Verschiedene Verhältnisse

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Briefe an unseren Bufdi

Ich glaube, es wäre ganz passend, wenn wir mal über Verhältnisse reden und was es da so alles gibt. Naheliegend ist zum Beispiel Folgendes: Wenn mein Freund ein Verhältnis hätte, dann würde ich ein ernstes Wörtchen mit ihm zu reden haben. Das gehört sich nicht seiner Frau gegenüber. Aber genauer gesprochen hat er natürlich viele Verhältnisse, auch wenn er neben seiner Gattin keine heimliche Geliebte hat. Er hat ein Verhältnis zu seinen Kindern, eins zu dem Stuhl, auf dem er immer sitzt, eins zu seiner Badewanne und ein Verhältnis zur Welt als ganzes, in der er lebt. Nilpferde haben ein Verhältnis zu dem Gras, das sie fressen und zu dem Wasser, das sie verdrängen.

Der Philosoph Wittgenstein meint, ein Rad, das sich dreht, und bei dem sich nichts mit dreht, das gehöre nicht zur Machine. Aber wenn es in ihr eingebaut ist, denn hat es doch irgendwie ein Verhältnis mit ihr, denn irgendwo drinnen sein beschreibt schon ein Verhältnis. Das klingt jetzt alles etwas spitzfindig, aber Spitzen finden gehört nunmal zum Handwerk der Philosophen. Wenn ein Arbeiter kein Verhältnis mit seiner Kollegin hat, so doch das kollegiale des Kollegenseins. Wenn Gott denken und etwas wollen kann, dann hat er ein anderes Verhältnis zu seiner Welt, wie das überpersonelle „Eine“ des Plotin, aus dem alles kommt, das aber nichts wollen kann. Wenn die Gottheit überhaupt etwas wollen kann, dann will es die Welt und Dich und mich. Wollte sie sie nicht, dann wäre sie nicht da. Wenn Plotin Recht hat, dann ist die Welt automatisch da, und wir sind nicht gewollt, sondern passiert.

Wir haben mit dem Denker Augustin schon gesehen, etwas lieben heißt, sein Dasein wollen. Wir können aber auch in aller Vorsicht sagen, das reicht noch nicht ganz für das, was wir für gewöhnlich Liebe nennen. Jemanden in unserem Sinne lieben heißt sicher auch so etwas wie mit ihm zusammen sein, zusammen leben, nahe sein wollen. „Ich will nicht nur, dass es Dich gibt, und dass es Dir gut geht, ich will auch immer bei Dir sein.“ So etwas meinen wir doch, wenn wir von der Liebe sprechen und es wäre zu fragen, ob solches aus dem Mund der Gottheit zu vernehmen wäre. Viele moderne Gelehrte des Islam würden uns sicher sagen, das gehe jetzt alles schon viel zu weit und würden Verbote aussprechen. Ich sage „moderne“ Gelehrte und meine damit, die von heutzutage. Im frühen Mittelalter haben die muslimischen Gelehrten sich viele Gedanken über Gott und seine Verhältnisse gemacht und es gab einen regen Austausch zwischen den Religionen. Irgendwann haben sich aber Leute durchgesetzt, die zu sagen hatten und die hier die berühmten Verbote ausgesprochen haben. Es heißt, in der Frage, was man mit den eroberten Bibliotheken anstellen sollte, habe es geheißen: Wenn in den Büchern steht, was auch im Koran zu finden ist, dann sind sie unnötig. Lehren sie etwas anderes als im Koran, dann sind sie gefährlich. Also in jedem Fall verbrennen. Christen zu allen Zeiten nicht viel anders gedacht und gehandelt, das sollten wir nicht unterschlagen. Auch hier denken nicht wenige bis heute, neben der Bibel seien andere Bücher nicht brauchbar. Es gebe so etwas wie zwei Wahrheiten, eine der Philosophen und eine der Religion. Der Religion sei immer der Vorzug einzuräumen. Im katholischen Christentum hat sich allerdings ein Gedanke durchgesetzt, den der heilige Thomas etwa ins Wort gebracht hat: Der Glaube kommt von Gott, die Vernunft ebenfalls. Beides richtig gesehen, kann sich eigentlich nicht widersprechen. Das führte zur mutigen, manchmal kühnen, philosophischen Betrachtung dessen, was wir über Gott denken können und von ihm wissen. Die Gottheit habe uns etwas von seinem Wissen mitgeteilt, gerade damit wir drüber nachdenken. Der Mensch bekommt hier eine Würde der Verantwortung, am Ganzen mit zu tun.
Wie immer auch, aus dieser Mischung von informiert worden sein und nachdenken erhalten wir die Information, nach der Gott ein Verhältnis zur Welt und zu uns hat, die wir mit unsren schönsten Gedanken der Liebe beschreiben können.

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