Islam und Christentum, Teil 18

Bildschirmfoto 2016-02-13 um 10.15.09

Das große Desinteresse und ein verhängnisvoller Irrtum

Ich gebe übrigens nicht nur Dir meine Kapitel zu lesen. Als ich vorgestern jemand anderen bat, sich das letzte von mir vorlesen zu lassen, da war ich am Ende wie immer froh, grünes Licht zur Veröffentlichung zu bekommen. Das „Grüne Licht“ heißt, was ich schreibe, ist nicht unverständlich. Die Probe ist  mir wichtig. In Sachen Thomas lesen, ist das Schwere manchmal, ihn zu verstehen. In Sachen „über Thomas schreiben“ ist das Schwierigere, verständlich zu machen, was man verstanden hat.
Wenn zwei Ärzte sich über die Probleme ihres Patienten austauschen, dann tun sie das schnell, bequem und vor allem in ihren Worten, die für uns zum größten Teil Fremdwörter sind. Wenn man sie dann bittet, das gleiche einer Frau vom Markt zu erläutern, und zwar, so, das sie alles kapiert, dann fangen sie an zu stammeln. Verständliche Bücher zu schreiben ist schwerer als unverständliche. Noch schwerer scheint mir zu sein, dünne Bücher an Stelle von dicken zu verfassen. Aber darüber können wir ein anderes Mal reden.

Ich hatte gestern also meinen Text vorgelesen und meine Landeerlaubnis im Netz erteilt bekommen. Meine bescheidene Freude darüber wurde zur unverschämten Enttäuschung, als meine geduldige Zuhörerin sagte, verstehen könne sie alles, aber interessant sei es weniger. „Sie müssen mich mit jemandem verwechseln, den das interessiert“, ist keine schöne Ansage. Sie aber ist das Schicksal der Interessierten. Fußballfans wie ich können nicht immer verstehen, warum ihren Frauen ihre überschwengliche Liebe nicht teilen. Die hingegen bekommen ihre Gatten nicht dazu, für ihre so wichtigen Themen zu brennen.

Wenn Dich das Thema „Gott und alles“ des weiteren interessiert ohne dass es fade wird, dann kann ich nur sagen: „Willkommen im Club! Der ist aber nicht besonders groß.“
Das ganze ist allerdings ein bisschen paradox. Ich habe vor Tagen einmal einen etwas bösen Spruch getan, in einer Laune, in der man besser schweigt.
Eine Dame sprach mich freundlich an. Sie kannte von mir, dass ich dauernd schreibe oder lese, wenn man mich lässt. Ich wusste von ihr, dass sie dauernd alles um sich herum wissen will und jeden anredet, der nicht vor ihr davon läuft. Sie war von jener Sorte Menschen, die in Deiner Gegenwart nichts besseres zu tun haben, als ihr Denken auf laut zu stellen.
Wenn man gerade zu tun und nur kurz Zeit hat, dann ist es schwer zu ertragen, von Gedanken aufgehalten zu werden, die man eigentlich gar nicht hören will. Wie immer auch, die Dame wollte etwas Liebes zu mir sagen und fragte, woran ich gerade arbeite. Ich sagte: „Ich fürchte, das interessiert sie nicht nicht besonders. Es ist nur die wichtigste Sache der Welt.“ Wie gesagt, es war meine Laune, die so sprach, oder besser gesagt, es war die Laune, die den Spruch freigab und heraus donnerte. Ich schob auch gleich etwas Nettes hinterher, um nun nicht doch allzu lieblos daher zu kommen. Ich glaube aber, es stimmt bis heute, was ich damals sagte. Sollte es Gott geben, dann ist die Frage nach ihm die wichtigste der Welt. Es ist ein großes Geheimnis, aber was wir da die Welt nennen, interessiert sich für alles und entbrennt für alle möglichen Themen, außer für die wirklich wichtigen. Wir regeln bis aufs Sterbebett unser Vermögen, wir sparen, bis wir sterben und unsere größte Sorge ist, dass die Maschine bis zum Schluss hin möglichst reibungsfrei läuft. Aber wie man das Konto im Himmel pflegt, von dem Christus spricht, oder ernsthaft zu klären sucht, ob es ein solches überhaupt existiert, das scheint nicht wichtiger als das Wetter der kommenden Woche.
Solltest Du Dich hier und da umsehen, dann wundere Dich nicht: Die Prediger in den Ländern, in denen es den Menschen gut geht, unterliegen oft der Versuchung, müde zu werden und vernachlässigen ihre Pflicht, ihren Leuten charmant und sanft, aber gezielt auf den Geist zu gehen; mit dem Hinweis, sich auch um das zu kümmern, was nicht vergeht.

Nun wird die Zuhörerin von gestern zu Recht sagen, was wir hier gerade besprechen, ist fürs ewige Leben nur begrenzt wichtig. Wir haben ja schon davon gesprochen: Zum Autofahren reicht zu wissen, wie man fährt. Hier drängt sich dem Thomasleser allerdings ein Satz auf, den der heilige Thomas in seiner Summe gegen die Heiden zum Thema macht: Eine fehlerhafte Meinung von den Geschöpfen führe zu einer falschen Meinung von ihrem Schöpfer. Diese schade wiederum einem gesunden Glauben.  Ich würde meinen, das ist einsichtig. Reden wir also ein bisschen über Gott und seine Beziehung zu uns, seinen Geschöpfen – und umgekehrt.

 

Anm: 
ScG II,3,1: „Est etiam necessaria creaturarum consideratio non solum ad veritatis instructionem, sed etiam ad errores excludendos. Errores namque qui circa creaturam sunt, interdum a fidei veritate abducunt, secundum quod verae Dei cognitioni repugnant.“
– „Wir müssen über die Geschöpfe nachdenken. Nicht nur, um in die Wahrheit einzuführen, sondern auch, um Irrtümer auszuschließen. Die Geschöpfe betreffenden Irrtümer führen nämlich zu Irrtümern in den Glaubenswahrheiten, insofern sie ein rechtes Denken von Gott behindern.“

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