Die Menschwerdung und die Mitte der Religion

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Islam und Christentum 40

Wie gesagt: Wir besprechen hier die Geschichte einer atemberaubenden Überraschung. Es ist bedauerlich, dass uns Christen nicht tagtäglich die Kinnlade vor Staunen herunter hängt. Als ich einmal in unserer Kirche war, um kurzes, gewohntes Gebet zu verrichten, hörte ich ein leises Schluchzen im Dunkel der letzten Bänke. Da hockte ein Mann, so groß wie ein Baum in einer Ecke und weinte leise. Ich kannte ihn und ging deshalb nicht hin. Der Hühne hatte sich vor kurzem taufen lassen und b besaß sie noch: Diese Nähe zum Alten, was er abgelegt hatte und die Freude, endlich heimgekehrt zu sein.

Bei den Christen der grauen Gewohnheit ist das anders. Wenn einer Senf zum Käse nimmt, wundert uns das. Sagt uns einer, Gott habe mit menschlichen Füßen die Welt betreten, um bei uns sein zu können, dann ist das ungefähr so interessant, wie die Fußballergebnisse vom letzten Samstag. Deshalb nützt es eigentlich unserer Sache, wenn Ihr Muslime uns vorwerft, wir würden undenkbare und unglaubliche Dinge verkünden. Es nützt uns, wenn die Philosophen sich über die Märchen lustig machen, die die Christen verkünden. Es stimmt nämlich, wir reden hier von der größtmöglichen aller Überraschungen, und wir werden es im Himmel wieder erlangen, diesen abenteuerlichen Schauder sein über das ganze Geschehen sein das unser Leben gerettet hat. In den Gebeten der Bibel steht: „Was ist der Mensch, dass Du seiner gedenkst!“, und Recht hat der Beter.

Aber gestatte mir, mit einer weiteren Überraschung aufzuwarten. Bevor Jesus starb, wusste er, was die Menschen Grausames mit ihm anstellen würden. Er wusste so genau um seinen Schmerz im Voraus, dass sein Angstschweiß ihm beim Gebet wie Blut zu Boden rann. Das macht um so erstaunlicher, dass er ein paar Stunden zuvor zu seinen Jüngern sagte: „Mit großer Sehnsucht habe ich danach verlangt, dieses Paschamahl mit euch zu feiern, bevor ich leide.“

Ich verrate Dir ein Geheimnis, mein Freund. Das, was Jesus an diesem Abend feierte und in die Welt pflanzte, bildet das absolute Zentrum meiner Religion. Mich hat schon immer geschaudert und beeindruckt, wie sich in den Tagen Eurer Wallfahrt die Menschenmassen langsam um die Kaaba wälzen. Mir ist dann immer, wie sich die gesamte Weltreligion mit um diesen einen Punkt dreht. Ähnlich geht meine Religion in konzentrischen Kreisen um diesen einen Punkt, den wir die Eucharistie nennen. Wir werden getauft, um sie bekommen zu können, wir gehen um ihretwegen beichten, damit wir sie so würdig wir können zu nehmen. Unsere Priester verzichten um ihretwegen auf ihre Erfüllung in einer Familie, und ihr Verzicht ist ein lebendes Zeugnis für die Größe und Erhabenheit dieser Sache, um die zu bringen. Und schließlich: Gott in seinem Sohn selbst die Welt und nahm den schwersten aller Tode auf sich, um uns diese Sache, dieses ganz neue Paschamahl zu hinterlassen.

Ja, es ist gut, wenn ihr sagt, das sei alles ganz unmöglich. Wir glauben das Unglaubliche. Es ist gut, wenn ihr sagt, es sei töricht, solche Sachen zu sagen. Diese Torheit in Gott ist die Weisheit und der Adel der Christen. Es ist gut, wenn die Philosophen lächeln. Ihre Weisheit wird sich als engstirnig erweisen, denn bei Gott ist nichts unmöglich.

Ich möchte unser Nachdenken über die Menschwerdung mit diesen Gedanken beginnen, damit unser Bild gleich von Beginn an auf der rechten Grundfarbe gemalt wird.

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