Von den Worten und ihrer Wirkung

Bildschirmfoto 2016-07-01 um 08.58.08

Briefen an mein Formpatenkind, Nr. 3

Ich muss unsere Sache ein bisschen einschränken. Es gibt nämlich viel Unsichtbares zwischen Himmel und Erde und in der menschlichen Welt.

Vorgestern abend habe ich mit einer Studentin, die Philosophin werden will, über das menschliche Sprechen geredet. Sie hatte nämlich noch gar nicht darüber nachgedacht, dass unser Sprechen manchmal viel mehr ist, als über etwas reden oder einander zu informieren. Wir können mit unseren Worten nämlich unsichtbare Dinge bewirken. Wenn Dein Bruder Dir auf Deine Frage hin sagt, wo Deine Socken liegen, dann gibt er Dir nur eine Information. Wenn er Dir aber verspricht, sie Dir zu bringen, dann stellt er sich, wie es heißt, ins Wort und bindet sich damit. Das heißt, Du kannst von ihm verlangen, dass er es auch tut.
Wenn Du Deiner Klassenkameradin sagst, dass sie gut aussieht, dann schmeichelst Du ihr und bewirkst, dass sie sich freut. Versprichst Du ihr aber, dass sie ab heute Deine Freundin ist, dann machst Du aus zwei Mädchen Freunde, vorausgesetzt, sie möchte das auch. Da hängt dann allerdings gleich mit dran, dass man einander treu und ehrlich ist, daran hängt, dass man einander gegenüber anderen den Vorrang gibt und auch, dass sie bei Deinen Eltern als Deine Freundin angesehen wird. Das ist viel mehr als bloße Klassenkameradinnen oder Kolleginnen im Reitverein.
Wir können mit unseren Worten Kriege auslösen und für Frieden sorgen, deshalb lohnt es sich, hier und da mal über unser Sprechen nachzudenken. Für angehende Philosophinnen lohnt es jedenfalls, solche Sachen mal anzureißen. Philosophie betreiben heißt nämlich, Selbstverständlichkeiten nicht selbstverständlich zu nehmen. Das brauchen wir hier allerdings nicht ausbreiten.

Wenn wir in der Kirche die Sakramente feiern, dann geschieht auch immer etwas auf das Wort von Menschen hin, etwas sehr Gravierendes. Ich habe es schon angedeutet: In einer Taufe beginnt ein ganz neues Leben am Herzen Gottes. Wenn das nichts Besonderes ist, wird man fragen dürfen, was dann. Auch in Deiner Firmung ist etwas nicht weniger Bedeutendes geschehen, und zwar auf die Worte des Bischofs hin. Interessant ist jetzt erst einmal, dass das eigentliche Fundament der Sakramente nicht die Worte der Menschen, sondern die Worte Gottes sind. Wir würden nicht taufen, wenn Jesus seinen Jüngern keinen Auftrag dazu gegeben hätte. Wir würden nicht beichten, wenn Jesus nicht gesagt hätte: „Wem ihr die Sünden nachlasst, dem sind sie nachgelassen“, und wir würden die Messe nicht feiern ohne sein „tut dies zu meinem Gedächtnis!“

Jesus, den wir als den Sohn Gottes bekennen, hat seinen Jüngern ein paar sehr klare Anweisungen gegeben. Die Menschen auf der Straße erwähnen meistens nur die sogenannte Seligpreisungen der Bergpredigt und das Gebot der Nächstenliebe. Das ist auch alles sehr wichtig und recht so. Wenn wir aber etwas vollständiger blieben wollen, dann stehen da auch die Anweisungen, die Sakramente zu spenden. Die Priester und Bischöfe stehen in der heiligen Pflicht, das gefälligst in der gebotenen Ordnung zu tun und die Christen in der Verantwortung, der Welt zu sagen, dass da jemand in den Kirchen auf sie wartet. Die Hauptamtlichen müssen die Sakramente zur Verfügung stellen und die Menschen sollten annehmen, was Gott ihnen an Gutes schenken will, nämlich letztlich sogar sich selbst in seinem Sohn und seinem Geist. Wenn das nichts ist!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s