Die Sache mit dem guten Willen

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Katechetische Briefe zur Firmung, Nr. 6

Gestatte mir einen kleinen Einschub. Wenn immer gesagt wird, die Menschen guten Willens bräuchten sich vor Gott nicht fürchten, dann kommt irgendwann die Frage, was die Einschränkung mit dem „guten Willen soll“. Nun, die Einschränkung ist aus der Bibel, und wer zu Weihnachten in die Kirche geht oder in der Schrift liest, der wird sie kennen. Als Jesus geboren wurde haben die Engel gesungen:

Ehre sei Gott in der Höhe
und Friede den Menschen guten Willens.

Man kann also fragen, ob nicht doch irgendwie alle Menschen gemeint sind. In den Kirchen wird oft gesagt, Gott hat alle Menschen lieb und niemand muss sich fürchten. Das stimmt. Es ist aber kein Widerspruch.
Im letzten Gedanken hatte ich gesagt, in Gott kommen die Macht und die Liebe zusammen. Die Macht muss dann aber eine sein, die auch gerecht ist. Man kann sagen, die Gerechtigkeit Gottes ist die Liebe, die alles wieder in Ordnung bringt, denn gerecht sein, heißt, für eine gute Ordnung sorgen.
Wenn nun jemand ungerecht ist und seinen armen Nachbarn wegnimmt, was ihnen zusteht, dann wird die Gerechtigkeit des Königs das auf die Dauer nicht durchgehen lassen. Er würde sich ja auf die Seite der Ungerechtigkeit schlagen. Der Ungerechte muss auf die Dauer also damit rechnen, dass ihm sein ungerechter Reichtum genommen wird. Das geschieht vielleicht mit sanfter Gewalt, aber auch sanfte Gewalt ist gewaltig.

Ich weiß, in den Kirchen hört man nicht viel davon, weil man dann so lange erklären und erläutern muss. Viele haben es auch nicht gern, wenn von den Forderungen der Gerechtigkeit gesprochen wird. Es ist aber nunmal so, dass die Leidenden immer zu kurz kommen, wenn verschwiegen wird, was sie erlitten. Deshalb sollten die Sätze der Schrift auch ganz gelesen und erklärt werden.

Wo wir von der gerechten Seite der Liebe sprechen, da können wir auch eine andere Seite erwähnen. Es gibt nämlich nicht nur die gerechte, sondern auch eine, die über die Gerechtigkeit weit hinaus geht, und das ist die freigiebige. Wenn eine Mutter ihrem Kind immer nur gibt, was ihm zusteht, dann ist das irgendwie zu wenig. Wenn mein Vater früher von seinen kleinen Reisen nach Hause kam, dann brachte er uns Kindern immer etwas mit. Wir wussten nie, was es ist, wir wussten aber immer, er kommt mit herrlichen, kleinen Geschenken. Das musste er nicht tun, die Geschenke standen uns nicht zu, wir hatten kein Recht, so beschenkt zu werden. Unser Vater tat das einfach nur, weil er es wollte, und das übersteigt die Gerechtigkeit. Leute, die nur gerecht sind, die sind auf die Dauer nicht gut zu ertragen. Sie machen zwar irgendwie alles richtig und werden wegen ihres guten Willens auch nichts zu fürchten haben. Aber zum wirklichen Liebhaben reicht das nicht, und so ist es auch mit dem Gott, von dem uns die Kirche erzählt.

Ich erinnere mich noch an die Umzüge zu St. Martin in Eurer Gemeinde früher. Die Kinder wurden eingeladen, mit Fackeln und Laternen hinter dem heiligen Martin zu marschieren. Am Ende wurde die Geschichte nachgespielt und es gab Leckereien für alle. Das Fest wird seit alten Tagen überall gespielt, damit die Kinder die Güte der Heiligen an einem konkreten Beispiel lernen konnten. Wenn man so möchte, war das jedesmal wie eine gespielte Unterrichtsstunde. Die Kinder konnten sehen, hören und erleben, wie gütig die Güte ist. Sie sollten die Liebenswürdigkeit unserer Heiligen kennenlernen und vor allem verstehen, dass durch ihre Güte eigentlich die Güte ihres Gottes zu bestaunen war. Das ist übrigens immer so gemeint. Die Heiligen sind zwar selber wie sie sind. Sie sind zugleich aber auch wie eine Art Hinweisschild. Schilder zeigen nie auf sich selbst, sondern weisen immer in eine Richtung von ihnen weg. Wir halten nicht vor dem Schild, auf dem Krankenhaus steht, wir fahren weiter, bis wir sind, wo wir hin wollten. So zeigen die Heiligen auch nicht nur auf sich selbst, sondern auf den, in dessen Namen sie unterwegs sind.

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