Wie jetzt, ein Märtyrer??

Bildschirmfoto 2016-09-06 um 15.09.42

Wegen dieses eigentümlichen, türkischen Comics war gestern im trauten Kreis vom Matyrium die Rede. Ich habe ab einem gewissen Punkt die Taktik verfolgt, die sich schon öfter vor Schulklassen bewährt hat: Werden sie lauter, werde ich am liebsten leiser.
Deshalb reiche ich jetzt kurz nach, was gestern vielleicht zu sagen gewesen wäre.
Zu dem Comic: Die türkisch gesteuerte Ditip hat ein Comic heraus gegeben, von dem ich nur eine Seite sehen konnte. Hübsch, niedlich anzusehen und im trauten Kreis redet ein Vater mit seinem Sohn von seiner Sehnsucht ein Märtyrer zu sein. Der Sohn fragt nach, und der Vater sagt, natürlich wäre er gern ein Märtyrer. Wer wolle schon nicht gern ins Paradies.
Das Ding zeigt von Anfang an, wie hier die Meinungen auseinander gehen, was die christliche und hier als muslimisch dargestellte Meinung zum Martyrium angeht. Der christliche Märtyrer will nämlich vor allem eins nicht. Er will kein Märtyrer werden. Oder anders auf den Punkt gebracht: Der christliche Märtyrer will nicht sterben. Er muss wohl, er will aber nicht.
Zugegeben, es hat Christen, auch berühmte gegeben, die sich nach dem Martyrium gesehnt haben. Der heilige Antonius zum Beispiel. Er bekehrte sich von einem bequemen uns ausgesorgten Priesterleben zur ernst gemeinten, als man fünf Särge von Opfern aus der franziskanischen Mission unter den Muslimen an seinem Fenster vorbei trug. Er zog los, es ihnen gleich zu tun, und Gott verhinderte alles. Vielmehr sorgte er dafür, dass aus dem verrückten, jungen Anton ein gescheiter Erneuerer der franziskanischen Idee wurde. Sein Liebesdrang zum Martyrium war wohl unter jugendlichem Leichtsinn zu verbuchen.

Ansonsten gilt, was gesagt ist: Für das christliche Matyrium gibt es drei Kriterien, die erfüllt sein müssen. Das erste versteht sich von selbst, er muss ein Mensch christlichen Glaubens sein. Das zweite ergibt sich: Man muss von ihm verlangen, etwas zu tun oder zu lassen, was mit seinem Glauben nicht geht. Die Klassiker: Er muss, um weiter leben zu können, anderen Göttern huldigen, seinem Glauben abschwören oder sonst etwas tun, was diesen oder dessen Grundsätze verrät. Wenn er das verweigert und deswegen umgebracht wird, dann ist er ein Märtyrer, und zwar einer, der gegen seinen Willen stirbt. Wer in die Flammen springt, ist kein Märtyrer, sondern ein Selbstmörder. Wer andere mitreißt, der ist ein Verbrecher. Wer in den Krieg zieht, um Märtyrer zu werden, der geht aus den falschen Günden.

Pater Maximilian Kolbe starb im KZ den grausamen Tod, damit ein Mitgefangener überleben konnte, was er auch tat. Als der Papst ihn als Märtyrer heilig sprach, ging eine gewisse Welle des Zweifels durch die Reihen der Kundigen. „War er überhaupt ein Märtyrer des Glaubens, wenn dieser gar nicht zur Debatte stand?“ Der Papst beendete die Debatte und erklärte den Ordensmann als Märtyrer der Nächstenliebe. Kann man machen. Besonders ein Papst. Eine gewisse Nachfrage ist wohl aber geblieben bei denen, die es gern etwas genauer haben. Vielleicht so, wie bei ihnen wohl auch die Frage offen bleibt, wie wohl sich die kleine Therese jetzt wohl in den Reihen der großen, gelehrten Kirchenlehrer fühlen mag.
Also, was mich angeht, kann ich den Wunsch des türkischen Helden nicht teilen und finde ihn, gelinde gesagt, eher verrückt. Aber, ehrlich gesagt, teile ich ja schon seinen Wunsch nicht, ins Paradies der Muslime zu kommen. Das wäre mir nun wirklich etwas zu wenig.

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