Gottes Innenleben noch mal

Bildschirmfoto 2016-02-25 um 14.14.02

Für regelmäßigere Leser: Es kann sein, dass sich die Dinge hier teilweise wiederholen. Das liegt daran, dass ich unsere Gedanken hier gleich für ein Buch schreibe und in eine Reihenfolge bringen möchte. Da dauert das kurze Neuschreiben nicht so lange, wie das Hersaussuchen schon irgendwo geschriebener Sachen. Deshalb verfasse ich alles noch mal. 

Islam und Christentum, Teil 37

Wieder ein Wort, das schon reichlich für Missverständnisse gesorgt hat, dieses Mal aus der Schatzkiste der Christen. Ein kleines Spiel mit Gedanken: Wir sagen, die Welt, also das ganze Universum, überhaupt alles, was wir kennen, hatte einmal einen konkreten Anfang. Das heißt, es gab einen Zustand, in dem es noch überhaupt nichts gab. Wenn das so war, dann gab es in diesem Zustand nur Gott ganz allein. Dann gab es diesen einen Augenblick, viel kürzer als ein Wimpernschlag, in dem plötzlich etwas da war, ganz aus dem Nichts. Ab diesem Augenblick ging die Entwicklung des Universums los. Ob das ein Teilchen war, ob zwei oder ganz viele waren, spielt keine Rolle. Entscheidend ist, dass urplötzlich etwas vor Gottes Augen stand, was er selbst nicht war. Nun nun die Frage: Vor diesem Augenblick, also in der Zeit des göttlichen Für sich seins, was können wir uns von ihm denken? Hat er sich gekannt? Hatte er ein Verhältnis zu sich selbst? Fand er sich gut, fand er sich zu allein, fand er sich vollkommen? Fand er sich überhaupt irgendwie? Wenn ja, wir haben es schon gesagt, musste es etwas in ihm geben, das sehen konnte und das gesehen hat. Sehen heißt ja, es gibt ein Auge und etwas, was das Auge sieht. Das sind auf jeden Fall zwei Komponenten.
Wenn es in diesem Zustand aber noch keine Welt gab, also nichts außerhalb Gottes, dann muss dieses Verhältnis ganz in ihm zu verorten sein. In ihm selbst muss es also dieses Sich finden gegeben haben. Weil Gott ewig, also unveränderlich ist, muss das schon immer so in ihm gewesen sein. Es kann nicht sein, dass es schon mal in ihm nicht so war, und dann doch. Und wenn auch das so ist, dann muss es ein drittes geben, nämlich das Verhältnis der beiden Komponenten. Die Christen sagen dazu, in Gott gibt es etwas Sehendes, etwas Gesehenes und die Liebe, also das Gutfinden. Mit solchen Bildern erklären wir uns die Dreifalitgkeit. Sie ist, wie gesagt, aber in Gott und sie bleibt auch in ihm.

Wir Menschen sind eine kleine Parallelwelt. Auch wir haben zwei Komponenten, die in uns sind. Auch wir finden uns zu groß, zu klein, genau richtig oder eher daneben. Aber wie immer auch: Wir finden uns. In unserer Brust schlagen zwei Herzen, und doch sind wir jeweils nur ein einziger Mensch. Auch in uns gehen gute oder weniger gute Gefühle hervor, auch sie bleiben in uns und marschieren nicht draußen umher. Wir können unseren Freunden unsere Gefühle wohl mitteilen. Sie sind und bleiben aber in uns. Wir sehen draußen zwei Vögel auf dem Dach. Die Bilder, die wir betrachten, sind und bleiben aber in unserem Kopf, und wir sind, weil wir die Bilder sehen, nicht viele Menschen, sondern immer nur einer.
Wenn die Christen also von der Dreifaltigkeit sprechen, dann meinen sie nur einen einzigen Gott, und sie meinen, dass es nur einen geben kann. Aber der lebt. Das heißt, er hat eine innerliche Bewegung. In ihm ist schon immer ein Prinzip, von dem ein Wort ausgeht und ein Prinzip, das dieses Wort ist. Es gibt das Verhältnis beider, das wir die Liebe nennen. Also gibt es, wie der heilige Thomas es ausdrückt, schon immer ein Hervorgehen des einen aus dem anderen und die Liebe, die aus beiden kommt. Und das ganz ohne eine Welt, die er selbst nicht ist. Aber – und auch das haben wir schon gesehen – wir wissen das alles nur aus einem Grund: Weil Gott es uns mitgeteilt hat. Als im Jahre Null Christus auf die Welt kam, hatte er diese Botschaft im Gepäck. Seit dem wissen es alle Leute, die ihm glauben. Fünfhundertsiebzig Jahre später kam der Prophet eures Glaubens und sagt, das sei alles gar nicht so. Du kannst sicher verstehen, dass wir seine Botschaft nicht als die unsere annehmen können.

Anm:
Sth I,27,co: „Et sic fides Catholica processionem ponit in divinis.“ – „Und so behauptet der katholische Glaube ein Hervorgehen in Gott.“

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