Gibt es einen Staat im Namen Gottes?

Bildschirmfoto 2016-02-25 um 14.14.02

Islam und Christentum, 38

In Gott ist ein Wille, Einleitung.

Ich habe ein paar Tage nichts geschrieben, was selten vorkommt. Irgendetwas schreibe ich eigentlich immer, auch wenn es in der Schublade oder im Papierkorb landet. In den letzten Tagen war ungewöhnlich lange Ruhe. Das heißt aber nicht, dass ich nicht über unsere Sache nachgedacht habe. Im Gegenteil. Gestern habe ich mir zum Beispiel viel von meiner eigentlich eher wenigen Freizeit genommen, um einen langen Vortrag zur Frage der Sharia zu hören. Ein Muslim verteidigte, einigermaßen gescheit übrigens (und es ist nicht leicht, zu diesem Thema etwas Gescheites zu finden), seine Ansicht, eigentlich müsse das Gesetz Gottes auf Erden herrschen und angewandt werden, und die Religion Mohammeds müsste eigentlich in einem Staat verankert werden. Alles andere sei kein richtiger Islam.

Wir werden sicher noch öfter darüber reden. Vielleicht werfe ich hier schon mal ein Wort in die Runde, das mir zu passen scheint und das vielleicht kurz erklärt gehört. Ich halte die Idee für utopisch.

Das Wort „Utopie“ kommt übrigens aus der altgriechischen Sprache, die ich schon mal zu lernen hatte, um die Bibel des Neuen Testamentes in ihrer originalen Sprache lesen zu können. „U“ heißt „nein“ oder „nicht“, „Topos“ heißt „Ort.“ Auf unsere Frage angewandt heißt das, ich glaube nicht,  dass es auf Erden jemals einen Gottesstaat geben wird oder geben kann, keinen funktionierenden jedenfalls. Es wurde schon tausendmal versucht, und ich glaube nicht, dass es jemals geklappt hat, weil ich annehme, dass das nicht klappen kann.

Verzeih mir den Vergleich, aber es ist ein bisschen wie mit dem Kommunismus. Auch seine Errichtung wurde schon zigmal auf Erden versucht. Es gab Millionen Tote, Abermillionen, die fliehen wollten und geflohen sind. Immer stürzte alles ein, wie ein Haus aus Karten, und immer weinten die besonders Verrückten am Ende mit der Klage, die Idee sei doch so gut, man habe sie nur wieder nicht ganz richtig angefasst. Ich sage, das wird nie was. Je besser es in China funktioniert, desto weniger kommunistisch ist der Kommunismus, und je länger es in Nordkorea geht, desto mehr Menschen müssen in ihrem staatlichen Gefängnis sterben, weil sie andere Ideen haben.

Ich konnte leider nicht persönlich mit dem Muslim reden, der den Staat wollte, aber ich würde schätzen, er findet gut, was der IS derzeit vorhat, und schlecht, wie er es macht. Unser Herr Jesus sagt im Johannesevangelium, man erkenne schlechte Bäume an ihren schlechten Früchten, und ich finde, das passt sehr gut. Ich halte die Idee eines göttlichen Staates auf Erden für eine schlechte Wurzel, und für einen Christen katholischer Sortierung ist die Sache ziemlich klar: Ich wünsche mir möglichst viele gute Christen in der Regierung, aber eine christliche dürfte man nicht ans Ruder lassen. Der gute Name der Religion würde noch am Tage der Vereidigung in den Schmutz von niedrigen Interessen gezogen. Weißt du, es gibt keine Politik, in der kein Missbrauch getrieben wird. Es gibt keine Politik, die wirklich sauber ist und sauber bleibt. Es gibt höchst saubere Politiker, es gibt aber keine Regierung auf Erden, in der alle so sauber sind, dass sie nicht den Dreck von der Straße ins Parlament tragen. Gott ist heilig und er hätte sicher gern eine heilige Welt. Er ist, wenn ich so sagen darf, aber Realist genug, den Menschen nicht zuzutrauen, aus der Welt eine heilige zu machen. Jesus hat die Welt auch nicht gerettet, sondern überwunden. Er hat kein Programm aufgelegt, für eine bessere Welt, sondern es vorgezogen, eine neue zu errichten. Gottes Reich auf Erden ist im wahrsten Sinn utopisch.

Alle Gläubigen der Welt werden sich einig sein, dass ein Staat Gottes nur mit Gottes Gnade und Hilfe errichtet werden kann. Hast du das Gefühl, dass der IS von dieser Gnade getragen wird? Hätten seine Kämpfer dann nicht viel bessere Ideen? Und den Schiiten gefragt: Hast du das Gefühl, im Staat der Mullahs weht den Menschen die Freude einer ruhigen Gerechtigkeit um die Nase? Gott wird seine besondere Gnade wohl nur denen geben, die tun, was er möchte oder wenigstens in seine Richtung marschieren. Bei unvollkommenen Menschen hat es keinen Sinn, vollkommene Gesetze zu verkünden. Der Gott, an den ich glaube, will das alles gar nicht und vor allem nicht, dass es in seinem heiligen Namen versucht wird.

Mein Gegner, der den Vortrag hielt, wird vermutlich viel Kluges dazu zu sagen haben. Da ich es jetzt nicht hören kann, gestatte mir zu sagen, wo der Unterschied unserer Ansichten eine Wurzeln hat: In der Frage nach Gottes Willen, bzw. Gottes Wollen überhaupt. Über das würde ich gern etwas ausführlicher und an der Hand meines allgemeinen Lehrers reden.

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