Die Sache mit dem Frieden

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Eine Katechese zur Firmung, Teil 11

Die Feiern der Sakramente sind immer ganz kurz. Die Gottesdienste selbst sind manchmal viel länger, weil sie wie Schalen um den leckeren, kleinen Kern der Sakramente herum gebaut sind. In der Messe liegt der Kern mitten im Gottesdienst. Er beginnt, wenn die Messdiener Brot und Wein zum Altar bringen und endet vor dem Vater Unser, wenn die Gläubigen gemeinsam das große „Amen“ sprechen, nachdem der Priester den Leib und das Blut Christi hochgehalten und gezeigt hat.
Auch die Taufe ist in einem Gottesdienst eingebunden und endet, sobald das Kind getauft ist. Danach kommen dann noch einige spezielle Riten, die Fürbitten, ein Lied in der Regel und der Segen für alle. Die eigentliche Taufe aber liegt mitten drin und das Kind ist bei den Fürbitten längst fertig getauft.
Man kann das sehen, wenn in Notzeiten, wo alles ganz schnell gehen muss, nur der eigentliche Kern gefeiert und alles andere weg gelassen wird. Taufen kann man einen Menschen in ein paar Sekunden. Man braucht nur drei mal etwas Wasser über seinen Kopf gießen, seinen Namen nennen und den Spruch aufsagen, den Christus in der Bibel befohlen hat und fertig. Der Täufling ist dann nicht weniger getauft, wie wenn man eine stundenlange Feier mit Orgelgebraus und vielen Reden da herum baut.

So auch mit der Firmung. Du warst fertig gefirmt, als der Bischof Dir in die Augen sah und den Friedensgruß sprach. Wenn Du danach raus gelaufen wärst, hätte sich das aus Gründen des Anstands nicht gut gemacht, es hätte Deiner Firmung aber nichts mehr anhaben können. Übrigens, der Bischof kann Dich firmen, er kann Dir Deine Firmung aber nicht mehr absprechen. Gott selbst firmt ja, und kein Mensch kann das wieder rückgängig machen. Die Firmung endet also mit dem Friedensgruß. Genauer genommen bist Du schon gefirmt, wenn er ihn ausspricht.

Der ganze Friedensgruß geht eigentlich nicht nur mit Worten. Am richtigsten geht er, wenn man sich dabei einen Friedenskuss gibt, etwa so harmlos, wie wenn man Freunde auf der Straße trifft. Um das nicht immer machen zu müssen, gibt man sich verschiedentlich nur die Hand. Wenn das auch nicht sein soll, dann schaut man seinem Gegenüber wenigstens richtig in die Augen. Übrigens: Friedensgruß ist nicht gleich Friedensgruß, weil Frieden auch nicht gleich Frieden ist. Es gibt zum Beispiel äußeren und inneren Frieden. Äußerer Friede ist schon, wenn keine Bomben fliegen, wenn nicht geschossen wird und wenn niemandem einem etwas tun will. Der innere Friede ist innen und kommt von innen. Es kann ein herrlicher, äußerer Friede herrschen und man kann innerlich doch ganz friedlos sein. Wir verlieren den inneren Frieden, wenn wir ein schlechtes Gewissen haben. Wir verlieren ihn, wenn Menschen, die wir lieb haben und nicht mehr mögen. Wir verlieren den inneren Frieden, wenn man nicht gut über uns spricht und unsere Person in ein schlechtes Licht rückt. Frieden ist also nicht gleich Frieden, und der Friedensgruß in der Kirche meint einen inneren, der aber nochmal ganz besonderes ist.

Als Jesus von seinen Jüngern Abschied nahm, sprach er von diesem ganz besonderen Frieden. Er sagte nämlich „meinen Frieden gebe ich euch“, und wer die Bibel und die kirchliche Auslegung kennt, der weiß, es war der Friede, den er am Kreuz mit der Welt geschlossen hat. Es war der Friede, den er immer schon hatte und nicht verlieren konnte: Die Beziehung der Liebe zwischen ihm und seinem Vater im Himmel. Das ist etwas ganz besonderes. Wie gesagt, Jesus hatte diesen Frieden, oder sagen wir ruhig, diese Harmonie mit seinem Vater im Himmel schon immer. Die Menschen und die Welt als ganze aber hatte diesen Frieden auf geheimnisvolle Weise verloren. Aus diesem Grunde ist er gekommen, genau diesen Frieden wieder zu stiften und zuerst seien Jüngern zuzusprechen. Diese waren dann und sind bis heute beauftragt, ihn in ihrer Predigt, vor allem aber in der Feier der Sakramente auf der ganzen Welt weiter zu geben. In diesem Frieden leben wir seit unserer Taufe und dieser Friede wurde Dir in Deiner Firmung wieder ganz neu zugesprochen.

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