Die Welt in ihrer Ursache

Bildschirmfoto 2016-02-25 um 14.14.02

Islam und Christentum im Vergleich, Teil 28

Du hast Recht, wer viel über Gott und die Religion spricht, der macht sich hier und da schon mal zum Kasper, und der Kasper ist ein Clown, der das Gelächter der Leute auf sich zieht. Propheten haben diese Last zu tragen. Sie werden von Gott gesandt, den Menschen von Gott zu erzählen. Wenn sie ihrer Aufgabe gerecht werden wollen, dann haben sie gefälligst von dem zu reden, was ihnen aufgegeben wurde. Die Menschen wollen in aller Regel aber in Ruhe gelassen werden und benehmen sich in den Augen der Propheten wie Kinder, die gerade in die Pubertät kommen.
Kinder in der Pubertät sind töricht. Sie springen aus dem Fenster wegen Lappalien. Sie möchten am liebsten nicht mehr leben, weil sie Pickel haben, weil sie zu groß geraten sind oder zu klein. Pubertäre Kinder weinen sich die Augen aus, weil ihre Jugendliebe sie verlässt oder weil sie die Tochter des Nachbarn für ihre große Liebe halten. Den Erwachsenen tun das natürlich leid, und sie müssen die Probleme ihrer Kinder ernst nehmen, auch wenn sie wissen, dass sie sich über Sachen aufregen, die in den Augen der Großen eher unbedeutend klein sind.

Die Menschen, die über die Propheten lachen, sind ähnlich. Sie sind wie Menschen, die sich auf der Fahrt in ein ganz neues Leben nur um die Fahrt kümmern. Die Erwachsenen, in diesem Fall die Propheten, wissen, dass die Fahrt so schnell vorbei geht, wie ein Wind, der Dir an der Nase vorbei pustet. Kaum ist er da, verschwindet er wieder. Es ist dumm, sich zu lange mit ihm aufzuhalten. Sinnvoll dagegen wäre, sich auf das bleibende, Neue einzurichten. Aber nein, die Kinder kümmern sich nur um die besten Plätze auf der Fahrt und damit um Dummheiten. Wenn dann mal einer daher kommt und mahnend den Finger hebt, dann werfen sie ihn hinaus, weil sie in ihrer törichten Bemühung nicht gestört werden wollen.

Weißt Du, religiöse Fragen sind Fragen, die immer genau in das Herz dessen vorstoßen, was wirklich wichtig ist, und für die Fragen der Religion braucht es geistiges, ein vernünftiges Innenleben. Es gibt aber eine Formel, die zu merken sich lohnt: Wer drinnen nicht hat, der muss draußen was zeigen. Je mehr die Menschen an ihren Äußerlichkeiten hängen, desto weniger haben sie drinnen zu bieten. Anders herum gilt die Formel auch. Leute mit einem ausgewachsenen Innenleben hängen in der Regel nicht an ihren Äußerlichkeiten. Die Sandsäcke an den Körben der Heißluftballons sind zwar hübsch anzusehen. Aber wenn man in die Lüfte aufsteigen will, wirft man sie gern ab und verzichtet auf sie. Wer im Korb sitzt und meint, das Ding ist gar nicht zum Fliegen, der kennt den Genuss des Fluges entweder nicht, oder er glaubt denen nicht, die schon mal ein Stück oben waren.

In diesem Sinn sollte den Propheten nicht sonderlich beunruhigen, wenn törichte Leute ihn zum Clown erklären, um mit ihm ihr Vergnügen zu haben.

Wir sind auf unserer Reise in die Lehre der Religionen noch bei Gott, wie er sein müsste oder nicht sein kann, und Thomas stellt eine nächste, zunächst fremd klingende Behauptung auf: In Gott sind alle Vollkommenheiten der Dinge enthalten.

Im zweiten Teil der Antwort auf die Frage gibt er eine kurze Antwort, die wir eigentlich nur übersetzen und in unsere Sprache übertragen müssen. Er sagt, Gott ist der Ursprung aller Dinge, weil er ihnen ihr Dasein schenkt. In eine etwas technische Sprache übertragen heißt das, die Welt ist eine Wirkung und er ist ihr Ursprung. Allgemein ist es aber so, dass alle Wirkungen immer irgendwie in ihren Ursprüngen enthalten sein müssen.

Wenn ein Schreiner einen Stuhl baut, dann hat er alle Ideen seines Werkes bereits im Kopf, bevor er überhaupt anfängt. Der Künstler weiß ganz genau, was er bauen will und hat alles schon im Kopf. Man kann sagen, er hat den Stuhl in gewisser Weise in sich, bevor er gebaut wird. Der Stuhl im Kopf ist am Ende auch besser als das Resultat, das er verkaufen kann. Der Stuhl im Kopf hat die Macke nicht, die der Stuhl hat, weil er beim Schnitzen zu Boden gefallen ist. Der Stuhl im Kopf hat die Flecken nicht, die beim Anmalen passiert sind. In einem ähnlichen Sinn kann man sagen, die Welt als Ergebnis dessen, was der Schöpfer sich ausgedacht hat, ist in gewissem Sinn in ihm. Das Ganze hat natürlich einen Unterschied: Der Schöpfer der Welt ist besser als der Schreiner seiner Möbel. Was immer Gott will, das entsteht auch, und zwar hundertprozentig.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s