Was die Liebe tut

Bildschirmfoto 2016-05-23 um 13.30.11

Briefe an meinen Doktor

Wenn die Liebe ein Gefühl ist, dann wohl eins, das sich sehr verschieden anfühlt. Deshalb würde ich mich gern über den bleibenden, gefühlten Kern in in ihr belehren lassen. Bis das geschieht, bleibe ich lieber bei meiner Annahme, nach der die Liebe eher so etwas wie eine entschlossene Haltung genannt werden kann. Vielleicht ist sie auch eine Kraft der Vereinigung, wie Dionysius Areopagita zitiert wird.
Ich merke aber, dass ich mir durch mein Versteifen auf die ontologische Frage selbst ein Bein gestellt habe. Niemand kann sagen, was die Liebe ist. Die Bibel verschiebt das Problem lediglich einen Schritt weiter, wenn im Johannesbrief zu lesen steht, Gott sei Liebe. Es ist, wie wenn wir sagen, Gott sei Reichtum, Macht und Barmherzigkeit. Es erklärt uns Gott ein wenig, nicht aber die Eigenschaften selbst.

Man kann nicht sagen, was die Liebe ist, man muss aber sagen, was sie tut. Damit öffnet sich wieder das Feld ins Unendliche. Wenn wir etwas aus Liebe tun, dann tut das ja wohl auch die Liebe selbst. Romano Gurardini stand in seinem tiefen Denken oft staunend und sprachlos vor der Tatsache, dass der Gott der Himmel sich für die Menschen hingibt. Je länger man darüber nachzudenken sich traut, desto unglaublicher wird es. Die Muslime meiner Umgebung, die sich überhaupt weigern, Gedanken über Gott anzustellen, sagen schlicht, das Opfer aus Liebe sei nicht wahr, ihr Prophet habe das klargestellt. Denen reicht das. Eine Tatsache, mit der ich übrigens mit dem gleichen Staunen stehe, wie Guardini vor der Menschwerdung.

Guardini redete also mit einem Freund darüber und als er das Unglaubliche, das doch zu glauben ist, aussprach, sagte dieser: „Es ist die Liebe, die solches tut.“

Nicht nur hier, im ganz Großen, tut die Liebe Unglaubliches. Auch im Kleinen, auch in unserer täglichen Welt der halben Meter. Die Liebe macht Professoren zu Spielkindern und aus Kindern werden Helden der Tapferkeit. Maria Goretti hat sich ihrem Vergewaltiger nicht aus Prüderie verweigert, sondern aus kindlicher Liebe. Sie wollte ihren Herrn, den sie so lieb hatte, nicht traurig machen. Die Liebe macht wichtig und schenkt allem Bedeutung. Sie lässt einen einzigen, vielleicht ganz kleinen Menschen hören, er sei unter allen sonst, die je lebten und gelebt haben, der einzige und wichtigste.

Die Liebe ist also der große Möglichmacher und das Ende aller Erklärungen. Es lässt sich fragen, warum man lernen muss. Man kann fragen, warum überhaupt Essen und trinken. Warum zum Teufel, man aber lieben soll, ist schon keine Frage mehr. Die Liebe hat keine Zwecke, aber allen Sinn in sich, um noch mal einem Gedanken Guardinis die Ehre zu geben. Man muss also kein Christ sein, um dem heiligen Paulus zuzustimmen: „Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke.“

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