Zur Firmung

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Liebes Firmpatenkind,

jetzt habe ich lange überlegt, wie ich unser Vorhaben hier anfangen soll. Zwischendurch habe ich manchmal gedacht: „Ist doch egal; wenn man einen Apfel schält, interessiert auch nicht, wo man beginnt. Am Ende ist doch der ganze Apfel ohne Schale.“ Dann aber wurde mir klar, das Nachdenken über die Firmung ist bei weitem nicht so etwas Einfaches, wie das Schälen einer Frucht am Mittagstisch.

Wenn eine Deiner Banknachbarinnen aus der Klasse von ihrer Firmung erzählt, dann schildert sie vielleicht am meisten die Feier am Abend, oder wie viele Geschenke sie bekommen hat. Ein anderer war vielleicht besonders beeindruckt von der Gestalt des Bischofs und von seinem prächtigen Gewand. Wieder ein anderer erzählt, was er für einen Unsinn mit seinem Nachbarn während der Feier gemacht hat. Jeder legt sie den Schwerpunkt auf das, was ihr besonders gefallen hat oder wichtig war. Man erzählt ja immer als erstes von dem, was einen am meisten bewegt. Wenn ich jetzt nachdenke und mit dem anfangen will, was mir persönlich besonders wichtig war, dann klingt das vielleicht am Anfang etwas komisch: Für mich ist besonders bedeutend, was bei der Firmung alles passiert ist, und das ist zweierlei: Etwas Sichtbares und etwas Unsichtbares. Das würde ich gern ein bisschen betrachten. Das sichtbare Geschehen hat sich die Kirche nämlich genau so so ausgedacht damit es den Gläubigen vom Unsichtbaren erzählt. Das hin und wieder zu bedenken ist wichtig. Wenn man das nicht tut, kann man die Kirche und das Christliche überhaupt gar nicht verstehen, und darum soll es uns ja gehen.

Weißt Du, manchmal muss man die Dinge um einen herum nicht verstehen. Manchmal will man das ein oder andere auch gar nicht wissen, manchmal aber sollte man unbedingt erkennen, was gemeint ist. Es gibt eben Dinge, die sind wichtig, und es gibt Dinge, die sind egal. Wenn Dein kleiner Bruder verspricht, Dir sein Fahrrad zu leihen, um ein bisschen auf der Straße herum zu fahren, dann ist das eine mittelwichtige Sache. Wenn Dir aber Deine Mutter verspricht, Dich zu einem bedeutenden Reitturnier zu fahren, dass Du auf keinen Fall verpassen darfst, dann hat das schon mehr Gewicht. Wenn Dein Vater Deiner Mutter am Traualtar versprochen hat, ihr für immer treu zu sein, dann steht da ein ganzes Leben hinter. Da sollte man schon wissen, was man tut, und es gibt Sachen, die darf man nicht unüberlegt tun.

In Sachen Firmung kann ich nun ein hohes und gewagtes Wort aussprechen, auf das Du mich aber festnageln darfst: Was in der Firmung geschieht, ist nicht weniger bedeutend, wie eine Hochzeit. Man bestellt den Bischof nicht nach Bochum, nur damit eine Messe etwas schöner aussieht und feierlicher daher kommt. Der Bischof kommt, weil etwas ganz besonderes geschehen soll, was eigentlich nur er kann. Es gibt ein paar Sachen, die sind von einer solchen Bedeutung, dass nur die Bischöfe sie vollziehen dürfen. Dazu gehört die Firmung. Nur in Ausnahmen und Sonderfällen kann der Bischof einen seiner Priester beauftragen, eine Firmung zu spenden. Dazu muss aber in jedem Einzelfall eine Sondergenehmigung ausgestellt werden. Allein deshalb schon muss die Firmung doch eigentlich etwas Besonderes sein, und das ist sie auch. Davon möchte ich gern erzählen.

Übrigens: Dass ich das hier anfange und Dir auf dem Platz vor der Kirche versprochen habe, das ist eigentlich meine Mutter in Schuld. Als Du mich fragtest, ob ich Dein Pate werden möchte, war ich natürlich stolz wie ein Spanier und musste das gleich erzählen. Wir träumten dabei ein bisschen von vergangenen Tagen, als ich gefirmt wurde. Meine Mutter war damals meine Katechetin, und etwas bedauernd sagte sie, sie habe schon damals beklagt, viel zu wenig von der Firmung zu verstehen. Ob ich nicht mal etwas drüber schreiben könnte. Mein Entschluss stand sofort fest und so schnell, wie eine Tür ins Schloss fällt: Ich schenke meiner Patentochter ein Buch oder wenigstens ein paar schriftliche Gedanken. Bin gespannt, was daraus wird.

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