Philosophen sagten. Die Liebe, wie ich sie verstand und bis heute verstehe, sagt nämlich nicht nur: „Ich will, dass es dich gibt“, sie sagt auch nicht nur: „Ich will, dass es dir gut geht.“ Für mich sagte die Liebe schon immer auch: „Ich will für immer bei dir sein.“ Diesen Schritt, nämlich, dass Gott seine Welt so sehr geliebt hat, dass er in sie hinein wollte, um sie so an sein Herz zu holen, diesen religiösen Paukenschlag, den taten nur die Christen.

Das ganze stellte sich sehr einfach dar, und wie immer, so liegt auch hier unter den komplizierten Philosophien ein schlichtes Bild am Grunde. Erst kam das Judentum, das erste große Licht in der Welt. Es verkündete, es gibt einen Gott und es kann nur einen geben. Der nimmt sich seines Volkes an und wird eines Tages den Messias senden, der alles in Ordnung bringen wird. Das ist bis heute die große Sehnsucht der Juden. Dieser Messias war in meiner Welt in Christus aber schon gekommen. Er hat die Welt erlöst und wird sie in sich vollenden. Fünfhundert Jahre nach Christus kam dann Mohammed und verkündete seinen Leuten, das mit Jesus sei wohl wahr, nicht aber, das mit der Erlösung, die sei gar nicht nötig. Die Menschen müssten nur nach bestimmten Regeln leben und würden dadurch in ein schönes Paradies kommen oder nicht. Hier holt Gott aber nichts an sein Herz, hier kommt er auch nicht, um bei seinen Kindern zu sein. Einzig im Christentum bedeutet der Himmel, so am Herzen des göttlichen Vaters leben zu können, wie der Sohn, der einst gekommen war, den Grund dazu zu legen. So konnte ich meine schlichte Rechnung auf den Punkt bringen: Das Christentum ist die einzige der drei Religionen, die ganz und gar fertig und vollendet ist. Das Judentum ist es noch nicht und der Islam ist es nicht mehr. So war ich am Ende froh, das Glück gehabt zu haben, mit der vollkommensten aller Botschaften aufgewachsen zu sein, und ich konnte in Ruhe denken, das Vollkommenste sei auch das Wahrste.

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9 Kommentare zu “Meine vollkommene Religion

  1. „…Aber nur eine der drei verkündete ohne Unterlass, Gott sei zu alledem auch liebevoll, und das in unserem Sinne. Diesen letzten Schritt, den taten nur die Christen.“

    Ein Name Allahs im Islam lautet [al waduud] sinngemäß bedeutet dies „Der Alles mit seiner Liebe Umfassende“….das ist deutlich mehr als nur „liebevoll“.

    Nach dem Verlauf der Geschichte zu urteilen, sollte bei aufrechtem Interesse an der Thematik, diese Information völlig neue Wege eröffnen. Gute Reise.

  2. Danke für den Hinweis, ich weiß um diesen Einwand. Er widerspricht aber nicht dem, was ich sage. Das augustinische Equivalent für Liebe: „Ich will, dass Du bist“ einmal sozusagen als allgemeine Liebe allen Geschöpfen gegenüber genommen, habe ich erwähnt. Ein Gott, der die Macht hat, alles ins Sein zu rufen und alles ins Nichtsein zu überführen, ist in diesem Sinne als liebevoll zu charakterisieren. An Joh 3,16 aber, wo Christus das „So sehr aber hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn für sie dahin gab“, kommt diese allgemeine, metaphysische, liebevolle Seinszusage nicht heran. Auch die muslimische Paradiesvorstellung reicht nicht heran. Das Paradies des Islam ist ein glückliches Leben unter den Augen eines liebevoll gönnenden Gottes. Es ist aber kein Leben mit ihm. Dieser Entwurf des Mitseins ist allein christlich. Es gibt nunmal Unterschiede.

  3. Sehr gerne.

    Ich denke, dass die Details schnell im Sinne des Empfängers betrachtet werden können und interpretiert werden, was die -nennen wir es- „Botschaften der Liebe“ der verschiedenen Ideologien betrifft. Von daher werden wir an diesem Punkt nicht viel weiter kommen, weil ich persönlich zu sehr individuell philosophisch gefärbte Betrachtungsweisen vermeide.

