Islam und Christentum, Teil 16

Bildschirmfoto 2016-02-13 um 10.15.09

Was macht Gott denn nun?

Als ich in Österreich studiert habe, da erzählte man sich eine hübsche Geschichte: Ein Student kam zur Prüfung in der klassischen Philosophie. Sein Professor gab ihm die Aufgabe, etwas über das Sein zu sagen. „Was ist das Sein?“, hieß die Frage. „Das Sein, Herr Professor, muss ich das wissen?“, erkundigte sich der besorgte Student. „Nein, mein Herr, natürlich nicht, nicht wenn Sie Weinbauer im Burgenland werden wollen.“

Es stimmt, Weinbauer im schönen Burgenland müssen nicht wissen, was es mit dem Sein auf sich hat. Wer sich aber länger über die Gottheit und seine Schöpfung unterhalten will, der kommt um das Wort nicht herum.

Weißt Du was? Ich gebe Dir wieder eine Behauptung vor, die vermutlich wieder sehr befremdlich daher kommt:

Alle Dinge, die es gibt, haben ihr Sein,
und nur Gott allein, der ist sein Sein persönlich.

Diesen Satz zu erklären bin ich, ehrlich gesagt, angetreten. Nebenbei bemerkt und nochmals gesagt, ich werde verstehen, wenn Du an dieser Stelle oder irgendwann später sagst, es reicht Dir. Man muss von diesen Dingen nicht alles wissen, um Weinbauer im Burgenland, Wirtschaftsingenieur in Bayern oder Krabbenfischer an der Nordsee zu werden. Manche sagen sogar, es reicht, wenn Gott sich auskennt, was nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Ich würde meine Sache hier dennoch gern zum Ende bringen, damit wir es Mahmoud zum besseren Diskutieren an die Hand geben können.

Wir werden uns auf einen Satz einigen können: Gott hat die Welt erschaffen. Darf ich einen kleinen Gedanken anhängen, der nicht unwichtig ist? Gott erschafft die Welt noch immer. Er erschafft sie sogar so lange und in jedem einzelnen Augenblick einzeln, wie sie besteht. Das wird auch für das Paradies oder den Himmel gelten: Gott erschafft die Dinge unentwegt. Damit meine ich nicht nur die neuen an ihrem Anfang, sondern jedes einzelne, solange es da ist. Hier muss vermutlich jeder erst einmal umdenken. Wir sind gewohnt, uns unter Schöpfung und Erschaffung etwas anderes vorzustellen.

Wir sind gewohnt, uns den Lieben Gott wie unseren schon bekannten Uhrmacher vorzustellen. Er erfindet die Uhr, sorgt für die Einzelteile, setzt sie zusammen, bastelt eine Batterie hinein und fertig läuft die Maschine. Der Uhrmacher kassiert sein Geld und wird nicht weiter gebraucht. Das ist mit der Schöpfung ganz anders. Der Schöpfer denkt sich die Welt aus, er macht, dass es sie gibt und muss ihr ganz nahe bleiben, ansonsten fällt sie wieder ins Nichtsein zurück. Das gilt für alle Dinge einzeln und für das komplette Universum.
Stell Dir einen Elektromagneten vor, der ein Auto ein paar Meter über der Straße hält. Solange Strom fließt, schwebt der Wagen in der Luft. Sobald aber einer den Strom unterbricht, fällt das Ding herunter und das Auto ist hinüber. Mit Schöpfung meinen wir etwas ganz ähnliches. Der Schöpfer ruft die Dinge ins Dasein und hält sie darinnen. Die Energie ist schlicht sein Wille, dass es die Dinge gibt, denn Gott braucht nur wollen und es ist sogleich, was er möchte. Sollte Gott aber irgendwann nicht mehr wollen, dass es die Welt gibt, es würde sie mit einem Schlag nicht geben. Solange es die Welt gibt, will Gott, dass sie sei. Das meinen wir, wenn wir sagen, Gott erschafft die Welt. Das, wie gesagt, nicht gemeint, wie ein reiner Anfang, der dann von alleine läuft. Gott will uns immer! Auch im Paradies werden wir ewig nur deshalb sein, weil Gott aktuell und immer möchte, dass es uns gibt. Das gilt genau so für die Blumenwiese, über die wir laufen, wie für jedes Grashalm einzeln. Das gilt für jedes Atom einzeln, das gilt für den Dom in Köln und für die Zugspitze in den Alpen. Alles ist, weil Gott gut findet, dass es ist und alles würde aufhören, wenn er wollte, das etwas ins Nichts versinkt. Der Schöpfer hält also die Dinge in ihrer Existenz. So jedenfalls erklärt uns der Meister Thomas seinen, den christlichen Entwurf von der Welt, und ich würde meinen, bis hierher dürften sich die Gelehrten meines und Deines Glaubens auf das Meiste einigen können, sobald sie beginnen, gemeinsam etwas tiefer drüber nachzudenken.

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