Islam und Christentum, Teil 20

Bildschirmfoto 2016-02-13 um 10.15.09

Der Irrtum eines Physikers

Kennst Du das? Du schwärmst für einen Menschen, seine Intelligenz oder sein Können in irgendwas, bis ihm der Fehler unterläuft und über eine Sache spricht, in der Du Dich auskennst. Plötzlich merkst Du, hier redet er plötzlich Unsinn. Mit einem Mal ist die komplette Bewunderung dahin.
Mir ging das vor Zeiten mit einem berühmten Physiker so. Ich interessierte mich für Stephen Hawking, den alle Welt sicher zu Recht für seine Intelligenz bewundert. Hawking ist ein Professor für Physik. Er beschäftigt sich mit dem Weltall und allem, was darin beobachtet, berechnet und geschlossen werden kann. Weil ich mich – als blutiger Laie natürlich – auch für solche Sachen interessiere, höre und sehe ich sie mir an, wenn ich mal keine Lust mehr auf mein eigenes Fach habe, als Pause zur Entspannung sozusagen.

Ich hörte also einen der Vorträge von Hawking, und meine Enttäuschung setzte ein, als er vom sogenannten Urknall sprach. Er sagte, die Annahme des Urknalls würde den Glauben an eine Schöpfung durch Gott natürlich nicht widerlegen. Sie grenze ihren Zeitpunkt aber ziemlich ein.
Weißt Du, alle möglichen Leute reden vom „Zeitpunkt der Schöpfung“, wenn sie den Urknall meinen, an dem vermutlich die Welt entstand, wie wir sie kennen. Einem berühmten Professor aber sollte das nicht passieren, fand ich, als ich hinhörte, und beendete damit etwas verwirrt meine Pause. Ich bin nun jemand, der kaum eigenen Ideen hat und sich deshalb hinter den breiten Schultern seines Lehrers Thomas verstecken muss, um etwas von Geist zu Papier zu bringen. Deshalb habe ich kein Recht, anderer Leute Intelligenz in Frage zu stellen. Hawkings gehört ganz sicher weiterhin bewundert. Aber auch ein schlechter Schlosser weiß, dass normale Schrauben nach rechts zu und nach links aufgehen. Auch Albert Einstein hätte Unsinn geredet, wenn er das Gegenteil behauptet hätte. Das darf auch ein Schwancher Schlosser sagen.

Entweder es gibt keinen Zeitpunkt der Schöpfung, oder er dauert so lange, wie es die Zeit gibt. Das ist doch gerade der Trick! Schöpfung heißt allen Dingen zugleich ihr Dasein schenken, und das, solange es die Dinge gibt. Mit Schöpfung meinen wir nicht das Anstoßen einer ersten Bewegung, und alles läuft seit dem quasi von selbst weiter. Der Schöpfer kann kein Meister sein, der sich die ersten Dinge ausgedacht und in Schwung gebracht hat. Dann macht er es sich gemütlich, wie ein Angler, der am Fluss sitzt und seine Angel beobachtet. Schöpfung meint nicht, dass mal etwas geschehen ist, sondern dass etwas geschieht. Das ist jedenfalls in den Büchern des heiligen Thomas so, und ich wäre echt gespannt, wo es jemand besser und anders erklären könnte!

Meister Thomas hat sich zu Lebzeiten in einer Sache mit seinem Freund Bonaventura gestritten. Bonaventura war auch ein Professor, auch ein Heiliger und ein Kollege an der Universität. Es ging um die Frage, ob die Welt einen geschichtlichen Anfang haben müsse oder nicht. In der Bibel steht: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“, und beide glaubten das natürlich: Gott hat die Welt aus Nichts geschaffen und irgendwann hat er damit angefangen. Vorher gab es nichts, absolut nichts, außer ihm sozusagen. Daran glauben alle, die Juden, die Christen und die Muslime. Zur Frage stand nicht der Glaube, sondern, ob man mit der Vernunft zeigen kann, dass es so sein muss. Thomas und Bonaventura haben sich nie einigen können. Bonaventura glaubte, man könne beweisen, dass die Welt einmal angefangen hat, Thomas glaubte das nicht. Thomas sagte, theoretisch könnten die Welt und das All ewig sein und nie angefangen haben, wie Gott nie angefangen hat. Dass die Welt einen zeitlichen Anfang habe, das sage nur der Glaube. Was man glaube, das könne man nicht beweisen, es sei auch nicht von Vorteil, es zu versuchen.

Was ich damit sagen will: Auch wenn die Welt immer schon wäre, wie Gott immer schon ist, dann wäre sie dennoch seine Schöpfung. Auch ohne Anfang und in ewiger Dauer wäre die abhängig davon, dass der Schöpfer ihr das Dasein schenkt. Wie bei dem Film und seinem Projektor. Auch wenn der Film eine Dauerschleife wäre und der Projektor immer weiter liefe. Der Film wäre auch dann nichts anderes als der Film, der aus dem Projektor kommt. Auch ein ewig dauernder Film bräuchte die Maschine, die ihn an die Wand wirft.
Ob wir einmal in den Himmel kommen oder ins Paradies einziehen, auch das gehört zum Film. Auch die ewigen Jagdgründe wird es nur geben, solange Gott ihnen ihr Dasein schenkt. Auch in der Ewigkeit genehmigt der Schöpfer jeden Herzschlag einzeln. Das heißt Schöpfung.

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