Das Wesen ohne Gliedmaßen

Bildschirmfoto 2016-02-25 um 14.14.02

Islam und Christentum im Vergleich, Teil 23

Wenn Dich jemand fragt, ob Gott einen Kopf hat, auf den er einen Hut setzen kann, dann wirst Du ihm vermutlich den nächstbesten Vogel zeigen. Gott hat natürlich keinen Kopf. Unser Meister drückt es anders aus. Er sagt, Gott ist kein Körper, und er sagt auch gleich dazu, das könne man auf drei Wegen erklären.

Für uns hier reicht der erste der drei. Er betrachtet die Tatsache, dass Körper bewegt werden müssen, wenn sie nicht still herumliegen sollen. Gemeint ist damit, Körper brauchen etwas oder jemanden, der sie bewegt. Sie selber können das nicht. Körper müssen sozusagen etwas haben, was sie im Griff hat, was über sie verfügen kann. Wer einen Ball bewegen kann, der entscheidet, wann, in welche Richtung und wie er geschossen werden soll. Der Ball selbst hat in sich keine Fähigkeiten, aus denen heraus er sich bewegen könnte. Kein reiner Körper hat das.

Auf dem Mond liegt ein Familienfoto. Das hat ein Astronaut vor etlichen Zeiten dort hin gelegt oder fallen lassen. Wir wissen das, weil es ein Foto von diesem Foto gibt. Dieses Bild, das seine Familie zeigt, liegt nun da, ohne sich zu bewegen, seit es da liegt. Wenn nichts außergewöhnliches passiert, wird es in tausend Jahren noch da liegen. Auf dem Mond weht nämlich kein Wind und mit Erdbeben ist auch nicht zu rechnen. Das Bild ist ein Körper. Er hat Materie, eine Ausdehnung im Raum und er hat ein bestimmtes Gewicht. Was das Bild nicht hat, es hat keine eigenen Möglichkeiten, sich in Bewegung zu setzen. Insofern ist es ein reiner Körper.

Wir reden hier im Sinne der Kinder Abrahams von Gott, und da ist immer derjenige gemeint, der nichts und niemanden über sich hat und auch gar nicht haben kann. Gott wird in der Sprache der Philosophen schon mal der „Unbewegte Beweger“ genannt. Das heißt, Gott setzt die Welt in Bewegung, hat aber selbst nichts außerhalb seiner, das auch ihn bewegen müsste. Gott bewegt sich, wenn man so sagen darf, aus sich selber, weil er der Höchste von allem ist. Entweder er setzt in Bewegung, oder alles steht still. Körpern fehlt diese Fähigkeit, also kann Gott kein Körper sein. So der Nachweis des Thomas.

Vielleicht ist Dir aufgefallen, dass ich von „reinen Körpern“ sprach. Mit „rein“ ist in unseren Zusammenhängen immer gemeint, dass etwas nichts anderes an sich hat, als der Name sagt. Reines Gold besteht nur aus Gold, es hat nichts an oder in sich, was nicht Gold wäre. Ansonsten wäre es nicht rein, es wäre verunreinigt. Wir haben von reinen Körpern gesprochen und gesehen, dass die sich nicht selbst bewegen können. Wir Menschen sind nun anders. Wir sind Körper, aber keine reinen. Wir sind zusammengesetzt aus Körper und Geist und können uns auch nur deshalb selbst in Bewegung setzen: Der Geist will, dass die Faust zugeht und sie geht zu. Eine Faust ohne Leben, ohne Geist kann das nicht.

Wenn in unserem Sinn von Gott die Rede ist, dann ist immer der reine Gott gemeint. Gott hat nichts an und in sich, was nicht Gott wäre. Wenn wir von der Ewigkeit reden, werden sehen, warum das so sein muss und nicht anders sein kann. Vorweg können wir sagen, Gott ist nur Gott und nichts, was nicht genau dieser Gott ist, kann göttlich genannt werden. Deshalb sagt Thomas auch nicht, Gott hat keinen Körper, wie wir es gewohnt sind, sondern Gott ist keiner. Wir können das auf eine etwas fremd klingende Formel bringen: Gott ist über allem, aber er hat nichts.

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