Die Sache mit der Freiwilligkeit

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Kateches zur Firmung, Teil 7

Einen Namen auszusprechen ist nicht immer das selbe. Man kann das zum Beispiel beiläufig tun. Jemand liest eine Klassenliste vor, Dein Name fällt irgendwann, wenn Dein erster Buchstabe an der Reihe ist. Es wird schlicht festgestellt, ob alle da sind. Ein kurzer Blick reicht. Ansonsten kannst Du da sitzen und musst nichts weiter tun. Etwas anderes ist es, wenn mit dem Nennen Deines Namens Deine Aufmerksamkeit gefragt ist, etwa, wenn Du etwas aufsagen musst. Du musst aufpassen und, wie man sagt, ganz helle sein. Als der Bischof Deinen Namen nannte, da war das auch so. Das Nennen Deines Namens war alles andere als beiläufig, schließlich solltest Du ein Sakrament empfangen.

Mit den Sakramenten in der Kirche müssen nämlich zwei Sachen gegeben sein. Erstens muss der Empfänger wissen, was sie bedeuten und zweitens muss er sie wirklich wollen. Ein gutes Beispiel ist das Sakrament der Ehe. Auch hier gilt, was wir zuvor sagten und was bei allen Sakramenten der Fall ist: Gott allein kann sie bewirken. Es gibt Dinge, die nur aus göttlicher Macht geschehen können. Kein Mensch vermag das. Gott schafft das Sakrament. Er tut es aber nur, wenn die Empfänger es wollen. Wenn einer der Partner „Ja“ sagt und „Nein“ dabei denkt, dann kommt keine Ehe zustande.
Gott überfällt seine Kinder nicht. Wenn sie ihn nicht wollen, dann bleibt er draußen. Wenn sie nicht wünschen, dass er ihnen hilft, dann geht er ein Haus weiter, zu denen, die möchten.
„Was willst du, was ich dir tun soll?“, fragt Jesus den Bartimäus bevor ihn heilt. Hättest Du es Dir vor dem Altar anders überlegt, hättest Du Dich umgedreht und mir gesagt, Du wolltest lieber doch noch nicht, wir wären gegangen und niemand hätte Dir böse sein können. Damit die Kandidaten das können, müssen sie im Augenblick der Firmung ganz wach, aufmerksam und, wie man sagt, ganz da sein. Mit dem Nennen Deines Namens in der Kirche bist Du immer ganz gefragt und angesprochen.
Als der Engel Gabirel zu Maria kam, um ihr die Empfängnis Jesu zu verkündigen, da sprach er mit ihr. Sie fragte nach und es gab ein kurzes Gespräch. Dann, als alle Fragen ausgeräumt waren, sprach Maria das entscheidende Wort. „Mir geschehe nach Deinem Wort.“ Die gesamte Geschichte der Erlösung der Welt hing an diesem Jawort, das Maria aus freien Stücken sprechen musste. Unter Drogen, oder bei sonst irgendwelchen Vernebelungen des Verstandes, unter Zwang und in Angst können keine Sakramente gespendet werden, weil der Schöpfer seine Kinder ernst nimmt. Wenn Babys zur Taufe noch nicht ja sagen können, dann tun das die Eltern an ihrer Stelle, wie sie auch an ihrer Stelle entscheiden, auf welche Schule sie gehen. In der Kirche sollte man also wissen, was man will.

Du bist jetzt gefirmt und an jedem Osterfest, wenn die Katholiken zur Kirche gehen, erneuern sie diesen Bund der Sakramente, der Taufbund genannt wird. Auch da kann man vorher ruhig mal einen Moment in sich gehen und sich fragen, ob man das alles überhaupt noch will. Nur, wenn man mit seiner gesamten, nüchternen Persönlichkeit sein Ja sagen kann, dann sollte man hingehen und es mit Freuden tun.

Jesus hat zu seinen Jüngern gesagt: „Ich nenne Euch nicht mehr Knechte, sondern Feunde habe ich Euch genannt.“ Damit ist klar, was gemeint ist. Diener und Knechte werden nicht gefragt, wenn der Hausherr etwas mit ihnen anstellen will. Freunde muss man fragen und Freunde müssen aus freien Stücken zustimmen können. Die Christen nennen sich zwar Gottes Diener, sie sind aber welche, die jederzeit aus dem Dienst ausscheiden können, sie müssen nur wollen. 
Übrigens: Man kann eine Sache nur dann wirklich wollen, wenn man sie kennt. Auch das gilt besonders für die Sakramente.

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