Der Friede und die Ruhe

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Eine Firmkatechese, Teil 13

Friede ist nicht gleich Friede, haben wir gesehen. Äußerer Friede und innerer Friede sind ziemlich verschieden. Äußerer Friede ist, wenn die Waffen schweigen und niemand einander bedroht. Innerer Friede ist eher so etwas wie Harmonie mit uns selbst und unseren Mitmenschen. Aber so verschieden das mit dem Frieden auch sein mag, mit einer Sache hat er immer zu tun, und das ist die Ruhe. Jesus sagte einmal zu seinen Jüngern, die sich von einer langen Tour heimkehrend wieder um ihn versammelten: „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht euch ein wenig aus.“ Das war für mich schon immer ein starkes Zeichen für Jesu Friedenswillen. Früher instinktiv gefühlt, später auch im Kopf gewusst.

Der Friede, so lehrt uns der Kirchenlehrer, Bischof Augustinus, bedeutet, dass jedes Geschöpf zur Ruhe kommen kann, weil um es herum eine starke Ordnung herrscht, in der es geborgen ist. Auch der innere Friede hat mit Ruhe zu tun, weil Unfriede uns aufschreckt und unruhig sein lässt. Friedlose Menschen sind immer rastlos, immer auf der Jagd und immer irgendwie außer sich.

Es gibt ein altes Bild für den harmonischen Menschen. Man sagt, er hält es gut bei sich selber aus. Friedliche, harmonische Seelen können gut bei sich selber wohnen, heißt es. Auch im äußeren Unfrieden müssen wir immer auf der Hut sein, weglaufen, angreifen oder ausweichen. Ausruhen kann nur, wer kurz Atem holen muss.

Jesus sagte zum Abschied zu seinen Jüngern, er gebe ihnen seinen Frieden. Interessant ist aber, dass er ihn diesen mit auf ihren Weg in eine friedlose Welt gab. Die Jünger starben, bis auf den heiligen Johannes alle den Tod von Märtyrern, das heißt, sie wurden umgebracht. Damit erging es ihnen nicht anders als ihrem Herrn. Der starb den gewaltsamen Tod am Kreuz und sie wurden später auch auf alle mögliche Weise gequält. Der Friede, den Jesus ihnen gab, konnte also kein äußerer sein. Außen war Unfrieden, Hektik und Unruhe, innerlich, im Herzen, konnten die Jünger ganz ruhig sein, denn sie wussten sehr sicher, dass es am Ende mit ihnen gut ausgehen würde und sie in die große Ruhe einkehren würden.

Wenn der Bischof Dich in den Arm nimmt, Dir die Hand gibt oder in die Augen sieht und dabei „der Friede sei mit dir!“, spricht, dann ist genau dieser Friede der Jünger gemeint. Du musst wissen, die Christen haben und hatten es fast nie und nirgends so friedlich wie wir es derzeit haben. Von der ersten Stunde der Kirche wurden sie verfolgt. Das Sakrament der Firmung wurde ihnen immer schon gespendet, um mit dem Frieden im Herzen besser durchleben zu können, was ihre Welt ihnen unter Umständen zumuten würde. Auch deshalb wird die Firmung das Sakrament der Erwachsenen genannt.

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