Das priesterliche Schauspiel

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Briefe an unseren Bufdi

Eine Klarstellung, die ich angedeutet habe, wird hilfreich sein. Es gibt viele Priester, in Wirklichkeit aber nur einen richtigen, oder wirklichen. Wenn unsere Priester geweiht werden, dann bekommen sie eine Vollmacht, etwas zu tun, was ohne sie nicht geht. Zwei Männer stehen an einem Tisch, der eine ist Priester, der andere nicht. Das selbe Brot liegt vor ihnen, beide haben gleiche Kelche mit dem selben Wein mit einem Tropfen Wasser darin. Sie vollziehen die selben Handbewegungen, sie sprechen die selben Worte und wollen beide das selbe, dann geschieht nur bei dem Priester die Wandlung, im Fall des anderen bleibt alles auf dem Tisch, was es war. So geht unser Glaube. Aber: Das Eigentliche, was da passiert, das tut nicht der Priester, sondern der Herr, in dessen Vollmacht er spricht. Der Priester sagt dann, wie Du Dich sicher noch erinnerst: „Das ist mein Leib.“ Er meint aber gar nicht seinen eigenen, das wäre Unsinn. Der Priester marschiert am Ende, ohne sich etwas abgeschnitten zu haben, nach Hause. Er gibt aber dem, der beschlossen hat, unsichtbar und unhörbar zu wirken und sich zu verschenken, seine Stimme.
Wenn ein Schauspieler auf der Bühne ruft, er sei der Räuber Hotzenplotz, dann spricht da Herbert Meier, der Schauspieler. Er gibt dem Räuber aber seine Stimme, nur, dass es den in Wirklichkeit nicht gibt. Er hat überhaupt keinen Grund, sich irgendwelche Kräfte des Hotzenplotzes einzubilden, die hat er nicht. Für Priester gibt es auch keine Gründe, sich etwas von der Kraft Christi oder irgendeine seiner Eigenschaften einzubilden. Was er tut, ist nicht schwer, man muss dazu nichts lernen und nichts können. Er muss nur tun, was ihm seine Kirche aufträgt, er ist der Diener ihres Anliegens.

Es gibt die vielen Priesterlein und den einen Hohepriester, ohne den sie nichts als Schauspieler wären. Es gibt die vielen kleinen Opferfeiern in den Kirchen, aber nur das eine Opfer, das Christus ein einziges Mal gebracht hat, wird hier in die Gegenwart geholt. Übrigens, dass das jetzt ohne Schmerz und Schmutz geschehen kann, zeigt, dass die Hingabe das Entscheidende am Opfer ist, nicht die Schmerzen von damals.

Es stimmt also nicht, dass die Priester als Personen irgendwie näher bei Gott wären. Sie können ihrer moralischen Qualität nach weit unter den Menschen stehen, denen er auf die Zunge legt, was vom Himmel kommt. Für den Dienst werden sie wohl heran gezogen und was sie tun und zu tun vermögen ist sehr wohl „hochwürdig“, wie man früher sagte. Aber es ist wie mit dem Schauspieler. Willst Du mit dem Räuber Hotzenplotz sprechen, dann geht das nicht, wenn Du den Schauspieler auf der Straße ansprichst. Du musst schon auf die Bühne gehen, wenn er die Kleider der Figur an hat und in seiner Rolle spricht. Polizisten kommen auf der Straße nicht in Uniform daher, damit man viel von ihnen hält, sondern damit die Leute einen Ansprechpartner haben, der ihnen gefälligst zu helfen hat, wenn sie das brauchen. So ist das mit den Priestern auch. Natürlich sind sie etwas Besonderes, aber das sind Künstler, Polizisten und Hausfrauen auch.
Die Sache des Priestertums verlangt von den geistlichen Würdenträgern eigentlich, dass sie öfter zur Beichte gehen als die Schafe, die sie hüten. Die Beichte ist nämlich eine geschätzte Instanz, in der man lernt und sich der Gewohnheit unterzieht, ein wirklich kritisches Auge auf sich zu haben und seine Schwächen nicht vergessen zu machen. Natürlich: Die Versuchung ist naheliegend, sich hochwürdig zu fühlen, wenn die Leute auf der Straße den Beruf so nennen. Aber die Versuchung legt sich nicht nur hier, sondern überall nahe, wo einer wegen irgendetwas noch so Banalem über dem anderen steht, und sei es nur ein bisschen.
Die Kritik lautet, ein Gott, der will, dass die Menschen sich nicht überlegen fühlen und machen, dürfte so etwas wie ein Priesteramt gar nicht erst einführen. Damit führt er die Menschen nur in Versuchung. Der Gedanke ist unter zu ordnen. Über ihm steht der offenkundige Wille, dass die Kinder ihren Vater lieben und dass sie auf der ganzen Welt bekommen können, was er ihnen geben möchte. Wenn man so möchte: Der höhere Gedanke nimmt die Gefahr auf der unteren Ebene in Kauf. Die Christen müssen eben ihre Hausaufgaben machen und ihre Priester erinnern, dass sie Diener und keine Herren zu sein haben; charmant wohl, aber deutlich.

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