Absolut und unbedingt

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Briefe an unseren Bufdi

Ich würde gern zwei Wörter aus dem Werkzeugkasten der Philosophen einführen. Das eine heißt „absolut“, das andere „unbedingt“. Beide Wörter werden oft auf der Straße gebraucht, allerdings etwas anders als bei den Philosophen. Auf der Straße meint „absolut“ so etwas wie ganz und gar. Absolut keine Lust heißt überhaupt keine. Absolut großartig meint besser gehts nicht. Am absolut Richtigen ist nichts Falsches. Das Wort unbedingt wird ähnlich verstanden. Wenn Du Dir unbedingt ein Auto kaufen musst, dann muss es sein, und keine Maus beißt den Faden ab. Antwortest Du auf die Frage, ob Du durstig bist mit: „Unbedingt“, dann kannst Du auch „absolut“ sagen und es kann nicht schnell genug mit was zu trinken gehen. Auf der Straße hält man es mit der Genauigkeit in der Regel nicht so genau, und es interessiert in den Gesprächen nicht, ob das Wort „Absolut“ mit dem lateinischen Herkommen übereinstimmt. Wenn Du „unbedingt!“ antwortest, dann meinst Du nicht, Dein Durst habe keine Bedingungen, die hat er nämlich.

In der Philosophie ist es etwas anders. Es würde einen auf die Finger geben, wenn wir in einem ernsten Gespräch mit „unbedingt“ nichts ohne Bedingungen meinen würden. Die Philosophen machen schon mal Substantive aus ihren Umschreibungen. Hier gibt es „das Unbedingte“ und „das Absolute“ als Arbeitstitel, wogegen man auf der Straße mit solchen Wörtern am besten erst gar nicht um die Ecke kommt, will man seine Gesprächspartner nicht verlieren. Die Leute laufen einem in der Regel davon, wenn man sie bittet, mit Ihnen über das Unbedingte und Absolute nachzudenken. Die Philosophen stehen im Ruf, viel Geld für etwas zu verdienen, das keiner braucht. Mit den Theologen ist es ähnlich. Nur das die sagen, wenn es das Absolute, dem sie den Titel Gott gegeben haben, wirklich gibt, dann ist die Frage nach ihm irgendwann mal die allerwichtigste. Auf der Straße geht es aber nie um das Allerwichtigste, sondern immer nur um das Allernächste. Solange man um seinen Arbeitsplatz bangt, einen die Freundin verlassen will oder es um die Gesundheit nicht zum Besten steht, sind die Fragen der Philosophie oder das Nachdenken über das ewige Schicksal ein Luxus, der, wenn überhaupt, später an der Reihe ist. Und irgendwas ist immer. Aufs normale Leben betrachtet heißt „jetzt nicht nötig“ gar nicht „nie der Reihe“, denn solange das Leben währt, drängen sich immer irgendwelche Problemlagen in den Vordergrund, und die eine gibt der nächsten die Klinke in die Hand.

Wir betreiben hier also unbedingten Luxus, wenn wir uns die Zeit nehmen, über das Absolute nachzudenken. Wie angedeutet, die gläubigen Leute geben dem Absoluten den Namen Gott, denn wirklich absolut kann immer nur eine einzige Sache sein. Um mit den Begriffen zu sprechen, die wir hier schon bemüht haben: Das Nichts wäre absolut, wenn es das geben könnte. Es wäre dann ja nicht nur ohne jede Möglichkeit, etwas hervor zu bringen, es wäre auch ohne jedes Herkommen.
Mit dem Sein als solchen ist es etwas anders. Entweder es kommt irgendwo her, wie die Gläubigen annehmen, und es fließt aus dem großen, unbekannten, Einen, oder es selbst ist absolut, wie mein atheistischer Freund behauptet: „Alles was ist, ist immer schon, einfach nur da und fertig.“

Bei den Gläubigen gibt es nun wiederum zwei Lager. Die Leute wie Plotin glauben, das Absolute ist als ein Neutrum zu behandeln und nicht ansprechbar, weil es, über jeden Geist erhaben, selbst kein Geist ist. Die anderen sind die, vom Absoluten glauben, es habe Verstand und Willen. Jeder kann sich entscheiden, was er für sein Leben annimmt oder versuchen, sich ein drittes auszudenken.

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