Macht und Güte

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Islam und Christentum, Teil 36

Ich glaube, ich muss jetzt etwas Beruhigendes sagen. Es könnte nämlich sein, dass sich nach unserem letzten Kapitel der eine oder andere aufregt. Wenn man einfach so daher sagt, Gott habe zu seiner Schöpfung kein Verhältnis, dann kann das schon mal in den falschen Hals geraten.
Ein Kopf, der leicht zu verwirren ist, kann davon schon mal aus seiner ruhigen Bahn schleudern. „Gott hat kein Verhältnis zu uns“, spielt unter Umständen unseren Feinden günstig in die Karten. Ungläubige Leute hört man schon mal sagen, wenn es Gott geben würde, dann müsse er ein Sadist sein, den das Elend seiner Kinder entweder nicht interessiere, oder, was noch schlimmer wäre, er sieht es sich an ohne etwas ändern zu wollen.
Es könnte auch jenen Leuten ein Argument geben, die wohl an Gott glauben, die sich aber nicht für ihn interessieren, weil er offenbar auch für sie kein sonderliches Interesse zeigt. Was interessiert mich ein Gott, dem ich egal bin?

Das alles ist aber gar nicht gemeint. Es gibt nämlich, wie bei jeder Münze, auch hier wieder die berühmten zwei Seiten, die wir schon hatten. Dass Gott sich sehr wohl für die Welt interessiert und dass ihn das Schicksal seiner Kinder wirklich zu Herzen geht, das hat er uns gezeigt. In eurem, muslimischen Glauben in der Tatsache, dass er uns sein Wort und Gebot gesandt hat. Ein Gott, der sich nicht interessiert, wird das nicht tun. 
In meinem christlichen Glauben wird das noch viel dramatischer deutlich, nämlich im Opfertod Jesu, den er im Namen des Vaters für uns alle starb. Auch das dürfte ein Gott ohne Interesse wohl kaum veranlassen. Also interessiert sich der Mächtige sehr wohl für alles, bis ins Kleinste sogar, und er wird sich beeilen, zum besten aller Zeitpunkte alles in seine Ordnung zu bringen. Zum Erstaunen aller Schlaumeier, die es immer so genau wussten. Am Ende werden sich alle gerecht behandelt wissen und auf alle Fälle über die Maßen erstaunt sein. Der Allmächtige scheint nämlich einer zu sein, der es liebt, seine Kinder aufs herzlichste zu überraschen. Wir sind nur gerade in der Phase, in der die Eltern ihr Kleines noch im Glauben lassen, es bekomme gar kein Feuerwehrauto zu Weihnachten.

Die andere Seite gibt es aber auch: Gott wird von nichts in der Welt und von der Welt als ganze nicht im geringsten berührt. Nichts kann ihn seiner Substanz nach in Mitleidenschaft ziehen. Hiervon sprechen wir gerade. Auch das ist wichtig zu sagen.

Wer in unserem Sinn an Gott glaubt, der glaubt, das zwei Dinge zusammen kommen und eins sind: Die absolute Macht und die absolute Güte. Auf der Welt sind wir gewohnt, dass beides kaum zusammen wohnt. Was gütig ist, hat häufig keine Macht und das Mächtige ist zu oft nicht gütig. Bei Gott ist das anders. Das macht die attraktive Seite des Glaubens aus: Wer sich auf die Seite Gottes schlägt, der hat beides zum Freund. Er braucht nur die Geduld und den langen Atem seines Meisters. 
Beides braucht es absolut: Die Güte muss total sein und die Macht auch. Erst ein Streiter, der mit allen Gegnern fertig wird, ist wirklich gefragt. Ein Mann mit tausend Euro hört auf groß zu sein, wenn ihm einer mit einem mehr die Firma übernimmt. Wenn wir nun sagen wollten, Gott werde von seiner Schöpfung in Mitleidenschaft gezogen, dann steht er immer in Gefahr feindlich übernommen zu werden. Oder er ist gar einer, der es braucht, an seiner Schöpfung zu wachsen und erwachsen zu werden. Das alles klingt ungereimt und man braucht nicht viel Ahnung zu haben, um zu ahnen, dass da etwas nicht stimmt. Nein, Gott braucht diese unberührbare Seite, und das ist eben die Seite des Göttlichen an ihm. Diese Position müssen wir halten, und bei Thomas kommt das nicht daher, weil er sich das wünscht und weil er es so haben will. Im Gegenteil, auch wenn es allen Wünschen und Vorstellungen zuwider liefe. Es müsste behauptet werden, weil die Logik der Sache es verbietet. Ein Dreieck hat nunmal drei ecken, das gehört zu seiner Definition. Auch ein Wesen vom anderen Stern, das sich ganz anders ausdrückte, würde irgendwie bis drei zählen. Zur Definition des Göttlichen gehört nunmal, dass sie allen Dingen, die es gibt, ihr Dasein schenkt. Das kann nur ein Wesen, das über alles Dasein erhaben ist. Dass dieses Wesen sich – auf andere Weise – von Herzen sozusagen von unseren Tränen anrühren lässt, das steht auf einem anderen Blatt, allerdings im selben Buch.

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