Ein durchaus einseitiges Verhältnis

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Islam und Christentum, Teil 35

Nachdem das Genie Mozart eine Oper bei Kaiser Josef II. eingereicht hat, soll dieser ihm entgegnet haben: „Zu viele Noten, lieber Mozart, zu viele Noten!“ Er soll ein paar heraus nehmen und die Sache wäre perfekt. Genau das geht oft aber nicht, nicht jedenfalls, wenn ein Genie eine geniale Sache gezaubert hat. Eine Note weniger, und dem Werk fehlt seine Genialität. Manche Werke sind eben genau so voll und ganz. Es dürfte nichts fehlen und nichts hinzugefügt werden. Am Ende würde alles irgendwie hinken. Das macht oft doch das Geniale: Das es genau so, wie es ist, so rund läuft.

Die große Summe ist von dieser Art. Sie ist ein enormes Werk mit unglaublich vielen Kapiteln, Fragen, Themen und Antworten. Ich habe beim Stöbern immer aufs Neue das Gefühl, es ist alles gesagt und nichts dürfte weggelassen werden. Weil das so ist, deshalb sind die Bücher mit den Kommentaren immer so dick. Man traut sich nicht, etwas wegzulassen, da würde am Ende etwas fehlen.

Wir lassen hier weg, und zwar jede Menge, und unser Projekt bleibt deshalb unrettbar unvollständig. Etwas Wesentliches sollten wir aber nicht verpassen zu dokumentieren. Ich sage es vorweg mit den Worten des heiligen Thomas: „Gott hat kein reales Verhältnis zu seiner Schöpfung.“ Im Kommentar zu den Sentenzen des Lombarden sagt er es noch einmal anders: „Die Veschiedenheit der Verhältnisse Gottes mit den Kreaturen schaffen nichts Zusammengesetztes in ihm.“

Wir können das mit einem Gedanken erklären, den wir schon zu Genüge ventiliert haben: Gott ist ganz und gar vollkommen. Er ist immer schon alles, was er sein kann. In ihm ist keine Entwicklung möglich, schon gar kein Reifen, wie das bei uns der Fall ist. Wir können mehr werden, wir können uns verbessern, an uns arbeiten und an uns arbeiten lassen. Das alles ist in Gott nicht denkbar, weil er der ewig Vollkommene ist. Es kann also nicht sein, dass Gott sich dadurch, dass er eine Schöpfung ins Leben ruft, dadurch ein anderer wird. Für die Christen: Gott hat sich auch nicht verändert, als er in seinem Sohn die Welt betrat. Gott kann sich nicht ändern. Er kann nie ein anderer werden und sich nie bewegen, in dem Sinn, dass es ein Vorher und Nachher gibt. Deshalb heißt es bei den Sentenzen: Die Verhältnisse, die Gott mit seinen Geschöpfen hat, die schaffen nichts in ihm, sie bauen nichts zusammen.

Denken wir noch einmal über die Behauptung aus der Summe nach: Gott hat kein wirkliches Verhältnis zu seinen Geschöpfen. Vielleicht ein Gedanke, der sich daneben gesellt: In Gott selbst gibt es sehr wohl wirkliche Verhältnisse. Etwas Wirkliches ist etwas, was wirkt. In uns ist Leben. Das bedeutet, es ist etwas in uns, das uns ausmacht. Wir haben ein Verhältnis zu uns selbst. Wir sehen uns, wir beurteilen uns, der Hunger bewirkt, dass wir uns auf die Socken machen, die Lust sorgt für Wohlbefinden. Das Leben ist die Wirklichkeit der lebendigen Dinge. In Gott ist auch Leben, wie wir behauptet haben. Schließlich ist er kein toter Stein, der durchs All fliegt. Auch in Gott ist Leben, das hat er der Welt gesagt und sehr lebendig mitgeteilt. Das bedeutet, in ihm selbst ist auch etwas, was sieht und etwas was gesehen wird. Auch in ihm sind Faktoren, die etwas ausmachen, die wirklich sind und, um es so zu sagen, bewirken, dass er ist, wie er ist. Zu diesen Dingen gehört seine Schöpfung nicht. Seine Schöpfung ist schön und liebenswert von ihm her, weil er sie lieb hat. Sie ist aber nicht von der Art, dass sie ihn ausmacht. Sein Leben macht ihn aus, weil er sein Leben ist. Die Schöpfung aber, die er wohl als etwas Lebendiges geschaffen hat und die er die ganze Zeit über schafft, die macht nichts in ihm. Er hat zu ihr kein Verhältnis, das wirken würde und von daher wirklich genannt werden kann.

Umgekehrt stimmt es sehr wohl. Die Schöpfung hat ihrerseits ein sehr wohl wirkliches Verhältnis zu ihm. Die Glühbirne, die brennt, hat ein wirkliches Verhältnis zum Strom, der durch sie fließt. Ein Film hat ein wirkliches Verhältnis zu seinem Projektor. Er ist ja darauf angewiesen, dass der ihn ausstrahlt. Der Projektor aber bleibt der selbe; ob er nun einen Wildwestfilm oder einen Krimi laufen lässt.

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