Was nicht sein muss, muss manchmal irgendwie doch sein

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Briefe an unseren Bufdi

Deine Kritik steht noch im Raum, und es war hilfreich, dass Du sie noch mal präziser gefasst hast. Sie besteht nun sogar aus zwei Fragen. Auf die sollten wir auch einzeln eingehen. Zum einen die schon genannte: Warum sollte der Allerhöchste die Instanz des Priesters zwischen sich und den Menschen einziehen, wo doch jeder Mensch schon immer unmittelbar vor ihm steht, vielleicht sogar viel näher als der nächstbeste Geweihte? Das ganze muss doch auch ohne gehen! Zum zweiten: Wenn die Priester sein sollen, dann stehen sie eine Stufe höher zu Gott als die anderen Menschen. Damit ist doch dann Tür und Tor dafür geöffnet, sich etwas einzubilden und sich besser zu fühlen oder behandeln zu lassen.

Zum ersten: Grundsätzlich müssen Priester nicht sein, das hatten wir schon gesagt. Es wird auch kein Priester an meiner statt an den Hammelbeinen gegriffen und kein Priester wird an meiner statt für irgendetwas gelobt, was ich getan habe. Den ganzen Tag bete ich direkt zu Gott, ohne dass ein Priester helfen muss. Warum also gibt es Themen, in denen etwas ohne Priester nicht zu haben ist? Zunächst: Warum weiß ich auch nicht. Ich glaube nur, dass es so ist und habe meine guten Gründe es zu glauben.

Angenommen, Du willst nach Amerika. Die Rockys sind Dein Ziel. Dein Freund sagt: „Nimm den Flieger, das geht am schnellsten“, und Recht hat er. Erklärst Du ihm, Du würdest aber lieber mit dem Schiff übersetzen, dann wird er Dir sagen, die Zeit zu verschwenden sei nicht nötig, womit er wieder Recht hat. Du entscheidest Dich dennoch für den Dampfer, aber nicht, weil Du zu den Rocky Mountains willst, sondern, weil Du auch das Vergnügen der Seefahrt in die Reise einbauen möchtest. Für eine Reise in die Berge ist das nicht nötig. Für die Reise aber, die Dir vorschwebt, muss das sein. Die Schifffahrt muss auf die eine Weise also nicht sein; für das, was Dir vorschwebt, aber doch.
Der heilige Thomas sagt einmal, der allmächtige Gott hätte die Welt auch ganz ohne das Opfer Jesu erlösen können. Für das alles aber, was er damit erreichen wollte, hatte das Ganze sein gewisses Müssen. Also war das Opfer notwendig und auch wieder irgendwie nicht.
Ein reicher Mann kann seiner Tochter mal eben zwanzigtausend Taler überweisen, wenn sie was braucht. Er kann sie aber auch persönlich vorbei bringen, um es schöner zu gestalten. Wenn er wegen irgendetwas ihre Verzeihung erbitten will, bringt er das Geld am besten zu Fuß über die Berge. Das kann bei völliger Unnötigkeit durchaus seine innere Notwendigkeit haben.

Ich habe einen bekehrten Christenfreund, der ganz anders zur Sache gefunden hat, als wir hier unsere Wege bestreiten. Er war eher mystisch vorgegangen und erzählte mir später: „Da gibt es dieses Gerücht, dass jemand für mein persönliches ewiges Glück mit meinen Lieben einen schrecklichen Tod gestorben ist. Daran war zwar noch viel völlig unverständlich. Aber ich wollte um jeden Preis wissen, ob das wahr ist!“ Also hat er sich auf den Weg gemacht, die Frage zu klären. Für sich ganz persönlich, darin liegt der Kern der Mystik, denn die ist ihrem Inneren nach immer ganz persönlich und ganz privat. Wenn Gott uns den Himmel baut und schenkt, dann ist das schon etwas großes. Wenn aber sein Sohn ein schweres Opfer dafür gebracht hat, dann fundiert das noch einmal eine ganz andere, emotionale Ebene, auf der das ganze Verhältnis am Ende und für immer ruhen wird.
Im Gespräch mit Muslimen über die Religion wirst Du feststellen können, dass ihre emotionale Beziehung zur Gottheit immer irgendwie ganz anders gestrickt ist, als die der Christen. Das liegt an der Tatsache, dass ihr Prophet verkündete, das Opfer Jesu habe es nie gegeben. Wenn man so möchte: Nur das Opfer Christi für uns erlaubt uns genau diese emotionale Basis, auf die der Glaube der Christen aller Zeiten ruht. Das ist übrigens ein Argument des heiligen Thomas: Das Opfer musste sein, insofern Gott unserer Liebe zu ihm eine neue Basis geben wollte.
Du wunderst Dich vielleicht, dass ich vom Thema abgekommen bin. Die Frage ging ja nicht ums Opfer, sondern um die Priester. Unser Thema ist nur scheinbar verfehlt. Denn wir reden die ganze Zeit über den einzigen Priester, den es überhaupt gibt. Der, der das Opfer gebracht hat, ist der einzige wirkliche Priester für immer und ewig. Alle anderen, die sich „seine Priester“ nennen dürfen, sind es nur insofern sie das auf den Altären vollziehen, was allein er tut. Aber darüber später, wenn Du möchtest. Die Verkündigung lautet auf jeden Fall so: Er allein ist der Priester, das Opfer und sogar der Altar, auf dem es gebracht wird.

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