Zorn zwischendurch

Gestatten Sie mir bitte, unsere Freundschaft zu missbrauchen. Heimito von Doderer hängte seinerzeit ein Schild an die Tür seines Zimmers, auf dem „wegen zum Ausbruch gelangten Ingrimm ist vom Betreten dieses Raumes abzusehen“ stand. Wenn Sie so möchten ist derzeit auch in mir der Zorn zum Ausbruch gelangt, das allerdings aus dem gemeinen Grund, weil sich zuvor die Dummheit breit um mich gemacht hat. Mehr sage ich nicht dazu. Das Dumme an der Dummheit ist ihre Tatsachen schaffende Wirksamkeit, und eine dieser Tatsachen ist heute der zur Wut reizende Zorn. Dass der keine dummen Folgen hinterlässt, dazu braucht es eine Vermeidungsstrategie. Die lautet heute: Eitles, selbstgefälliges, intellektuelles Austoben und bedeutet den oben angedeuteten Missbrauch.
Übrigens hat der Zorn im Volksmund einen zu schlechten Ruf, ihm gebührt ein besserer. Der Zorn ist nichts Böses, wie auch das Feuer nichts Böses ist. Es kommt nur darauf an, wie man beides einsetzt und vor allem zu was. Der Bauer in unserem Dorf hat nichts Böses getan und gewollt, wenn er zur passenden Zeit seine Wiese in Brand steckte. Dadurch wuchs viel befreiter, was künftig wachsen sollte. Böse wäre er gewesen, wenn er dasselbe Feuer in der Scheune seines Nachbarn gelegt hätte. Wohlgemerkt, er, nicht das Feuer wäre der Böse. Werkzeuge sind nur Werkzeuge, und so auch der Zorn. Den Gerechten packt der Zorn im Angesicht der Ungerechtigkeit. Das aber macht ihn nicht weniger gerecht, im Gegenteil. Sein Zorn hilft dem Guten, den ihm gebührenden Raum einzunehmen.
Nbenbei bemerkt gehört die Gerechtigkeit zum klassischen Kanon der Tugenden, dessen zweite sie ist. Und die Tugenden, die den Menschen, den Alten gemäß zu einem guten machen, können gar nicht zum Bösen missbraucht werden. Der Ungerechte kann sich der Gerechtigkeit nicht bedienen, um Ungerechtes zu fabrizieren. Das würde ihn ja gerecht machen. Die Klugheit lässt sich auch nicht unklug einsetzen. Unkluge Klugheit ist nicht denkbar, nur aussprechen kann man sie. Die Zunge setzt sich nicht zur Wehr, wenn sie unkluge Klugheit sagen soll. Aber der Kopf macht nicht mit, wenn er es zu denken hat.
Wie immer auch: Einem klugen Wort zufolge setzt sich das Gute viel wirksamer gegen das Böse durch, wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht. Den Spruch habe ich bei Georg Schramm gehört, der vorgab, ihn wiederum von Gregor dem Großen entdeckt zu haben. Ich kenne ihn  vom heiligen Thomas und halte ihn für zutreffend. Und wissen Sie was? Die Strategie hat schon gewirkt.

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