Der Name und der gute Blick

Bildschirmfoto 2016-07-01 um 08.58.08

Briefe zur Firmung, Teil 5

Erinnerst Du Dich, was der Bischof als erstes tat, als er in der Kirche vor Dir stand? Er hat Dich angelächelt und wollte wissen, wie Du heißt. Dann hat er laut und für alle vernehmlich Deinen Namen gesagt. Das scheint ganz gewöhnlich. Schließlich kann es sein, dass man tagtäglich und überall nach seinem Namen gefragt wird. In den Riten der Kirche gibt es aber nichts beiläufiges. Alles macht Sinn und alles ist von Bedeutung.

Ein Name ist mehr als nur ein Name. Auf den ersten Blick könnte man meinen, ein Name ist nur dazu da, uns von anderen zu unterscheiden. Wenn zehn Mädchen an der Bushaltestelle steht und jemand einen Namen ruft, dann meldet sich nur die eine, die diesen Namen hat. Es ist wie wenn man „die dritte von links“ ruft, nur kann man sich beim Nennen des Namens das Durchzählen sparen. Namen sind Kennzeichen zur schnelleren Unterscheidung. Namen sind aber noch viel mehr.

Früher gab es Gegenden, in denen man den Tieren im Stall keine Namen geben durfte, die auch Menschen hatten, weil Menschen keine Tiere sind und Tiere keine Menschen. Menschen sind etwas Besonderes, weil jeder Mensch besonders ist. Menschen sind völlig unverwechselbar. Es gibt Milliarden von Menschen auf der Erde, aber keiner ist wie Du. Wäre das nicht so, dann könntest Du keine allerbeste Freundin haben. Wenn die Menschen austauschbar wären, dann könntest Du nich zu einem Menschen sagen, dass Du nur ihn am allerliebsten hast. Aber genau darin erst kann man einem Menschen wirklich gerecht werden, indem man das ganz Besondere schätzt, das, was nur ihn ausmacht.

Wenn den Menschen in den Gefängnissen ihre Namen genommen werden und nur noch Nummern sind, dann nimmt man ihnen das Allerwichtigste, ihr Personsein, ihr ganz besonders sein, ihre Unverwechselbarkeit. Teile mit Nummern kann man austauschen. Wenn man den Menschen ihre Namen nimmt, dann spricht man ihnen ihr Menschsein ab. Das genaue Gegenteil ist in der Kirche der Fall. Hier wirst Du bei ganz wichtigen Ereignissen bei Deinem Namen gerufen und ganz ernst genommen, mit Deiner ganzen Geschichte, Deinem Herkommen und Deinem Schicksal, das im Licht Gottes steht.
Apropos: Der Bischof spricht in der Kirche im Namen Gottes, der ja, wie gesagt, das Eigentliche tut. Wenn der Bischof Dich ruft, dann kannst Du wissen, er ruft Dich im Namen Gottes. Wenn sein Blick Dich trifft, dann soll das ein Zeichen dafür sein, dass Gottes Blick auf Dir ruht, und das ganz persönlich.

Es gibt allerdings solche Blicke und solche. Es gibt Blicke, die verstören einen. Es gibt Blicke, die lächeln und Blicke, die Angst machen. Man kann angeblickt werden und gleich spüren, dass uns da jemand verachtet. Man kann aber auch einem Blick begegnen, der es gut mit uns meint. Der Blick Gottes in der Kirche ist ein guter Blick. Da schaut jemand, der Dich ganz persönlich sieht, kennt und will. Da blickt Dich jemand an, in dem die Liebenswürdigkeit und Macht zusammentreffen. Weißt Du, in unserer Welt ist die Liebe oft nicht mächtig und die Macht oft nicht lieb. Bei Gott kommt beides zusammen, die Liebe und die Fülle der Macht. Deshalb brauchen die Menschen guten Willens sich nicht fürchten, im Gegenteil: Der Tag der Firmung ist der Tag, an dem der König Geschenke verteilt. Welche das sind, darüber sollten wir noch einmal nachdenken.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s