    Darf ich fragen aus welcher Quelle sie folgende Informationen beziehen?: „Das Paradies des Islam ist ein glückliches Leben unter den Augen eines liebevoll gönnenden Gottes. Es ist aber kein Leben mit ihm.“ Und wo liegt der Unterschied? Ich kann Ihnen hier nicht ganz folgen…

    Auch die Aussage „Das Christentum ist die einzige der drei Religionen, die ganz und gar fertig und vollendet ist. Das Judentum ist es noch nicht und der Islam ist es nicht mehr.“ habe ich so zum ersten Mal gehört. Bei Zeit wäre ich um eine genauere Ausführung sehr dankbar.

    Friede sei mit Ihnen.

  4. …und mit Ihnen…
    Ich habe, wenn man so will, drei Quellen. Zum einen meine persönlichen Studien. Mir war vergönnt, an den Universitäten sehr individuell studieren zu können. Das Studium, sowohl der Theologie, als auch der Philosophie vergangener Tage ließ einem noch alle Freiheiten und war vor der großen Fixierung auf den ersten Arbeitsmarkt noch einigermaßen universitär. Zum zweiten das Internet heute. Auch da kann sich, wer möchte und ein bisschen Mut hat, recht gut informieren. Zum dritten mein größtes Pfund, der persönliche Kontakt mit Muslimen aller Richtungen. Muslime sprechen, Gott sei Dank, viel lieber über ihre Religion als die Christen unserer Breitengrade. Wer das Gespräch sucht, bekommt es. Als praktizierender Katholik und Theologe, der beruflich jeden Tag mit Muslimen aus vielen Ländern Kontakt hat, genieße ich überall den Respekt meiner Gesprächspartner und erfreue ich vieler Freundschaften mit meinen muslimischen Vettern und Cousinen, die ich als solche ansehe.

    Zum zweiten empfehle ich, einfach mal in den Foren der Muslime der Frage nach zu gehen, ob man Gott im Paradies sehen, bzw. schauen kann. Das könnte einigermaßen aufschlussreich sein und wenig Mühe machen.

    Eine Antwort auf Ihre weitere Frage würde ich über die katholischen Vorstellungen des ewigen Lebens anzugehen versuchen. Jesus ist als der Sohn ganz anders und viel inniger mit dem Vater verbunden als jeder Mensch es sein kann. In Taufe, Glauben und Bekenntnis mit ihm verbunden sein bedeutet, mit ihm leben, mit ihm sterben und mit ihm auferstehen, ewige Teilnahme an seinem Leben, Teilnahme an seiner Weise, mit dem Vater verbunden zu sein. Von daher ist der christlich vorgestellte Himmel vor allem (!) Schau Gottes, wobei „Schau“ viel mehr ist als gucken und sehen, viel mehr sein Erleben. Um das zu ermöglichen, müssen die mit ihm Verbundenen sozusagen erhoben werden. Eine alte, christliche Formel lautet, Gott hat sich auf unser Niveau erniedrigt um uns auf das seine zu erheben. Das alles ist islamisch gar nicht denkbar und geradezu blasphemisch, wie wir beide finden werden.

    Zum Letzten vielleicht eine kurze, zugegebenermaßen polemische Formel: Die Juden warten auf den Messias, die Christen haben ihn und die Muslime sagen, sie brauchen ihn nicht.

  5. Vielen Dank für die ausführliche Darstellung.

    Zu Ihren drei Quellen möchte ich, folgendes sagen:

    1. Ihr Studium sei Ihnen vergönnt, dies kann und will ich nicht weiter beurteilen.

    2.Ihre Freundschaften mit Muslimen, sind besonders in der heutigen Zeit eine sehr wertvolle Angelegenheit. Es ist schön, dass Sie von so einer Erfahrung berichten können. Ich wünschte ich könnte das selbe über zahlreiche praktizierende und quellensichere Christen sagen.

    3.Bei der Quelle des Internets muss ich leider, aus reiner Erfahrung vehement widersprechen. Gerade wenn es um den Islam geht, sind viele Sekten und Abspaltungen des Islam im Internet stark präsent (und vor allem als solches nicht direkt erkennbar -erst recht nicht als Laie). Diese vermitteln in der Regel falsche Informationen und von daher kann ich sie auf keinen Fall empfehlen. Wie Sie wissen, sind für Muslime nur zwei Quellen relevant: der Quran und die Ahadith. Ersteres nur durch einen sogenannten Tafsir erklärt, zweiteres nur durch sichere Quellen überliefert. Da dies aber zwei Wissenschaften für sich sind, will ich nicht zu sehr in Gefilde eindringen, in denen ich kein Detailwissen vermitteln kann. Ich möchte damit nur zum Ausdruck bringen, welche Quellenhinweise ich mir, bei meiner vorhergegangenen Frage erhofft hätte.

