Das Leiden des Liebenden

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Kleine Firmkatechese, Teil 4

Wusstest Du? Man kann mit wenigen Worten viel sagen. „Reich mir bitte mal den Zucker“ ist ein Satz mit sechs Worten. Er sagt nicht viel, außer, dass Du den Zucker willst und Hilfe gebrauchen kannst. „Ich liebe Dich“, sind nur die Hälfte Wörter, sie sagen aber viel mehr. Sie beschreiben gleich das Herz eines Menschen. Man muss nicht viele Worte machen, um ganz viel zu sagen, und man kann lange reden führen und völlig nichts sagend dabei bleiben. Es gibt sogar Leute, die verstecken, dass sie nichts sagen wollen hinter vielen Worten. Wir haben hier bisher noch nicht viele Worte gesagt, aber ein Wort sagt dennoch besonders viel. Es lautet „Gott hat zu den Menschen gesprochen.“
Ich hatte mal einen muslimischen Freund, der Jimi hieß, und den ich immer gern als Beispiel anführe. Kennst Du das? Er war lieb und rabiat zugleich. Er haute auf den Tisch und sagte mit ganz wenigen Worten immer alles, was er meinte. Eines Tages haute er auf den Tisch und rief: „Gott spricht nicht!“ Er als der Moslem, der er war, glaubte, Gott sei so weit weg und erhaben über die Welt, dass er es nicht nötig habe, mit ihr zu sprechen. Das sei unter seinem Niveau, wie es unter dem Niveau einer Baronin ist, mit ihren Stallburschen zu reden. Jimi, als der Muslim, der er war, sagte, ein Engel habe den Koran diktiert. Das ist die eine Sorte Gläubige.

Dann gibt es noch solche, die glauben zwar an Gott, reden aber immer von einem „höheren Wesen“. Gott habe die Welt zwar ins Leben gerufen, sie dann aber allein laufen lassen. Die Leute von Opel rennen auch nicht hinter den Autos her, die sie verkaufen. Ob sie fahren, im Graben landen oder ob der Sprit zu Ende geht, kümmert sie nicht mehr. Auch das gibt es: Leute, die an einen unpersönlichen Gott glauben, der sich um die Welt nicht schert. Und wenn er das nicht tut, brauchen sie ihn auch nicht weiter suchen. Was interessiert ein Gott, der sich nicht interessiert.

Unsere großen Brüder im Glauben, die Juden haben schon Jahrhunderte vor Christus in einem Gebet den erstaunten Ausruf in die Bibel geschrieben: „Was ist der Mensch, dass Du Dich seiner annimmst!“ Das klingt, wie: „Das darf doch nicht wahr sein und ist es doch!“ Gott kümmert sich um seine kleinen Kinder! Das ist ein Ausruf von aller höchster Bedeutung. Gott spricht zur Welt. Er ist so erhaben und sich doch nicht zu schade. Die Baronin bietet dem Stalljungen das Du an!

Der Glaube der Christen setzt dem Ganzen noch die Krone auf, denn Jesus sagt selber von sich: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn dahin gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen.“ Wir sagen das immer so daher, sitzen dabei in der Kirchenbank und denken an den Sonntagsbraten. Aber was das gesagt ist, das ist der Hammer der gesamten Religionsgeschichte. Die Heiligen der Geschichte haben um diesen Satz schon ganze Ströme von Tränen der Rührung und des Erstaunens vergossen. Die Skeptiker sagen: „Wie schön, wenn ich das glauben könnte“, und die Sonntagschristen sind gelangweilt. Das soll jetzt kein Meckern sein, vielmehr ein Vorschlag, sich das Staunen im Glauben zu bewahren. Gott hat sich also als einer gezeigt, der uns liebt, und wenn man liebt, dann ist man immer auch ausgeliefert. Man hängt ja daran, dass der Geliebte einen wieder liebt und nicht verletzt. Die lieblose Seite der Welt hat den Liebenden Jesus aber verletzt, ja sogar umgebracht. Aber das Leiden des liebenden Jesus wurde zur Quelle, aus der jetzt immer noch die Sakramente, auch Deine Firmung, fließen.
Das ist sehr geheimnisvoll. Bei Kindern erzähle ich ganz gern ein Beispiel: Eine Schulklasse hat Dummheiten gemacht. Alle werden verdonnert, den Nachmittag über nachzusitzen. Für alle bedeutet das, kein Freibad, kein Ballspielen in der Sonne, kein Schwimmen im kühlen Wasser. Statt dessen in der Schule sitzen und Vokabeln lernen. Dann meldet sich der Klassensprecher und macht einen Deal, mit der Lehrerin: Er brummt allein etwas länger, dafür dürfen die anderen gehen. Die Lehrerin lässt sich darauf ein. So wird das Absitzen zur Möglichkeit, ja geradezu zur Währung, mit der das Vergnügen seiner Mitschüler ermöglicht wird. Wenn wir genauer hinschauen, haben alle letztendlich eine Freude. Die Schüler können ihren Spaß haben und der Klassensprecher freut sich, auch wenn er absitzt, dass seine Mitschüler frei sind. Wenn man etwas aus Liebe macht, haben am Ende immer alle etwas davon.

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