Die Burka und meine Wenigkeit

Bildschirmfoto 2016-08-16 um 14.07.08

Als Christ katholischer Sortierung wünsche ich mir für die Gesellschaft, in der ich lebe, dass meinen geistlichen Brüdern und Schwestern gestattet sei, sich für ihre Kleidung in Stil und Farbe frei zu entscheiden. Somit möge ihnen erlaubt sein, auch ihr geistliches Gewand zu tragen, um der Welt demonstrieren zu können, was sie ausmacht, was sie bewegt und was sie weitergeben möchten an alle, die das wünschen.

Das bedeutet, dass ich mir in ähnlicher Weise möchte, auch den Muslimen unserer Gesellschaft möge gestattet sein, auf ihre Weise durch ihre Kleidung auszudrücken, was auszudrücken ihr Wunsch ist. Eine Gesellschaft, die wünscht oder gestattet, dass Menschen fremder Religionen in ihr leben, muss auch gestatten, dass diese ihre Religion im Rahmen des allgemein üblichen zu praktizieren. Das gilt unabhängig von Mehr- oder Minderheiten.

Mit der Burka aber hat es etwas anderes auf sich. Ob sie verboten wird oder nicht, sei dahin gestellt. Aber jeder kann für sich entscheiden, wie er reagiert. Nicht auf das Verbot (oder auch nicht), sondern wenn eine Burka auf ihn zu marschiert.

Wenn überhaupt ein Mensch auf uns zukommt, dann können wir nicht sagen, da kommt ein Ding oder ein Etwas. Menschen sind keine Dinge, Menschen sind Personen, und Personen haben ein Recht, wie Personen behandelt zu werden. Personen haben ein Rechte. Sie müssen gefragt werden, wenn man etwas mit ihnen vorhat. Sie müssen zustimmen, und das ohne irgendeinen Zwang. Personen sind Adressaten von Ansprachen, Blicken, Wohltaten und deren Gegenteile.
Was aber ist, wenn jemand sich bewusst, gezwungen oder in aller Freiwilligkeit zeigt, als wäre er keine Person? Was, wenn ein Jemand bewusst als ein Ding daher kommt?
Jetzt kann jeder sagen, ganz gleich, wie jemand sich kleidet, er ist ein Jemand und bleibt ein Jemand. Geschenkt. Ich bestehe schließlich auch darauf, dass debile Menschen, Kleinkinder und Ungeborene als Mitglieder der Menschenfamilie anerkannt und geschützt werden. Hier haben wir es aber mit einer eklatanten Ausnahme zu tun.

Was man sehen kann, ist wichtig

Wenn ein Mensch aus Scham oder sonstiger Gründe Teile seines Körpers per Kleidungsstück verdeckt, dann hat er ein Recht, behandelt zu werden, als gebe es diese nicht. Verdeckt eine Frau Teile ihres Körpers, weil sie nicht von jedermann gesehen werden sollen, dann hat sie ein Recht darauf, dass Jedermann sich nicht dafür interessiere und forsche, was drunter ist. Das ist der Rahmen des schlichten Anstandes. Es gibt ein Recht derer, die sich schützen wollen, dass nicht alle Welt sie mit den Augen und den Auswüchsen seiner Fantasie entkleidet. Das gilt für Männer, wie für Frauen, für Kinder und alle Mitglieder der Menschenfamilie. Im Gespräch, und überhaupt im Umgang sollte nicht vorwitzig die Rede sein von jenen Teilen des Leibes, die durch die Kleidung unzugänglich gemacht werden. Es ist unanständig, wenn jemand vorwitzig fragt, was ein anderer unter seiner Kleidung verbirgt. Ausnahmen mögen enge Freunde sein, Mitglieder der Familie oder sonstige Schutzbeauftragte.

Weiten wir die Regel aus, dann möchte ein Mensch hinter der Burka nicht, dass man sein Gesicht sieht. Auch das mag sein gutes Recht sein, wenn das Recht ihm das einräumt. Was mich angeht, führt es aber zu Konsequenzen.

Mit dem Gesicht hat es etwas anderes auf sich als mit allen anderen Körperteilen sonst. Betrachten wir einen Fuß, dann schauen wir uns einen Fuß an. Sehen wir eine Hand, dann sehen wir eine Hand. Schauen wir aber jemandem ins Gesicht, oder schöner gesagt, ins Antlitz, dann betrachten wir ihn, den ganzen Menschen; sein Herz, wie die Alten es nannten. Jemand, der voll verkleidet durch die Straßen läuft, und die Augen einzig freilässt, damit er nicht umfällt, tut damit kund, als Person und ganzer Mensch nicht betrachtet und gesehen zu werden. Er tut mit seiner Kleidung kund, dass er als ganzer Mensch nicht an der Welt teilhaben will, in der er lebt. Ich möchte nicht gebeten werden, das verstehen zu wollen. Aber ich fühle mich gehalten, auch das zu akzeptieren, was mir nicht in den Kopf will. Wie dem auch sei. Kommt eine Burka auf mich zu, gestatte ich mir, mit dem Menschen darunter nicht eher zu sprechen, bis er bereit ist, mir sein Antlitz zu zeigen. Wer nicht als Mensch vor mir erscheinen will, der will sicher auch nicht, dass ich ihn als solchen einordne und behandle. Daher ist meine Entscheidung viel weniger eine Sache des Trotzes, als eine der Anerkennung dessen, was ich als seinen Wunsch vermute.

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