Du sollst dir keine Bilder machen!

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Briefe an unseren Bufdi

Dein Einwand hat mich ganz schön beeindruckt, muss ich sagen. Xenophanes hat ihn schon vor zweieinhalbtausend Jahren in die Diskussion geführt: „Hätten die Pferde Götter,“ sagte er, „sie würden wie Pferde aussehen.“ Dass Du da so spontan drauf kommst, macht, wie gesagt, Eindruck, und wenn der Spruch stimmt, dann ist die komplette Religion in Gefahr. Wer braucht schon Götter, die als Menschenwerk entlarvt wurden? Der Einwand, wir würden viel zu menschlich von Gott reden, donnert noch heute an die Tür der Religion, um sie ad absurdum zu führen. „Was bilden sich die kleinen Menschen da wieder ein? Verkünden sich als Krone der Schöpfung und behaupten, Gott sei wie sie.“ Für viele Leute hat sich die Sache damit erledigt.

Eine Chance hat die Religion aber noch, es kann ja alles auch ganz anders sein: Wir reden so menschlich von Gott, weil er sich uns so menschlich vorgestellt hat. Er ist kein Bild, das sich die Menschen gemacht haben, sondern der Mensch ist ein Bild von ihm. Wenn das so ist, dann steht die alte Mutter wieder da, und so wird es seit je verkündet. „Lasst uns den Menschen machen, nach unserem Bild“, steht im ersten Buch der Bibel.
Nun schiebt sich für die einigermaßen Kundigen wohl aber ein Gedanke ins Bild, nämlich eine alte Forderung, der Mensch solle sich gefälligst kein Bild von Gott machen. Ein Verbot, das die Juden noch kennen und das im Islam besonders streng beachtet wird. Die wundervollen Arabesken, die man in den Gotteshäusern und woanders sieht, verdanken sich diesem Gebot. Wer sich kein Bild von Gott machen darf, der macht sich eben Bilder von der Schöpfung, durch die hindurch die Anwesenheit des Heiligen zu erahnen ist. Bei den Christen, würde ich sagen, wird das Gebot dem Anschein nach eher nur diskutiert und dass so viele Gottesbilder in ihren Kirchen hängen, ist für die Leute der anderen Religionen verständlicherweise einigermaßen skandalös.

Dass aber der Satz mit dem Menschen als Bild bestehen bleibt, hat seinen Grund in seinem Sprecher. Es redet hier der selbe Gott, der das Gebot mit den Bildern gegeben hat. Gott spricht in der Bibel sozusagen mit sich selbst, wo er beschließt, den Menschen ins Leben zu rufen. Wenn er ihm später verbietet, sich Gottesbilder anzufertigen, dann wird man ihm doch einräumen müssen, es selber zu tun. Er ist der Gesetzgeber und damit der Bestimmer.

Ich sage übrigens „Bild“ von Gott, nicht „Abbild“ oder „Ebenbild“, was wir gewohnt sind zu hören. Der Lehre nach, an die ich glaube, kann es gar kein Abbild von Gott geben, weil Gott für unser Auge nicht sichtbar ist. Ein Ab- oder Ebenbild vom Unsichtbaren ist nicht denkbar. Das Bilderverbot kann man also auch so auslegen: „Fangt erst gar nicht an, was ihr ohnehin nicht könnt!“

Die Augen brauchen irgendwelche Konturen, um sehen zu können. Die Nase braucht chemische Stoffe zum riechen. Der Tastsinn braucht Greifbares, die Ohren brauchen Töne. Nichts von alledem können wir der Gottheit zuschreiben, sie wäre ja ein Teil der Welt, was nicht sein kann. Wir Menschen haben Grenzen aller Art, aber keine, die wir uns mit der Gottheit teilen. Gott ist kein Teil und nicht in der Welt, die Welt ist vielmehr irgendwie in ihm. Also wenn es ein Abbild von Gott geben würde, dann könnten wir das genau so wenig sehen, wie wir ihn sehen können. Wir drehen uns im Kreise. Das mit dem Ab- oder Ebenbild ist also nicht möglich und eigentlich kein geeignetes Wort. Mit „Bild“ ohne „Ab“ ist es schon etwas anderes. Gott kann uns ein Bild vor die Augen stellen, das sozusagen in unserer Sprache etwas von ihm erzählt. Dieses Bild sind wir selber, der Schrift nach wenigstens.

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