Glauben und Glauben sind zweierlei

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Briefe an unseren Bufdi

Glaub mir, ich habe mich schon oft mit Gläubigen und Ungläubigen aller Sorten  mit Worten und Argumenten herumgeschlagen, weil mich diese Grenze schon immer interessiert hat und weil ich Lust am Streiten habe. Um nicht in falsches Licht zu geraten, der Streit gehört ebenso kultiviert, wie das ganze Leben kultiviert gehört, und die Lust geht nicht auf den Schaden des Gegners, sondern auf das Darstellen der eigenen Fähigkeiten.

Fußball zum Beispiel ist ein Streit, ein Kampfsport sozusagen. Man legt sich gegen seinen Gegner ins Zeug und hat Lust mit ihm und gegen ihn zu spielen. Dabei hat die Lust nicht auf den Schaden des Gegners zu gehen, sondern auf den Spaß am eigenen Spiel. Fabian spielt unbändig gern. Er spielt aber, damit seine Eltern, Freunde und am besten die ganze Welt sieht, wie er spielen kann. Wenn er seinen Spaß darin suchen würde, den Gegner verletzt am Boden liegen zu sehen, dann müsste man wohl das Gespräch mit ihm suchen.

In jedem kultivierten Streit sind die Waffen genau definiert. Im Fußball ist es verboten, mit Armen und Händen zu spielen. Beim Streit mit Worten ist es verboten, Keulen und andere, marzialische Waffen einzusetzen. Lediglich Worte und Gedanken sind erlaubt.

Es gibt eine weitere Lust am spielerischen Kampf, und die liegt darin, einer Sache zu dienen. In den Wirtschaftsunternehmen unserer Gegenden gilt jemand als guter Arbeiter, wenn er bei seiner Arbeit nicht nur an seine eigenen Taschen, sondern auch an die Sache der Firma denkt. Um das zu ermöglichen teilen geschickte Unternehmer mit ihren Arbeitern. Sie zahlen gewisse Beteiligungen an Gewinnen, um ihre eigene Firma ein bisschen zur Firma ihrer Mitarbeiter zu machen. Was einem gehört, dafür arbeitet man gern, lautet die Devise. Es macht einfach Spaß, seine eigene Mannschaft nach vorn zu spielen. Es macht den Missionaren Spaß, ihrer Kirche Raum auf der Welt zu verschaffen, weil sie sie für eine gute Sache halten, und hier können wir einsetzen.

Wenn man jetzt den Begriff der Ungläubigen in unsere Bilder übertragen wollte, dann wären für einen Fan des EfZe die Ungläubigen die Fans der anderen Mannschaften. Die wären zu bekehren oder zu bekämpfen. Für die verrückten sunnitischen Muslime sind die Ungläubigen die Muslime der Shia, für die Shiiten sind die Ungläubigen die Gläubigen der Sunna. Alle Menschen die nicht dem Propheten folgen, zählen bei beiden natürlich dazu.

Als die christlichen Konfessionen noch stritten, rutschten vor allem die Gläubigen der jeweils anderen Kirche in die Schublade der Ungläubigen, auch hier alle Nichtchristen natürlich mit. Vor allem aber kämpfte man über die Gräben der Konfessionen hinweg, und auch das mit Lust für die eigene Sache. Heute kämpft man nicht mehr, oder besser gesagt, nur noch wenig. Aus kultivierten Kämpfen sind all zu oft unkultivierte geworden, die sich zu Raubzügen und Kriegen ausgewachsen haben, und um das zu verhindern hat man den Streitenden die Waffen abgenommen. Die Waffenkammern lagen und liegen auf Seiten des Staates. Je klarer und besser die Religionen und die Belange der Staaten von einander getrennt sind, desto besser wird garantiert, dass niemand mehr für die Religion zu Felde zieht. Der Streit wird dahin zurück geführt, wo er hin gehört, ins rein Geistliche.

Ein Einwand. Unsere Wörter Glaube und Unglaube zu definieren, wie wir es bisher getan haben, ist einseitig, weil das eien ganz bestimmte Weise des Glaubens meint. Es gibt auch andere. Denk Dir mal einen Menschen vor die Augen, den Du nicht leiden kannst. Stell Dir weiter vor, er liegt mit einem anderen im Streit und Du wirst zum Schiedsrichter gerufen. Der, den Du nicht magst, erzählt Dir seine Version der Geschichte und es stellt sich heraus, er erzählt die Wahrheit und Du glaubst sie ihm. Du glaubst also dem, den Du nicht leiden kannst. Hier gibt es aber Unterschiede. Würde ich Dich fragen, ob Du bereit bist, diesem Menschen überhaupt Deinen Glauben zu schenken, dann würdest Du sicher ablehnen. Wenn wir jemanden nicht mögen, dann schenken wir ihm gar nichts, schon gar nicht unseren Glauben, was mit Vertrauen zu tun hat. Die Geschichte aber, die er erzählt hat, die nimmst Du ihm ab, wie man sagt. Glaube ist nicht Glaube.

Stell Dir ein zweites Bild vor. Dein allerbester Freund erzählt Dir eine Geschichte, die sehr unwahrscheinlich und richtig schwer zu glauben ist. An der Geschichte wirst Du zweifeln wollen, Deinem Freund aber glaubst Du im Prinzip alles, weil er Dein Freund ist. Freunden glaubt man, weil man Freunden vertraut. Wollte man hier von einem Ungläubigen sprechen, dann wäre es einer, der nicht der Freundschaft fähig ist, weil er dort keinen Glauben aufbringt, wo er ihn dringend bräuchte.

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