Islam und Christentum, Teil 17

Bildschirmfoto 2016-02-13 um 10.15.09

Es kann nur einen geben!

Mit „Sein“ ist sozusagen das reine Dasein gemeint. Es ist immer das selbe und das, was alle haben. Das Nashorn im Zoo hat sein ganz eigenes Dasein. Es hängt aber ebenso am Elektromagneten Gottes, wie der Wärter, der ihm den Käfig putzt. Ein Haus hat sein Existieren, ebenso wie die Maurer, die es bauten. Alles, was es gibt, hat sein Dasein. Alles was ist, hat sein Sein, und damit meine ich jetzt erst einmal nur die reine Existenz, das reine Daseindürfen, wenn Du so willst.

Hier haben mein atheistischer Freund (nicht nur Mahmoud hat seinen) und ich uns immer irgendwie unterschieden: Wir betrachteten die Tatsache, dass es Lichtteilchen gibt, die seit mehreren Milliarden Jahren durch das All donnern, bis sie auf die Linse unserer Messgeräte trifft. Seit Milliarden von Jahren hatte es sein kleines Dasein, es flog und flog, bis es auf die Kamera traf. Was dann aus ihm wurde, wissen wir nicht. Vermutlich fliegt es noch heute. Mein Kumpel, der ja Atheist war, ging davon aus, das Teilchen würde es „nunmal“ geben. „Die Dinge gibt es und basta“, war etwa seine Aussage. Ich hielt dagegen: „Die Dinge gibt es und, klar, basta. Es ist aber der Schöpfer, der zuerst das Basta spricht.“ Kein Ding, so meine Behauptung, hat sein reines Existieren von sich aus oder von selbst irgendwie. Alles, was existiert, hat seine Existenz, und es hat sie wie ein Geschenk. Kein Ding hat eine ewige Garantie zu sein, es sei denn, der Schöpfer will nicht mehr. Die Möglichkeit weiter fliegen zu können, das hat das Lichtteilchen aus der Tatsache, dass es ein Lichtteilchen ist. Lichtteilchen fliegen nunmal, und das mit dreihunderttausend Kilometer in der Sekunde. Aber dass es das Lichtteilchen gibt, das hat es nicht aus der Tatsache, dass es ein Lichtteilchen ist.

Ein Mensch ist ein Mensch, weil zwei Menschen ihn gezeugt haben. Ein Mensch hat sein Dasein als solches aber nicht aus seiner Menschennatur. Das Dasein als solche haben ja auch alle anderen Dinge, die mit dem Menschen nicht das Geringste zu tun haben. Wir müssen verstehen: Das reine Dasein ist etwas anderes als die Natur der Dinge. Die Natur einer Blume ist etwas ganz anderes als die Natur eine Menschen oder eines Nashorns. Das Dasein aber ist immer irgendwie dasselbe, reine Existenz, und die verbindet alle Dinge. Deshalb können die klassischen Philosophen sagen, das Sein ist das, was alle haben. Mögen die Dinge noch so verschieden sein.

Ich mache es zum besseren Verstehen noch etwas komplizierter. Ich weiß jetzt nicht, ob Lichtteilchen sich irgendwie zu Lichtteilchen entwickelt oder nochmal irgendwie zusammengebaut haben. Die Forscher arbeiten an Lösungen. Aber in der Welt, die wir verstehen können wir sagen, alle Dinge entwickeln sich. Eine Blume braucht Zeit zum Wachsen, ein Molekül braucht Zeit, sich aus Atomen zusammen zu finden. Alle Dinge entwickeln sich irgendwie, ob schnell, oder in einem Augenblick. Alles braucht Zeit und Möglichkeiten. In Sachen Schöpfung, schreibt der Meister, muss es anders sein. Das reine Dasein ist entweder an oder aus, wie Licht entweder angeschaltet ist oder nicht. Das reine Dasein der Dinge ist entweder da oder nicht. Es gibt nichts dazwischen. Ein Ding kann es entweder geben oder es gibt es nicht. Entweder es gibt das Teilchen oder es ist nicht da. In der Welt entwickelt sich alles. Schöpfung aber geschieht ohne Zeit und ohne Entwicklung. Wenn Gott will, dass etwas da ist, dann ist es sofort und ganz da. Wenn er will, dass es verschwindet, dann ist es sofort ganz und ohne jede Spur weg.

Vielleicht wird jetzt langsam klar, dass der Schöpfer nicht auch einer sein kann, der sein Dasein von einem anderen geschenkt bekommt. Hier kann es nur einen geben. Denn wenn der Schöpfer wieder jemanden über sich hätte, dann wäre er kein Schöpfer, sondern nur irgendwie ein Weitergeber. Jetzt kommt der Gedanke des heiligen Thomas: Erschaffen im eigentlichen Sinn, das kann nur einer. Es kann nur einen geben, der das Sein der Dinge erschaffen und erhalten kann, denn es ist ja das Sein aller Dinge zugleich. Der Schöpfer muss also einer sein, der sein sein nicht (bekommen) hat, sondern es muss einer sein, der sein Sein ist. Höher kann man nicht klettern.

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