Islam und Christentum, Teil 15

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Was macht das Feuer im Eisen?

Jetzt also erst einmal ein Gedanke zur Behauptung, Gott sei nicht wirklich in der Welt. Anders ausgedrückt: Gott wirkt wohl in der Welt, aber ohne selbst in ihr zu sein. Stell Dir ein Eisen vor, das im Feuer liegt. Das Feuer macht es glühend rot. Ziehen wir es ins Kalte und schneiden es auf, dann werden wir in ihm kein Feuer finden, sondern nur warmes Eisen. Das gleiche gilt mit einem Stück Stein, das in der Sonne liegt. Er wird warm, aber wenn wir seine Materialien untersuchen, dann finden wir nirgendwo eine Sonne oder ein Stück von ihr darin. Die Sonne ist ihrer Wirkung nach im Stein und das Schmiedefeuer ist nur seiner Wirkung nach im Eisen. Es erwirkt Wärme, aber ohne real in ihm zupacken zu müssen, wie wenn ein Schlosser den laufenden Vergaser nur einstellen kann, wenn er einen Schraubenschlüssel in ihm ansetzt. Die Sonne und das Feuer im Ofen brauchen einfach keinen Schlüssel. Sie wirken anders.

Ein bisschen so können wir uns das mit Gott und der Welt vorstellen. Gott wirkt in ihr, er hat es, was seine Göttlichkeit angeht, aber nicht nötig, selber Hammer und Meißel zu sein und in der Welt Gewichte zu stemmen. Er wirkt einfach. Um ein Fremdwort in die Debatte einzuführen: Es gehört zu unserer Definition von Gott, in der Welt höchst wirksam, aber nicht persönlich anwesend zu sein. Die Gläubigen nennen Gott den Erhabenen, und das trifft die Sache einigermaßen auf den Punkt. Gott wirkt und lässt wirken. Seine erhabene Möglichkeit, alles zu können, hat es aber nicht nötig, herabzusteigen und die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Die Gottheit ist der Welt total über. Warum er nach christlicher Ansicht doch irgendwann aPersönlich kam und wie man sich das denken kann, darüber im zweiten Teil, wo es um die Menschwerdung und ihr Angemessensein geht.

Jetzt vielleicht eine Frage, deren Antwort in der Diskussion unseres gläubigen Freundes hilfreich sein könnte: Was ist es denn, das Gott in der Welt wirkt, ohne da zu sein? Die Hitze der Steine und im Eisen besorgen ja die Sonne und das Feuer. Dass die Dinge auf Erden kommen und gehen, das erledigen sie auch selbst. Wenn die Bayern nach Bochum kommen, gewinnen in der Regel die Bayern, auch das braucht Gott nicht machen. Wenn wir dabei bleiben, dass er etwas tut, dann sollten wir sagen können, was es ist, um ihn nicht so überflüssig erscheinen zu lassen, wie die Atheisten gerne meinen.

Ich sage Dir den Gedanken schon mal, für den Fall, dass Du Lust hast, vor meiner Erklärung mit ihm spazieren zu gehen und über in nachzudenken: Gott bewirkt das Sein der Dinge, sowohl der einzelnen, als auch das der ganzen Welt auf einmal.
Es sei gleich gesagt: Das „Sein“ ist für Ungeübte ein etwas fremder Begriff, wie das Schalten für Fahrschüler am Anfang fremd ist. Aber keine Sorge. Man muss erst eine Zeit lang auf ungefährlichem Gebiet fahren, bis man vom Kuppeln, vom Hoch- oder Herunterschalten nichts mehr merkt und alles wie von selbst geht. So ungefähr müssen sich die Schüler des Meisters Thomas an den Begriff vom „Sein als solchen“ gewöhnen, bis sie ihn automatisch denken.
Der Schöpfer bewirkt das Sein der Dinge. Schöpfen heißt erschaffen. Der Schöpfer erschafft die Dinge. Das heißt, er sorgt dafür, dass ein Ding vom Nichtsein zum Sein gelangt.

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