Der Mythos vom Opfer

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Briefe an unseren Bufdi

Ein zweites Argument gegen das Christentum geht ähnlich. Man könnte es das Abschreibeargument nennen, und es geht so: So ziemlich alles, was das Christentum darstellt, ist schon mal da gewesen und von woanders zusammen gestückelt. So Sachen wie Tod und Auferstehung, sogar von Götterwesen, waren längst aus irgendwelchen alten Mythen bekannt. Man brauchte sich nur bedienen und den Hauptdarstellern christliche Namen geben. Priester- und Opferkulte waren in allen archaischen Hochreligionen aufgetaucht. Auch hier brauchten die Christen sich nichts Neues ausdenken. Das ganze hat den Geruch von Plagiaten, und je mehr die Forschung freilegt, desto mehr Fälle schwimmen den Fluss hinunter.

Auch da wird erst wieder ein Schuh draus, wenn wir die Sache drehen und vom Kopf auf die Füße stellen. Die Christen betreten mit der Behauptung den Plan, mit ihrem Helden Christus sei die Offenbarung abgeschlossen. Die Jünger tragen noch alles hinaus und mit dem Tod des letzten braucht die Welt nicht mehr wissen, als sie wissen kann. Über Christus geht nichts drüber. Er ist der Schlussstein, der alles zusammen hält und das Ende der Fahnenstange findet sich in ihm, in dem, was er war, was er gesagt und getan hat. Schluss ist allerdings nicht nur mit der Offenbarung, also mit dem, was die Gottheit über sich und die Welt erzählt hat. Schluss ist auch mit dem unerfüllt bleiben der alten menschlichen Sehnsüchte. Hinter den Bildern der alten Mythen stand schon immer die alte Sehnsucht, eine Gottheit würde kommen und die Menschen aus ihrem Elend befreien. Vom Himmel herab müsse sie kommen, weil der Mensch, allein gelassen, nicht genug vermöge und heraus fände. Die Mythen haben schon immer von dem erzählt, was die Menschenherzen sich wünschten. In Christus sind diese Wünsche endlich in Erfüllung gegangen. Somit waren die Mythen Vorausahnungen und Bilder, die vor- oder unbewusst auf das Kommen des Christus hinwiesen.

Mit dem Opfern und seiner zum Teil garstigen Geschichte ist es ganz ähnlich. Immer schon haben die Menschen von jenseitigen Welten geträumt und gehofft, sich mit Gebeten, Kulten und Opfern mit den dortigen, mächtigen Wesen in Verbindung zu setzen, ihnen Dank und Bitte entgegen zu bringen. Opfern meint hier also erst einmal nicht, die Götter fordern das Blut von Tieren und Menschen. Im Opfer kommt der menschliche Wunsch zum Ausdruck, von sich etwas Gutes zu geben, mit etwas nüchternen Worten, sich in die Zusammenarbeit zu ein zu bringen. Es gibt wohl auch Mythen, in denen die Götter zu faul sind, für sich zu sorgen und Menschen schaffen, auf dass diese ihnen als lebende Sklaven ihre Geben bereiten. Das aber verkehrt den eigentlichen Opfergedanken. Den höchsten Ausdruck findet er bei den Liebenden. Frisch Verliebte opfern die verrücktesten Sachen für ihre Liebe und Freunde geben mit Freuden von sich, um dem Freund zu helfen. Erzwungene Opfer sind keine richtigen Opfer; solche, die man sich selbst abzwingt wohl, nicht aber von außen erpresste. Christus hat sich nicht geopfert, weil ein grausamer Vater das gefordert hätte. Die Gottheit ist kein King Kong! Christus hat sich geopfert, weil er selbst es aus der Kraft einer doppelten Liebe wollte: Aus der zum Vater, der die Versöhnung mit seinen Kindern wünschte und aus der Liebe zu den Kindern, die das noch nicht begreifen konnten.
So waren auch die Opfer der Vorzeit Vorausahnungen und Vorwegnahmen des einen, vollkommenen Opfers, nach dem alle Welt sich irgendwie gesehnt hatte und sehnt. Heute wird dieses Opfer immer noch begangen, allerdings ganz ohne Blut und Schmerz, sondern geistig. Die Christen geben von sich und Christus gibt sich ganz. Das, was ungebrochen bleibt, das ist die Liebe.

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