Das Siegel

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Eine Firmkatechese, Teil 8

Einmal habe ich bei einer Familienfeier mit einem Kommunionkind gesprochen. Es war noch ganz begeistert von der Feierlichkeit des Gottesdienstes und voller guter Stimmung. Ich sagte beiläufig, „ist das nicht schön? Jetzt kannst Du immer in der Messe die heilige Kommunion empfangen.“ Es schaute mich mit großen Augen erstaunt und erfreut zugleich an und fragte: „Wie, ich darf noch mal?!“ Da ging mir auf, dass es in einem entscheidenden Augenblick seiner Vorbereitung vermutlich nicht aufgepasst hatte. Wie Du weißt, stimmt es aber, wer einmal zur Kommunion gegangen ist, kann immer gehen, wenn er möchte.

Wir haben sieben Sakramente. Vier davon kann man mehrmals empfangen, drei von ihnen nur einmal. Man kann nur einmal getauft werden, die Priester können nur einmal geweiht werden und Firmung gibt es auch nur eine. Zur Beichte und zur Kommunion kann man oft gehen, heiraten kann man auch mehrmals, wenn er Ehepartner gestorben ist und die Krankensalbung kann man auch öfter bekommenMan kann ja öfter krank werden kann. Aber wer einmal getauft ist, der ist für immer getauft, wer die Firmung bekommen hat, ist für immer gefirmt und wer Priester wurde, der bleibt es bis in alle Ewigkeit. Für diejenigen Sakramente, die nur einmal gespendet werden können, hat die Kirche ein besonderes, altes Wort. Sie sagt, in diesen Sakramenten wird dem Empfänger ein Siegel ins Herz gegeben.

„Sei besiegelt mit der Gabe Gottes, dem Heiligen Geist!“, hat der Bischof gesagt, als er Dir die Firmung spendete, und damit hat er ein altes, festliches Wort benutzt. Siegel werden verwendet, wenn es feierlich zugeht. Wichtige Urkunden werden besiegelt oder Briefe, die besondere Bedeutung haben. Die tragen dann diese großen, roten, runden Flecke aus hartem Wachs, in das ein Siegelring gedrückt wurde, als er noch weich war. Das Besondere an Siegeln ist, dass sie endgültig sind. Sie prägen für immer oder ein für alle mal, wie man sagt. Was besiegelt ist, das kann keinen anderen Stempel mehr bekommen, das Wachs ist ja hart, und die Besiegelung kann nicht mehr rückgängig machen. Knetgummi kann man, so oft man will neu formen. Siegel kann man nur brechen, dann sind sie aber hin.

Staatsbürgerschaften kann man ändern, man kann aber nicht aufhören, das Kind seines Vaters und seiner Mutter zu sein. Die Taufe ist also etwas Bleibendes, mit dem ein ganz neues Leben anfängt. In der Taufe wird aus einer Evas Tochter ein Kind Gottes. Auch das ist ein Siegel und bleibt eine Prägung des Herzen. Was die Taufe anbelangt, können wir sogar sagen, dass auch Gott uns von ganzem Herzen an sein Herz drückt und für immer dort einen Platz für uns bereit hält.

In der Firmung, der zweiten Besiegelung wird die Taufe vollendet. Um wieder mit dem Wortschatz des Lebens zu sprechen, In der Taufe wird man als Kind bei Gott geboren, in der Firmung wird man im Glauben erwachsen.

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4 Kommentare zu “Das Siegel

  1. Vor meiner Taufe – da war ich schon erwachsen – fragte ich den Priester nach der Firmung. Er erklärte mir das Sakrament, und auch, daß es üblicherweise bei einer Erwachsenentaufe gleich nach der Taufe gespendet wird.
    Ich bat (sehr zu seinem Erstaunen), die Firmung später zu empfangen. Denn ich war mir ganz – sicher: Taufe verstand ich – Firmung noch nicht.
    Ich wurde ein Jahr später zusammen mit anderen Erwachsenen gefirmt. Ich muss gestehen, so ganz hatte ich das Sakrament immer noch nicht verstanden – aber der Heilige Geist hat dafür gesorgt, daß ich es später verstand.

  2. @Claudia: Das ist der Grund, aus dem meine Mutter mich bat, einmal eine Katechese zur Firmung zu versuchen: Man kann eigentlich nicht oft genug drüber reden und, wenn möglich im Geiste, nachdenken.

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