Die Menschwerdung hat Gott nicht berührt

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Islam und Christentum, 41

Mohammed war kein Theologe. Er diktierte: „Gott hat keinen Sohn“, und fertig. Das reichte fürs erste. Wäre er ein Theologe gewesen, hätte er dazu sagen müssen, warum er keinen hatte, warum er keinen haben konnte. Er hätte wenigstens sagen müssen, wie sich seine Verkündigung möglichst gut begründen lässt.
Unsere beiden Schlachtschiffe der biblischen Verkündigung, die heiligen Petrus und Paulus, waren auch keine Theologen. Auch sie waren eher Verkünder, und keine Erklärer des Glaubens. Auch sie predigten lediglich, was sie gesehen und gehört hatten. Sie predigten die große Überraschung des dreifaltigen Gottes, der die Erde betreten hatte, um ihre Kinder von ihrem unlösbaren Problem zu erlösen. Sie predigten einen Gott, der die Eucharistie auf die Erde pflanzte. Sie predigten, den, der in seinem Tod den Planeten wieder verließ, um allen, die ihm folgen, den Himmel zu bauen und dort Wohnung zu bereiten.
Prediger sind nicht unbedingt Theologen und Theologen müssen keine guten Prediger sein. Der Prediger verkündet, was er glaubt, und der Theologe denkt darüber nach. Das sind zwei ziemlich verschiedene Dinge. Wenn Theologen predigen, schlafen die Leute ein, wenn Prediger Theologie betreiben, laufen sie am besten davon. Viele sind beides, aber nur wenige können das eine vom anderen trennen.

Was wir hier machen, ist eher Theologie, oder wenigstens ein aufrichtiger Versuch.  Deshalb gehört am Anfang des Kapitels von der Menschwerdung eine Sache noch einmal betont:

Die Menschwerdung Gottes
hat seine Gottheit weder verändert,
noch sonst wie berührt.

Gott als Gott ist immer schon ganz fertig. Seine Gottheit und sein Gottsein können sich nicht ändern, sie können auch nicht verändert werden. Wenn ich mir mal erlauben darf, so zu reden: Das „Allahu akbar“, das „Gott ist der immer Erhabenere“, wird nicht angetastet. Der Unveränderliche ändert sich nicht. Was wir über seine Dreifaltigkeit gesagt haben und noch sagen werden, ist auch nichts, was in ihn hineingedacht- oder gerechnet werden müsste. Wenn Gott ein Innenleben hat, das um sich selber weiß und das innerlich ganz Liebe ist, dann ist das nichts Zusätzliches, sondern es macht ihn schon immer aus. Das Neue ist nur, dass wir darum wissen.

Was wir die Menschwerdung nennen, das hat, wenn es wahr ist, wohl die ganze Welt verändert. Wenn, dann muss es ein Ereignis in der Geschichte gewesen sein, das die Geschichte über den Haufen warf. In Gott aber hat es gar nichts geworfen, weil Gott keine Geschichte hat. Es gibt einen Satz in den Büchern des Thomas, den man nicht predigen sollte, ohne hinterher bereit zu sein, mit den Hörern ziemlich lange Theologie zu betreiben. Man bekommt nämlich immer erst einmal Ärger. Der Satz stimmt aber. Thomas hat ihn vom Philosophen Dionysius Areopagita, und er lautet:

„Gott existiert nicht,
weil Gott über alle Existenz ist.“

Der erste Teil lässt die Hörer schon mal denken, man meine, es gebe keinen Gott, weil alles, was es gibt existiert doch und alles was existiert, das gibt es auch. Hier müssen die Theologen genauer sein als die Prediger. Das stimmt nämlich nicht. Natürlich gibt es ihn, und wie sogar! Er ist aber irgendwie so anders, oder religiös gesagt, erhaben in seinem Dasein, dass er mit seiner Welt nicht einmal die Art ihrer Existenz gemeinsam hat. Es ist wichtig, das hin und wieder zu betonen. Es gibt nämlich Leute, die sagen, sie hätten irgendwas Göttliches an oder in sich. Es gibt Leute, die sagen, das Göttliche sei in die Welt und das Universum hinein verteilt. Es gibt Herzen, die glauben, Gott sei irgendwie wie sie und sie seien irgendwie wie er, nur weniger. Gegen das alles lässt der heilige Thomas die Fahne seiner Predigt wehen, auf der sein christliches „Gott ist erhaben“ flattert. In der Kammer seiner Theologie muss er klären: „Mensch geworden ist Gott vor zweitausend Jahren, dreifaltig war er schon immer.“ Wie er das tut, das können wir uns ansehen.

 

Anm:
Sth I,12,1,arg 3: „Sed deus non est existens, sed supra existentia. Ut dicit Dionysius.“ 

Das ist doch gerade der Trick! Die Welt hat ihr Sein aus ihm und er ist sein Sein persönlich. Gott ist der einzige, der aus nichts etwas hat. Existieren heißt aber „aus“ etwas sein, aus etwas kommen. „Ex“ heißt nunmal „aus“, und das „istieren“ kommt von „stare“, was so viel wie „stehen“ heißt. Was existiert, das hat seinen Stand, sein in der Welt sein und Leben aus etwas anderem. Existieren heißt, ein Geschenk an die Welt sein. Es heißt aber immer, „aus“ etwas anderem sein. Sein Wie- und Wassein haben die Dinge aus ihrer Entwicklung, aus ihrer Zeugung, aus einer Evolution oder wo immer her. Das alles können wir von ihm nicht sagen, denn alles ist, was das reine Dasein angeht, aus ihm, und nur er ist aus sich selber. 

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