    In beiden erwähnten Quellen gibt es deutliche Hinweise darauf, was den direkten Kontakt mit dem Allmächtigen am Tag der Abrechnung und im Paradies betrifft, daher hatte mich Ihre Ausführung irritiert. Abgesehen davon das wir Jesus nicht als Sohn Gottes betrachten, sondern schlicht als Propheten und Diener Gottes in Form eines einfachen Menschen, will ich zu dem Thema nur abschließend anmerken, dass es starke Parallelen gibt, was diese Vorstellung vom Jenseits betrifft. So stark, dass ich darin eine weitere Gemeinsamkeit zwischen Christentum und Islam zu erkennen vermute. Es freut mich also, dass Ihr Weg der Argumentation mich nicht überzeugt hat -zu Gunsten der „überideologischen Gemeinsamkeiten“.

    Zum letzten möchte ich die islamische Auslegung von Jesus als Messias darstellen, um Ihnen ein weiteres Mal im Sinne der Harmonie widersprechen zu dürfen:

    Al-Masih (arab.: مسیح) bedeutet „der mit Segen Erfüllte“. Das Verb masaha bedeutet: streichen, reinigen, säubern. Al-Masih ist eine Bezeichnung für den Gesandten Jesus, al-Masihu ‚Isa Ibnu Maryam (der Messias, Jesus, der Sohn Marias), so wie er mehrmals im Quran benannt wird, unter anderem in den folgenden Versen:

    „(3:45) (Erinnere daran), als die Engel sagten: „Maria! Gewiss, ALLAH läßt dir frohe Botschaft über ein Wort von Ihm überbringen, sein Name ist Al-Masih ‚Isa Ibnu-Maryam (der Messias, Jesus, der Sohn Marias), hochgeachtet im Diesseits und im Jenseits und einer von denjenigen, die (ALLAH) nahe stehen. (3:46) Und er wird zu den Menschen in der Wiege sprechen und als Mann und einer der gottgefällig Guttuenden sein.“ (47) Sie sagte: „HERR! Wie kann ich einen Sohn haben, wo kein Mann mich jemals intim berührt hat.“ ER sagte: „Solcherart erschafft ALLAH, was ER will. Wenn ER eine Angelegenheit bestimmt hat, sagt ER zu ihr doch nur: ‚Sei!‘, und sie ist.““ (Quran, Aali-‚Imran 3:45-46)

    „(4:156) Ebenso infolge ihres Kufrs (Verleugnung), ihrer erfundenen ungeheuerlichen Äußerung über Maria und (4:157) ihrer Äußerung: ‚Gewiß, wir haben Al-Masih, ‚Isa Ibnu-Maryam (den Messias, Jesus, der Sohn Marias), den Gesandten ALLAHs getötet.‘ Doch weder haben sie ihn getötet, noch gekreuzigt, sondern es erschien ihnen nur etwas Ähnliches. Und gewiss, diejenigen, die über ihn uneins sind, sind doch im Zweifel über ihn. Sie haben kein Wissen davon; sie folgen nur einer Spekulation. Und sie haben ihn gewiss nicht getötet! (158) Nein, sondern ALLAH hat ihn zu Seinem (zweiten Himmel) emporgehoben. Und ALLAH bleibt immer allwürdig, allweise.“ (Quran, An-Nisa 4:156-158)

    und Quran, An-Nisa 4:171-172

    Wir sagen also, an Hand der ersten und wichtigsten Quellen der Muslime klar dargestellt, sehr wohl wir haben und lieben den Messias. Nur eben nicht als Gott oder Gottes Sohn, sondern als Mensch wie Du und ich.

  6. Auch Ihnen herzlichen Dank. Zu ihrem Widerspruch und der Sache der sogenannten Quellen. Ich fürchte, wir reden da gerade etwas aneinander vorbei. ich habe natürlich, so redlich mir möglich war auch den Koran studiert und von Ihnen genannte Quellen gesichtet. Ich bitte, mir da einfach zu vertrauen und bin jederzeit bereit, mich von jedermann belehren zu lassen.
    Ihr Ablehnen dew www in Sachen Recherche kann ich nicht teilen. Im Netz gibt es alles, auch Wertvolles, sowohl jede Menge Schund, aber auch wirklich gute akademische Vorlesungen und seriöse Beiträge zum Beispiel. Auch hier gilt, wie überall, wer gute Lehrer sucht, der findet sie. Auch das Gespräch hier mit Ihnen ist eine Quelle aus dem www, Ihr Blog übrigens auch.

