Das Eine oder ein Gott, der seinen Namen verdient

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Briefe an unseren Bufdi, Teil 3

Wir steuern auf die Frage zu, ob die Gottheit ein Jemand oder ein Etwas sei. Plotins philosophisches „erstes Prinzip“ ist nur ein Etwas, was immer es sonst noch sei. Die Logik sagt den Neuplatonikern lediglich, es muss eigentlich etwas geben, aus dem erst einmal das Geistige irgendwie, und dann alles andere, Verschiedene hervorgeht oder herausfließt. Das fließt dann mehrere Stufen nach unten, mit immer weniger Geist, bis hinunter zu den Steinen, die außer herumliegen nichts können. Und schon hat man die Welt erklärt.

Es gilt aber zu bedenken: Ein erstes Etwas, das Plotin an Stelle von Gott annimmt, kann man nicht anreden, es lohnt so wenig, wie wenn Kinder oder verrückte Erwachsene mit Bäumen sprechen. Was uns nicht anschaut, das brauchen wir nicht ansprechen, und, nebenbei bemerkt, anschauen ist mehr sehen oder gar glotzen. Kühe glotzen, mit ihnen lässt sich nicht verhandeln. Kühe brauchen eigentlich nur Impulse, dass sie nach links oder rechts auf die Wiese gehen. Fressen tun sie dann von selbst. Höher entwickelte Tiere haben schon eher was vom Sehen, wie Hunde etwa. Sie sehen die Fleischwurst und rennen hin, weil mit ihrem Blick eine Erkenntnis verbunden ist. Noch höher entwickelte Affen haben noch mehr Ähnlichkeit mit dem, was wir im Gegensatz zum Glotzen und Sehen das Schauen nennen. Gorillas lieben ihre Gorillafrauen und weinen um sie, wenn sie gejagt wurden.

Es gibt übrigens Leute, die der Ansicht sind, die höher entwickelten Primaten, wie Gorillas oder Orang Utans würden sich irgendwann auf die Stufe menschlichen Bewusstseins hangeln. Ich glaube das nicht, weil ich wirkliches Bewusstsein nicht für etwas halte, das sich einer Evolution verdanken kann. Aber hier beginnen die Streitereien und Grabenkämpfe, die wir hier nicht ausfechten brauchen. Wenn ein Affe vom Baum steigt und einen Urlaub plant, dann glaube ich mit Gilbert Chesterton eher an einen verzauberten Menschen mit Fell, als an einen ehemaligen Affen. Die Viecher haben außerdem Millionen Jahre Zeit gehabt, sich an unserer Seite mit Geist auszustatten.

Aber wie gesagt, auch Plotins Eine von ganz oben kann weder glotzen, noch sehen noch schauen. Es ist ein bisschen wie die Gottheit der sogenannten Deisten heute. Die glauben zwar, dass es ein höheres Wesen, von mir aus auch Gott genannt gibt. Sie glauben aber nicht, dass es lohnt, mit ihm Verhandlungen einzuleiten. Bei den Deisten gibt es entweder eine Gottheit, die sich nicht interessieren will, oder eine, die sich nicht interessieren kann. Mit beidem lässt sich nichts anfangen. Mein Stolz würde mir auch verbieten, überhaupt in diese Richtung zu sprechen. Eine Gottheit, die sich nicht um mich sorgt, kann mir gestohlen bleiben.

Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem so etwas wie Glauben oder nicht angezeigt ist. Plotin und seine Leute glaubten wirklich an das Eine, sie lebten in Zeiten, in den man sich von der Logik noch wirklich etwas sagen ließ. Seit der Epoche der Romantik hat man sich bei uns eher angewöhnt, das Gefühl entscheiden zu lassen. Du gesagt hast, Du würdest dem Verstande nach eher an was Höheres glauben. Und noch mehr, also an Gott glauben zu können, wäre vorteilhaft. Das hat mich beeindruckt, um ehrlich zu sein.

Um ehrlich zu bleiben, wir haben hier hier, wie gesagt, die Bühne des Glaubens betreten. Plotin glaubte. Er hatte aber nicht das Problem, sich für die Gottheit als Etwas oder Jemand entscheiden zu müssen. Wenn man so möchte, verbot ihm sein Glaube das Glauben an einen Gott, der seinen Namen verdient, einen mit Verstand und Willen also. Wenn es wissen willst und Du mich als Gläubigen fragst, dann empfehle ich, was ich immer empfehle: Den ersten Schuss ins Blaue. Zimmer kurz abschließen, auf den Boden knien und sagen: „Wenn Du Augen hast, dann sieh mich an, wenn Du Ohren hast, dann hör mir zu, wenn Du etwas tun kannst, dann mach etwas und wenn Du mich überzeugst, dann bin ich dabei.“ Wenn Du das ein einziges Mal mit der Kraft Deiner aufrichtigen Person aussprichst, dann liegt der Ball im Spielfeld des Gegners und er muss ihn treten. Wenn da kein Spielfeld ist, dann verpufft Dein Spruch ins Eine oder Nichts und Du hast nichts verloren. Du aber hast, um mit Karl May zu sprechen, getan, was ein Mann tun muss. Ein Philosoph kann Dir da nicht weiter helfen. Er kann aber weiter drüber reden. Wenn Du Lust hast, tun wir das, obgleich ich sagen muss, dass ich eigentlich gar kein Philosoph bin, kein ganzer jedenfalls.

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