    Aber zur Sache. Als erklärter Schüler des Gelehrten Thomas von Aquin, eine meiner großen Quellen, bin ich gewohnt, die Dinge von ihrem Telos, ihrem Ziel zu betrachten. Und das muslimische Paradies und der christliche Himmel unterscheiden sich erheblich voneinander. Oder kann ein Muslim sagen, er werde im Paradies auf göttliche Augenhöhe hin verwandelt, um Gott für immer schauen zu können und an seiner Seligkeit teilnehmen zu können? Wenn Sie das sagen können, dann waren meine Quellen in der Tat sehr dürftig.

    Zum Letzten. Auch wenn wir von einem Messias reden, meinen wir sehr Verschiedenes. Christen meinen den Hohepriester, ohne dessen Erlösung niemand zum Vater gelangen kann. Der Prophet des Islam hat ein halbes Jahrtausen nach Christus das komplette Konzept der priesterlichen Erlösung wieder aus der Religion genommen, bedauerlicherweise, darf ich als Christ sagen, wenn Sie erlauben.
    Gestatten Sie: Hier kann man durchaus das Allahu akbar in Anschlag bringen. Gott ist der immer Größere. Das menschliche Einhalten von Geboten, das doch immer irgendwie jämmerlich bleibt, und eine äußere Verzeihung reicht bei uns nicht, IHM unter die Augen zu treten. Dazu braucht es ein innerliches Verwandeltwerden, das viel mehr ist als eine äußerliche, barmherzige Erlaubnis, in irgentwelche Gärten zu dürfen, und mögen sie noch so prächtig sein. Erlöst werden heißt verwandelt und erhöht werden, am Herzen Gottes ruhen zu können.

    Ich freue mich immer sehr, wenn ich mitbekomme, mit welcher Liebe und Hochachtung Muslime von Jesus, seiner Mutter und den Propheten sprechen. Eine solche Ehrfurcht vor dem Heiligen lassen viele Christen vermissen. Sie werden aber versstehen, dass wir etwas sehr Verschiedenes meinen. Bei aller Harmonie, nach der ich mich leidenschaftlich sehne; Ein Mensch, wie Du und ich, kann weder vor Gott bestehen, noch kann er uns zu IHM fürren. Es gibt keinen, der nicht sündigt. Nur verzeihen, und sei es noch so barmherzig, heißt am Ende wohl doch nicht mehr, als drüber hinweg sehen. Mir würde das nicht reichen. Wie soll Gott ein Paradies betreten, in dem alle Wesen unerlöste, Exsünder sind? Verstehen Sie, das ist mir alles viel zu bescheiden.

    Bitte seien Sie mir nicht gram, wenn ich etwas leidenschaftlich werde. In meinen Artikeln gestatte ich mir das nicht.

  7. Vorweg bitte ich aus meinem Blog nur „Quellen“ zu nutzen, sollte ich explizit externe Quellen angeben beziehungsweise zitieren. Im Allgemeinen ist mein Blog nicht mehr als ein Auszug dessen, wie die hiesige Gesellschaft auf einen einzelnen Muslim wirkt und wie das Ergebnis dann angewandt oder umgesetzt wird, es ist aber keinesfalls eine Quelle für die islamische „Glaubenslehre“ im wissenschaftlichen Sinne. Dennoch schön, dass sie den Blog ernst nehmen.

    „Oder kann ein Muslim sagen, er werde im Paradies auf göttliche Augenhöhe hin verwandelt, um Gott für immer schauen zu können und an seiner Seligkeit teilnehmen zu können?“ Sie haben vollkommen recht, solch eine Aussage ist mir gänzlich fremd. Entschuldigen Sie meine Ehrlichkeit, aber es erinnert mich an die immer wieder kehrende Sehnsucht der Menschen, dass Göttliche mit dem Menschlichen zu vergleichen (siehe auch die ägyptische, römische, nordische, griechische oder hinduistische Mythologie). Sure 112 werden Sie sicher häufig genug gehört haben:

    „Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen 1. Sag: Er ist Allah, Einer,
    2 Allah, der Überlegene. 3 Er hat nicht gezeugt und ist nicht gezeugt worden,
    4 und niemand ist Ihm jemals gleich.“

    „niemals ist Ihm jemals gleich“ kann auch als „ansatzweise ähnlich“ gedeutet werden und gilt eben aus meiner Sicht auch für den Zustand des Menschen im Jenseits. Ich bin allerdings überzeugt davon, dass der -nennen wir es in unserem Fall- Zustand der ewigen Glückseligkeit im „Paradies“, voraussetzt, dass der Mensch akzeptiert, dass er Geschöpf ist und weder alles verstehen kann noch verstehen muss.

    Sie schreiben: „Der Prophet des Islam hat ein halbes Jahrtausen nach Christus das komplette Konzept der priesterlichen Erlösung wieder aus der Religion genommen, bedauerlicherweise, darf ich als Christ sagen, wenn Sie erlauben.“. Diese Ihre Aussage ist vollkommen in Ordnung für mich und natürlich erlaube ich, dass Sie auf Ihrem Blog schreiben, was Sie für richtig halten. Ihren Umgangston empfinde ich generell als sehr angenehm und höflich, dass erleichtert den Dialog ungemein.

    Sie schreiben: „Das menschliche Einhalten von Geboten, das doch immer irgendwie jämmerlich bleibt, und eine äußere Verzeihung reicht bei uns nicht, IHM unter die Augen zu treten. Dazu braucht es ein innerliches Verwandeltwerden, das viel mehr ist als eine äußerliche, barmherzige Erlaubnis, in irgentwelche Gärten zu dürfen, und mögen sie noch so prächtig sein. Erlöst werden heißt verwandelt und erhöht werden, am Herzen Gottes ruhen zu können.

    … Sie werden aber versstehen, dass wir etwas sehr Verschiedenes meinen. Bei aller Harmonie, nach der ich mich leidenschaftlich sehne; Ein Mensch, wie Du und ich, kann weder vor Gott bestehen, noch kann er uns zu IHM fürren. Es gibt keinen, der nicht sündigt. Nur verzeihen, und sei es noch so barmherzig, heißt am Ende wohl doch nicht mehr, als drüber hinweg sehen. Mir würde das nicht reichen. Wie soll Gott ein Paradies betreten, in dem alle Wesen unerlöste, Exsünder sind? Verstehen Sie, das ist mir alles viel zu bescheiden. …“

    Nun es würde sicher den Rahmen sprengen auf die genauen Unterschiede unserer Überzeugungen einzugehen und ich will Ihnen Ihr Christentum nicht ausreden. Ich kann die Aussagen nur nicht nachvollziehen, da mir keine sicheren Quellen für solch eine christliche Schlussfolgerung bekannt sind. Es führt mich immer wieder zu dem Gedanken, dass der Mensch versucht Gott zu verstehen, sich mit ihm zu vergleichen und ihn erklären zu wollen. Ich glaube weder, dass dies möglich ist, noch dass es nötig ist. Ich kenne die Eigenschaften Gottes. Ich weiß, dass Gott mich besser kennt, als ich mich selbst und ich weiß, dass keine Seele die Last einer anderen Last tragenden Seele tragen muss. Kein Mensch ist frei von Sünde, das Diesseits ist Ungerecht und Gott wird am Tag der Auferstehung Gerechtigkeit walten lassen.

    „Verstehen Sie, das ist mir alles viel zu bescheiden“ Ist Ihr gutes Recht. Ich für meinen Teil liebe die Eigenschaft der Bescheidenheit und übe mich gerne täglich in dieser Tugend, so gut ich kann. Wir werden sehen, wohin es mich am Ende führt, doch ich weiß jetzt schon, dass es mich dem Seelenfrieden bei jedem Gedeihen spürbar näher kommen lässt.

    Ich bin Ihnen keinesfalls „gram“, keine Sorge. Ich danke für den freundlichen Austausch bis hier.

  8. Kurzer Einwurf „der alles mit seiner Liebe umfassende“ ist nicht „deutlich mehr als nur“ „der Liebevolle“, sondern höchstens konkreter (in bezug auf das „alles“) und blumiger. Die Christen glauben freilich nicht nur, daß Gott nach außen liebevoll ist, sondern daß das sein inneres Wesen ist („Gott ist die Liebe“).

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